30.07.2016
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merkzettel

Strich drunter: Das war der Tag Pssst. Nicht bewegen. Besser ist das.

BildStürmische Zeiten
Regenschirm im Sturm

(Quelle: dpa)

VideoWofür steht die AfD?
AfD-Kundgebung in Sachsen-Anhalt mit Björn Höcke

Die AfD befindet sich im Umfragehoch: Am 13. März 2016 wird sie laut Prognosen in die Landtage von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt einziehen. Wofür steht die Partei ?

(08.03.2016)

VideoWahlkampf auf der Zielgeraden
Wahlplakate zur Landtagswahl 2016 in Koblenz

Kretschmann gegen Wolf – Dreyer gegen Klöckner, der Ausgang der Duelle in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bleibt offen bis zum Schluss. In Sachsen-Anhalt ist die Frage: Wie stark wird die AfD?

(05.03.2016)

VideoRLP: Klöckner will Dreyer ablösen
Julia Klöckner und Malu Dreyer.

In Rheinland-Pfalz will die CDU-Herausforderin Klöckner Ministerpräsidentin Dreyer ablösen. Welche Regierungsbündnisse machbar sind, hängt aber nicht zuletzt vom Abschneiden der kleineren Parteien ab.

(10.03.2016)

von Kristina Hofmann

Wahlkampfzeiten sind verwirrend. Jeder hat etwas zu sagen. Jeder weiß es ganz genau. Nicht viel davon wird bleiben. Heute: die Fehler vor dem Sturm. Am besten, die Wahlkämpfer machen die nächsten Tage mal nichts. Sonst droht ein Shitstorm. 

Pssst, Ruhe bewahren. Jetzt bloß nicht noch einen Fettnapf mitnehmen und irgendeinen Kalauer raushauen. Bei den drei Landtagswahlen am Sonntag liegen in manchen Bundesländern die Konkurrenten so eng beieinander, da kann leicht ein Prozentpünktchen in die eine oder andere Richtung über Sieg und Niederlage entscheiden. Also sagt man besser nichts mehr, schließlich ist in drei Tagen Wahl. Wahrscheinlich ist es deswegen so auffällig ruhig im politischen Berlin und politischen München. So ruhig, das halten einige kaum aus.

"Eine junge Partei darf Fehler machen"

Zum Beispiel die AfD. Nach dem Knaller über den Schießbefehl gegen Flüchtlinge - erst gegen Frauen und Kinder, dann nur gegen Frauen, dann angeblich gegen niemanden - hat sich die Partei auffallend ruhig verhalten, nachdem sich die Aufregung wieder gelegt hatte.
War was
Kristina Hofmann

Am 13. März wählen drei Bundesländer ein neues Parlament: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Mit der AfD könnte in allen drei eine neue Partei einziehen. Das macht nervös. Auch Berlin, wo eine Große Koalition gerade um Lösungen in der schwierigen Flüchtlingsfrage kämpft. Wahlkampf - Wahlkrampf? Am Ende des Tages zieht Kristina Hofmann, Redakteurin im ZDF-Hauptstadtstudio, einen Strich drunter.

Bloß nicht anecken, schien das Motto zu sein. Presseanfragen wurden erst gar nicht beantwortet. Geschadet hat es der AfD zumindest bei den hessischen Kommunalwahlen kaum. Sie bekam fast neun Prozent der Stimmen. Obwohl zum Beispiel in Frankfurt nur sehr wenig bis keine Wahlwerbeplakate aufgehängt wurden. In der Stille liegt die Kraft?

Vize-Bundesvorstandssprecherin und Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch drängte es trotzdem, dem Deutschlandfunk ein Interview zu geben. Schließlich musste ihre Theorie vom Merkel-Komplott auf den letzten Metern noch in die Welt. Dass nämlich hinter dem Versuch, die AfD aus ihrer Fraktion im Europaparlament zu schubsen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron persönlich stecken. Natürlich fragt der Moderator weiter. Ob es etwa eine Strategie der AfD sei, erst mit irgendetwas zu provozieren, um dasselbe später wieder zu relativieren. "Wenn jemand einsieht", sagt von Storch, dass er etwas Falsches gesagt hat oder falsch verstanden wurde, dann sei das in Ordnung. "Man darf einen Fehler machen, auch eine junge Partei darf Fehler machen. Wir haben bei uns keine Molotowcocktails schmeißenden Gewalttäter dabei, und wenn wir solche hätten, dann würden wir die sicherlich ausschließen. Wer eine falsche Äußerung macht, darf sie korrigieren. Ja, das ist so. Und das ist auch in einer jungen Partei so."

Hände weg von Twitter am frühen Morgen

Fehler sind also erlaubt, wenn man jung ist. Und die AfD ist ja erst drei Jahre alt. Niedlich, nicht? Da darf man auch schon mal Quatsch verbreiten. Denn dass die Theorie vom Jungsein und Fehlermachen nicht stimmen kann, haben wir ja erst gestern bei Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen gesehen. Die Uni Hannover erklärte ihre fehlerhafte Dissertation für ausreichend.
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Fehler ja, aber kein Fehlverhalten, hieß es. Fehlermachen geht also auch noch mit 57 (Entschuldigung, aber das Alter steht ganz offen bei Wikipedia …). Und auch schon mit 43 - was, ehrlich gesagt, ziemlich jung ist. Julia Klöckner, CDU-Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz, ist - na, so was! - 43 und musste heute früh aufstehen, um dem ARD-Morgenmagazin noch ein letztes größeres Interview vor der Wahl  zu geben. Sie war wach, und der Rest der Republik solle es wohl auch werden. Erster Post auf Twitter: "Wer AfD wählt, weil ihm angebl. CDU-Politik nicht mehr gefällt, hilft SPD in RLP an der Macht zu bleiben. Mit der AfD wird keiner koalieren." Und dann noch einen zweiten mit mehr Schmackes: "Wer AfD aus Protest wählt, stärkt am Ende das linke Lager."

Autsch. Das Verhalten war ein Fehler. Zumindest in der Welt der Twitterer. Bis zum Nachmittag hat es der Hashtag #twitternwiekloeckner in die deutschlandweiten Top Ten geschafft. "Und wer die CDU unterstützen will, der muss dann sicher Die Linke ankreuzen", wird gefragt. Oder andere Vorschläge gemacht: Wer schnell bremst, ist länger schnell? Wer viel Plastik nutzt, fördert den Umweltschutz? Wer sich vegan ernährt, stärkt am Ende die Fleischindustrie? Wer schwul ist, unterstützt die Heterosexualität? Wer sich mit dem Hammer auf den rechten Fuß schlägt, verspürt den Schmerz im linken Auge? Wer Wind sät, wird am Ende kleine Brötchen backen? Da macht sich die ZDF heute-show wirklich Sorgen und fragt bei Klöckner nach: Finden Sie mit so einer schweren Rechts-Links-Schwäche überhaupt das Wahllokal?

Jeder macht Fehler, sogar Frau Erdoğan

Zugegeben: Wenn die einen nicht so leise wären, wären die anderen heute vielleicht gar nicht aufgefallen. Obwohl, in Zeiten der Globalisierung ist das ein frommer Wunsch. Emine Erdoğan, die Frau des türkischen Staatspräsidenten, hat vielleicht auch nicht geahnt, dass sich ihre Vorstellung von einem orientalischen Harem so schnell herumspricht. Harems seien "eine Art Schule" gewesen, sagte Erdoğan, in der sich "Frauen auf das Leben vorbereiteten und in der sie Wohltätigkeitsorganisationen organisierten." Soso.

Seien wir gnädig und erinnern an dieser Stelle an den großen Peter Ustinov: "Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut."

10.03.2016
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