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Flüchtlingslager in Griechenland Blüm übernachtet bei Flüchtlingen in Idomeni

BildNorbert Blüm im Flüchtlingslager Idomeni
Norbert Blüm liegt in seinem Zelt in Idomeni

(Quelle: dpa)

VideoSackgasse Idomeni
Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze.

Nach der Schließung der Balkanroute warten noch zehntausende Flüchtlinge im Elendscamp Idomeni. Doch viele lassen sich mittlerweile auch in andere Lager bringen, wo die Unterbringung besser sein soll.

(12.03.2016)

VideoWien: Routen abriegeln
Österreichs Außenminister fordert Abriegelung Europas

Österreichs Außenminister Kurz hat gefordert, alle Strecken nach Europa abzuriegeln. Österreichs Bundeskanzler forderte Flüchtlinge, die mit Hilfe von Schleppern in der EU ankommen, zurückzuschicken.

(13.03.2016)

VideoBedenken bei Türkei-Deal
Innenminister de Maiziere spricht auf einem Treffen der EU-Innenminister zur Flüchtlingskrise mit dem luxemburgischen Innenminister Jean Asselborn.

Die EU-Innenminister sprechen heute in Brüssel über die Umsetzung der Grundsatzvereinbarung mit der Türkei in der Flüchtlingskrise. Dabei äußern einige Bedenken gegenüber den Forderungen.

(10.03.2016)

Güterzüge fahren durchs Grenztor, die Menschen bleiben draußen und harren im schlammigen Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze aus. In einem Zelt: Norbert Blüm - als Zeichen gegen die Gleichgültigkeit europäischer Politiker. 

Das unscheinbare, kleine blaue Zelt im Schlamm des griechischen Flüchtlingslagers Idomeni ist nur eines von zahllos vielen. Doch der Mann, der am Sonntagmorgen aus dieser Behausung kriecht, ist kein Flüchtling, sondern der ehemalige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm. Ziemlich gerädert, in einen schwarzen Anorak und Kapuze gehüllt, ein wenig gestützt von einem deutschen Kamera-Team, richtet sich der 80-Jährige auf. Die ganze Nacht und den halben Tag davor hat es geregnet. Die Temperatur fiel auf 6 Grad. Kein guter Ort für einen in Ehren ergrauten 80-Jährigen.

"Was ist denn das für ein Europa?"

Doch Blüm ist es ein Anliegen, hier zu sein. Eine Regennacht bei den Flüchtlingen von Idomeni verbracht zu haben. Er will ein Zeichen setzen gegen die Gleichgültigkeit europäischer Politiker, die die Grenzen abschotten. Die die Flüchtlinge, die als Ergebnis ihres Wirkens irgendwo am Rand Europas gestrandet sind, im wahrsten Sinn des Wortes im Regen stehen lassen. "Bei Millionen, die in Not sind, wegzugucken", ereifert sich Blüm vor seinem Zelt. "Was ist denn das für ein Europa?"

Binnen Sekunden umringt ihn eine Großfamilie aus dem irakischen Mossul, einer Millionenstadt, über die heute die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) herrscht. "Germany, Germany!" rufen sie. Abdel Rassak, das Oberhaupt, hält eine spontane Ansprache auf Arabisch, die seine Frau Intisar ins Englische übersetzt: "Seht diesen Mann hier aus Deutschland! Er hat eine Nacht bei uns verbracht. Ich frage: Wo sind die arabischen Führer? Was hört man von ihnen? Was tun sie für uns? Nichts!"

Schlechte Zustände in Idomeni angemahnt

Der 50-Jährige hatte eine gutgehende Firma in Mossul, stellte Funktürme für die Mobiltelefon-Kommunikation auf. Selbstständig denkende Bürger wie er stehen beim IS ganz oben auf der Abschussliste. Er will jetzt mit seiner Familie nach Deutschland, wo schon seine Söhne leben.

Schon nach seiner Ankunft am Samstag hatte Blüm die Zustände in Idomeni als "Anschlag auf die Menschlichkeit" und als "Kulturschande" abgestempelt. Idomeni ist eigentlich der griechische Grenzbahnhof am Übergang zu Mazedonien. Auf einem Bahngleis lagern Flüchtlinge, das zweite hat die griechische Polizei freigehalten. Blüm beobachtete immer wieder, wie Güterzüge im Schritttempo an den Flüchtlingen vorbeifuhren, wie sich das Grenztor am Ende des Bahnhofs für die Züge öffnete und nach deren Durchfahrt sofort wieder schloss.

Vorwurf: Grenze für Waren auf, für Menschen zu

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Für den Ex-Politiker, der in seiner aktiven Zeit als das "soziale Gewissen" der CDU galt, ist es eine besonders empörende Erfahrung: "Wenn es um Geschäfte geht, um Waren, dann gibt es freie Bahn. Aber wenn es um Menschen geht, dann nicht. Für die Geldgeschäfte gilt globale Grenzenlosigkeit, aber die Menschen bleiben eingesperrt. Was ist das für eine Welt? Ist das Globalisierung?"

Mit seiner Aktion lenkt Blüm jedenfalls die Aufmerksamkeit auf einen Ort, an dem 12.000 Asylsuchende gestrandet sind, weil sich für sie die Grenzen nach Europa geschlossen haben. Die griechische Regierung bietet zwar inzwischen Plätze in besser ausgerüsteten Aufnahmelagern im Inneren Griechenlands an. Am Samstag wurden sogar Flugblätter in Arabisch, Farsi (Persisch) und Paschtu (afghanische Sprache) verteilt, die die Menschen darüber informierten, dass die Grenze vor ihrer Nase nun endgültig geschlossen ist und dass sie auf freiwilliger Basis in reguläre Lager ziehen können.

Hoffnungen auf nächsten EU-Gipfel

Doch nur wenige nahmen dieses Angebot bislang an. Täglich fahren ein paar Busse nach Athen, doch müssen die Flüchtlinge für die Fahrt 25 Euro pro Person berappen. Viele setzen ihre Hoffnungen auf den nächsten EU-Gipfel am 17. und 18. März. Sie wissen nicht, dass dort die Öffnung der Nordgrenze Griechenlands nicht zur Debatte steht. Rund 200 Flüchtlinge hielten am Samstag auf dem Bahngleis eine Protestkundgebung ab. Sie riefen: "Germany, Germany! Merkel, Merkel!" Für wenige Stunden musste der Güterzugverkehr ruhen.

Idomeni - Fragen und Antworten

Die Hoffnung schwindet immer mehr

Flüchtlinge in Idomeni

42.000 Flüchtlinge stecken in Griechenland fest, 13.000 von ihnen im Übergangslager in
Idomeni, nachdem die Staaten nördlich von Griechenland die sogenannte Balkanroute in die Mitte Europas gesperrt haben. Die Menschen harren dort unter widrigsten Umständen aus. Wie lange noch? Dazu einige Fragen und Antworten.

Wie sind die Zustände in Idomeni?

Das Lager war ursprünglich für 2.000 Menschen angelegt - für sie gibt es Plätze in wetterfesten Großzelten. Schon in den letzten Wochen vor der Grenzsperre hat Mazedonien den Durchlass von Asylsuchenden stark gedrosselt. So entstand in Idomeni ein Rückstau an Menschen. Helfer verteilten an sie kleine Kuppelzelte, mit denen sie sich auf den Wiesen und Feldern rund um das eigentliche Lager niederließen.

Wie ist das Wetter?

Seit zwei Tagen regnet es beinahe unablässig. Die Wiesen und Felder haben sich in Schlammwüsten verwandelt. In den Nächten wird es noch richtig kalt. Vor allem die Kinder frieren und werden wegen Kälte und Durchnässung häufig krank. Ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagte am Donnerstag: "Das ist kein Ort, an dem Menschen leben können."

Warum harren die Asylsuchenden trotzdem aus?

Viele hoffen immer noch darauf, dass sich das Grenztor nach Mazedonien wieder öffnet, und diesen Moment wollen sie nicht verpassen. Andere merken vielleicht schon, wohin sich die Lage entwickelt hat, wollen aber die Veränderung nicht wahrhaben.

Woher kommen die Menschen?

Die meisten kommen aus Syrien, wo seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg wütet. Es gibt aber auch viele Iraker, unter ihnen wiederum besonders Kurden aus Gebieten, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert oder angegriffen werden. Mehr als die Hälfte der Lagerbevölkerung sind Frauen und Kinder.

Wird die Grenze zu Mazedonien wieder geöffnet?

Es deutet nichts darauf hin. Beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel ist zwar in der Schlusserklärung die Formulierung über die Schließung der Balkanroute auf Drängen Deutschlands abgeschwächt worden. Doch die Balkanstaaten nördlich von Griechenland sowie Österreich, das auf eine Abschottungslinie gegenüber Flüchtlingen umgeschwenkt ist, haben vollendete Tatsachen geschaffen.

Erwägt Griechenland eine Räumung des Lagers?

Die Regierung in Athen lehnt eine Zwangsräumung unter Einsatz der Bereitschaftspolizei dezidiert ab. Vielmehr will sie die Menschen dazu überreden, auf freiwilliger Basis in Aufnahmelager zu ziehen, die über ganz Griechenland verstreut sind.

Freiwillig in Aufnahmezentren?

Theoretisch schon. Aber vorerst fehlt es an Aufnahmezentren in geeigneter Zahl und Größe. Diese würden aber derzeit aufgebaut, wird in Athen versichert. Schon jetzt kann man Busse sehen, die Menschen aus Idomeni wegbringen. Sie fahren nach Athen und werden von privaten Unternehmen betrieben. Die Menschen müssen für die mehr als 500 Kilometer lange Fahrt 25 Euro bezahlen.

Wie soll es mit den Flüchtlingen weitergehen?

Das ist noch völlig unklar. Zumal trotz aller Absprachen mit der Türkei und trotz NATO-Einsatzes immer noch täglich bis zu 3.000 Bootsflüchtlinge am Tag über die Ägäis in Griechenland eintreffen. In ganz Griechenland sitzen nach Angaben vom Donnerstag fast 42.000 Menschen fest. Griechenland, das eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise durchlebt, wird nicht in der Lage sein, auf Dauer Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen.

Quelle: dpa

13.03.2016, Quelle: von Gregor Mayer, dpa
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