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Tradition in Großbritannien "Leap Day" - Wenn Frauen den Antrag machen

BildHeiratsantrag
Heiratsantrag

Am 29. Februar dürfen Frauen Heiratsanträge machen, bestimmte die schottische Königin 1288.

(Quelle: imago)

Vor mehr als 700 Jahren bestimmte die schottische Königin, dass Frauen am 29. Februar Männern Heiratsanträge machen dürfen. Und die mussten annehmen - oder Strafe zahlen. Auch heute noch nutzen viele Frauen den "Leap Day" für die Frage aller Fragen. 

Caroline Davies' Freund dachte eigentlich, seine Freundin bekäme einen Preis als beste Lehrerin, als sie ihn bat, in die Aula ihrer Schule in Südengland zu kommen. Mark Eddy saß in einer der letzten Reihen im Publikum und schaute sich an, was die Schülerinnen der Mädchenschule aufführten. Alle waren eingeweiht, nur er wusste nicht, was der eigentliche Anlass der Veranstaltung war: Seine Freundin machte ihm auf der Bühne vor den versammelten Schülerinnen einen Heiratsantrag. Es war der 29. Februar, der "Leap Day".

Reithosen oder rote Petticoats beim Antrag

Das Datum ist kein Zufall. Es hat im Vereinigten Königreich eine lange Tradition, dass Frauen immer am 29. Februar eines Schaltjahres ihrem Liebsten einen Heiratsantrag machen statt darauf zu warten, dass der Mann sich traut. Die Tradition geht der Legende nach auf den Heiligen Patrick zurück, den irischen Schutzheiligen, der im 5. Jahrhundert gelebt haben soll. Er habe diesen Tag ausgewählt, so heißt es, um auch Frauen das Recht auf einen Heiratsantrag einzuräumen.

Später erließ Königin Margaret von Schottland dann 1288 ein Gesetz, wonach es Frauen am 29. Februar gestattet war, Heiratsanträge zu stellen und Männer sogar eine Strafe zahlen mussten, wenn sie diese ablehnten: "Kraft des Amtes Ihrer königlichen Majestät sei es jeder Jungfrau, ob aus armem oder reichem Hause, erlaubt, einem Mann, den sie mag, einen Antrag zu machen. Wenn er sich weigert, sie zu seiner rechtmäßigen Ehefrau zu nehmen, muss er eine Strafe von mindestens einem Pfund oder weniger bezahlen, je nach seinen Verhältnissen. Wenn er allerdings nachweisen kann, dass er verlobt ist, so soll er frei sein", hieß es in dem Gesetz. Traditionell tragen Frauen für den Heiratsantrag Reithosen oder einen scharlachroten Petticoat.

Im 19. Jahrhundert nutzten Frauen diese Tradition, um arrangierten Ehen aus dem Weg zu gehen und sich ihren Partner fürs Leben mit Hilfe des "Ladies' Privilege", wie das Recht auch genannt wird, selber auszusuchen. Im Großbritannien der heutigen Zeit spielt dieses "Privileg" natürlich keine Rolle mehr. Trotzdem könnten sich immerhin ein Drittel der Frauen vorstellen, ihrem Partner am "Leap Day" einen Heiratsantrag zu machen, ergab eine gerade veröffentlichte Studie einer britischen Bausparkasse. Diese hatte jeweils 1.000 Frauen und Männer zu ihrer Einstellung zum "Leap Day" befragt.

Anträge von Frauen immer üblicher

Immerhin 42 Prozent gaben an, das Schaltjahr sei für sie ein zusätzlicher Grund für einen Heiratsantrag. Jede zehnte Frau gab an, schon einmal einen Heiratsantrag gestellt zu haben - und die überwältigende Mehrheit (86 Prozent) war erfolgreich damit und die Frage wurde mit "Ja" beantwortet.

"Es ist heute grundsätzlich viel akzeptierter, dass Frauen die Führung in Liebesdingen übernehmen", sagt Hayley Quinn. Sie nennt sich selbst "Liebesexpertin" und berät Frauen wie Männer, die sich in Sachen Liebe etwas schwer tun - auch darin, den ersten Schritt oder am Ende einen Antrag zu machen. "Frauen definieren sich längst nicht mehr über ihre Männer. Sie verdienen ihr eigenes Geld, treffen ihre Entscheidungen selber und die Geschlechterrollen sind nicht mehr klar definiert. Da ist es nur logisch, dass sie auch in Liebesdingen nicht einfach passiv abwarten."

Viele britische Männer, so scheint es, sind ganz froh, wenn die Frauen die Dinge in die Hand nehmen. In der Umfrage der Bausparkasse erklärte rund die Hälfte der männlichen Befragten, sie würden es begrüßen, einen Heiratsantrag von ihrer Freundin zu bekommen statt selbst aktiv zu werden. Für Caroline Davies und Mark Eddy zumindest war der 29. Februar ein guter Tag: Er nahm ihren Antrag an, unter Jubelschreien und Applaus der Schülerinnenschar.

Die Schalt-Zeit-Uhr

Gregorianischer Kalender: Schalttag

Lilly Wagner

Bei Schaltjahren wird in den Kalender ein zusätzlicher Tag eingefügt: der 29. Februar. Damit hat das Jahr nicht 365, sondern 366 Tage. Alle durch 4 teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Eine Ausnahme bilden durch 100 teilbare Jahre. Die Ausnahme von der Ausnahme: Wenn das Jahr durch 400 teilbar ist, wird ein Schalttag eingefügt. Das Jahr 1900 war also kein Schaltjahr, das Jahr 2000 schon.

Islamischer Kalender: Schalttag

Das islamische Jahr richtet sich nach dem Mond. Die Monate haben abwechselnd 29 und 30 Tage, entsprechend der Dauer von Neumond bis Neumond. Weil diese Abfolge aber den Mondzyklus nicht ganz genau abbildet, wird elfmal in 30 Jahren ein Tag angefügt. Ein islamisches Jahr hat regulär 354 Tage und verschiebt sich deshalb gegenüber den meteorologischen Jahreszeiten.

Jüdischer Kalender: Schaltmonat

Das jüdische Jahr richtet sich sowohl nach dem Mond als auch nach der Sonne. Alle Monate sind, ebenso wie im islamischen, 29 oder 30 Tage lang. Ein regelmäßiges jüdisches Jahr dauert somit nur 354 Tage - und würde sich auf Dauer ebenfalls in der Jahreszeit verschieben. Deshalb wird in sieben von 19 Jahren ein ganzer Monat eingefügt.

Mehr Zeit für alle: Schaltsekunde

Die Rotation der Erde verlangsamt sich jährlich um einige Sekundenbruchteile. Im Abstand einiger Jahre wird deshalb weltweit einheitlich eine Schaltsekunde eingefügt, damit der Datumstag wieder einem Sonnentag entspricht.

(Quelle: dpa)

29.02.2016, Quelle: epd
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