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Leipziger Buchmesse Der Name des Autors muss zum Genre passen

BildStapel mit Büchern
Stapel Bücher

Nicht jeder Autor heißt in Wirklichkeit so, wie er auf dem Buchrücken heißt.

(Quelle: dpa)

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von Maria Ugoljew

Jeder Mensch braucht zur Identifikation einen Namen. Einige legen sich gleich mehrere davon zu, vor allem Personen des öffentlichen Lebens. Auf dem Büchermarkt - auch jetzt wieder auf der Leipziger Buchmesse - lässt sich eine regelrechte Flut an Pseudonymen ausmachen. Eine Spurensuche. 

Kürzlich war Heinz Strunk zu Gast in einer Fernsehsendung. Der Autor sprach unter anderem über seinen aktuellen und viel gelobten Roman "Der goldene Handschuh". Anmoderiert wurde er als Heinz Strunk, im Gespräch hieß er Heinz. Heinz, der in Hamburg geborene Musiker, Schauspieler und Schriftsteller. So steht es auch in der Kurzbiografie seines Verlages Rowohlt. Doch Heinz Strunks bürgerlicher Namen ist ein völlig anderer. Länger, umständlicher und ungewöhnlicher. Nämlich Mathias Halfpape.

Der maskierte Autor

Das Spiel mit der Maskierung ist in der Literatur ein weit verbreitetes Phänomen. Während Heinz Strunk seinen bürgerlichen Namen in der Öffentlichkeit verdeckt, geht die österreichische Autorin Julia Kröhn offen damit um. Sie leistet sich gleich mehrere Pseudonyme - eines für jede Gattung, in der sie schreibt. Im Klappentext wird auf den jeweiligen Künstlernamen verwiesen, der da heißen kann Sophia Cronberg, Carla Federico oder Leah Cohn.

Leipziger Buchmesse beginnt

Leipzig rückt ab heute in den Mittelpunkt der deutschen Literaturszene. Auf der Buchmesse vom 17. bis 20. März präsentieren rund 2.000 Aussteller ihre Neuerscheinungen. Ein spezielles Gastland gibt es in diesem Jahr nicht; der inhaltliche Messeschwerpunkt dreht sich unter dem Titel "Europa21. Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen" um Flucht, Migration und die Zukunft des europäischen Kontinents.

Parallel zum traditionellen Frühjahrstreffen der Branche findet in der gesamten Stadt das Lesefest "Leipzig liest!" statt, das nach Angaben der Veranstalter das größte seiner Art in Europa ist. Rund 3.000 Lesungen, Diskussionsrunden und literarische Konzerte sind geplant - mitunter an ungewöhnlichen Orten wie einem Schiff auf dem Cospudener See oder mitten unter exotischen Tieren im Leipziger Zoo.

Auch die Bochumerin Christiane Gohl macht um ihre drei Pseudonyme kein Geheimnis. Als Sarah Lark veröffentlicht sie Romane, die in Neuseeland spielen; als Ricarda Jordan schreibt sie Historien-Romane, als Elisabeth Rotenberg übers Reiten. Würde sie mit nur einem Namen die unterschiedlichen Genre bedienen, wäre sie unglaubwürdig. Das ist die Annahme der Verlage. Grusche Juncker, Programmleiterin für Belletristik bei Rowohlt, sagt: "Vielseitigkeit wird von der Öffentlickeit in der Regel kritisch beäugt, man traut einer Autorin von Liebesromanen erst mal keine Krimikompetenz zu. Deshalb trennt man das oft."

Der Weg zum Pseudonym

Ein Pseudonym entsteht auf verschiedene Art und Weise. In den wenigsten Fällen dient es dem Schriftsteller heutzutage als Tarnung oder Schutz vor Verfolgung. Vielmehr geht es um Unverwechselbarkeit und Wohlklang. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder schlägt der Literaturagent den falschen Namen dem Verlag vor, oftmals mit dem Zusatz, dass der Autor unter einem anderen Namen bereits (erfolgreich) veröffentlicht wurde. Oder der Autor kommt selbst auf die Idee, wie im Fall von Heinz Strunk - oder von Matthias Altenburg. Unter dem Pseudonym Jan Seghers veröffentlicht Letzterer Krimis, unter seinem bürgerlichen Namen arbeitet er als Journalist und ist Autor literarischer Romane. "Er wollte die unterschiedlichen Genres trennen, das war ihm wichtig", sagt Grusche Juncker.

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Außerdem kann auch der Verlag das Pseudonym kreieren. Dabei würden unterschiedliche Kriterien angewandt, erklärt die Programmleiterin. Wichtig sei die Frage, wo der Roman spielt. Ist es ein Krimi in Frankreich, so bekommt der Autor einen französisch klingenden Namen plus passender Biografie. "Auch das Geschlecht kann ein Kriterium sein, erotische Romane beispielsweise werden eher Frauen zugeordnet, da bekommt ein Mann bei einigen Verlagen schon mal ein weibliches Pseudonym verpasst", sagt Grusche Juncker. Was für alle Namen gilt, sei der Sympathie-Faktor. Weniger zähle die Originalität.

Ein Jahrhunderte altes Phänomen

In den vergangenen Jahren sei der Trend zum Pseudonym immer weiter vorangeschritten, sagt Grusche Juncker. Neu ist sein Gebrauch allerdings keineswegs. Vielmehr handelt es sich um ein Jahrhunderte altes Phänomen: "Seit dem Mittelalter erlangte das Pseudonym Aktualität und eine anhaltende Blüte", schreibt der Literaturwissenschaftler Gerhart Söhn in seinem Buch "Literaten hinter Masken". Ausschlaggebend dafür sei die Erfindung des modernen Buchdrucks gewesen. Ein Ereignis, das mit dem Namen Johannes Gutenberg in Verbindung gebracht wird. So lernt es jedes Schulkind.

Doch der Sohn des Kaufmanns Friele Gensfleisch hieß ursprünglich anders: Henne Gensfleisch. Ein Name, der für jemanden stand, der gern Gänse verspeiste oder züchtete. "Damals kam dann aber die Sitte auf, seinen Namen nach der Herkunft seiner Familie auszurichten", schreibt der Namensforscher Jürgen Udolph in "Professor Udolphs Buch der Namen". Und so wurde aus dem Familiensitz "Zum guten Berg" in Mainz der in die Geschichte eingegangene "Johannes Gutenberg".

17.03.2016
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