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Tarifstreit Lufthansa und UFO: Schlichtung trotz Einigung

VideoLufthansa und UFO einigen sich
Noch vor Beginn der Schlichtung haben sich Lufthansa und die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo auf Tarifverträge zu Gehaltssteigerungen und zur Altersversorgung des Kabinenpersonals geeinigt.

Noch vor Beginn der Schlichtung haben sich Lufthansa und die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO auf einen Tarifvertrag geeinigt. Auch bei der Altersversorgung wurde eine Vereinbarung erzielt.

(22.01.2016)

VideoStudie über sicherste Airlines
Die sichersten Airlines der Welt kommen aus dem asiatisch-arabischen Raum. Auf Rang 1:

Die sichersten Airlines der Welt kommen aus dem asiatisch-arabischen Raum. Auf Rang 1: "Cathay Pacific" aus Hongkong. Das belegt eine Studie von Unfall-Forschern. Lufthansa belegt derzeit Platz 12.

(12.01.2016)

VideoLufthansa: Kranich im Waschgang
Screenshot

Mit Blick auf Air France oder British Airways hat sich die Lufthansa gut gehalten. Tatsächlich aber ist sie nur die Einäugige unter den Blinden. Für den vollen Durchblick hilft nur Generalüberholung.

(09.10.2015)

Die Lufthansa und die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO haben sich im Grundsatz auf eine Lohnerhöhung und eine Verbesserung der Altersversorgung geeinigt. Es gibt allerdings noch strittige Details, die in einer Schlichtung geklärt werden müssen. Arbeitskämpfe sind damit bis zum 30. Juni ausgeschlossen. 

Beide Seiten einigten sich auf einen Tarifvertrag, der bis zum 30. September 2016 läuft. So bekommen die rund 19.000 Kabinenmitarbeiter eine Einmalzahlung in Höhe von 3.000 Euro für das vergangene Jahr und ab Januar 2016 eine Lohnerhöhung von 2,2 Prozent. Auch im Streit um die Altersversorgung wurde eine Vereinbarung unterzeichnet - Näheres wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Platzeck soll schlichten

Doch viele Detailfragen blieben zunächst ungeklärt: In einer Schlichtung sollen unter anderem die Vergütungsbedingungen ab Oktober 2016 verhandelt werden, wenn der jetzt  beschlossene Vertrag abläuft. Auch die Voraussetzungen, unter denen Kabinenmitarbeiter innerhalb des Konzerns zu einer anderen Airline in Deutschland wechseln können, sollen besprochen werden.

Zudem laufen laut Lufthansa bereits Gespräche über die Arbeitsbedingungen bei der neuen Billig-Tochter Eurowings. Sie sollen demnach parallel zur Schlichtung weitergeführt werden. Beteiligt daran seien die Eurowings-Geschäftsführung und die Gewerkschaft UFO. Auf den ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Schlichter hatten sich Lufthansa und UFO schon zuvor geeinigt.

Lösungsmechanismus gefunden

Mit Blick auf die Teileinigung sprach Personalvorstand Bettina Volkens von einem "wichtigen Signal" für die Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre.
Wie lange sind Streiks ausgeschlossen?

Die Flugbegleiter dürfen wegen der vereinbarten Friedenspflicht zur Schlichtung bis zum 30. Juni 2016 nicht streiken. Das Bodenpersonal besitzt einen gültigen ver.di-Tarifvertrag sogar bis Ende 2017. Anders ist die Situation bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die seit April 2014 schon 13 Streiks organisiert hat und dies auch jederzeit wieder tun könnte.

Nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hessen haben die Piloten aber für unzulässige Ziele gestreikt. Damit sind unternehmerische Entscheidungen wie die Expansion der Billigflug-Töchter Germanwings oder Eurowings gemeint. Die VC will dazu eine juristische Klärung und hat mit Lufthansa wieder Verhandlungen aufgenommen.

UFO-Vorstand Nicoley Baublies zeigte sich ebenfalls zufrieden: "Mit diesem Verfahren ist es uns gelungen, alle offenen Fragestellungen einem Lösungsmechanismus zuzuführen und den Mitarbeitern in dieser Zeit ausreichend Planungssicherheit zu geben".

Nach Angaben von Platzeck haben die Parteien für die Zeit der Schlichtung Stillschweigen vereinbart. "Das Motto lautet: schlichten und schweigen", erklärte er. Der ehemalige Ministerpräsident hatte im Sommer 2015 bereits erfolgreich im Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL vermittelt und einen monatelang schwelenden Streit beendet.

Langwieriger Konflikt auch mit Piloten

Die Lufthansa befindet sich mit mehreren Gewerkschaften in einem langwierigen Tarifkonflikt. Mit der Gewerkschaft ver.di einigte sich der Konzern Ende November 2015 auf einen neuen Tarifvertrag und ein neues Konzept für die Altersversorgung der Mitarbeiter am Boden. Noch offen ist der Konflikt mit der Pilotengewerkschaft Cockpit.

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In den Tarifkonflikten ging und geht es zwar vordergründig um Löhne und die umstrittene Übergangsversorgung für ältere Arbeitnehmer. Im Hintergrund schwelt aber immer auch der Streit um das Sparkonzept "Wings". Die Lufthansa bietet im Konkurrenzkampf mit den Wettbewerbern auf mehr Strecken Billigflüge an. Das Personal der günstigen Billigtochter Eurowings wird nicht nach den Lufthansa-Tarifen bezahlt werden, sondern schlechter.

Dutzende Male wurde bereits gestreikt - meist von Cockpit, zuletzt aber auch von UFO. Anfang November 2015 waren die Flugbegleiter eine Woche am Stück in den Ausstand getreten. Es war der längste Streik in der Geschichte der Fluggesellschaft.

Antworten zum Lufthansa-Tarifstreit

Wie lange sind Streiks ausgeschlossen?

Die Flugbegleiter dürfen wegen der vereinbarten Friedenspflicht zur Schlichtung bis zum 30. Juni 2016 nicht streiken. Das Bodenpersonal besitzt einen gültigen Verdi-Tarifvertrag sogar bis Ende 2017. Anders ist die Situation bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die seit April 2014 schon 13 Streiks organisiert hat und dies auch jederzeit wieder tun könnte. Nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hessen haben die Piloten aber für unzulässige Ziele gestreikt. Die VC will dazu eine juristische Klärung und hat mit Lufthansa wieder Verhandlungen aufgenommen.

Was genau ist für Flugbegleiter vereinbart worden?

Komplett in trockenen Tüchern ist bislang nur der Gehaltstarifvertrag mit 3.000 Euro Einmalzahlung für 2015 und 2,2 Prozent Steigerung in diesem Jahr. Der Vertrag läuft aber bereits zum 30. September aus, so dass schon im Herbst mit neuen Verhandlungen zu rechnen ist. Weit wichtiger ist die grundsätzliche Übereinkunft zu den Übergangs- und Betriebsrenten, bei der aber noch etliche Details offen geblieben sind. Über sie soll zunächst bis zum 15. Februar verhandelt werden. Im Zweifelsfall gehen die Probleme aber auch in die Platzeck-Schlichtung.

Kann das Ganze also noch scheitern?

Eindeutig ja. Bei UFO herrscht immer noch großes Misstrauen, dass Lufthansa sich "Hintertürchen" offenhalten könnte. Werden die noch offenen Renten-Details nicht im beiderseitigen Einverständnis geklärt, kippt der erreichte Kompromiss. Außerdem steht die ganze Vereinbarung unter dem Vorbehalt, dass die UFO-Mitglieder ihr in einer erneuten Urabstimmung zustimmen müssten.

Werden die Flugbegleiter schlechter als bislang gestellt?

Das kann man derzeit noch nicht genau sagen, weil beide Seiten zu Details schweigen. Klar ist, dass Lufthansa künftig nicht mehr die Betriebsrenten in ihrer Höhe garantiert, sondern nur noch fest definierte Beiträge einzahlt. Wie hoch die genau sind und welche Zinsentwicklung bei den Beispielrechnungen zugrunde liegt, ist bislang nicht bekannt. Das für langfristige Geldanlagen sehr wichtige Zinsrisiko tragen aber künftig die einzelnen Flugbegleiter. Positiv ist für sie, dass nicht abgerufene Leistungen aus der Übergangsversorgung nun auf die Betriebsrente angerechnet werden können. Wer also länger als bis 55 fliegt, bekommt später eine höhere Betriebsrente.

Um was wird es noch in der Schlichtung gehen?

Es gibt eine lange Liste von Problemen zur Arbeitsorganisation der Flugbegleiter, die sogenannte Agenda Kabine. Über sie soll ebenso geredet werden wie über die nächste Gehaltsrunde ab dem 1. Oktober 2016 und die möglicherweise bilateral nicht gelösten Details zu den Rentenfragen. Neben der Schlichtung gibt es zudem Gespräche über die Arbeitsbedingungen bei der teils im Ausland angesiedelten Billigtochter Eurowings und über Wechselmöglichkeiten innerhalb der Lufthansa-Gesellschaften. UFO will beispielsweise Eurowings-Kräften den späteren Wechsel zur Lufthansa-Mutter offen halten.

Welche Rolle spielt Schlichter Platzeck?

Offenbar eine heilsame. Die aktuelle Vereinbarung ist unter seinem Vorsitz in einem dreitägigen Verhandlungs-Marathon erreicht worden, der offiziell als Vorgespräch zur Schlichtung galt. Dabei war klar, dass UFO keine lange Friedenspflicht akzeptieren würde, wenn nicht die Rentenfrage zumindest in Grundzügen vorab geklärt ist. Platzeck soll in den Gesprächen sehr besonnen und ausgleichend gewirkt haben. Zusammen mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow hatte er bereits im vergangenen Jahr den ähnlich vertrackten Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn AG gelöst.

22.01.2016, Quelle: afp
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