26.09.2017

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merkzettel

Deutsch-türkische Beziehungen Merkel verbittet sich Erdogans Einmischung in Wahl

BildRecep Tayyip Erdogan
Archiv: Recep Tayyip Erdogan am 25.04.2017 Ankara (Türkei)

(Quelle: reuters)

VideoDer Fall Yücel
Deniz Yücel ist der erste deutsche Journalist in der Türkei, der seit der Übernahme der Regierung durch die islamisch-konservative AK-Partei von Recep Tayyip Erdogan in Untersuchungshaft muss. Yücels Familie lebt in Hessen und macht sich große Sorgen.

Deniz Yücel, der "Welt"-Journalist sitzt aktuell in Untersuchungshaft in der Türkei. Diese kann bis zu fünf Jahre dauern. Deutsche Politiker aller Parteien zeigen sich empört.

(28.02.2017)

VideoTürkei-Krise: Erdogans Antwort
Erdogan: Antwort an Deutschland

Der türkische Präsident Erdogan hat der Bundesregierung Drohgebärden gegen sein Land vorgeworfen. Die Verschärfung der Reisehinweise sei unbegründet und bösartig, so Erdogan. Bundesfinanzminister Schäuble verglich die Türkei derweil mit der DDR.

(21.07.2017)

VideoAngst und Zwist unter Deutschtürken
Deutschtürken stehen vor Gemüsegeschäft in Köln

Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei vor einem Jahr kam es dort zu regelrechten Säuberungsaktionen gesteuert von Staatspräsident Erdogan. Seitdem ist auch die Community der drei Millionen Deutschtürken tief gespalten.

(15.07.2017)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich die Einmischung des türkischen Präsidenten Erdogan scharf verbeten. Er hatte die türkischstämmigen Wähler aufgerufen, bei der Bundestagswahl nicht für die CDU, die SPD oder die Grünen zu stimmen. Sie seien "alle Feinde der Türkei". 

"Wir werden uns von niemandem, auch nicht von Präsident Erdogan, da hineinreden lassen, dass unsere deutschen Staatsbürger, egal welcher Abstammung sie sind, auch die türkischstämmigen deutschen Staatsbürger, ein freies Wahlrecht haben", sagte die CDU-Vorsitzende. "Und wir verbitten uns jede Art von Einmischung in die Meinungsbildung."

Erdogan hatte die wahlberechtigten Deutsch-Türken zuvor aufgerufen, bei der Bundestagswahl am 24. September nicht für SPD, CDU oder Grüne zu stimmen: "Das sind alles Türkeifeinde." Erdogan warf CDU und SPD in Istanbul vor, mit der "Schädigung der Türkei" Wahlkampf zu betreiben. Die in Deutschland wahlberechtigten Türken sollten vielmehr die Parteien unterstützen, die sich der Türkei gegenüber nicht feindlich verhielten. Welche er damit meinte, sagte Erdogan nicht. In Deutschland gibt es mehr als eine Million wahlberechtigte Deutschtürken.

Gabriel: Erdogan will Menschen "gegeneinander aufhetzen"

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete die Äußerungen als beispiellos. "Diese grobe Einmischung in den deutschen Wahlkampf zeigt, dass Erdogan die Menschen in Deutschland gegeneinander aufhetzen will. Das ist ein einmaliger Eingriff in die Souveränität unseres Landes", sagte er. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erklärte auf Twitter: "Erdogan hat jedes Maß verloren. Umso mehr stehen wir an der Seite all derer, die für eine freiheitliche und demokratische Türkei kämpfen."

Gabriel appellierte an die türkischstämmigen Wahlberechtigten, an der Bundestagswahl teilzunehmen und eine demokratische Partei zu wählen. "Zeigen wir denen, die uns gegeneinander ausspielen wollen, dass wir dieses böse Spiel nicht mitmachen!" In Deutschland fänden alle Menschen jedweder Herkunft das, "was Erdogan in der Türkei zerstören will: Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie".

Erdogans Einmischung für Özdemir nicht überraschend

Grünen-Chef Cem Özdemir vertrat die Ansicht, Erdogans Einmischung sei wenig überraschend. "Wir verstehen diese Erwähnung als Auftrag, weiterhin und entschlossen dafür zu arbeiten, dass der Einfluss von Erdogan auf Deutsch-Türken in unserem Land gestoppt wird."

Erdogan forderte die Bundesrepublik erneut zur Auslieferung mutmaßlicher Putschisten auf. "Genauso wie Deutschland seine Bürger von uns zurückhaben möchte", erwarte die Türkei, die "sich dort aufhaltenden Terroristen" ausgeliefert zu bekommen. Zudem wolle Deutschland "Kriminelle" zurück, während die Türkei "Terroristen" ausgeliefert haben wolle.

Streit um Auslieferung von vermeintlichen Putschisten

Damit spielte Erdogan vermutlich auf Deutsche wie den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel, den Menschenrechtler Peter Steudtner oder die Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu Corlu an, die in der Türkei in Untersuchungshaft sitzen. Die Bundesregierung hatte mehrfach eindringlich ihre Freilassung gefordert - ohne Erfolg.

Als Reaktion auf die Verhaftung des Menschenrechtlers Steudtner hatte das Auswärtige Amt Mitte Juli seine Reisehinweise für die Türkei verschärft. Zugleich warnte Gabriel deutsche Unternehmen vor Investitionen in dem Land.

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Die Türkei ihrerseits verlangt von Berlin die Auslieferung eines mutmaßlichen Wortführers des Putschversuchs vom Juli 2016, der sich angeblich in Deutschland aufhalten soll. Für den gescheiterten Umsturzversuch macht die türkische Führung den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen verantwortlich. Sie wirft Deutschland schon lange vor, Putschisten und terrorverdächtigen Personen Schutz zu bieten. Unter anderem kritisierte Ankara, dass türkische Offiziere in Deutschland Asyl bekommen hatten.

Erdogan kritisiert Merkels Absage an erweiterte Zollunion mit Türkei

Zusätzlich kritisierte Erdogan am Freitag die vorläufige Absage Merkels an eine Erweiterung der Zollunion der EU mit der Türkei. Damit habe sich Deutschland in die Position eines Landes begeben, das sich nicht mehr an EU-Recht halte. Merkel hatte sich am Mittwoch im Interview von vier YouTubern gegen eine Vertiefung der Zollunion ausgesprochen. "Auf jeden Fall werden wir zurzeit die Erweiterung der Zollunion, die Verbesserung, nicht machen mit der Türkei", sagte sie. Auch Beitrittshilfen gebe es nur dort, "wo wir genau wissen, wo das Geld ankommt".

Die Regierung in Ankara hat erhebliches Interesse daran, die seit 1996 mit der EU bestehende Zollunion auszubauen. Sowohl die Türkei als auch die EU würden von einer Vertiefung profitieren, sagte am Donnerstag der türkische EU-Minister Ömer Celik. Die Äußerung der Kanzlerin nannte er eine "unglückliche Erklärung".

18.08.2017, Quelle: afp, rtz
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