29.06.2016
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merkzettel

Mobile World Congress Virtual-Reality-Brillen: Auge in Auge mit dem Wal

BildVR-Brillen
MWC 3D-Brillen

Abtauchen in die virtuelle Welt: auf dem Mobile World Congress in Barcelona

(Quelle: ZDF)

Video2016: Smartphone-News
Smartphone auf der Mobilfunkmesse

Wasserdichte und sturzsichere Handys, externe Fotomodule fürs Smartphone oder Datenbrillen - ZDF-Reporter Sven-Hendrik Hahn ist auf der Mobilfunkmesse in Barcelona unterwegs und zeigt die Trends.

(23.02.2016)

VideoSmartphone erobert das Auto
WISO-Reporter Sven-Hendrik Hahn fährt Auto

Mit speziellen Schnittstellen für die Autoradios soll das Smartphone Teil des Autos werden. Damit lässt sich richtig Geld sparen. WISO hat ausprobiert, wie das funktioniert.

(22.02.2016)

Interaktiv3D-360-Grad-Webspecial
Vulkan Krater

Im ersten 360°-Clip des ZDF können Nutzer einen Vulkan in 3D aus nächster Nähe beobachten.

(Quelle: ZDF)

von Sven-Hendrik Hahn, Barcelona

Klobig statt filigran: Ein eher hässliches Produkt stellt Smartphones in den Schatten. Virtual-Reality-Brillen sind der Renner in Barcelona, fast jeder Hersteller hat eine "VR-Brille" auf dem Mobile World Congress dabei. Der Nutzer soll virtuell abtauchen. Ein Praxis-Test. 

Als wir die Brillen aufsetzen, öffnet sich die Decke des Kongress-Zentrums von Barcelona und wir fliegen in die Galaxie, wo uns das neue Spitzensmartphone von Samsung begegnet. So zeigt Samsung gleich zu Beginn seines Events auf der Handymesse in Barcelona, wie wichtig dem Konzern die neue Technik ist. Der Flug ist beeindruckend, keine Frage, auch wenn der Anblick auf der Bühne noch überraschender war. Dort stand Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und sprach über die virtuelle Realität als die "nächste große Plattform". Sein soziales Netzwerk will mit dem koreanischen Handy-Marktführer kooperieren und 360-Grad-Videos noch stärker einbinden als bisher.

"Gear VR" von Samsung: Einigermaßen ausgereift

Die Brille, die Samsung für diese Show nutzt, ist die altbekannte "Gear VR", bei der das Smartphone (natürlich nur von Samsung und nur die Spitzenklasse, also Note 5, S6 und S7) vor zwei Linsen gesteckt wird. Die Brille hat eine Reihe von Bewegungssensoren eingebaut, die es erlaubt, bei Kopfbewegungen den Blickwinkel zu verändern. So sieht man wirklich den Boden, wenn man nach unten schaut, oder den Himmel über sich. Die VR-Brille gab es schon 2015, sie hat aber den Vorteil, dass sie - sofern man das jetzt schon sagen kann - einigermaßen ausgereift ist.

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Die Beispielvideos - etwa eine Vorstellung des Cirque du Soleil, bei der ich mich im gesamten Theater umsehen kann, oder ein Flug im Helikopter über Island - erlauben es, von zu Hause aus ganz neue Eindrücke zu bekommen. Das gilt auch in Barcelona: Auf der Messe setzt Samsung seine Gäste in bewegliche Stühle und simuliert eine Achterbahnfahrt - Schreie und ein flaues Gefühl im Magen inklusive.

Klobige Taucherbrille

Aber: Die" Gear VR" erinnert an eine klobige Taucherbrille mit Gummibändern an der Seite. Man mag sich kaum vorstellen, wie es ist, im Zug zu sitzen und ein Video zu schauen. Und: Das Gefühl, wirklich abzutauchen in die virtuelle Welt, wird durch eine recht mäßige Bildqualität gemindert. Die "Gear VR" kostet 99 Euro, funktioniert nur mit Spitzengeräten von Samsung. Die Tatsache, dass Vorbesteller des neuen Galaxy S7 eine Gear VR geschenkt bekommen, spricht wohl eher dafür, dass die Brille bisher kein Verkaufsschlager ist.

Das soll sich auch mit einem weiteren Zubehör ändern, das Samsung jetzt an den Kunden bringen will: eine 360-Grad-Kamera für jedermann. Das kugelförmige Gerät sieht aus wie ein Roboter aus "Star Wars" und bildet mit seinen Fischaugen-Objektiven gleichzeitig den kompletten Raum, die komplette Umgebung ab. Urlaubsvideos am Strand, der Besuch in Kathedralen oder auf Plätzen in Metropolen, Wohnungsbesichtigungen - die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Kamera kostet 400 Euro und funktioniert - genau - nur mit Samsung-Smartphones der Spitzenklasse. Die Videos lassen sich dann mit der Gear VR ansehen.

"360 VR" von LG

Die VR-Brille von LG, dem ewigen Zweiten in Südkorea, ist die "360 VR". Sie hat eigene Bildschirme, nicht nur Linsen, ist kleiner und wird mit dem Smartphone per Kabel verbunden. Das Smartphone - bisher klappt das nur mit dem neuen Topmodell G5 von LG - hält der Nutzer am besten in der Hand, während er sich auf Tour in die "Virtualität" begibt.

Die Brille hat nur noch die Größe einer Schwimmbrille, bei meinem kurzen Test in Barcelona rutschte sie immer mal wieder von den Augen. Die Auflösung ist etwas niedriger als bei Samsungs Gerät, was aber beim Ausprobieren nicht auffiel - bei der Achterbahnfahrt war keine Zeit, die Pixel zu zählen. Vielleicht lag das aber auch an dem Umstand, dass ich meine eigene Brille abnehmen und mit einem Drehrad die Schärfe nachstellen musste.

Der Gesamteindruck in Sachen virtueller Realität ist nicht so perfekt wie bei der "Gear VR": Die kleine Brille mindert das Rundum-Gefühl, und die Angst, bei der Achterbahnfahrt auf dem Smartphone etwas zu verstellen, trägt auch nicht eben dazu bei. Ein anderes Konzept - ein etwas höherer Preis: LG hält sich noch bedeckt, er dürfte aber bei rund 200 Euro liegen.

"HTC Vive"

HTC gehörte lange zu den Topstars unter den Smartphone-Herstellern. In der letzten Zeit ist es ruhig geworden um die Taiwanesen. Den Mobile World Congress nutzt HTC denn auch nicht, um ein neues Smartphone vorzustellen, sondern seine Virtual-Reality-Brille "Vive". Die Vive ist ganz anders als die Konkurrenz: Sie wird mit einem Computer per Kabel mit der Brille verbunden, also nicht mit einem Smartphone. Dazu bekomme ich zwei Controller in die Hand und im Raum stehen zwei "Basisstationen", die meine Position im Raum registrieren sollen. Denn mit der Vive darf ich mich im Raum bewegen.

Das ist das beeindruckendste 360-Grad-Erlebnis bislang: Ich spaziere über ein gesunkenes Schiff, während ich von hinten den Gesang eines Blauwals höre. Er schwimmt so nah an mir vorbei, dass ich ihn fast berühren kann. Stattdessen verscheuche ich kleinere Fische, die gemeinsam mit dem Giganten an mir vorbei schwimmen. Ich bedauere fast, als ich nach wenigen Minuten nicht mehr auf dem Grund des Meeres bin, sondern wieder in der Messehalle 7 in Barcelona.

Eigentlich hat die "HTC Vive" Spieler im Visier: Bei einer Anwendung darf ich im Weltraum kleine Meteoriten antippen und Graffitis in den Kosmos malen. Nun ja, wer das braucht. Hier steckt die Chance, die extrem aufwändige Hardware zu nutzen, zu laufen und die Hände einzusetzen. Denn um die "Vive" zum Einsatz bringen zu können, braucht man einen leistungsfähigen Computer mit einer High-End-Grafikkarte und starkem Prozessor. Über die genauen Voraussetzungen an die Hardware des PC sagte HTC nichts in Barcelona, sie dürften aber recht hoch sein. Das gilt auch für den Preis des Sets: 799 Euro kostet "HTC Vive" - da bleibt mein Flirt mit dem Wal wohl ein singuläres Ereignis!

VR-Brille im Alltag?

Günstiger Einstieg in die VR-Welt

Um auszuprobieren, wie sich die virtuelle Welt anfühlt, eignet sich das Cardboard-Projekt von Google. Man braucht nur eine kleine Kiste aus Pappe mit zwei Linsen, die es oft für wenige Euro gibt. Die entsprechenden Apps, die das unterstützen, gibt es meist kostenlos - ein günstiger Einstieg in die virtuelle Welt!

Eines steht fest: Wer eine der Brillen noch nie aufgehabt hat, muss das dringend nachholen. Denn dieser Ausflug in die Welt der 360-Grad-Videos und -Fotos ist beeindruckend. Gleichzeitig stellt sich bei mir die Frage, wie ich die Brillen im Alltag einsetzen soll. Im Zug? Auf dem Sofa? Im Büro mal zwischendurch? Eine Antwort ist mir auch in Barcelona nicht eingefallen. Und es gibt im Moment ein weiteres entscheidendes Manko: Abgesehen von Demofilmen und kleinen Spielchen gibt es kaum Inhalte. Facebook und Samsung wollen das ändern, auch Googles Tochter YouTube bietet 360-Grad-Videos. So langsam kommt vielleicht eine Entwicklung in Gang, auch wenn bislang ja jeder Hersteller auf eigene Standards setzt, die nicht kompatibel mit anderen Geräten sind - ein bekanntes Phänomen.

Neben Samsung, LG und HTC ist auch Sony am Start, sogar Apple soll an einer Lösung arbeiten, heißt es. Das Trommeln der Branche ist laut, das kennt man schon, aber so richtig überzeugend ist bisher kein Konzept.

23.02.2016
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