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merkzettel

Massenflucht aus Aleppo Türkische Grenze ist zu - Syrische Flüchtlinge warten

VideoZehntausende flüchten aus Aleppo
Syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei.

Zehntausende Flüchtlinge aus der Region Aleppo in Syrien harren derzeit an der geschlossenen Grenze zur Türkei aus. Die EU-Außenminister wollen nun noch stärker auf eine diplomatische Lösung drängen.

(06.02.2016)

Video"Menschen fürchten Belagerung"
Uli Gack berichtet aus Aleppo.

Nach den Kämpfen beim Vormarsch der Regierungstruppen verlassen Zehntausende die syrische Stadt Aleppo. Sie fürchten vor allem eine monatelange Belagerung, berichtet ZDF-Reporter Uli Gack.

(06.02.2016)

VideoHoms: Die zerstörte Stadt
Bilder aus Homs, 2016

Die Stadt Homs in Syrien gleicht einer Trümmerlandschaft, einst wohnten dort fast eine Million Menschen. Auch andere Städte sind zerstört. 6,5 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Allerdings gibt es immer weniger Gegenden, in die sie noch fliehen können.

(04.02.2016)

Video"Brauchen Marshall-Plan"
Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am Rande der Londoner Geberkonferenz.

Auch in Syrien gebe es mittlerweile befriedete Gebiete, in die man die Menschen wieder zurückschicken könnte, sagt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am Rande der Londoner Geberkonferenz.

(05.02.2016)

Nach den verheerenden Angriffen auf die syrische Metropole Aleppo sitzen Zehntausende Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei fest. Die Lage ist dramatisch. Derweil kommen schwere Vorwürfe gegen Russland auf, das in Syrien das Assad-Regime unterstützt. 

Tausende syrische Familien aus der umkämpften Region Aleppo haben am Samstag vor der verriegelten Grenze zur Türkei ausgeharrt. Bis zum Nachmittag blieb der Grenzübergang Öncüpinar geschlossen. Gleichwohl versicherte die Türkei der EU, sie halte an ihrer "Politik der offenen Grenze" fest. US-Außenminister John Kerry warf Russland unterdessen vor, bei seinen Luftangriffen in Syrien zahlreiche Zivilisten zu töten.

Bei Einnahme Aleppos: Mehr Flüchtlinge

"Die Lage ist dramatisch", sagte der Leiter der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, über die Bedingungen an der Grenze. Familien schliefen in der Kälte in Zelten und Lagern, internationale Hilfsorganisationen seien nicht vor Ort. In den vergangenen Tagen flohen rund 40.000 Syrer aus der umkämpften Provinz Aleppo vor der dortigen Regierungsoffensive - allein 20.000 Schutzsuchende strandeten der UNO zufolge in Bab al-Salama auf syrischer Seite gegenüber von Öncüpinar.

Die Provinz Aleppo ist eigentlich eine Hochburg der Aufständischen, wird aber in Teilen von vielen weiteren Kräften kontrolliert - von Regierungstruppen, der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) sowie kurdischen Streitkräften. Unterstützt durch russische Luftangriffe konnten syrische Regierungstruppen die Aufständischen seit Montag deutlich zurückdrängen. Bei einer Einnahme der gesamten Großstadt Aleppo durch die Regierungstruppen rechnet die Türkei mit Zehntausenden weiteren Flüchtlingen.

Türkei nennt keinen Zeitpunkt

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte dazu bei einem Ministertreffen in Amsterdam, Ankara werde seine "Politik der offenen Grenze für diejenigen beibehalten, die vor der Aggression des Regimes und den Luftangriffen Russlands fliehen". Wann die Grenze geöffnet werden soll, sagte er nicht. Zuvor hatte EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn die Türkei an die Genfer Konvention erinnert, "wonach Flüchtlinge aufzunehmen sind" und zur Öffnung der Grenzen gemahnt. Auch die Außenbeauftragte Federica Mogherini erinnerte die Türkei an ihre "moralische und rechtliche Pflicht", Schutzsuchenden zu helfen.

Außenminister Jean Asselborn forderte rasche Gespräche mit Russland, um ein Ende der syrischen Offensive in der Provinz Aleppo zu erreichen. US-Außenminister Kerry erklärte derweil, durch die russischen Angriffe in Syrien würden Zivilisten "in großer Zahl" getötet. Er warf Russland vor, auch Krankenhäuser und Rettungskräfte anzugreifen. "Das muss aufhören." Von Russlands Führung forderte er zudem, sich für einen Waffenstillstand in Syrien einzusetzen.

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Moskau weist Vorwürfe zurück

Moskau hatte zuvor Vorwürfe westlicher Staaten zurückgewiesen, mit seiner militärischen Unterstützung der syrischen Regierungstruppen die Syrien-Friedensgespräche in Genf torpediert zu haben. Der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin bezeichnete diese Kritik als "geschmacklos". Zugleich kündigte er an, Russland werde bei einem internationalen Treffen in München am kommenden Donnerstag "neue Ideen" unterbreiten. Neben Russland unterstützt auch der schiitische Iran die syrische Führung.

Teheran äußerte sich am Samstag zur Bereitschaft des rivalisierenden sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien zur Entsendung von Bodentruppen nach Syrien. Das werde Riad "nicht wagen", weil es einem Suizid gleichkomme, sagte der Leiter der Revolutionsgarden, Generalmajor Ali Dschafari, laut der Nachrichtenagentur Fars.

Auch die syrische Führung warnte vor der unaufgeforderten Entsendung ausländischer Bodentruppen. Jegliche Intervention am Boden ohne Zustimmung von Damaskus sei eine "Aggression", sagte Außenminister Walid Muallem. "Wir versichern euch, dass jeder Aggressor in einem hölzernen Sarg heimkehren wird." Im syrischen Bürgerkrieg wurden seit März 2011 rund 260.000 Menschen getötet. Begonnen hatte der mittlerweile hoch komplexe Konflikt mit der Unterdrückung regierungskritischer Proteste.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Assad-Regime

Baschar al-Assad

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter große Städte wie Damaskus oder Homs sowie den Küstenstreifen. Unterstützt von russischen Luftangriffen und Hilfe aus Iran machte die syrische Armee in den vergangenen Wochen deutlich Boden gut und kreiste unter anderem von den Rebellen kontrollierte Teile Aleppos im Norden ein. Ziel Assads ist es, die Rebellen-Gebiete der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Sollte das gelingen, würde dieser Schlag Assads Verhandlungsposition deutlich stärken. Der Machthaber lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

IS-Kämpfer in Syrien  Aufnahmevom 07.04.2015

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben dem Regime. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten deutliche Niederlagen einstecken. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Zahl der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf 19.000 bis 25.000 - früheren Schätzungen zufolge waren es mal 20.000 bis 33.000. Für den Rückgang seien demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Disziplinarstrafen des IS gegen eigene Kämpfer verantwortlich, sagt ein Pentagon-Vertreter. Außerdem zeigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft Wirkung, den Fluss ausländischer Kämpfer nach Syrien und in den Irak einzudämmen.

Der IS kämpft sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen andere Rebellengruppen. Die Dschihadisten zeichnen sich vor allem durch ihren extremen Hass gegen Andersgläubige aus. Sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung an, der Scharia.

Al-Nusra-Front

Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front

Erstmals tauchte Al-Nusra im Januar 2012 auf - zehn Monate nach dem Beginn der Proteste gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, aus denen sich der Bürgerkrieg entwickelte. Die Gruppe ist ein Ableger des Al-Kaida-Arms Islamischer Staat im Irak. In der nordirakischen Provinz Ninive war al-Dschulani ihr Anführer.

Im Jahr 2013 lehnte es Al-Nusra ab, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und band sich an Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Dieser erklärt die Gruppe zum einzigen Al-Kaida-Ableger in Syrien, wonach der IS sie aus der ölreichen östlichen Provinz Deir Essor vertrieb.

Laut dem Syrien-Experten Thomas Pierret von der Universität Edinburgh gehören Al-Nusra 7.000 bis 8.000 Kämpfer an. Auf mittlerer Kommandoebene sind nach seinen Erkenntnissen einige Ausländer aktiv, bei den Fußtruppen jedoch kaum. Andere Experten beziffern die Zahl der Kämpfer auf bis zu 10.000, etwa 80 Prozent von ihnen Syrer. Hochburgen der Gruppe sind die nordwestsyrische Provinz Idlib und der Süden der nördlichen Provinz Aleppo. Es gibt aber kein Gebiet, das ausschließlich von Al-Nusra kontrolliert wird - überall kämpft die Gruppe mit Verbündeten.

Weil sie mit vielen Rebellengruppen in ganz Syrien verbündet ist, gilt die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front als zentrale Bedrohung für die seit dem späten Freitagabend geltende Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland. Denn die Waffenruhe gilt nicht für die Al-Nusra-Front. 

Rebellen

Syrische Rebellen schauen am 10.03.2015 in den Himmel

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam.

Ahrar al-Scham gehört zu den stärksten Milizen im Nordwesten Syriens. Kritiker werfen der von Al-Kaida-Veteranen gegründeten Gruppe eine große Nähe zu dem Terrornetzwerk vor. Auch Ahrar al-Scham will einen "islamischen Staat", in dem die Scharia, das Recht Gottes, gilt. Viele Rebellen halten die Gruppe jedoch für moderater als IS und Nusra-Front. Ahrar al-Scham gehört zum Hohen Verhandlungskomitee (HNC), das die Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Wie Ahrar al-Scham wird auch Dschaisch al-Islam Experten zufolge von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt. Die Miliz ist vor allem in dem hart umkämpften Gebiet östlich von Damaskus stark. Auch sie gehört zum HNC. Ihr Vertreter Mohammed Allusch trägt sogar den Titel "erster Verhandler".

Teilweise kooperieren die Rebellen mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Sie ist ideologisch eng mit dem IS verwandt ist, beide Gruppen sind allerdings miteinander verfeindet.

Hisbollah

Hisbollah-Kämpfer und syrische Armeesoldaten stehen auf einem Lastwagen mit Hilfsgütern

Die libanesische Schiitenmiliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg seit langem an der Seite des Regimes. Sie wird von Iran finanziert, der Präsident Assad an der Macht halten will, um die Achse Libanon-Syrien-Irak-Iran zu sichern. Die USA haben die "Partei Gottes" auf ihre Terrorliste gesetzt, die EU betrachtet ihren militärischen Arm als Terrororganisation.

Opposition

syrische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kobane: Kurdischer Kämpfer - Aufnahme vom 08.05.2015

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Kurdenmiliz ist im Kampf gegen die IS-Terrormiliz bislang sehr effektiv, ist daher wichtiger Partner des Westens und erhält dafür Hilfe aus den USA. Die Kurden kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Das NATO-Mitglied Türkei indes bekämpft den bewaffneten Arm der PYD, die YPG, und scheint zunehmend beunruhigt wegen der jüngsten Geländegewinne der Gruppe im benachbarten Bürgerkriegsland. Mit dem Erstarken der Kurden in Syrien und dem Nordirak sieht Ankara auch die Bestrebungen zur Gründung eines Kurdenstaates wachsen.

Die USA und der Westen

Fregatte Augsburg der Bundesmarine

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte "Augsburg", die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Archiv - Ein russischer SU-34 Kampfjet beim Abwurf ein Bombe am 09.12.2015

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Hassan Rohani

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Erdogan und König Salman

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

06.02.2016, Quelle: von Fulya Özerkan, afp
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