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merkzettel

Nach Anschlägen in Brüssel Steinmeier: "Kühlen Kopf" bewahren

BildFrank-Walter Steinmeier
Frank-Walter Steinmeier am 16.03.2016

(Quelle: dpa)

VideoFestnahmen bei Razzien
Polizeieinsatz in Brüssel.

In Belgien und Frankreich sind mehrere Terror-Razzien durchgeführt worden. In Frankreich wurde offenbar ein weiterer Anschlag vereitelt, der aber nicht in Zusammenhang mit Brüssel stehen soll.

(25.03.2016)

VideoGab es einen fünften Täter?
Feuerwehr und Rettungswagen vor Metro in Brüssel

Nach den Terroranschlägen in Brüssel kommen immer mehr Details ans Licht. Möglicherweise gab es einen fünften Täter.

(24.03.2016)

VideoDer Donnerstag in Brüssel
Festnahmen in Brüssel.

Die belgische Polizei hat am Abend die Festnahme von sechs Verdächtigen gemeldet. Für viele weit wichtiger als die Suche nach weiteren Attentätern: Die Suche nach ihren Liebsten.

(24.03.2016)

Kurzmeldung

  • Brüssel: Marsch für Anschlagsopfer wird verschoben 18:03 Uhr 26.03.2016
    Die für morgen in Brüssel geplante Solidaritätskundgebung für die Opfer der Anschläge wird verschoben. Laut Organisator werde die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Zuvor hatte Innenminister Jan Jambon die Bürger gebeten, nicht an der Kundgebung teilzunehmen. Die Polizei sei noch auf der Suche nach Tätern und Hintergründen der Anschläge und werde daher an anderer Stelle gebraucht. Eine Absage der Veranstaltung verlangte Jambon jedoch nicht. Die Initiatoren hatten mit einem "Marsch gegen die Angst" ein Zeichen gegen Gewalt setzen wollen.

Angesichts der aktuellen Terrorgefahr hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Bevölkerung zum Bewahren eines "kühlen Kopfes" aufgerufen - und gleichzeitig vor Anschlägen in Deutschland gewarnt.  

Im Kampf gegen den Terrorismus hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Besonnenheit gemahnt. "Die Terroristen würden gerne ihren Krieg in unsere Städte und unsere Köpfe tragen, uns in eine Art Belagerungszustand treiben, um uns ihre perverse Logik von Gewalt und Hass aufzuzwingen", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). Diese Genugtuung dürfe man den Terroristen nicht geben. "Vielmehr kommt es jetzt darauf an, mit kühlem Kopf gegen die Hintermänner und die Wurzeln des Terrors anzugehen und ihre Unterstützer in Europa zu identifizieren - mit allen Mitteln des Rechtsstaats", so Steinmeier weiter.

Maas: Nicht in Angst und Schrecken erstarren

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) riet den Bundesbürgern, nicht in Panik zu verfallen. "Wenn wir jetzt komplett in Angst und Schrecken erstarren, dann haben die Terroristen ihr Ziel erreicht", sagte er der "Saarbrücker Zeitung" vom Samstag. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rief ebenfalls zu Besonnenheit auf. "Wir sind nicht im Krieg", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag.

Gleichzeitig machten die drei Bundesminister deutlich, dass blutige Anschläge auch in Deutschland passieren können. "Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass der internationale Terrorismus eine Dauerschleife um Deutschland herum zieht", sagte Maas. Die Bundesrepublik sei seit längerer Zeit ein potenzielles Anschlagsziel. Deutschland und Europa stünden "vor einer Herausforderung durch menschenverachtenden Terrorismus, dem wir mit allen Mitteln entgegentreten müssen", unterstrich Maas.

Belgische Behörden fahnden weiter

Flüchtiger Mann mit "heller Jacke und Hut"

Nach den Selbstmordanschlägen von Brüssel fahnden die Behörden weiter nach Komplizen und Hintermännern. Zuletzt wurden in Belgien, Frankreich und Deutschland fast ein Dutzend Verdächtige festgenommen. Noch flüchtig ist zum Beispiel der dritte Mann mit heller Jacke und Hut, der auf Bildern einer Flughafen-Überwachungskamera mit den beiden mutmaßlichen Selbstmordattentätern zu sehen ist. Außerdem könnte auch der Attentäter in der Metro-Station Maelbeek einen Komplizen gehabt haben.

Festnahmen nicht nur in Belgien

Allein in Belgien gab es bis Freitagnachmittag acht Festnahmen. In Paris wurde ein Mann gefasst und damit nach Regierungsangaben ein Anschlagsplan vereitelt. In Deutschland nahm die Polizei zwei Männer fest, die zum Umfeld der Brüssel-Attentäter gehören könnten. Offiziell bestätigten die Behörden am Freitag zwei Festnahmen in Gießen und im Raum Düsseldorf, wollten sich aber nicht zu Details äußern.

Terrorismus macht vor Grenzen nicht halt

"Absolute Sicherheit gibt es nirgendwo", warnte Steinmeier. "Terrorismus macht an Grenzen nicht Halt, auch nicht an unseren", sagte der Außenminister. Die deutschen Sicherheitsbehörden machten gute Arbeit und hätten immer wieder Anschlagsplanungen durchkreuzt. "Daneben haben wir möglicherweise auch Glück gehabt, dass wir in Deutschland von Anschlägen bisher verschont geblieben sind", räumte der Außenminister ein.

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Nach den Anschlägen in Paris sowie mehreren Attacken in der Türkei hatten zuletzt die Anschläge mit 31 Toten und etwa 300 Verletzten in Brüssel international für Entsetzen gesorgt. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Aachen. Zu den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt hatte sich die in Syrien und dem Irak kämpfende Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Röttgen: "Millitärische Komponente erweitern"

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU) sieht Deutschland angesichts der Terrorgefahr außenpolitisch unter Zugzwang. "Wir müssen uns noch stärker als bisher in internationale Konflikte einschalten und die Ursachen von Gewalt bekämpfen", sagte Röttgen dem "Tagesspiegel" (Sonntagsausgabe). "Was in unserer Nachbarschaft passiert, kann uns nicht egal sein."

Röttgen zeigte sich überzeugt, dass die deutsche Bevölkerung ein stärkeres Engagement in Konflikten und Krisen unterstütze. "Die Mehrheit der Deutschen weiß: Wir können uns nicht wegducken", sagte der CDU-Politiker und schloss auch weitere Militäreinsätze nicht aus. "Wir müssen unsere diplomatischen Initiativen verstärken und um eine militärische Komponente erweitern", sagte Röttgen.

Details zum Terror-Netzwerk

Zu den Netzwerkverbindungen der Attentäter erklärt ZDF-Terrorismus-Experte Elmar Theveßen: "Die Festnahmen in Frankreich und Belgien zeigen immer deutlicher, dass es ein länderübergreifendes Netz gibt, das als vereinendes Element vor allem die französische Sprache hat. Die Terroristen an den Schlüsselstellen dieses Netzwerks haben gemeinsam in Syrien für den sogenannten IS gekämpft. Sie waren Teil einer Eliteeinheit, der sich vor allem französischsprachige Kämpfer aus Frankreich, Belgien und Nordafrika angeschlossen haben. Die Mitglieder dieser Gruppe mit dem Namen Katibat al-Battar al-Libi (KBL) sind an Waffen und Sprengstoff ausgebildet und kämpfen im Terrorkrieg an vorderster Front. Diese Front hat der IS mit ihrer Hilfe nun nach Europa ausgedehnt. Dabei greifen die Terroristen dann auf persönliche Netzwerke – Bekannte und Freunde – zurück, die ihnen bereitwillig helfen."

Ermittlungen nach Brüsseler Anschlägen

Was ist passiert?

Eingang der U-Bahn-Station Maalbeek am 23.03.2016

Um 07.58 Uhr morgens erschüttern am 22. März zwei Explosionen die Abflughalle des Brüsseler Flughafens. Ausgelöst wurden sie von zwei Selbstmordattentätern. Ein dritter Mann - auf Fahndungsfotos mit Hut und Kinnbart zu sehen - flüchtete. Er hinterließ eine Tasche mit einem nicht explodierten Sprengsatz. Dieser wurde später kontrolliert gesprengt. Kurz nach 09.00 Uhr folgt eine Explosion in der U-Bahn-Station Maelbeek unweit der Gebäude der EU-Kommission und des Europäischen Rates. Insgesamt werden bei den Anschlägen 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

Welche Täter sind identifiziert?

Mutmaßliche Täter in Brüssel am Flughafen

Mit Hilfe von Fingerabdrücken können die Ermittler die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui als Selbstmordattentäter identifizieren. Der 27-jährige Khalid El Bakraoui verübte laut Staatsanwaltschaft den Anschlag in der U-Bahn; der 29-jährige Ibrahim war demnach einer der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen. Bei dem anderen Airport-Selbstmordattentäter handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui.

Wie viele Verdächtige sind auf der Flucht?

Bereits seit Dienstag wird nach dem geflohenen Komplizen der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen gefahndet. Seit Donnerstag sucht die belgische Polizei außerdem nach einem Verdächtigen, der in der U-Bahn eine große Tasche bei sich hatte und mit dem Attentäter Khalid El Bakraoui sprach, bevor dieser in die Bahn einstieg und sich in die Luft sprengte.

Was machten die Brüder El Bakraoui vorher?

Khalid (li) und Brahim El Bakraoui

Beide sind Belgier und in Brüssel geboren. Sie waren der Polizei wegen einer Reihe von Delikten bekannt. Khalid El Bakraoui wurde 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Autodiebstahls unter Gewaltanwendung verurteilt. Ibrahim El Bakraoui erhielt 2010 eine neunjährige Haftstrafe, weil er an einem Einbruch beteiligt war, bei dem Polizisten mit einer Kalaschnikow beschossen wurden.

Waren die Attentäter vorher bekannt?

Polizei-Einsatz im Brüsseler Vorort Molenbeek am 18.03.2016

Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahmen die türkischen Behörden Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 an der syrischen Grenze fest und schoben ihn nach Amsterdam ab. Die Türkei habe die belgischen Behörden gewarnt, dass El Bakraoui ein "terroristischer Kämpfer" sei. Die Regierungen Belgiens und der Niederlande stellten klar, dass El Bakraoui nicht unter Terrorismusverdacht gestanden habe.

Welche Bedeutung hat der Stadtteil Schaerbeek?

Nach den Anschlägen in Brüssel hat die Regierung bis Donnerstag zur Staatstrauer ausgerufen. Um den Opfern des Anschlags zu gedenken wurde heute Mittag in Belgien eine Schweigeminute gehalten.

Eine nach den Anschlägen durchsuchte Wohnung könnte das Versteck oder die Bombenwerkstatt der Attentäter gewesen sein. Die Ermittler fanden dort 15 Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs TATP, 150 Liter Aceton, Zünder und Taschen voller Nägel. Auf die Spur nach Schaerbeek brachte die Ermittler ein Taxifahrer, der die Attentäter zum Flughafen brachte und auf einem Fahndungsfoto erkannte. Am Freitag wurde bei einem weiteren Anti-Terror-Einsatz in dem Stadtteil ein Verdächtiger festgenommen.

Gibt es Verbindungen zu den Paris-Anschlägen?

Unbeleuchteter Eiffelturm am 15.11.2015 in Paris

Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag Medienberichte, wonach Khalid El Bakraoui unter falschem Namen in Charleroi eine Wohnung für die Paris-Attentäter angemietet hatte. Auch Najim Laachraoui war wegen der Pariser Anschläge im Visier der Fahnder. Er war im September unter dem falschen Namen Soufiane Kayal zusammen mit Salah Abdeslam an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden. Abdeslam wurde am 18. März in Brüssel festgenommen. Er soll an den Anschlägen von Paris im November mit 130 Toten beteiligt gewesen sein. Der in der Schaerbeeker Wohnung gefundene Sprengstoff TATP wurde bereits mehrfach von IS-Attentätern eingesetzt. (Quelle: afp)

26.03.2016, Quelle: afp, kna, ZDF
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