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merkzettel

Anschlag auf BVB-Bus Tatverdächtiger festgenommen

VideoBVB hofft auf schnelle Aufklärung
Dortmund Bus nach Anschlag

Zehn Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB-Bus hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Es wird angenommen, dass der Festgenommene die BVB-Aktie einstürzen lassen wollte. Die Borrussen hoffen nun auf eine schnelle Aufklärung.

(21.04.2017)

VideoMutmaßlicher BVB-Täter gefasst
BVB-Bus

(21.04.2017)

VideoPK zur Festnahme
Polizeiaktion

(21.04.2017)

VideoVerdächtiger: Spekulation an Börse
Börse Frankfurt

Sergej W., der Tatverdächtige, hat auf die fallenden Kurse der BVB-Aktie gesetzt. Wie das funktioniert, erklärt uns ZDF-Finanzexperte Frank Bethmann.

(21.04.2017)

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Bundespolizei einen Tatverdächtigen festgenommen - laut Generalbundesanwalt wollte der Attentäter die BVB-Aktie zum Einsturz bringen. Verein und Spieler zeigen sich nach der Festnahme erleichtert. 

Spezialkräfte der GSG 9 nahmen den Tatverdächtigen, den 28-jährigen Sergej W., am Freitagmorgen fest. Bei ihm handelt es sich um einen Deutsch-Russen aus dem Raum Tübingen. Ihm werden versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Verdächtiger wollte BVB-Aktie einstürzen lassen

Sergej W. wollte offenbar möglichst viele Teammitglieder von Borussia Dortmund töten oder verletzen und so einen Kurssturz der BVB-Aktie herbeiführen. Der Verdächtige hatte am Tag der Tat 15.000 Verkaufsoptionen - sogenannte Put-Optionen - in Bezug auf die Aktie von Borussia Dortmund gekauft. Die Optionsscheine finanzierte er über einen Anfang April aufgenommenen Verbraucherkredit - nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger in Höhe von 79.000 Euro.

Käufer von sogenannten Put-Optionen spekulieren auf fallende Kurse. Put-Optionen berechtigen ihren Inhaber, innerhalb eines bestimmten Zeitraums - hier: bis zum 17. Juni 2017 - eine festgelegte Menge eines bestimmten Wertpapieres zu einem im Voraus festgelegten Preis zu verkaufen. Die Höhe des Gewinns hängt von der Höhe des Kursverlustes ab. Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia Dortmund hätte hier der Gewinn nach vorläufigen Berechnungen ein Vielfaches des Einsatzes betragen - Jäger spricht von einem Millionengewinn. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn in Folge des Anschlags Spieler schwer verletzt oder gar getötet worden wären.

Wie funktioniert eine Put-Option?

Die Wette

Börse Frankfurt

Im Grunde handelt es sich um eine Wette: Ein Investor spekuliert darauf, dass ein Kurs fällt, die andere Seite - oft eine Bank - hält dagegen und bekommt dafür eine kleine Prämie. Rutscht nun beispielsweise die BVB-Aktie tatsächlich unter den zwischen beiden Seiten vereinbarten Preis, kann der Investor die Differenz praktisch als Gewinn einstreichen.

Vor allem wenn der Kursrutsch schnell und heftig ausfällt, rechnet sich das für den Investor. Es winkt ihm die Chance, binnen kürzester Zeit seinen Kapitaleinsatz zu vervielfachen. Anders gesagt: Es lassen sich bei Optionsgeschäften mit vergleichsweise geringen Einsätzen große Summen verdienen. Die Details im Falle des BVB liegen allerdings noch im Dunkeln.

(Quelle: dpa)

Die Hintergründe

Frank Bethmann im Gespräch

Was steckt hinter dem Versuch die BVB-Aktie durch einen Bombenanschlag zum Fall zu bringen? Und welche Auswirkungen hatte der Anschlag wirklich? ZDF-Finanzexperte Frank Bethmann über Hintergründe und Folgen der Tat.

Zimmer im BVB-Hotel

Der Kauf der Optionen erfolgte über die IP-Adresse des Hotels L’Arrivée, in dem die Mannschaft des BVB logiert. Sergej W. hatte bereits Mitte März ein Zimmer mit Ausblick auf den späteren Anschlagsort für den Zeitraum vom 9. bis 13. April sowie für den Zeitraum vom 16. bis 20. April gebucht. Womöglich löste er von dort über Funk die Detonation der Sprengsätze aus. Die Termine umfassten beide Begegnungen der Champions League zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco. Zum Zeitpunkt der Buchung stand allerdings noch nicht fest, an welchem Tag das Heimspiel in Dortmund stattfinden sollte.

Die Bundesanwaltschaft geht von einem Einzeltäter aus. Bislang lägen den Ermittlern keine Hinweise vor, dass der 28-jährige Tatverdächtige Gehilfen oder Komplizen hatte. Der Mann wird nun einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der über den Haftbefehl entscheidet.

Jäger sagte, es gebe "eine Fülle von Indizien", die auf den Tatverdächtigen hinwiesen. Der Mann habe unter anderem auf ein spezielles Hotelzimmer mit Außenblick auf den Tatort bestanden. Die benutzte Technik für den Sprengsatz sei hochprofessionell gewesen, die Bomben hätten dennoch "ein bis zwei Sekunden" später gezündet. Der Bus sei zu diesem Zeitpunkt bereits zum größten Teil an den Sprengsätzen vorbeigefahren. "Die Sprengvorrichtung hätte möglicherweise töten können, das hat der Täter ins Kalkül genommen", sagte Jäger.

BVB dankt Ermittlern

"Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte", werden Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Dr. Reinhard Rauball in einer BVB-Mitteilung zitiert.

Ähnlich wie die Führungskräfte reagierten die Profis: BVB-Kapitän Marcel Schmelzer wünschte sich, "dass wir die tatsächlichen Hintergründe des Anschlags erfahren". Für alle, die im Bus saßen, "wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern". Der Verein bedankte sich bei all "den unzähligen Menschen, die uns durch Worte und Taten unterstützt haben".

De Maizière: "Besonders widerwärtiges Tatmotiv"

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Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) nannte die Festnahme einen "großen Erfolg" und dankte allen beteiligten Polizisten. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv", wurde de Maiziere in einer Mitteilung zitiert. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte die Festnahme eine "gute Nachricht für den Fußball".

Bei dem Anschlag auf den BVB waren am 11. April drei Sprengsätze mit Metallstiften in der Nähe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund detoniert. Die drei Sprengsätze waren in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht und genau gezündet, als der Bus vorbei fuhr. Der spanische BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt.

Am Tatort wurden drei wortgleiche Bekennerschreiben gefunden, die ein radikal-islamistisches Motiv vorgaben. Daran bestanden aber Zweifel. Auch ein rechtsextremistisches Bekennerschreiben, das bei verschiedenen Medien einging, wies Ungereimheiten auf.

Pressekonferenz zum BVB-Angreifer

Bundesanwaltschaft informiert über Festnahme

Polizeiaktion

21.04.2017, Quelle: ZDF, dpa
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