26.06.2016
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merkzettel

Nach Anschlag in Ankara Lüders: Keine vorschnelle Vergeltung

BildTürkische Artillerie
Türkische Artillerie nahe der Grenze zu Syrien

(Quelle: ap)

VideoErdogans Wahrnehmung eigen
Michael Lüders

"Ginge es nur nach Erdogan, wären türkische Truppen wahrscheinlich schon in Syrien", sagt Nahostexperte Michael Lüders. Die türkische Generalität jedoch erkenne, dass dies gefährlich sei.

(19.02.2016)

Video"Herz des Staates getroffen"
Luten Leinhos

"Die Polizei hat den Tatort weiträumig abgesperrt", so ZDF-Reporter Luten Leinhos. Noch halte sich die Regierung zurück bei der Schuldzuweisung. Die Verschärfung des Kurdenkonflikts sei zu befürchten.

(18.02.2016)

VideoKämpfe im Kurdengebiet
Polizisten am Anschlagsort am 17.02.2016

Ankaras Sicherheitskräfte gehen gegen separatistische Kurden vor. Unter den anhaltenden Kämpfen leiden besonders die Zivilisten.

(30.01.2016)

Für den türkischen Ministerpräsidenten Davutoğlu waren die Schuldigen schnell gefunden: Er machte kurdische Terroristen für den Anschlag in Ankara verantwortlich. Im ZDF morgenmagazin warnte Nahostexperte Lüders vor schnellen Urteilen. Auch die USA riefen die Türkei und die Kurden zur Zurückhaltung auf. 

Es sei erstaunlich, "mit welcher Geschwindigkeit türkische Behörden herausfinden, wer die Urheber" für die Anschläge seien, sagte Nahostexperte Michael Lüders im morgenmagazin. Zugleich warnte er vor einer möglichen Entsendung türkischer Bodentruppen nach Syrien, um dort Terroristen zu bekämpfen. Die Lage könnte "massiv eskalieren, wenn das NATO-Mitglied Türkei auf syrischem Gebiet auf russische Truppen oder Kampfpiloten trifft." Die Lage in Syrien werde immer gefährlicher: "Das weiß man letztendlich auch in der NATO und es wird auch von Washington und Brüssel klare Regieanweisungen geben in Richtung Ankara - nach dem Motto überspannt den Bogen nicht."

USA sieht Anschuldigungen skeptisch

Die USA teilten unterdessen mit, es sei ihnen nicht möglich zu sagen, ob die Anschuldigungen der Türkei gegen die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) stimmten oder nicht. Das sagte Außenamtssprecher John Kirby am Donnerstag in Washington. Die US-Regierung habe Ankara aber schon vor dem Anschlag in Ankara aufgefordert, die Angriffe auf die YPG einzustellen, ebenso wie sie die syrische Kurdenmiliz zur Zurückhaltung aufgefordert habe.

Dieser Aufruf gelte weiterhin, sagte Kirby. "Wir würden gerne eine Abnahme der Spannungen sehen." Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die YPG für den Anschlag vom Mittwoch auf einen Militärkonvoi in Ankara mit 28 Toten verantwortlich gemacht. Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sprach von einem Angriff "auf die gesamte Nation". Ziel des Anschlags waren nach Angaben der Armee Busse, die Angehörige der Streitkräfte transportierten.

Terroristen für Ankara, Verbündete für die USA

Weitere Links zum Thema

Während Ankara die YPG als "Terroristen" betrachtet, werden sie von den USA als wichtiger Verbündeter gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gesehen.

Seit dem Wochenende greift die türkische Artillerie auch die YPG im Norden Syriens an, um ein weiteres Vorrücken der kurdischen Miliz zu verhindern. Am Donnerstagabend habe die Armee die Stellungen der Miliz von türkischer Seite aus unter den bislang massivsten Beschuss genommen. Das teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Das Bombardement im Norden der Provinz Aleppo dauerte mehrere Stunden, erklärte die Organisation mit Sitz in Großbritannien, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind. Dabei werde auch die Stadt Afrin angegriffen. Bereits am Mittwochabend hatte die türkische Luftwaffe Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak bombardiert, wie der irakische Fernsehsender Al Sumaria berichtete.

Die Armee geht seit Mitte Dezember mit einer Offensive gegen PKK-Kämpfer vor, die sich in Städten im überwiegend von Kurden bewohnten Südosten der Türkei verschanzt haben. In mehreren Bezirken gelten seitdem Ausgangssperren. Zuletzt hatte die Armee ihren Einsatz in der Nacht zum Mittwoch auf die Stadt Idil ausgeweitet. Ein mehr als zwei Jahre anhaltender Waffenstillstand zwischen PKK und türkischer Regierung war im Juli gescheitert. Seitdem eskaliert der Konflikt.

Türkei kämpft an mehreren Fronten

In der Vergangenheit kam es jedoch auch immer wieder zu Anschlägen, die nicht von der PKK verübt wurden, sondern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder linksterroristischen Gruppen angelastet wurden. Im vergangenen Monat riss ein Selbstmordattentäter in Istanbul elf deutsche Touristen mit in den Tod. Die Regierung machte den IS für diese Tat verantwortlich.

Im Oktober waren in Ankara beim schwersten Anschlag in der jüngeren Geschichte der Türkei mehr als hundert Menschen getötet worden. Ziel waren damals Teilnehmer einer regierungskritischen Friedensoperation. Die Regierung machte auch dafür den IS verantwortlich.

Anschlagsort in Ankara

Infokarte

Infokarte: Anschlagsort in Ankara

19.02.2016, Quelle: afp, dpa, ZDF
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