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Nach Terror-Anschlägen in Brüssel Belgien trauert - Ermittlungen laufen weiter

VideoBelgien trauert
Kerzen stehen am 23. März 2016 in Brüssel an einer Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge

Der Schock nach den Attentaten in Brüssel sitzt tief: Angehörige suchen verzweifelt nach Vermissten. Ganz Belgien trauert um die Toten und zeigt Mitgefühl mit den Verletzten und Angehörigen.

(23.03.2016)

VideoFieberhafte Fahndung
Kerzen und Blumen für die Opfer nach den Anschlägen in Brüssel

Nach den Attentaten in Brüssel mit mehr als 30 Toten und  bis zu 300 Verletzten wird nach den Tätern gefahndet. Heute wurden die Selbstmordattentäter identifiziert.

(23.03.2016)

Video"Zeichen der Anteilnahme setzen"
ZDF-Korrespondent Stefan Leifert zu den Terroranschlägen

ZDF-Korrespondent Stefan Leifert berichtet aus Brüssel über neue Erkenntnisse zu den Terroranschlägen. In der belgischen Hauptstadt gilt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe.

(23.03.2016)

VideoChaos bei den Geheimdiensten
Europol Zusammenarbeit

Nicht nur innerhalb Belgiens scheint die Weitergabe von wichtigen Informationen schwierig. Auch die europäischen Geheimdienste machen gerne ihr eigenes Ding. Wie soll die Zusammenarbeit weiter gehen?

(23.03.2016)

Kurzmeldung

  • Flughafenpersonal versammelt sich zu Schweigemarsch für Terroropfer 00:25 Uhr 24.03.2016
    Zahlreiche Mitarbeiter und Anwohner des Brüsseler Flughafens haben sich am Mittwochabend zu einem Schweigemarsch versammelt. An dem Gedenken an die Opfer der Terroranschläge beteiligten sich nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga Hunderte Menschen. Etliche trugen Kerzen, Blumen oder Taschenlampen bei sich. Bei den islamistischen Terroranschlägen am Brüsseler Flughafen und einer Metrostation im Europaviertel der belgischen Hauptstadt waren am Dienstag insgesamt 31 Menschen getötet worden. 300 weitere Personen wurden verletzt.

Einen Tag nach den Terroranschlägen in Brüssel scheint klar, wer die Attentäter waren. Die drei Belgier sollen alle Verbindungen zu den Pariser Terroristen gehabt haben. Unter höchster Warnstufe laufen die Ermittlungen weiter. Gibt es eine Verbindung nach Deutschland? 

Nach den Terroranschlägen in Brüssel mit mindestens 31 Toten sind die drei Selbstmordattentäter identifiziert. Alle sind in Belgien geboren und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui und Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Ein europäischer Geheimdienstvertreter und ein französischer Polizist bestätigten der Nachrichtenagentur AP, über DNA-Spuren sei nachgewiesen worden, dass Laachraoui einer der Angreifer gewesen sei. Noch gefahndet wird nach einem Komplizen, der vom Flughafen geflüchtet sein soll. Die Türkei will Belgien im Sommer offiziell vor einem der drei gewarnt haben, doch hätten die Behörden den Mann freigelassen.

Mehrere Deutsche unter den Verletzten

Laut Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw waren die Brüder El Bakraoui belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten polizeibekannt. Der Ältere, Ibrahim, sprengte sich auf dem Flughafen Brüssel in die Luft, nach Berichten belgischer Medien ebenso wie Laachraoui, der im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht wurde. Der jüngere Bruder, Khalid, zündete seine Bombe in der Metro-Station Maelbeek.

Zahl der Verletzten gestiegen

Die Zahl der bei den Brüsseler Terroranschlägen verletzten Menschen ist erneut nach oben korrigiert worden. Nach am Mittwochabend veröffentlichten Zahlen erlitten nicht 270, sondern 300 Personen leichte oder schwere Verletzungen. Die Hälfte von ihnen lag am Mittwoch noch in Krankenhäusern, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Der Anstieg der Zahl wurde unter anderem damit erklärt, dass eine Reihe von Verletzten infolge der Explosionen unter Hörproblemen litten. Sie meldeten sich teilweise erst mit Verspätung in den Krankenhäusern.

Verletzt wurden nach jüngsten Angaben 300 Menschen, darunter auch mehrere Deutsche und rund ein Dutzend US-Bürger. Es ist zu befürchten, dass sich die Zahl von 31 Toten noch erhöht. Aus Sorge vor neuen Anschlägen blieb die höchste Terror-Warnstufe in Kraft. Der Flughafen Zaventem bleibt bis einschließlich Freitag weitgehend geschlossen.

Attentäter: Mit dem Taxi zum Tatort

Auf einem Foto einer Überwachungskamera im Flughafen wurde einer von drei abgebildeten Männern von der Staatsanwaltschaft als Ibrahim El Bakraoui identifiziert. Einer der beiden anderen dürfte Laachraoui sein. Dies wurde von den belgischen Behörden aber zunächst nicht bestätigt. Der Dritte aber entkam und ist bislang unbekannt. Das Trio war gemeinsam per Taxi zum Flughafen gekommen.

Der 24-jährige Najim Laachraoui stammt aus dem Stadtteil Schaerbeek, wo am Dienstag ein mutmaßlicher Unterschlupf der Attentäter ausgehoben wurde. Der Dschihadist soll im Februar 2013 nach Syrien gereist sein. Anfang September 2015 geriet er - mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal - zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Abdeslam und Belkaid gelten als mutmaßliche Beteiligte der Pariser Anschläge, bei denen im November 130 Menschen getötet wurden.

Laachraoui erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben

Laachraouis DNA soll auch auf Sprengstoff gefunden worden sein, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde. Er war erst vor kurzem identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben worden. Möglicherweise gibt es bei ihm auch eine Verbindung nach Deutschland. Wie Bayerns Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte, hat inzwischen gefasste Abdeslam im September in Bayern übernachtet. Er sei damals mit zwei anderen Männern im Landkreis Kitzingen in einem Gasthof gewesen. Geprüft werde, ob einer der beiden Laachraoui gewesen sei.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Ankara, einer der Brüsseler Angreifer sei im Juni festgenommen und ausgewiesen worden. Die belgischen Behörden seien am 14. Juli informiert worden. Laut Medienberichten handelte es sich um den älteren Bruder Ibrahim, der aber von den belgischen Behörden freigelassen wurde.

Belgien weist Vorwurf zurück

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Der belgische Justizminister Koen Geens wies den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück. El Bakraoui habe in Belgien keine terroristischen Straftaten begangen, sagte er dem Sender VRT. Seines Wissens sei El Bakraoui auch nicht nach Belgien, sondern in die Niederlande abgeschoben worden.

Nach dem Hinweis eines Taxifahrers wurde im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek ein Laptop mit Bakraouis Testament gefunden. In einer nahen Wohnung entdeckten Ermittler weitere 15 Kilogramm Sprengstoff und anderes Material zum Bau von Bomben. Dort fand sich auch eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die sich zu den Anschlägen bekannt hat.

Dreitägige Staatstrauer in Belgien

Der jüngere der beiden nun identifizierten Brüder soll unter falschem Namen auch eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge von Paris genutzt wurde. Gleiches gilt für eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest, wo es bereits vor einer Woche bei einer Hausdurchsuchung zu einer Schießerei mit der Polizei kam. Ein mutmaßlicher Terrorist kam ums Leben, zwei Verdächtige flüchteten.

In Belgien gilt noch bis Karfreitag eine dreitägige Staatstrauer. Aus Solidarität wurden Wahrzeichen vieler anderer Metropolen in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet. Dazu gehörten auch das Brandenburger Tor in Berlin und der Eiffelturm in Paris. Am Donnerstag soll es eine landesweite Schweigeminute, teilte die belgische Regierung mit.

USA warnt vor Reisen nach Europa

In ganz Europa herrscht seit den Anschlägen Terrorangst. Vielerorts wurden Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die US-Regierung warnte ihre Bürger angesichts der jüngsten Anschläge vor Gefahren bei Reisen nach Europa.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht davon aus, dass das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England am Samstag in Berlin stattfinden kann. "Wir haben keine Hinweise auf eine Sicherheitsgefährdung, und wir wollen - wenn es irgendwie geht - unser freiheitliches Leben nicht durch den Terror beeinflussen lassen", sagte er dem "RTL Nachtjournal". Kurz nach den Anschlägen von Paris war ein Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover kurzfristig abgesagt worden.

Nach dem Terror von Brüssel wollen die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister an diesem Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammenkommen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wies darauf hin, dass konkrete Vorschläge für mehr Sicherheit in Europa seit Monaten auf dem Tisch liegen.

23.03.2016, Quelle: dpa
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