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US-Außenminister in Brüssel Neue Razzien und Festnahmen in Brüssel

VideoKerry in Brüssel
Polizeieinsatz in Brüssel.

In Belgien und Frankreich sind mehrere Terror-Razzien durchgeführt worden. In Frankreich wurde offenbar ein weiterer Anschlag vereitelt, der aber nicht in Zusammenhang mit Brüssel stehen soll.

(25.03.2016)

VideoGab es einen fünften Täter?
Feuerwehr und Rettungswagen vor Metro in Brüssel

Nach den Terroranschlägen in Brüssel kommen immer mehr Details ans Licht. Möglicherweise gab es einen fünften Täter.

(24.03.2016)

VideoDer Donnerstag in Brüssel
Festnahmen in Brüssel.

Die belgische Polizei hat am Abend die Festnahme von sechs Verdächtigen gemeldet. Für viele weit wichtiger als die Suche nach weiteren Attentätern: Die Suche nach ihren Liebsten.

(24.03.2016)

Brüssel kommt nicht zur Ruhe. Nach den Razzien am Vortag, ist es dort auch heute wieder zu Anti-Terror-Einsätzen gekommen. Dabei wurde mindestens ein Mann festgenommen. Dessen ungeachtet besucht US-Außenminister John Kerry die belgische Hauptstadt, um das "tief empfundene Mitleid" der USA zu übermitteln. 

Die belgische Polizei hat bei einem neuen Anti-Terror-Einsatz in Brüssel an diesem Freitag einen Verdächtigen festgenommen. Das sagte der Bürgermeister des Stadtteils Schaerbeek, Bernard Clerfayt. Der Verdächtige habe bei dem Einsatz eine "leichte Verletzung am Bein" erlitten. Es habe wegen der Entschärfung von Bomben mehrere kleine Explosionen gegeben.

Medienberichten zufolge wurde der Einsatz inzwischen beendet. Die Nachrichtenagentur Belga hatte zuvor gemeldet, eine Spezialeinheit habe eine Wohnung in Schaerbeek gestürmt. Berichten zufolge waren zwei Explosionen zu hören. Sprengstoffexperten seien vor Ort. Der Sender RTBF berichtete, ein Mann mit einem Rucksack sei "neutralisiert" worden.

Gebiet abgeriegelt

Während des Großeinsatzes war die Gegend um eine große Kreuzung in Schaerbeek vollständig abgeriegelt, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Aus Schaerbeek waren die Brüsseler Attentäter am Dienstagmorgen mit ihrem Sprengstoff in einem Taxi losgefahren, bevor sie am Flughafen und in der U-Bahn der belgischen Hauptstadt 31 Menschen töteten und 300 weitere verletzen. Am Donnerstagabend hatten die belgischen Sicherheitskräfte bereits sechs Verdächtige im Zusammenhang mit den Brüsseler Anschlägen vom Dienstag festgenommen.

Aus französischen Polizeikreisen hieß es, die Razzia am Freitag stehe im Zusammenhang mit der Festnahme eines Islamisten bei Paris vom Vortag. Am Donnerstag war in Argenteuil ein Mann festgenommen worden, der Verbindungen zu dem mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben soll. 

Eine belgische Zeitung verbreitete die Aufnahme eines Mannes, der bei der Razzia verletzt worden sein soll. Bei ihm handele es sich vermutlich Mohammed Abrini. Der Belgier, ein guter Freund des Terroristen Salah Abdeslam, soll an den Anschlägen von Paris beteiligt gewesen sein. Nach dem 30-Jährigen läuft eine Großfahndung.

Im Laufe des Karfreitags sollte über die Haftbefehle entschieden werden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Ob unter den sechs bei Anti-Terror-Razzien festgenommenen Verdächtigen auch zwei von Überwachungskameras aufgenommene Komplizen der Attentäter waren, war zunächst unklar. 

Unterdessen bestätigte die belgische Staatsanwaltschaft Medienberichte der vergangenen Tage, nach denen der 24-jährige Najim Laachraoui einer der beiden Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen ist.  Laachraoui war auf Bildern einer Überwachungskamera links zu sehen. Er gilt als Komplize des am vergangenen Freitag in Brüssel im Zusammenhang mit der Pariser Terrorserie vom November 2015 festgenommenen Salah Abdeslam.

Kerry verspricht Unterstützung

US-Außenminister John Kerry sicherte derweil den Belgiern bei seinem Besuch in Brüssel die Unterstützung seiner Regierung zu. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hätten Europäer mit dem Satz "Ich bin Amerikaner" ihre Solidarität erklärt. Nun sage er für die USA: "Je suis Bruxellois" und "Ik ben Brussel" - "Ich bin Brüsseler" in den belgischen Landessprachen Französisch und Flämisch.

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Kerry drückte Premierminister Charles Michel und allen Belgiern sein "tief empfundenes Mitleid" aus. Die Anschläge mit 31 Toten in Brüssel verdeutlichten die Notwendigkeit, "den gewaltsamen Extremismus" zu bekämpfen und die Dschihadistenmiliz IS zu besiegen. "Wir werden jede erforderliche Hilfe leisten, um diese abscheulichen Taten aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", sagte er bei dem kurzfristig angesetzten Besuch in der belgischen Hauptstadt. "Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden", sagte Kerry zu den Bemühungen der internationalen Anti-IS-Koalition.

Bei den Attentaten am Dienstag wurden nach Angaben Kerrys auch US-Bürger getötet. US-Regierungsvertreter sprachen von mindestens zwei Toten. Kerry traf in Brüssel auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Zudem war eine Begegnung mit dem belgischen König Philippe geplant.

Belgien will Einsatz gegen IS in Syrien unterstützen

Unterdessen zieht Premier Michel eine zusätzliche Unterstützung der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz IS in Erwägung. Es werde entsprechende Gespräche in der Regierung und im Parlament geben, sagte er bei der Pressekonferenz mit Kerry in Brüssel.

Nach bisherigen Absprachen wird Belgien im Sommer wieder F16-Kampfjets für Angriffe gegen den IS im Irak zur Verfügung stellen. Zuletzt waren belgische Flugzeuge von Oktober 2014 bis Juli 2015 für die US-geführte Anti-IS-Koalition im Einsatz. Nach Militärangaben flogen sie dabei 163 Angriffe gegen Stellungen der Terrormiliz im Irak. Derzeit übernehmen die Niederlande diese Aufgabe.

Ermittlungen nach Brüsseler Anschlägen

Was ist passiert?

Eingang der U-Bahn-Station Maalbeek am 23.03.2016

Um 07.58 Uhr morgens erschüttern am 22. März zwei Explosionen die Abflughalle des Brüsseler Flughafens. Ausgelöst wurden sie von zwei Selbstmordattentätern. Ein dritter Mann - auf Fahndungsfotos mit Hut und Kinnbart zu sehen - flüchtete. Er hinterließ eine Tasche mit einem nicht explodierten Sprengsatz. Dieser wurde später kontrolliert gesprengt. Kurz nach 09.00 Uhr folgt eine Explosion in der U-Bahn-Station Maelbeek unweit der Gebäude der EU-Kommission und des Europäischen Rates. Insgesamt werden bei den Anschlägen 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

Welche Täter sind identifiziert?

Mutmaßliche Täter in Brüssel am Flughafen

Mit Hilfe von Fingerabdrücken können die Ermittler die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui als Selbstmordattentäter identifizieren. Der 27-jährige Khalid El Bakraoui verübte laut Staatsanwaltschaft den Anschlag in der U-Bahn; der 29-jährige Ibrahim war demnach einer der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen. Bei dem anderen Airport-Selbstmordattentäter handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui.

Wie viele Verdächtige sind auf der Flucht?

Bereits seit Dienstag wird nach dem geflohenen Komplizen der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen gefahndet. Seit Donnerstag sucht die belgische Polizei außerdem nach einem Verdächtigen, der in der U-Bahn eine große Tasche bei sich hatte und mit dem Attentäter Khalid El Bakraoui sprach, bevor dieser in die Bahn einstieg und sich in die Luft sprengte.

Was machten die Brüder El Bakraoui vorher?

Khalid (li) und Brahim El Bakraoui

Beide sind Belgier und in Brüssel geboren. Sie waren der Polizei wegen einer Reihe von Delikten bekannt. Khalid El Bakraoui wurde 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Autodiebstahls unter Gewaltanwendung verurteilt. Ibrahim El Bakraoui erhielt 2010 eine neunjährige Haftstrafe, weil er an einem Einbruch beteiligt war, bei dem Polizisten mit einer Kalaschnikow beschossen wurden.

Waren die Attentäter vorher bekannt?

Polizei-Einsatz im Brüsseler Vorort Molenbeek am 18.03.2016

Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahmen die türkischen Behörden Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 an der syrischen Grenze fest und schoben ihn nach Amsterdam ab. Die Türkei habe die belgischen Behörden gewarnt, dass El Bakraoui ein "terroristischer Kämpfer" sei. Die Regierungen Belgiens und der Niederlande stellten klar, dass El Bakraoui nicht unter Terrorismusverdacht gestanden habe.

Welche Bedeutung hat der Stadtteil Schaerbeek?

Nach den Anschlägen in Brüssel hat die Regierung bis Donnerstag zur Staatstrauer ausgerufen. Um den Opfern des Anschlags zu gedenken wurde heute Mittag in Belgien eine Schweigeminute gehalten.

Eine nach den Anschlägen durchsuchte Wohnung könnte das Versteck oder die Bombenwerkstatt der Attentäter gewesen sein. Die Ermittler fanden dort 15 Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs TATP, 150 Liter Aceton, Zünder und Taschen voller Nägel. Auf die Spur nach Schaerbeek brachte die Ermittler ein Taxifahrer, der die Attentäter zum Flughafen brachte und auf einem Fahndungsfoto erkannte. Am Freitag wurde bei einem weiteren Anti-Terror-Einsatz in dem Stadtteil ein Verdächtiger festgenommen.

Gibt es Verbindungen zu den Paris-Anschlägen?

Unbeleuchteter Eiffelturm am 15.11.2015 in Paris

Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag Medienberichte, wonach Khalid El Bakraoui unter falschem Namen in Charleroi eine Wohnung für die Paris-Attentäter angemietet hatte. Auch Najim Laachraoui war wegen der Pariser Anschläge im Visier der Fahnder. Er war im September unter dem falschen Namen Soufiane Kayal zusammen mit Salah Abdeslam an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden. Abdeslam wurde am 18. März in Brüssel festgenommen. Er soll an den Anschlägen von Paris im November mit 130 Toten beteiligt gewesen sein. Der in der Schaerbeeker Wohnung gefundene Sprengstoff TATP wurde bereits mehrfach von IS-Attentätern eingesetzt. (Quelle: afp)

25.03.2016, Quelle: afp, dpa, reuters
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