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Terrornetzwerk Festnahmen und Razzien in Belgien und Frankreich

VideoFestnahmen bei Razzien
Polizeieinsatz in Brüssel.

In Belgien und Frankreich sind mehrere Terror-Razzien durchgeführt worden. In Frankreich wurde offenbar ein weiterer Anschlag vereitelt, der aber nicht in Zusammenhang mit Brüssel stehen soll.

(25.03.2016)

VideoGab es einen fünften Täter?
Feuerwehr und Rettungswagen vor Metro in Brüssel

Nach den Terroranschlägen in Brüssel kommen immer mehr Details ans Licht. Möglicherweise gab es einen fünften Täter.

(24.03.2016)

VideoDer Donnerstag in Brüssel
Festnahmen in Brüssel.

Die belgische Polizei hat am Abend die Festnahme von sechs Verdächtigen gemeldet. Für viele weit wichtiger als die Suche nach weiteren Attentätern: Die Suche nach ihren Liebsten.

(24.03.2016)

Die Verflechtungen zwischen den islamistischen Milieus in Belgien und Frankreich werden immer deutlicher sichtbar. In Brüssel wurden heute bei Razzien drei Verdächtige festgenommen. Die Anti-Terror-Einsätze standen im Zusammenhang mit neuen Anschlagsplänen in Frankreich. 

Wegen offenbar konkreter Anschlagspläne war zuvor nahe Paris ein in Belgien verurteilter Islamist festgenommen worden. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass der wegen der Pariser Anschläge vom November gesuchte Najim Laachraoui einer der Brüsseler Selbstmordattentäter war.

In einer Wohnung in Argenteuil bei Paris wurde am Donnerstag der 34-jährigen Reda Kriket festgenommen, der Verbindungen zu dem mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben soll. Laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve wurde damit ein "im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in Frankreich vereitelt". Abaaoud war wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

Bei der Durchsuchung der Wohnung in Argenteuil fanden die Ermittler mehrere Schnellfeuergewehre sowie Sprengstoff, unter anderem TATP, das bei den Anschlägen von Paris und vermutlich auch von Brüssel verwendet wurde.

Details zum Terror-Netzwerk

Zu den Netzwerkverbindungen der Attentäter erklärt ZDF-Terrorismus-Experte Elmar Theveßen: "Die Festnahmen in Frankreich und Belgien zeigen immer deutlicher, dass es ein länderübergreifendes Netz gibt, das als vereinendes Element vor allem die französische Sprache hat. Die Terroristen an den Schlüsselstellen dieses Netzwerks haben gemeinsam in Syrien für den sogenannten IS gekämpft. Sie waren Teil einer Eliteeinheit, der sich vor allem französischsprachige Kämpfer aus Frankreich, Belgien und Nordafrika angeschlossen haben. Die Mitglieder dieser Gruppe mit dem Namen Katibat al-Battar al-Libi (KBL) sind an Waffen und Sprengstoff ausgebildet und kämpfen im Terrorkrieg an vorderster Front. Diese Front hat der IS mit ihrer Hilfe nun nach Europa ausgedehnt. Dabei greifen die Terroristen dann auf persönliche Netzwerke – Bekannte und Freunde – zurück, die ihnen bereitwillig helfen."

Razzien in Brüssel

Im Zusammenhang mit der Festnahme Krikets gab es am Freitag neue Anti-Terror-Einsätze in Brüssel. Laut Staatsanwaltschaft wurde bei Wohnungsdurchsuchungen in den drei Stadtteilen Forest, Schaerbeek und Saint-Gilles jeweils ein Verdächtiger festgenommen. Außerdem kam es wegen der Entschärfung von Bomben zu mehreren kleinen Explosionen.

Der Festgenommene in Schaerbeek wurde verletzt: In einer dramatischen Aktion an einer Straßenbahnhaltestelle schossen Beamte ihm ins Bein. In dem Stadtteil, von dem aus die Brüsseler Attentäter am Dienstagmorgen gestartet waren, war in dieser Woche eine Bombenwerkstatt entdeckt worden.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Brüsseler Anschlägen wurden in der belgischen Hauptstadt am Donnerstagabend sechs Verdächtige festgenommen. Die Terrorwarnstufe im Land wurde auf die zweithöchste Stufe drei gesenkt.

Zwei Flüchtige

Zwei Männer, die auf Bildern von Überwachungskameras neben den drei Selbstmordattentätern vom Dienstag zu sehen waren, waren am Freitag weiter flüchtig. Zwei der Attentäter - Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui - hatten sich am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt, Ibrahims Bruder Khalid El Bakraoui in einer U-Bahn-Station im Brüsseler Europaviertel. Insgesamt wurden 31 Menschen getötet und rund 300 weitere verletzt.

Laachraoui war bereits im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht worden, bei denen am 13. November 130 Menschen getötet wurden. Der belgischen Staatsanwaltschaft zufolge wurde seine DNA auf Sprengsätzen gefunden, die bei den Pariser Anschlägen verwendet wurden, sowie auf einem in der Pariser Konzerthalle Bataclan gefundenen Stofffetzen.

Hollande optimistisch: Netzwerk wird vernichtet

Frankreichs Präsident François Hollande sagte, das Netzwerk der Attentäter von Paris und Brüssel sei "dabei, vernichtet zu werden". Aber es gebe "andere Netzwerke", die eine "Bedrohung" darstellten, sagte Hollande bei einem Treffen mit dem früheren israelischen Präsidenten Schimon Peres in Paris.

US-Außenminister John Kerry zeigte sich bei einem Besuch in Brüssel am Freitag solidarisch: "Je suis Bruxellois" und "Ik ben Brussel", sagte Kerry in den Landessprachen Französisch und Flämisch. Mindestens zwei US-Bürger - ein Bruder und eine Schwester aus New York - wurden bei den Anschlägen getötet. Unter den aus insgesamt neun Nationen stammenden Toten ist auch eine Frau aus Aachen, wie die Aachener Polizei bestätigte.

Weitere Links zum Thema
In Deutschland wurden Zwei Verdächtige festgenommen, die Verbindungen zu den Attentätern gehabt haben sollen. Die Festnahmen fanden in Düsseldorf und in Gießen statt.

Der am 18. März in Brüssel festgenommene Paris-Attentäter Salah Abdeslam will seit den Anschlägen vom Dienstag nicht mehr mit den Ermittlern reden, wie Belgiens Justizminister Koen Geens vor Parlamentariern sagte. Frankreich fordert Abdeslams Auslieferung, dieser stemmt sich inzwischen nicht mehr dagegen.

Belgien will Einsatz gegen IS in Syrien unterstützen

Unterdessen zieht Premier Michel eine zusätzliche Unterstützung der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz IS in Erwägung. Es werde entsprechende Gespräche in der Regierung und im Parlament geben, sagte er bei der Pressekonferenz mit Kerry in Brüssel.

Nach bisherigen Absprachen wird Belgien im Sommer wieder F16-Kampfjets für Angriffe gegen den IS im Irak zur Verfügung stellen. Zuletzt waren belgische Flugzeuge von Oktober 2014 bis Juli 2015 für die US-geführte Anti-IS-Koalition im Einsatz. Nach Militärangaben flogen sie dabei 163 Angriffe gegen Stellungen der Terrormiliz im Irak. Derzeit übernehmen die Niederlande diese Aufgabe.

Ermittlungen nach Brüsseler Anschlägen

Was ist passiert?

Eingang der U-Bahn-Station Maalbeek am 23.03.2016

Um 07.58 Uhr morgens erschüttern am 22. März zwei Explosionen die Abflughalle des Brüsseler Flughafens. Ausgelöst wurden sie von zwei Selbstmordattentätern. Ein dritter Mann - auf Fahndungsfotos mit Hut und Kinnbart zu sehen - flüchtete. Er hinterließ eine Tasche mit einem nicht explodierten Sprengsatz. Dieser wurde später kontrolliert gesprengt. Kurz nach 09.00 Uhr folgt eine Explosion in der U-Bahn-Station Maelbeek unweit der Gebäude der EU-Kommission und des Europäischen Rates. Insgesamt werden bei den Anschlägen 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

Welche Täter sind identifiziert?

Mutmaßliche Täter in Brüssel am Flughafen

Mit Hilfe von Fingerabdrücken können die Ermittler die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui als Selbstmordattentäter identifizieren. Der 27-jährige Khalid El Bakraoui verübte laut Staatsanwaltschaft den Anschlag in der U-Bahn; der 29-jährige Ibrahim war demnach einer der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen. Bei dem anderen Airport-Selbstmordattentäter handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui.

Wie viele Verdächtige sind auf der Flucht?

Bereits seit Dienstag wird nach dem geflohenen Komplizen der beiden Selbstmordattentäter am Flughafen gefahndet. Seit Donnerstag sucht die belgische Polizei außerdem nach einem Verdächtigen, der in der U-Bahn eine große Tasche bei sich hatte und mit dem Attentäter Khalid El Bakraoui sprach, bevor dieser in die Bahn einstieg und sich in die Luft sprengte.

Was machten die Brüder El Bakraoui vorher?

Khalid (li) und Brahim El Bakraoui

Beide sind Belgier und in Brüssel geboren. Sie waren der Polizei wegen einer Reihe von Delikten bekannt. Khalid El Bakraoui wurde 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Autodiebstahls unter Gewaltanwendung verurteilt. Ibrahim El Bakraoui erhielt 2010 eine neunjährige Haftstrafe, weil er an einem Einbruch beteiligt war, bei dem Polizisten mit einer Kalaschnikow beschossen wurden.

Waren die Attentäter vorher bekannt?

Polizei-Einsatz im Brüsseler Vorort Molenbeek am 18.03.2016

Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nahmen die türkischen Behörden Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 an der syrischen Grenze fest und schoben ihn nach Amsterdam ab. Die Türkei habe die belgischen Behörden gewarnt, dass El Bakraoui ein "terroristischer Kämpfer" sei. Die Regierungen Belgiens und der Niederlande stellten klar, dass El Bakraoui nicht unter Terrorismusverdacht gestanden habe.

Welche Bedeutung hat der Stadtteil Schaerbeek?

Nach den Anschlägen in Brüssel hat die Regierung bis Donnerstag zur Staatstrauer ausgerufen. Um den Opfern des Anschlags zu gedenken wurde heute Mittag in Belgien eine Schweigeminute gehalten.

Eine nach den Anschlägen durchsuchte Wohnung könnte das Versteck oder die Bombenwerkstatt der Attentäter gewesen sein. Die Ermittler fanden dort 15 Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs TATP, 150 Liter Aceton, Zünder und Taschen voller Nägel. Auf die Spur nach Schaerbeek brachte die Ermittler ein Taxifahrer, der die Attentäter zum Flughafen brachte und auf einem Fahndungsfoto erkannte. Am Freitag wurde bei einem weiteren Anti-Terror-Einsatz in dem Stadtteil ein Verdächtiger festgenommen.

Gibt es Verbindungen zu den Paris-Anschlägen?

Unbeleuchteter Eiffelturm am 15.11.2015 in Paris

Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag Medienberichte, wonach Khalid El Bakraoui unter falschem Namen in Charleroi eine Wohnung für die Paris-Attentäter angemietet hatte. Auch Najim Laachraoui war wegen der Pariser Anschläge im Visier der Fahnder. Er war im September unter dem falschen Namen Soufiane Kayal zusammen mit Salah Abdeslam an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden. Abdeslam wurde am 18. März in Brüssel festgenommen. Er soll an den Anschlägen von Paris im November mit 130 Toten beteiligt gewesen sein. Der in der Schaerbeeker Wohnung gefundene Sprengstoff TATP wurde bereits mehrfach von IS-Attentätern eingesetzt. (Quelle: afp)

25.03.2016, Quelle: afp, dpa, reuters
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