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merkzettel

Zugunglück Trauer und Anspannung in Bad Aibling

VideoAuch die Helfer brauchen Hilfe
Franz Wudy am Unglücksort in Bad Aibling

Das Zugunglück von Bad Aibling ist auch für die Retter eine schlimme Erfahrung. Ein Feuerwehrmann berichtet bei heute+ über seine einschneidenden Erlebnisse am Ort des Unglücks.

(11.02.2016)

VideoBergungen gehen weiter
In Bad Aibling gehen die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle weiter. Zwei Kräne sind in dem unwegsamen Gelände im Einsatz. Weiter ist unklar, wie es zu der Kollision zweier Züge kommen konnte.

In Bad Aibling gehen die Arbeiten an der Unglücksstelle weiter. Die Ursache für den Frontalzusammenstoß von zwei Zügen ist weiter unklar. Zehn Menschen wurden dabei getötet.

(11.02.2016)

VideoWie läuft's bei den Privatbahnen?
Eine Privatbahn

30 Prozent aller Züge auf dem Streckennetz der Deutschen Bahn sind Privatbahnen - auch die, die in Bad Aibling zusammenstießen. Trotz einheitlicher Vorgaben existieren grundsätzliche Probleme.

(10.02.2016)

VideoKränze und Kräne in Bad Aibling
Blick auf den Unfallort bei Bad Aibling

Der Tag danach in Bayern: Immer wieder legen Menschen Kränze nieder, gedenken der Opfer. Die Bergungsarbeiten: kompliziert. Und die Unfallursache: weiter unklar. Das Update zum Zugunglück.

(10.02.2016)

Trauern und aufräumen. Nach dem Zugunglück bei Bad Aibling ist die Zahl der Toten auf elf gestiegen. Während Ärzte und Psychologen Verletzte, Angehörige und Retter betreuen, versuchen Helfer immer noch, die völlig ineinander verkeilten Zugteile zu trennen. 

Ein Knäuel aus zertrümmertem Metall zeugt von der Wucht der Kollision. Helfer in orangefarbenen und gelben Neonwesten. Auch am zweiten Tag nach dem Zugunglück von Bad Aibling arbeiten sie am Limit, um die Trümmer zu bergen. Die verkeilten Zugteile stehen unter Spannung, eine äußerst gefährliche Aufgabe.

Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf elf gestiegen. Ein 47-jähriger Mann aus dem Landkreis München starb an diesem Donnerstag in einem Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen, wie die Polizeidirektion Oberbayern Süd mitteilte. Noch 20 Menschen gelten als schwer verletzt, einige von ihnen befinden sich nach wie vor in kritischem Zustand. 

Lebensgefährliche Bergungsarbeiten

Die Züge waren am Dienstagmorgen praktisch ungebremst aufeinander zugerast und haben sich regelrecht ineinander gefressen, noch immer ist unklar, wie es dazu kommen konnte. Teile könnten sich nun plötzlich mit Wucht lösen, abrutschen oder kippen.

Bis Mitternacht hatten die Helfer bei Flutlicht im Schneetreiben gearbeitet, dann aber unterbrochen. Im Dunkeln ist der Job noch gefährlicher.
Karte: Zugunglück Bad Aibling

Karte: Zugunglück Bad Aibling
Quelle: ZDF

"Da ist ja unheimlich viel Energie in dem Metall gespeichert, und wenn die Wracks auseinandergezogen werden, könnte es sein, dass ein Metallteil wie ein Pfeil weggeschleudert wird", schildert Polizeisprecher Stefan Sonntag.

"Wir rechnen damit, dass die Arbeiten noch ein, zwei Tage dauern werden, wahrscheinlich bis Samstag", sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Bernd Rosenbusch. Danach müssen Gleis und Oberleitung repariert werden. Auch das dürfte einige Tage in Anspruch nehmen.

Seelische Wunden bleiben

Länger wird es dauern, bis die seelischen Wunden heilen. Die BOB biete allen Verletzten, Angehörigen von Opfern und Fahrgästen Betreuung an, sagt Rosenbusch. Auch die Retter sowie die Kollegen der tödlich verunglückten Lokführer sind betroffen. "Wir sind sehr intensiv dabei, die Mitarbeiter psychologisch zu betreuen", sagt Rosenbusch. "Das ist das Wichtigste jetzt."

Am Donnerstagnachmittag holen Angehörige und Fahrgäste bei der Freiwilligen Feuerwehr im Nachbarort Kolbermoor persönliche Gegenstände ab, die aus den Zugwracks geborgen wurden. Eine Mutter sucht die Brille ihres Sohnes. Räder Rucksäcke, Jacken, Handtaschen, eine Mütze mit Blutflecken, ein einzelner Schuh - Spuren der Katastrophe.

Gedenkgottesdienst am Sonntag

Die Region trauert. Am Sonntag will Bad Aibling in einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer gedenken. Das Kondolenzbuch im Rathaus, in dem sich am Vortag Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und andere Politiker eingetragen haben, ist fast bis zur letzten Seite voll. "Ich bin so traurig", hat ein Junge in krakeliger Kinderschrift hineingeschrieben. Auf der Straße sprechen Mädchen über das Unglück. "Es ist furchtbar."  
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Auch in der Kirche Maria Himmelfahrt drücken die Bad Aiblinger ihre Anteilnahme, Trauer und Bestürzung aus. "Danke, dass du mich beschützt hast", wendet sich jemand an Gott. Viele hatten in den Faschingsferien frei. An einem normalen Arbeits- und Schultag wären die morgendlichen Züge voller gewesen - es hätte mehr Opfer gegeben.

Helfer: Keine Zeit zum Nachdenken

150 Helfer räumen inzwischen weiter auf. Einige sind seit Dienstag im Einsatz. Auch sie werden betreut. "Im Moment geht es", fasst der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks, Bernd Reinartz, den psychischen Zustand seiner Kollegen zusammen. Unter Stress wird die Emotion ausgeblendet, zum Nachdenken bleibt keine Zeit. Reinartz weiß noch nicht einmal, ob unter den Opfern Freunde von ihm sind.

Boote bringen auf dem Mangfallkanal Motorsägen, Trennschleifer, Holz und Ketten an die schwer zugängliche Unfallstelle. Sie liegt in einem Waldstück an einer Hangkante, die steil zum Kanal abbricht. Auch die Wasserwacht ist da, um die Arbeiten zu sichern.

Am Morgen ziehen Dieselloks die fahrbereiten Wagen der Züge in Richtung Kolbermoor und Bad Aibling weg. Danach schiebt sich von Kolbermoor her ein roter Kran mit der Aufschrift "Notfalltechnik" heran. Er soll helfen, die letzten Wagen und das Metallknäuel von den Schienen zu heben.

Klärung der Unglücksursache läuft auf Hochtouren

Eisenbahnbundesamt, Staatsanwaltschaft und Kripo arbeiten an der Aufklärung des Unglücks. Die Ermittler hoffen auf die dritte Blackbox, deren Auswertung Aufschluss geben könnte über Geschwindigkeit und Bremsungen und darüber, ob vielleicht ein Signal missachtet wurde.

Zugleich werden Lage, Verformungen, Zerstörungen der Züge exakt dokumentiert. "Man muss das wirklich rekonstruieren wie bei einem Verkehrsunfall, um die ganz genauen Abläufe zu wissen", sagt Polizeisprecher Sonntag. "Da macht man nicht drei Fotos als Kripo und das war's."

11.02.2016, Quelle: von Sabine Dobel, dpa
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