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Reinoldikirche Rechtsextreme besetzen Kirchturm in Dortmund

BildReinoldikirche in Dortmund
Reinoldikirche in Dortmund

(Quelle: imago)

VideoInterview mit einem Aussteiger
Propaganda im Netz

Er kennt die rechtsextreme Szene aus dem Netz genau. Und sagt: "Sie wollen die AfD unterwandern."

(06.12.2016)

VideoNeonazis ziehen durch Dortmund
Ein Großaufgebot der Polizei hat in Dortmund ein Neonazi-Aufmarsch begleitet. Polizei-Aufgebot. Rund 2.500 Gegen-Demonstranten waren ebenfalls auf die Straße gegangen.

Ein Großaufgebot der Polizei hat in Dortmund einen Neonazi-Aufmarsch begleitet. Polizei-Aufgebot. Rund 2.500 Gegen-Demonstranten waren ebenfalls auf die Straße gegangen.

(04.06.2016)

Neonazis haben am Freitagabend kurzzeitig den Turm einer der Hauptkirchen in der Dortmunder Innenstadt besetzt. Nach Polizeiangaben verbarrikadierten sie sich, hängten ein Transparent an die Brüstung und zündeten Feuerwerkskörper. Die Polizei nahm acht Personen fest und leitete Strafverfahren ein. 

Gemeinsam mit der Feuerwehr öffneten die Polizeibeamten gewaltsam die Tür und beendeten die illegale Aktion. Im Laufe der Nacht seien die Festgenommenen wieder auf freien Fuß gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Der Staatsschutz nahm Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs, Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz auf.

Glockengeläut gegen Nazis

Nach Angaben des Dortmunder Pfarrers Friedrich Stiller hatten die Rechtsextremisten zudem über ein Megafon Parolen skandiert. Gemeindevertreter hätten daraufhin aber die Kirchenglocken eingeschaltet und die Neonazis damit übertönt.

Die Dortmunder Reinoldikirche steht mitten im Zentrum Dortmunds und damit auch mitten im Dortmunder Weihnachtsmarkt, der zu den größten Märkten Deutschlands zählt. Vom Kirchturm werden zu Zeiten des Marktes regelmäßig Weihnachtslieder geblasen.

Der Kirchenkreis verurteilte den "skrupellosen Missbrauch" des Gotteshauses und kündigte an: Auch künftig sollen Kirchen für die Bevölkerung offen stehen. "Alle Menschen, die in friedlicher Absicht kommen, sind uns jederzeit willkommen", erklärte Superintendent Ulf Schlüter am Samstag. "Die Aktion belegt einmal mehr, dass den Rechtsextremisten nichts heilig ist - eine Kirche so wenig wie das friedliche Zusammenleben der Menschen in der Stadt." 

Mehr Unterstützung für Aussteiger

Derweil forderte der Dortmunder Sonderbeauftragte für Toleranz und Demokratie, Hartmut Anders-Hoepgen, mehr Bundesmittel für das Neonazi-Aussteigerprogramm "Comeback". "Das Geld der Stadt, die jährlich 50.000 Euro bereitstellt, reicht nicht mehr aus", sagte er. Das Projekt müsse dringend weiter ausgebaut werden, denn die rechtsextremistische Szene in Dortmund habe ihre Aktivitäten längst über die Stadtgrenzen hinaus ausgedehnt. Er forderte das Bundesfamilienministerium auf, 200.000 Euro für den Ausbau der Beratungsarbeit bereitzustellen. "Comeback" hilft Rechtsextremen, die sich von der Neonazi-Szene lösen wollen, und leistet Präventionsarbeit. Die rechtsextreme Szene in Dortmund hat sich nach Einschätzung des dortigen Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus stark radikalisiert.

17.12.2016, Quelle: afp, epd, ZDF
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