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Neue Spannungen Nordkorea will Südkoreas Eigentum verkaufen

BildKim Jong Un
Kim Jong Un

(Quelle: reuters)

VideoNordkorea droht mit Atomschlägen
Südkoreanische Soldaten salutieren

Nordkorea droht mit Atomschlägen gegen die USA und Südkorea als Reaktion auf ein jährliches Militärmanöver der Länder. Die Regierung unterstellte, dass die Staaten einen Angriff vorbereiten.

(07.03.2016)

Die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea haben sich verschärft: Aus Protest gegen neue Sanktionen und ein Militär-Manöver feuerte Pjöngjang Kurzstrecken-Raketen ab. Außerdem kappt das kommunistische Regime die letzten Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarstaat. 

Nordkorea hat als Reaktion auf die jüngsten Sanktionen Südkoreas Kurzstreckenraketen ins Meer abgefeuert. Die Geschosse seien am frühen Donnerstagmorgen etwa 500 Kilometer weit geflogen und vor der Ostküste des Landes ins Meer gefallen, meldete das Verteidigungsministerium in Seoul. Zudem kündigte die kommunistische Führung an, alle im Land verbliebenen Vermögenswerte Südkoreas zu beseitigen. Seoul sprach von einem provokanten Akt.

Nordkorea: Vermögen "liquidieren"

Zugleich warnte die Regierung in Seoul Nordkorea, irgendetwas zu zerstören. Bei den Aktiva geht es um frühere Gemeinschaftsprojekte, darunter Gebäude sowie Maschinen in dem bis vor kurzem gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong auf nordkoreanischer Seite.

Abgewickelt werde auch das stillgelegte Tourismus-Resort auf dem Berg Kumgangsan, erklärte das nordkoreanische Komitee für die friedliche Wiedervereinigung Koreas. Was genau Pjöngjang mit diesen Aktiva vorhat, wurde nicht gesagt. Pjöngjang sprach davon, die Vermögensteile liquidieren zu wollen. Ein Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministerium bezifferte den Wert der Anlagen auf umgerechnet eine Milliarde Euro.
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Seoul: "Untolerierbare Herausforderung"

Der Abschuss der Raketen am Donnerstag erfolgte einen Tag, nachdem sich Machthaber Kim Jong Un auf Fotos mit einem Modell eines mutmaßlichen Atomwaffensprengkopfes gezeigt hatte. Die Fotos und die Behauptung Pjöngjangs, solche verkleinerten Sprengköpfe zu besitzen, hatte die Regierung in Seoul als "untolerierbare, direkte Herausforderung" der internationalen Gemeinschaft bezeichnet. Die Raketen seien vermutlich Scud-Modelle gewesen, teilte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums am Donnerstag mit. Sie wurden den Angaben zufolge von der nordkoreanischen Provinz Hwanghae aus abgefeuert.

Die Beziehungen zwischen den beiden Koreas befinden sich nach dem vierten Atomtest Nordkoreas im Januar und dem Start einer Langstreckenrakete im Februar auf einem neuen Tiefstand. Die UN sowie diverse Länder reagierten auf diese jüngsten Aktionen Pjöngjangs mit neuen, härteren Sanktionen gegen das abgeschottete Land. Südkorea schloss Kaesong, aus dem Nordkorea bisher Devisen ziehen konnte und beendete damit das letzte Kooperationsprojekt aus der Zeit der Annäherung.

Südkorea verhängt neue Sanktionen

Zudem ließ Seoul einseitig neue Sanktionen folgen, die sich unter anderem gegen 38 Einzelpersonen und 24 Organisationen im verfeindeten Nachbarstaat richten. Diese Strafmaßnahmen bezeichnete Nordkorea als "lächerlich" und nannte Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye eine "amerikanische Prostituierte".

Pjöngjang testet die Abschüsse von Geschossen und Raketen häufiger. Die jüngste Aktion werteten Beobachter auch als mögliche Unmutsbekundung über den Start gemeinsamer Militärmanöver der USA und Südkorea mit rund 300.000 Soldaten. Nordkorea hasst diese alljährlich stattfindenden Übungen, die in diesem Jahr den Angaben zufolge die größten aller Zeiten sind. Erst am Sonntag hatte die kommunistische Führung wegen der Manöver den beiden Ländern mit einem präventiven Atomschlag gedroht.

Die bitterarme Atommacht Nordkorea

Die Diktatur von Kim Jong Un

Kim Jong Un

Mit rund 1,2 Millionen Soldaten unterhält das mehrfach von Hungersnöten geplagte Nordkorea eine der größten Armeen Asiens. An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur steht Kim Jong Un. Er hatte seinen im Dezember 2011 gestorbenen Vater Kim Jong Il abgelöst. Unter der Führung von Kim Jong Uns Großvater Kim Il Sung war die "Demokratische Volksrepublik Korea" 1948 gegründet worden.
Die abgeschottete Diktatur hat 24,6 Millionen Einwohner und ist mit knapp 123.000 Quadratkilometern etwas größer als die frühere DDR. Die Verletzung der Menschenrechte ist an der Tagesordnung. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt. Mit nur 69,2 Jahren ist die durchschnittliche Lebenserwartung der Nordkoreaner rund zehn Jahre geringer als im reichen kapitalistischen Süden des geteilten Landes.

Misswirtschaft und Atomprogramm

Misswirtschaft ruinierte den an Bodenschätzen reichen Norden. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Unwetter und Zwangswirtschaft führten 1997 zu einer Hungerkatastrophe mit einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind weiterhin Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht. Trotzdem haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löst Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt.

Quelle: dpa

10.03.2016, Quelle: ap
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