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merkzettel

Schwerin Offenbar mehrfacher Missbrauch im Jugendclub

BildLandgericht Schwerin
Landgericht Schwerin

(Quelle: dpa)

VideoMehrfacher Kindesmissbrauch
Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Im Schweriner Landgericht wird einem der Gründer eines örtlichen Kinder- und Jugendvereins der Prozess gemacht. Der 41-Jährige gibt zu, in 62 Fällen schweren Missbrauch an Kindern begangen zu haben.

(05.01.2016)

VideoMissbrauch bei den Domspatzen
Rechtsanwalt Ulrich Weber spricht in Regensburg während einer Pressekonferenz.

Mehr als 200 Kinder des Knabenchores der Regensburger Domspatzen sind wohl misshandelt oder sexuell missbraucht worden. Der vom Bistum beauftragte Rechtsanwalt hat heute einen Zwischenbericht vorlegt.

(08.01.2016)

von Susanne Seidel, Schwerin

Mindestens zehn Vergewaltigungen von Jungen soll es im Schweriner Jugendclub "Power for Kids" gegeben haben. Der Prozess läuft, die politische Aufarbeitung auch. Denn das Jugendamt soll frühzeitig Hinweise auf den Missbrauch gehabt haben. Nun muss die Leiterin gehen. 

Seit dem 5. Januar muss sich der 41-jährige Peter B. vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, sich über 60 Mal an Jungen sexuell vergangen zu haben, die seinen Jugendclub besuchten. Zehn Mal soll es zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Sein jüngstes Opfer war sieben Jahre alt. Im August 2015 wurde er verhaftet.

Jugendamt hatte Hinweise auf Missbrauch

Der Skandal: Das Jugendamt hatte bereits Monate vorher konkrete Hinweise auf sexuellen Missbrauch durch Peter B. und - tat nichts. Schon im Januar 2015 hatte sich ein Schulsozialarbeiter beim Jugendamt gemeldet. Zwei Jungen hatten ihm anvertraut, dass Peter B. sie im Jugendclub sexuell belästige.

Das Amt wurde auf den Bericht des Schulsozialarbeiters hin nicht tätig. Begründung: Es wäre um verbale Entgleisungen Peter B.s gegenüber den Kindern und um sexualisierte Gesten gegangen, um mehr nicht. Zudem hätte das Amt nicht eingreifen können, da die beiden Jungen und ihre Familien anonym bleiben wollten, so erklärte es noch am 5. Januar die zuständige Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk dem ZDF gegenüber vor der Kamera. Man habe den Schulsozialarbeiter damit beauftragt, den Fall zu klären.

Nur einen Tag später musste sie einräumen: Die ihr vorliegenden Hinweise waren weitaus brisanter. So hatte der Schulsozialarbeiter auch von körperlichen Übergriffen Peter B.s gegenüber den beiden Jungen berichtet.

Opposition fordert Aufklärung

Die Opposition fordert Klärung der Versäumnisse und erinnert an ein schweres Versagen des Jugendamtes in Schwerin im Jahr 2007. Silvio Horn, Fraktionschef der Unabhängigen Bürger, fragt, wieso das Amt nicht eingegriffen habe und noch nicht einmal Kontakt zu dem Verein aufgenommen habe. Bis zu seiner Verhaftung im August 2015 habe Peter B. so laut Aussage einer Opfer-Anwältin weitere Straftaten an den Kindern verüben können.

Horn fühlt sich an das Versagen des Jugendamtes Schwerin im Jahr 2007 erinnert. Damals hatte ein Ehepaar seine fünfjährige Tochter Lea-Sophie verhungern lassen. Auch damals hatte das Amt mehrere konkrete Hinweise auf Kindeswohlgefährdung erhalten. Die Großeltern des Mädchens hatten sich mehrmals an das Jugendamt mit Bitte um Hilfe gewandt - erfolglos.

"Power for kids" kurz vor Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe

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Trotz der seit Januar 2015 bekannten Vorwürfe gegen Jugendclubchef Peter B., trieb die Stadtverwaltung noch im Juni 2015 die Anerkennung des Vereins als Träger der freien Jugendhilfe voran, wie eine Beschlussvorlage beweist. Unterzeichnet ist sie von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke). Gramkow hat nun eine interne Untersuchung der Vorfälle eingeleitet und den zuständigen Abteilungsleiter sowie die Jugendamtsleiterin bis zum Ende der Untersuchungen von allen Aufgaben der allgemeinen Jugendhilfe entbunden.

Der Prozess gegen Peter B. wird am 25. Januar fortgesetzt. Der Angeklagte hat angekündigt, ein umfängliches Geständnis abzulegen. Das würde es den Jungen ersparen, selbst vor Gericht aussagen zu müssen. Peter B. erwartet eine mehrjährige Haftstrafe.

11.01.2016
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