01.07.2016

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merkzettel

Pakistan IS auf Rekrutenfang bei Akademikern

BildUniversität in Pakistan
Eingang zur Bahauddin Zakariya Universität in Multan, Pakistan

(Quelle: ap)

VideoDas Vermögen des IS
Anhänger der Terrormiliz

Umgerechnet 1,5 Milliarden US-Dollar soll das Vermögen des sogenannten "IS" betragen. Doch wie kommt die Terrormiliz an ihr Geld? heute+ zeigt, wie die Wirtschaft des "Terrorkonzerns“ funktioniert.

(08.12.2015)

VideoStudent betrieb IS-Propaganda
TU Darmstadt

Ein syrischer Promotionsstudent der TU Darmstadt hat in einem Internetvideo für den "Islamischen Staat" geworben. Die Polizei hat den Mann nun festgenommen, die TU prüft eigene rechtliche Schritte.

(03.02.2016)

VideoWurzeln des modernen Dschihads
Menschen in Saudi-Arabien

Der Wahhabismus mit seiner radikalen Auslegung des Islams ist der Nährboden für Dschihadisten wie die Anhänger der Terrormiliz IS. Saudi-Arabien finanziert den Wahhabismus mit seinen Öl-Milliarden.

(19.11.2015)

Auf der Wunschliste der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stehen Akademiker ganz weit oben. Und so geht die Terrororganisation in Pakistans Metropole Karachi mit Vorliebe in gebildeteren Gesellschaftskreisen auf Anhängersuche - mit erschreckendem Erfolg. 

"Bruder, du könntest so ein Gewinn für die islamische Gemeinschaft sein", versicherte Anwerber Hasan Abdullah. Mit diesen Schmeicheleien wollte er den pakistanischen Journalisten zur Terrormiliz Islamischer Staat locken. Aber vergebens: Abdullah antwortete, er genieße das Leben und habe nicht die Absicht, sich den Dschihadisten anzuschließen. "Das Vergnügen dieses Lebens ist kurz. Du solltest für das Achira, das Leben danach, arbeiten", drängte der Anwerber.

Anwerbung über Social-Media-Plattform

Der IS hatte auf Abdullah ein Auge geworfen, nicht weil er Anhänger einer extremistischen Ideologie war, sondern weil die Dschihadisten glaubten, er könnte als Journalist ein Segen für ihre Propaganda-Maschinerie sein, sagt Abdullah.

Das Buhlen des IS begann damit, dass ihm auf einer Social-Media-Plattform Informationen für eine Story angeboten wurden. Wochen später sprach ein Mann in einem Park Abdullah an und teilte ihm mit, er würde genau verfolgen, was er schreibe - er sei vom IS. Viele Fachleute würden sich dem IS anschließen, behauptete der Mann am Ende des Gespräches.

IS umwirbt gebildete Anhänger

Abdullahs Begegnung ist Ausdruck davon, wie der sogenannte Islamische Staat nach gebildeten Anhängern in Pakistan Ausschau hält. Die Häscher umwerben Studenten, Doktoren, Anwälte, Journalisten und Geschäftsleute und setzen zur Geldbeschaffung Frauengruppen ein. Eine Frauen-Akademie beispielsweise warb Frauen an, indem sie IS-Videos in den Klassenräumen zeigte. Die zwanzig Studentinnen drängten daraufhin wohlhabende Frauen aus der Mittelschicht zu religiösen Spenden an den
IS, damit dieser sein Kalifat errichten könne.

An renommierten Top-Universitäten des Landes sollen sogar radikalisierte Professoren unterrichten, die den geschützten Bereich des Klassenraumes nutzen, um die Studenten zu beeinflussen.

Ableger der Terrormiliz IS

Buhlen um Vorherrschaft im Islamismus

Seit ihrem Vormarsch im Irak und in Syrien buhlt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Al-Kaida um die Vorherrschaft im globalen Islamismus. In Syrien und im Irak hat der IS ein Gebiet von der Größe Italiens erobert und ein Kalifat ausgerufen. Vielen Extremisten imponiert dieser militärische Erfolg - vor allem in Nordafrika. Diverse Gruppen haben sich der IS-Bewegung angeschlossen.

Libyen

Ende Oktober leistete die im ostlibyschen Derna kämpfende Miliz "Schura-Rat der Jugend des Islams" dem IS einen Treueschwur. Mittlerweile hält die Zelle auch Stellungen in Sirte und verübt
regelmäßig Anschläge auf strategisch wichtige Ölfelder. Mitte Februar zeigte der libysche IS die Enthauptung von 21 entführten Ägyptern; nun soll er mehrere Europäer verschleppt haben.

Ägypten

Seit Mitte November bezeichnet sich in Ägypten die Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis ("Unterstützer Jerusalems") als "Provinz Sinai" des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2.000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe entstand 2011 nach dem Sturz des Präsidenten Husni Mubarak. Sie verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge auf das ägyptische Militär.

Algerien

Bereits Mitte September 2014 schworen algerische Fraktionen der in Nordwestafrika aktiven Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) dem IS die Treue. Der neue IS-Ableger nennt sich jetzt Dschund al-Chilafa ("Soldaten des Kalifats"). Aufsehen erregte er mit der Enthauptung eines entführten französischen Touristen im September 2014.

Nigeria

Der Chef von Boko Haram, Abubakar Shekau, schwor im März 2015 dem "Kalifen" Abu Bakr al-Bagdadi die Treue. Boko Haram hatte schon vorher von einem eigenen Kalifat in Afrika gesprochen. Die Organisation beherrscht Gebiete im Nordosten Nigerias, die zusammen die Größe Belgiens ausmachen sollen, und schlägt auch in Kamerun und im Tschad zu. Sie wird seit 2009 für den Tod von mehr als 13.000 Menschen verantwortlich gemacht.

Asien

Treueschwüre auf den IS gibt es auch von Islamisten in anderen Ländern, darunter Afghanistan und Pakistan. (Quelle: dpa)

Fachleute eignen sich für Führungspositionen

"Menschen zu finden, die bereit sind, sich eine Selbstmordweste umzuschnallen und sich in die Luft zu sprengen, ist einfach. Da gibt es Hunderte, Tausende", sagt der Journalist Abdullah. Aber die Gebildeteren seien kostbarer: Fachleute eignen sich gut für Führungsposten und lassen sich einbinden in die machtvolle Propagandamaschinerie, die auf technisch anspruchsvolle Videos und den professionellen Einsatz von Social Media setzt.

In Karachi, der größten Stadt Pakistans, zeigen die IS-Kämpfer größte Präsenz. Die Hafenstadt mit rund 20 Millionen Einwohnern am Arabischen Meer ist beliebte Operationsbasis für militante Gruppen. In den wohlhabenden Bezirken lässt sich gut Geld beschaffen, und in den überbevölkerten, heruntergekommenen ärmeren Vierteln rund um die Stadt lassen sich neue Kämpfer anwerben und gute Unterschlupfe finden. Außerdem können die IS-Rekrutierer hier Verbindung in andere Teile des Landes herstellen. Denn die Bevölkerung besteht aus vielen Menschen, die aus ländlichen Gegenden Pakistans oder Afghanistan auf der Suche nach Arbeit gekommen sind.

Anschlag in der größten Stadt Pakistans

Sein Auftreten in Pakistan kündigte der IS mit einem blutigen Anschlag in Karachi an. Bewaffnete Männer stürmten im Mai 2015 einen Bus mit Schiiten, befahlen ihnen, den Kopf zu verneigen und eröffneten dann das Kugelfeuer, bei dem 45 Menschen starben.

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Die Attentäter hinterließen ein Stück Papier mit der Botschaft "Passt auf... wir haben das Schlachtfeld für Vergeltung und die Einführung der Scharia betreten." Saad Aziz, der vermutliche Drahtzieher des Bus-Attentats, war Absolvent eines von der USA finanzierten Wirtschaftsinstituts in Karachi.

Seitdem tötete der IS mehr als 35 Polizisten bei gezielten Überfällen, griff zwei Schulen an und erschoss die Rechtsaktivistin Sabeen Mehmud in ihrem Auto.

Polizei warnt vor Zuwachs von IS-Anhängern

Die tatsächliche Zahl der IS-Anhänger in Pakistan ist unbekannt. Staatliche Stellen gaben kürzlich überhaupt erst zu, dass es sie im Land gibt, betonten aber, dass die örtlichen Sympathisanten keine bekannten Verbindungen zur IS-Führung in Irak und Syrien hätten.

Werben um neue Anhänger

Bei seinem Werben um neue Anhänger steht der IS in einem harten Konkurrenzkampf zu anderen militanten Gruppen. Die pakistanische al-Kaida etwa hat es auf ähnliche Kandidaten abgesehen.

Gleichwohl warnt Raja Umer Khitab, der als oberster Polizeibeamter der Stadt für Terrorismusbekämpfung zuständig ist, vor dem großen Wachstumspotenzial des IS in Pakistan. Nicht nur, weil das Land eine Vielzahl von sunnitischen Extremisten beherbergt, sondern auch wegen der antischiitischen Stimmung innerhalb der eigenen Reihen. Hass und Übergriffe auf Schiiten sind ein Grundpfeiler der Ideologie des IS und eine Quelle seiner Anziehungskraft für radikale Sunniten.

Neue Generation der IS-Kämper

Das Klischee vom militanten IS-Kämpfer als einem Stammesmitglied aus den Bergen in traditioneller Ausrüstung sei überholt, sagt Bruce Hoffman, Direktor des Zentrums für Sicherheitsstudien der Georgetown Universität in Washington.

Die neue Generation bestehe aus gebildeten, kosmopolitischen Pakistanern mit Universitätsbildung. Sie kommen aus der Mittelschicht und verfügen über Fähigkeiten und Selbstvertrauen. "Sie können mit Social Media umgehen, Grenzen überwinden und passen nahtlos in globale Gesellschaften. Sie sind die neuen Gewaltmultiplikatoren von terroristischen Gruppen."

03.03.2016, Quelle: von Kathy Gannon, afp
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