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Verteidigungsministerin behält Titel Musterschülerin mit Makel

VideoLeyen bleibt Frau Doktor
Archiv: Ursula von der Leyen am 17.12.2015 in Berlin

Trotz Unregelmäßigkeiten in ihrer Dissertation wird Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen der Doktortitel nicht aberkannt. Das teilte die Medizinische Hochschule Hannover mit.

(09.03.2016)

VideoLeyen trifft US-Kollegen Carter
Die Verteidigungsminister Ashton Carter (l.) und Ursula von der Leyen (CDU) in Washington

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat in Washington ihren Amtskollegen Ashton Carter getroffen. Bei dem Gespräch ging es vor allem um die Anti-IS-Koalition.

(09.03.2016)

VideoVorwürfe gegen von der Leyen
Plagiatsjäger des Online-Portals

Plagiatsjäger des Online-Portals "VroniPlag Wiki" werfen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vor.

(26.09.2015)

VideoDer Fall Guttenberg (2010)
der ehemalige verteidigungsminister karl-theodor zu guttenberg

Die Plagiats-Affäre um den aufstrebenden Polit-Star Theodor zu Guttenberg, damals Bundesverteidigungsminister, ist eine Affäre, die viel über die Möglichkeiten des Internets erzählt.

(17.02.2016)

Die Medizinische Hochschule Hannover hat in Ursula von der Leyens Doktorarbeit Fehler gefunden, unterstellt ihr aber keine Täuschungsabsicht. Ihr wird der Titel nicht entzogen. Und doch kratzen die Vorwürfe am Image der Verteidigungsministerin. 

Die Protagonistin ist nicht anwesend. Als um kurz nach 18.00 Uhr im "Hörsaal F" der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Entscheidung im Plagiatsverfahren zur Doktorarbeit von Ursula von der Leyen verkündet wird, ist die Bundesverteidigungsministerin gerade auf dem Weg von Washington nach San Francisco. Hier hält sie später einen Vortrag an der Standford-Universität zu politischen Fragen - äußert sich aber nicht zur Plagiatsaffäre. Ihrem Sprecher zufolge wollte sie zu diesem Zeitpunkt keine weitere Erklärung abgeben.

In einer ersten Reaktion hatte sich von der Leyen am Mittwoch erleichtert über die Entscheidung gezeigt, aber auch Selbstkritik geübt. "Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle", hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung.

7:1 für von der Leyen

Der Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover, Christopher Baum, hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass "sorgfältig, objektiv und ohne Ansehen der Person geprüft" worden sei. Dieser Satz ist auch von Bedeutung, weil die Familie von der Leyen bis heute enge Beziehungen zur Hochschule pflegt. Die Arbeit wurde deshalb von externen Gutachtern geprüft. Die Entscheidung ist eindeutig. "Der Senat entschied vor etwa einer halben Stunde mit 7:1, den Titel nicht abzuerkennen", sagt Baum.

"Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten"

Ein Persilschein für die siebenfache Mutter, Top-Abiturientin und stetige Musterschülerin ist die Entscheidung aber nicht. Denn die 1990 mit der Note 1,0 bewertete Arbeit enthält Mängel und auch Plagiate, im Wesentlichen in der Einleitung. "Das sind Fehler, für die Frau von der Leyen als Autorin verantwortlich ist", betont Baum.

Dass von der Leyen anders als einst Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) oder Annette Schavan (CDU) auch künftig auf ihrer Vistenkarte einen Doktortitel stehen hat, liegt daran, dass ihr keine böse Absicht attestiert wird. "Das Muster spricht nicht für eine Täuschungsabsicht", sagt Baum. "Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten, das ist ein Unterschied."

32 fragwürdige Stellen auf 62 Seiten

Dieser Satz wird sicher noch für Diskussionen in der Wissenschaftsszene sorgen. Sind die Fehler wirklich nur auf Unachtsamkeit oder Unfähigkeit zurückzuführen? War alles nur ein Versehen?

Weitere Links zum Thema
Die Internet-Plattform "Vroniplag Wiki" hat auf 27 von 62 Seiten Textstellen gefunden, die aus fremder wissenschaftlicher Feder stammen sollen. Insgesamt handelt es sich um 47 Passagen. Die Hochschule sagt jetzt, dass 15 davon keine Plagiate seien. Bleiben aber immer noch 32 Stellen, an denen nicht korrekt zitiert wurde - auf 62 Seiten.

"Nicht die Maßstäbe", die von der Leyen an sich selbst stellt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erteilte ihr schon vor der Entscheidung in Hannover eine Absolution. Auf die Frage, ob die Ministerin auch ohne Doktortitel noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: "Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der NATO-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat." Merkel dürfte ein großes Interesse daran haben, die Plagiatsaffäre schnell abzuhaken. Von der Leyen gehört zu ihren stärksten Leuten, bei einer sehr dünnen Personaldecke der CDU im Spitzenbereich. Ein entzogener Doktortitel kurz vor den wichtigen Landtagswahlen am Wochenende hätte ihr gerade noch gefehlt.

Angeschlagen mit erhobenem Haupt

Von der Leyen kann damit angeschlagen, aber einigermaßen erhobenen Hauptes und vor allem mit Doktortitel nach Stanford zurückkehren. Und auch im Kreis der Kandidaten für die Merkel-Nachfolge dürfte sie weiterhin vertreten bleiben.

Plagiatsvorwürfe gegen Politiker

Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg

Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte die Universität Bayreuth dem aufstrebenden CSU-Politiker den Titel ab. Nach heftigen Protesten der Opposition und aus der Wissenschaft trat Guttenberg am 1. März 2011 als Minister zurück. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, er habe für seinen 2007 erworbenen Doktortitel vorsätzlich getäuscht.

Annette Schavan

Annette Schavan

Wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf trat die damalige, weithin anerkannte Bundesbildungsministerin am 9. Februar 2013 zurück. Die Hochschule war zu dem Ergebnis gekommen, dass die CDU-Politikerin gut 30 Jahre zuvor "systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Schavans Klage wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

Silvana Koch-Mehrin

Silvana Koch-Mehrin

Wegen Plagiatspassagen in ihrer Doktorarbeit entzog die Universität Heidelberg der FDP-Politikerin im Juni 2011 den Titel. Koch-Mehrin war bereits zuvor als FDP-Vorsitzende im Europaparlament und als dessen Vizepräsidentin zurückgetreten. Ihre Klage wies das Verwaltungsgericht Karlsruhe 2013 zurück. Den Antrag auf Berufung lehnte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Jahr danach ab.

Andreas Scheuer

Andreas Scheuer (CSU)

Vorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär haben sich nach Prüfung seiner Dissertation durch die Prager Karls-Universität im Oktober 2014 nicht bestätigt. Scheuer hatte in Prag 2004 ein "kleines Doktorat" erworben. Da die akademischen Standards beider Länder aber nicht vergleichbar sind, darf er den "Dr." nicht landesweit, sondern nur in Berlin und Bayern führen. Nachdem er wegen der Verwendung auch anderswo kritisiert worden war, verzichtete Scheuer ganz auf das Führen des Titels.
Quelle: dpa

09.03.2016, Quelle: von Michael Fischer, dpa
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