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merkzettel

Kampf ums Präsidentenamt Wen wählen Frankreichs Katholiken?

VideoFrankreich: Religion als Wahlkampfthema
Sonntagsmesse in Notre-Dame

Das Rennen um den Élysée-Palast ist bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich noch völlig offen: Umfragen zufolge liegen zurzeit vier Kandidaten nah beieinander. Das Zünglein an der Waage könnten am Ende die katholischen Wähler sein.

(19.04.2017)

VideoWahl in Frankreich: Schlammschlacht
wahlen in frankreich

Einen solchen Wahlkampf haben die Franzosen noch nicht erlebt: Wenige Wochen vor der Inthronisierung des neuen Staatsoberhauptes erleben unsere französischen Nachbarn eine Schlammschlacht ohnegleichen.

(18.04.2017)

VideoReformstau in Frankreich
Arbeiter in einem Werk

Frankreichs Unternehmen hinken in Sachen Wettbewerbsfähigkeit hinterher. Nicht nur das starre Arbeitsrecht und die hohen Steuern sind große Bremsen für Unternehmer. Auch die verkrustete Unternehmenskultur ist ein Problem. Chef und Mitarbeiter ziehen zu wenig an einem Strang, meinen Wirtschaftsexperten.

(18.04.2017)

VideoBauern - von der Politik vergessen
Archiv: Kühe beim Fressen im Stall

Kaum ein Land wirbt so mit seiner Landwirtschaft wie Frankreich. Aber vor allem bei den Viehzüchtern hat die Krise in den letzten beiden Jahren voll zugeschlagen. Sie fühlen sich von der Politik vergessen.

(19.04.2017)

von Christel Haas, Paris

Sag, wie hast du’s mit der Religion? In Frankreich sind Kirche und Staat strikt getrennt. Religion hat also nichts zu suchen in der Politik. Eigentlich. Und doch spielt sie im Wahlkampf eine Rolle. "Le vote catholique", das Votum der Katholiken, ist ein vieldiskutiertes Thema. 

Es ist kein Gottesdienst, zu dem sich die Menschen in der Pariser Kirche Saint Merri versammeln. An diesem Abend findet hier eine Informationsveranstaltung statt. Das Thema: die Wahlen und die Fragen der Christen. Auf dem Podium: ein Politologe und Kirchenvertreter.

Katholiken wählen traditionell konservativ

Michelle ist gekommen, weil sie Antworten sucht, Antworten auf die Frage, welcher der Kandidaten ihre religiösen Werte am besten vertritt. "Ich hoffe schon, dass ich hinterher ein bisschen klarer sehe", sagt sie.

Christel Haas

Christel Haas ist Korrespondentin im ZDF-Studio Paris.
Quelle: ZDF

Gibt es das überhaupt - ein spezifisches Wahlverhalten der Katholiken? "Man kann schon feststellen, dass das politische Engagement der Katholiken in der letzten Zeit größer geworden ist", sagt Politologe Yann Raison du Cleuziou. "Das ist aber keine mehrheitliche Tendenz."

Traditionell stimmen Frankreichs Katholiken eher für die konservativen Kandidaten. Im konkreten Fall wäre das François Fillon. Der Ex-Premier macht keinen Hehl aus seinen religiösen Überzeugungen: Er ist wertkonservativ, vertritt das traditionelle Familienbild und steht dem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare skeptisch gegenüber. Unterstützt wird er von einer katholischen Bewegung - "Sens Commun", auf Deutsch "gesunder Menschenverstand". Diese Gruppierung ist aus der "Manif pour tous" hervorgegangen, jenen Protesten, bei denen 2013 Hunderttausende gegen die Homoehe auf die Straße gingen.

Fillon oder Le Pen?

Madeleine de Jessaye ist so etwas wie das Aushängeschild von "Sens Commun" - jung, charismatisch, eloquent. Bei vielen Wahlkampfauftritten von Fillon ist sie dabei, die politischen Versammlungen, auf denen sie über die Rolle der traditionellen Familie spricht, verzeichnen großen Zulauf.

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"'Sens Commun' hat sich zum Wortführer der Katholiken erhoben und versucht jetzt, über die Partei Les Républicains politisch Einfluss zu nehmen", sagt Politologe Raison du Cleuziou. Doch ob diese Rechnung aufgeht, ist fraglich. Denn der Kandidat Fillon ist in schweres Fahrwasser geraten. Die Affäre um die mögliche Scheinbeschäftigung seiner Frau hat ihn viele Sympathien gekostet.

Wohin zieht es die katholischen Wähler jetzt? Auf der ganz rechten Seite steht schon der Front National bereit, auch Marine Le Pen umwirbt diese Wählerschaft. "Marine Le Pen benutzt in ihren Reden immer ein paar Worte, die an den Katholizismus erinnern. Glück zum Beispiel oder das Gute", sagt Sprachforscher Stéphane Wahnich. Und: Die Angst vor Überfremdung, vor einer islamischen Übermacht, ist auch bei praktizierenden Christen ausgeprägt. Die Anti-Immigrations-Politik von Marine Le Pen stößt bei so manchem auf offene Ohren. 

Frankreich: Alle Kandidaten im Überblick

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron am 23.01.17 in Beirut

Der 39-Jährige sorgt für Furore, weil er außerhalb der klassischen Parteistrukturen antritt. Der frühere Sozialist wurde lange von Präsident François Hollande protegiert und war Wirtschaftsminister, gründete dann aber im vergangenen Jahr seine eigene politische Bewegung. Diese positionierte er "weder rechts noch links".

Der Ex-Investmentbanker präsentiert sich als Erneuerer und ist ein Star des Wahlkampfs, der bei Auftritten Tausende Anhänger anlockt - auch in der tiefsten Provinz. Umfragen erwarten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Macron und Le Pen im ersten Wahlgang. In der zweiten Wahlrunde würde Umfragen zufolge die Mehrheit der Befragten Macron ihre Stimme geben. Unterstützung bekommt er dabei von Ex-Premierminister Manuel Valls.

Marine Le Pen

Marine Le Pen 2011

Marine Le Pen (Jahrgang 1968) ist die Tochter von Jean-Marie Le Pen, der den rechtsextremen und rechtspopulistischen Front National (FN) gründete. Bekannt wurde Le Pen in ganz Frankreich 2002, als ihr Vater bei den Präsidentschaftswahlen in der ersten Runde mit knapp 17 Prozent der Stimmen den Kandidaten der Sozialisten, Lionel Jospin, aus dem Rennen warf. Sie hatte damals ihre ersten Fernsehauftritte, wenn ihr Vater für Interviews nicht zur Verfügung stand.

2011 wurde Marine Le Pen auf einem Parteitag des Front National zu dessen Vorsitzender gewählt. An der Spitze des FN versuchte sie, der Partei ein moderneres Image zu geben, indem sie beispielsweise für eine straffreie Abtreibung eintrat oder forderte, Frankreich solle die "Assimilation" von Einwanderern verstärken. Vom Antisemitismus ihres Vaters, der den Holocaust als "Detail der Geschichte" abgetan hatte, distanzierte sie sich offiziell ebenso wie vom Rassismus und nannte die Ideologie des Nationalsozialismus "abscheulich". Statt auf neofaschistisches Vokabular setzte sie auf das antimuslimische Ressentiment. Der Wahlkampf von Marine Le Pen ist überschattet von Vorwürfen der Scheinbeschäftigung von Mitarbeitern.

François Fillon

François Fillon

Der Wirtschaftsliberale hat sich bei der Kür zum Präsidentschaftskandidaten der Konservativen gegen prominente Konkurrenz durchgesetzt. Sowohl der ehemalige Premier Alain Juppe als auch Ex-Premier Nicolas Sarkozy hatten das Nachsehen.

Fillon hat Einsparungen im Haushalt, ein höheres Rentenalter und den Kampf gegen die 35-Stunden-Woche angekündigt. Der 63-Jährige galt lange als aussichtsreicher Kandidat und möglicher Bezwinger von Front-National-Spitzenkandidatin Marine Le Pen. Seit Beginn seiner Kandidatur kämpft Fillon aber gegen Vorwürfe, er habe seine Frau Penelope jahrelang als parlamentarische Mitarbeit bezahlt, ohne dass sie dafür je gearbeitet habe. Fillon bestreitet das vehement. Umfragen sehen ihn auf Platz drei im Kampf ums Präsidentenamt.

Jean-Luc Mélenchon

Jean-Luc Melenchon am 17.01.2017

Der 65-Jährige vertritt seine Bewegung "France insoumise" (Nicht unterdrücktes Frankreich) und wird von der kommunistischen Partei unterstützt. Der redegewandte Linkenführer ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik. Mélenchon kann Umfragen zufolge mit Platz vier bei der Präsidentenwahl rechnen.

Benoît Hamon

Benoit Hamon

Der Abgeordnete und frühere Bildungsminister Benoît Hamon hat mit einem dezidiert linken Wahlprogramm viele der von Hollande enttäuschten Linkswähler für sich gewinnen können. Der 49-Jährige wirbt für mehr Investitionen, eine Senkung der Arbeitszeit und mehr Umweltschutz. Außerdem will er langfristig ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 750 Euro für alle Erwachsenen einführen. An die EU-Defizitvorgaben will er sich nicht halten.

Nicolas Dupont-Aignan

Nicolas Dupont-Aignan am 30.03.2017 in Brest

Der 56-Jährige tritt für die gaullistische Partei "Debout la France" (Steh auf Frankreich), eine ehemalige Strömung der Republikaner, an. Umfragen sehen ihn im unteren einstelligen Bereich. Nachdem er vom französischen Sender TF1 nicht zur ersten TV-Debatte  eingeladen worden war, monierte der die "mediale Manipulation". Der Sender hatte nur die fünf in Umfragen Bestplatzierten eingeladen.

Philippe Poutou

Philippe Poutou am 22.03.2017 in Paris

Philippe Poutou tritt für die "Nouveau Parti anticapitaliste" (Neue Antikapitalistische Partei) an, die aus der Trotzkistenbewegung hervorging. Ihm wird ein Wahlergebnis um die zwei Prozent zugetraut.

François Asselineau

François Asselineau am 30.03.2017 in Brest

Der 59-jährige Rechtsnationalist ist Präsidentschaftskandidat seiner Partei "Union Populaire Républicaine" (Republikanische Volksunion). Er strebt den einseitigen Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union, der Eurozone und der NATO an. Schon 2012 wollte er kandidieren, bekam aber die 500 notwendigen Unterschriften nicht zusammen.

Jean Lassalle

Jean Lassalle am 30.03.2017 in Brest

Der zentrumsliberale Abgeordnete tritt für die Partei "Résistons!" (in etwa: Lasst uns Widerstand leisten!) an. International bekannt wurde der 61-Jährige 2006, als er in einen 39-tägigen Hungerstreik trat, um die Fabrik eines japanischen Konzerns in seiner Heimatregion zu retten.

Nathalie Arthaud

Nathalie Arthaud am 22.03.2017 in Paris

Die 47-jährige Kapitalismus-Kritikerin tritt für die trotzkistische Partei "Lutte Ouvrirè" (Kampf der Arbeiter) an und ist absolute Außenseiterin. Sie wird voraussichtlich weniger als ein Prozent der Stimmen bekommen.

Jacques Cheminade

Jacques Cheminade am 22.03.2017 in Paris

Der 75-Jährige definiert sich selber mit seiner Kleinstpartei "Solidarité et Progrès" (Solidarität und Fortschritt) als "linker Gaullist".

20.04.2017
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