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Landgericht München Check24: Preisportal oder Makler?

BildCheck24 bechäftigt Gericht
Archiv - Mitarbeiter in der Zentrale des Vergleichsportals Check24 in München am 09.12.2015

(Quelle: dpa)

Das billigste Auto, der billigste Strom, die billigste Versicherung: Das zu finden, versprechen Vergleichsportale. Versicherungsmaklern ist das Treiben ein Dorn im Auge, denn die Online-Plattformen vergleichen nicht nur, sie vermitteln auch und kassieren dafür Provisionen. Jetzt müssen Richter entscheiden. 

Millionen Verbraucher vertrauen bei der Suche nach dem billigsten Anbieter von Versicherungen, Strom oder Reisen auf Vergleichsportale im Internet. Ein paar Angaben bei Check24 oder Verivox genügen - und schon erscheint auf dem Bildschirm eine Liste der Anbieter, sortiert nach Preis. Tatsächlich kassieren derlei Portale aber auch Provisionen für vermittelte Verträge - eine Praxis, die jetzt das Landgericht München unter die Lupe nimmt.

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Geklagt hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute: Er wirft Check24 vor, sich als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal darzustellen. Tatsächlich handele es sich aber um ein Vermittlungsportal, das wie ein Makler arbeite und bei Vertragsabschluss Provisionen kassiere, so die Kläger. Das sei auf den ersten Blick für die Verbraucher nicht erkennbar. Das Gericht soll nun klären, ob Check24 gegen das Gesetz des unlauteren Wettbewerbs verstößt.

Check24-Prozess: Darum geht's

Worüber müssen die Richter entscheiden?

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat eine Klage gegen Check24 eingereicht, weil er dem Internetportal eine Irreführung der Verbraucher vorwirft: Check24 tarne sich zwar als Preisvergleichsportal - arbeite aber genau wie ein Makler und kassiere Provisionen. Auf den ersten Blick könnten die Kunden dies jedoch nicht erkennen. Die Richter sollen klären, ob Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt. Mit der Klage strebt der Verband einen Musterprozess an, der auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben könnte.

Von wem kassieren die Vergleichsportale Geld?

Die Portale haben Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. Für jeden Kunden, den die Versicherer oder Reiseanbieter über die Portale gewinnen, müssen sie Geld an die Betreiber abdrücken: Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zum Beispiel soll die Provision nach Angaben aus Versicherungskreisen rund 50 bis 100 Euro pro Vertrag ausmachen.

Da kommt einiges zusammen: Allein in der letzten Wechselrunde für die Kfz-Haftlichtversicherung vermittelte Check24 rund 950.000 Verträge. Nicht alle Anbieter sind bereit, mit einem Portal zusammenzuarbeiten: Die Online-Tochter des Marktführers Huk-Coburg hat sich vor wenigen Monaten von dem Vergleichsportal Verivox verabschiedet, um Geld zu sparen.

Was sagen Verbraucherschützer?

Vor allem die mangelnde Transparenz ist Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Denn ob die Auswahl der angebotenen Produkte von den jeweiligen Provisionen abhängig ist, ist für die Kunden kaum nachvollziehbar. Die Verbraucherzentralen in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben vor kurzem die bekanntesten und beliebtesten Vergleichsportale unter die Lupe genommen und kommen zu einem ernüchternden Fazit: "Der Nutzen für die Verbraucher wird eingeschränkt, da die Portale häufig nicht den günstigsten Preis anzeigen." Die genauen Ergebnisse wollen die Verbraucherzentralen am 25. Februar in München vorstellen.

Wie ist die Gesetzeslage?

Der Prozess in München könnte einen ersten Anhaltspunkt dafür liefern, in welcher Form die Portale die Verbraucher über Provisionen informieren müssen. Bis zu einer Entscheidung könnten allerdings noch Monate vergehen. Denkbar ist aber auch ein Einschreiten der Politik: Hessen hat bereits eine Bundesratsinitiative gestartet.

Die Portalbetreiber sollen demnach künftig die Provisionen offenlegen, die sie von den Produktanbietern kassieren. Interessenskonflikte, die etwa durch Provisionen von Finanzdienstleistern an die Betreiber von Vergleichsportalen entstehen, könnten so vermieden werden, sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU).

Konkurrenz für die Versicherer

Hintergrund: Vor allem in der Auto-Versicherung machen die Portale den klassischen Versicherungsvermittlern zunehmend Konkurrenz: Allein Check24 hat nach eigenen Angaben bei der letzten Wechselrunde rund 950.000 Kfz-Verträge vermittelt. Die Online-Plattform erhält von den Versicherungen eine Gewinnbeteiligung für jeden abgeschlossenen Vertrag. Aus Sicht der Versicherungskaufleute müsste Check24 Kunden direkt darauf hinweisen. Der Verband vertritt rund 11.000 Versicherungsvertreter und liegt seit Monaten mit Check24 im Clinch.

Für den Prozess ist nach Angaben einer Gerichtssprecherin zunächst nur ein Termin angesetzt. Ob bereits heute eine Entscheidung getroffen wird, ist unklar. Mit der Klage strebt der Verband der Versicherungskaufleute einen Musterprozess an, der auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben könnte.

24.02.2016, Quelle: dpa
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