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Illegale Autorennen in Köln Wenn das Auto zur tödlichen Waffe wird

VideoProzess um illegale Autorennen
Drängler

Illegale Autorennen sind die Spitze des Raser-Wahnsinns. Die einen fordern deshalb mehr Blitzer, andere innerorts Tempo 30.

(17.02.2016)

VideoIllegale Autorennen in Köln
Polizist misst Geschwindigkeit

In Köln finden in letzter Zeit vermehrt illegale Autorennen statt. 7 Unbeteiligte wurden allein in diesem Jahr getötet. Seitdem ist die Polizei verstärkt den illegalen Rennfahrern auf der Spur.

(13.11.2015)

von Ariane Güdel

200 Männer, zwischen 18 und 25, die auffallen wollen: So beschreibt die Polizei die Kölner Raserszene. Mit über 100 Stundenkilometern rasen sie durch die Stadt - und haben schon mehrere Menschen getötet. Im April 2015 starb eine junge Studentin. Zwei Männer stehen deswegen ab heute vor Gericht. 

Erkan F. und Firat M. stehen ab heute vor dem Landgericht Köln: wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und fahrlässiger Tötung einer 19-jährigen Studentin. Miriam S. kam mit ihrem Fahrrad von der Uni, wollte nach Hause, als sie der BMW des inzwischen 23-jährigen Erkan F. erfasste. Der Wagen war außer Kontrolle geraten, vermutlich nach einem illegalen Autorennen. 

Von überregionaler Bedeutung

Der Unfall sorgte für großes öffentliches Aufsehen, zumal es nicht der erste tödliche Unfall dieser Art in Köln war. Dort starben allein im vergangenen Jahr drei Menschen nach Unfällen durch Autorennen: Miriam S., ein 49-jähriger Taxi-Fahrgast und ein 26-jähriger Fahrradfahrer.

Das Verfahren um die getötete Radfahrerin findet wegen der besonderen Bedeutung nicht vor dem Amtsgericht statt, wie bei Verkehrsunfällen üblich. Stattdessen wird der Fall vor der 17. großen Strafkammer des Landgerichts geführt: 21 Zeugen und mehrere Sachverständige sind geladen. Das Strafmaß bei fahrlässiger Tötung reicht von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug.

Ermittlungsgruppe "Rennen"

Illegale Autorennen...

... gelten bisher als Ordnungswidrigkeiten. Sie werden mit zwei Punkten in Flensburg, einem Monat Fahrverbot und 400 Euro Bußgeld geahndet. Sie werden erst zu Straftaten, wenn dabei ein Mensch zu Schaden oder zu Tode kommt.

Köln hat nach den Todesfällen der Raserei den Kampf angesagt und als erste Stadt in Deutschland eine speziellen Ermittlungsgruppe gegen Raser eingerichtet. Die Beamten der Ermittlungsgruppe "Rennen" leisten Aufklärungsarbeit, kontrollieren in der Nacht und führen Razzien durch. Allein zehn Großeinsätze gab es in den vergangenen Monaten. Die Bilanz bisher: mehr als 10.000 Anzeigen wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen, 70 Anzeigen wegen illegaler Autorennen und 4.58 Fahrverbote.

Die Fahnder der Polizei arbeiten oft verdeckt, um Kenntnisse über die Raserszene zu erhalten. Rund 200 Personen sollen ihr angehören, darunter viele Fahranfänger. Es handelt sich ausschließlich um junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren aus Köln und dem Umland. Einer ihrer Treffpunkte liegt im Stadtteil Deutz: Hier treffen sie sich abends mit ihren getunten und oft auffällig lackierten Autos, um dann auf verschiedenen Strecken mitten durch die Stadt zu rasen: Mit 131 Stundenkilometern ist einer von ihnen gemessen worden. Ihre Autos sind oft nicht verkehrssicher und können sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Das Auto weg - aus Sicht der Polizei die schlimmste Strafe für Raser.

Faszination Rasen

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Denn in den Gesprächen mit Rasern wird deutlich: Sie identifizieren sich extrem stark mit ihren Autos. Sie wollen auffallen und etwas darstellen, wie die Polizei berichtet. Viele der jungen Männer fänden es einfach "cool", Regeln zu übertreten. Genau das will die Polizei nicht zulassen. Null Toleranz für Raser heißt es inzwischen in Köln.

Den Eltern der getöteten Miriam kann das nicht über den Tod ihrer Tochter hinweghelfen. Die Studentin hatte keine Chance, als der Fahrer des BMW mit vermutlich fast 100 Stundenkilometern in einer Kurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Miriams Eltern sind der Meinung, dass überführten Rasern lebenslang die Fahrerlaubnis entzogen werden sollte: Wer sein Auto als Waffe benutzt und damit einen Menschen tötet, dem sollte diese Waffe entzogen werden.

17.02.2016
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