30.07.2016
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Anteilnahme in Sozialen Netzwerken So reagiert das Netz auf die Anschläge in Brüssel

VideoAnteilnahme im Netz
Twitter-Logo

Facebook hat seinen Safety-Check aktiviert. So können Nutzer erfahren, ob sich ihre Kontakte in Sicherheit befinden. Im Netz bekunden zahlreiche ihre Trauer.

(22.03.2016)

VideoHauptvideo
Terror in Brüssel: Trauer im Netz

Die Anschläge in Brüssel haben weltweit Betroffenheit und Bestürzung ausgelöst. In den sozialen Netzwerken gab es massenhaft Solidaritätsbekundungen und Beileidskommentare.

(22.03.2016)

VideoAnschläge in Brüssel
Der zerstörte Brüsseler Flughafen.

Tote und Verletzte – das ist die traurige Bilanz nach den Attentaten am Flughafen und einer Metro-Station. Sie entfachen weltweit Bestürzung, Trauer, aber auch die Diskussion um Sicherheitsstandards.

(22.03.2016)

Tim und Struppi trauern. Das zerstörte Brüsseler Atomium ist mit Blut verschmiert - und Manneken Pis richtet seinen Wasserstrahl auf vermummte Terroristen, Bomben und glimmende Lunte: Die Attentate in Brüssel bewegen die Menschen. Doch es gibt auch Kritik an der hohen Aufmerksamkeit für Belgien. 

Viele Menschen verleihen ihrer Anteilnahme mit Bildern und Zeichnungen in den Sozialen Netzwerken Ausdruck. Doch einige Nutzer üben auch Kritik: Online werde häufiger für Brüssel "gebetet" als für Istanbul. Ist Trauer nur noch etwas wert, wenn sie virtuell und öffentlich kommuniziert wird?

Neue Gedenkformen in sozialen Netzwerken

Grundsätzlich habe sich die Trauer- und Gedenkkultur massiv verändert, wie Jürgen Bärsch, sagt Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Vor allem in Sozialen Netzwerken seien viele neuartige Gedenkformen zu finden, etwa virtuelle Kerzen und Videoblogs zum Gedenken an die Toten.

Dass Trauer im Internet einen hohen Stellenwert hat, zeigt der Trend auf dem Sozialen Netzwerk Twitter: Die Schlagworte #PrayForBelgium (dt. "Bete für Belgien") und #JeSuisBruxelles (dt. "Ich bin Brüssel") waren die meist verwendeten Hashtags. Auch bei den Gewalttaten in Istanbul am Wochenende gab es virtuelle Beileidsbekundungen, die viele Nutzer mit dem Begriff #prayforistanbul (dt. "Bete für Istanbul") versahen.

Konkurrenzkampf bei Veröffentlichung der Trauerbekundungen

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Nach Einschätzung des Erlanger Kultur- und Religionspsychologen Lars Allolio-Näcke ist die Trauerbekundung auf Sozialen Netzwerken eine "Entlastungsstrategie". Für die Menschen sei es einfach, dort ihr Mitgefühl auszudrücken; sie kämen gar nicht auf die Idee, an die Orte des Geschehens zu fahren. Vor allem Jugendliche hätten keine Vorstellung mehr von realer, gesellschaftlicher Partizipation; die mediale Inszenierung und Likes auf Facebook seien wichtiger als reales Engagement.

Und dabei, so scheint es, entsteht eine Art Konkurrenzkampf bei der Veröffentlichung der Trauerbekundungen: Noch am Tag der Gewalttaten bemängelten einige Nutzer auf Facebook und Twitter, dass die Anschläge in Istanbul nicht die Aufmerksamkeit bekommen hätten, die Brüssel jetzt zuteilwerde. "Gab es eigentlich so was wie #prayforankara oder #prayforistanbul?", fragt beispielsweise ein User bei Twitter. "Praying for Istanbul - Wie wäre es mal damit?", kommentiert ein anderer auf Facebook.

Psychologe: Kaum Berichte über Geschehnisse außerhalb Europas

Allolio-Näcke kennt das Phänomen. Ihm begegneten häufig Muslime, die ihm sagen, dass in Deutschland zu wenig über Geschehnisse außerhalb von Europa berichtet werde - auch in den klassischen Medien. Durch Medien aus ihrem eigenen Kulturkreis, die sie von Deutschland aus verfolgen, seien sie eine intensivere Berichterstattung gewöhnt.

Zudem seien deutsche Medien sehr kritisch. Nur wenige Tage nach dem Anschlag in Istanbul zu Jahresbeginn sei dieser hinterfragt und bezweifelt worden, ob beispielsweise die Informationen der türkischen Regierung über den Täter nicht zu voreilig gewesen seien. Diese Frage werde nach Anschlägen in westlichen Ländern kaum gestellt, erklärt der Psychologe.

Trauer im Internet: Ein Gefühl kollektiver Anteilnahme

"Muslime fühlen sich als Menschen zweiter Klasse", meint Allolio-Näcke. Zudem fühlten sie sich hilflos, wenn sie verfolgten, was in Ländern wie der Türkei oder Ägypten vor sich gehe, zu denen sie einen großen Bezug hätten. Ein Phänomen, das auch westliche Internetnutzer kennen. Psychologen sprechen von "kognitiver Geografie": Die Verbindung zu einem Ereignis ist umso größer, je mehr Gemeinsamkeiten mit den dort lebenden Menschen empfunden werden.

In einem Punkt geht es allen Menschen nach Gewalttaten wie in Brüssel oder Istanbul ähnlich: "Sie spüren eine Ohnmacht, dass sie nichts machen können", sagt der Psychologe. Umso wichtiger seien ihnen Trauerbekundungen im Internet: Durch sie entsteht ein Gefühl kollektiver Anteilnahme.

Hashtag "PrayForBelgium"

"Ich bin Muscheln und Fritten"

Screenshot "Je suis moules-frites"

"Ich bin Muscheln und Fritten. Ich bin Comics. Ich bin Atomium. Ich bin Schokolade. Und für Terroristen ..."

"Terroristen haben keine Religion"

Screenshot von "Terrorists have no religion!"

"Ich hasse es, dass das erste, was manche Menschen bei einer Tragödie tun müssen, ist, ihre eigene Religion zu verteidigen. Terroristen haben keine Religion!"

"Menschlichkeit ist erstaunlich"

Screenshot "Menschlichkeit"

"Freiheit wird immer siegen"

Screenshot EU-Flagge

"Krank, was da passiert"

Screenshot "Krank, einfach krank"

"Drücken, um neu zu starten"

Screenshot "press to reset the world"

Für die Menschlichkeit beten

Screenshot "Pray for our world"

Frankreich legt Arm um Belgien

Screenshot von Plantu-Karikatur

Die Solidarität der vom Terror gezeichneten Länder Belgien und Frankreich stellte Plantu, der Karikaturist der Pariser Tageszeitung "Le Monde", in den Vordergrund. Bei ihm legt eine Figur in französischem Blau-Weiß-Rot den Arm um seinen Nachbarn im belgischen Schwarz-Gelb-Rot, beiden läuft eine Träne über die Wange.

22.03.2016, Quelle: von Romina Carolin Stork, KNA
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