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Friedensgespräche in Genf Syrien-Konferenz: Rebellen wollen teilnehmen

BildBewaffnete syrische Rebellen
Bewaffnete syrische Rebellen

(Quelle: reuters)

VideoSyrien: Verstöße gegen Waffenruhe
Journalisten in der nordsyrischen Küstenprovinz Latakia während der Waffenruhe

Die Waffenruhe in Syrien hält weitgehend. Die Feuerpause lässt die Menschen aufatmen. Doch immer wieder zeigen Scharmützel in der nordsyrischen Küstenprovinz Latakia: Der Krieg ist noch nicht vorbei.

(01.03.2016)

VideoFeuerpause in Syrien
Ruinen in Syrien.

In Syrien wird die seit Samstag geltende Feuerpause weitgehend eingehalten. Die Menschen in den sonst umkämpften Städten können aufatmen. Auch wenn in den Ruinen von Homs nicht mehr viel übrig sind.

(29.02.2016)

VideoSyrien: Feuerpause eingeführt
Ruinen in Syrien.

In Syrien wird die seit Samstag geltende Feuerpause weitgehend eingehalten. Die Menschen in den sonst umkämpften Städten können aufatmen. Auch wenn in den Ruinen von Homs nicht mehr viel übrig sind.

(29.02.2016)

Die syrische Opposition will sich an den neuen Verhandlungen zur Beilegung des Syrien-Konflikts beteiligen. Diese starten am Donnerstag in Genf. Die relativ stabile Waffenruhe ermöglicht inzwischen weitere Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung. 

Das Hohe Verhandlungskomitee (HNC) habe sich entschlossen, an den Beratungen unter UN-Vermittlung in Genf teilzunehmen, teilte das Bündnis aus Oppositions- und Rebellengruppen am Montag mit. Nach Angaben von HNC-Sprecher Riad Naasan Agha wird die Delegation des Oppositionsbündnisses aber erst am Freitag nach Genf reisen, einen Tag nach dem offiziellen Beginn der Friedenskonferenz. Die Opposition hatte ihre Teilnahme an den indirekten Verhandlungen bislang offen gelassen und von Fortschritten auf "humanitärer Ebene" abhängig gemacht.

USA: Politische Lösung der einzige Weg

Die Führung in Damaskus habe von der UNO eine Einladung zu den Gesprächen für Montag erhalten, verlautete aus syrischen Regierungskreisen. US-Vizepräsident Biden erklärte, eine politische Lösung zwischen den Konfliktparteien sei der einzige Weg, "die Gewalt zu beenden und dem syrischen Volk die Chance zu geben, die es verdient, um sein Land wieder aufzubauen". Eine militärische Lösung in dem Konflikt schloss er aus. "Deshalb müssen wir, so hart das ist, weiter versuchen, eine politische Regelung zu erreichen."

Eine erste Gesprächsrunde zwischen Regierung und Opposition war Anfang Februar ergebnislos abgebrochen worden, nachdem die syrischen Regierungstruppen und ihre russischen Verbündeten eine Großoffensive auf die nördliche Großstadt Aleppo gestartet hatten. Seitdem wurde auf Vermittlung Russlands und der USA eine Waffenruhe vereinbart, die trotz etlicher Verstöße bisher weitgehend eingehalten wurde.

Waffenruhe weitgehend stabil

In den vergangenen Tagen seien nur noch wenige Verstöße gegen die seit Ende Februar geltende Waffenruhe verzeichnet worden, sagte Agha. Zudem gebe es neue Hilfslieferungen für die in belagerten Städten festsitzenden Zivilisten. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen wurden am Montag 22 Lastwagen mit Lebensmitteln und Medizin in eine von Rebellen kontrollierte Region östlich der Hauptstadt Damaskus geschickt.

Seit Beginn der Waffenruhe sei die Zahl der zivilen Opfer aber um 90 Prozent zurückgegangen, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien. Der Sonntag sei der "ruhigste Tag" seit Inkrafttreten der Feuerpause am 27. Februar gewesen. Bei einem Angriff der islamistischen Al-Nusra-Front auf ein Kurdenviertel in der Stadt Aleppo seien jedoch 19 Menschen getötet worden, der Großteil von ihnen Frauen und Kinder. Die Angaben der Menschenrechtler sind jedoch von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

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Wieder Frauen und Kinder getötet

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, dass die Waffenruhe abgesehen von "vereinzelten Provokationen und Beschuss" generell eingehalten werde. Russland kündigte zudem an, seinen Marinestützpunkt im Hafen von Tartus und eine Luftwaffenbasis in der Provinz Latakia für internationale Hilfslieferungen zu öffnen. Dort sollen Hilfsgüter entladen und vorübergehend gelagert werden.

Die russische Armee kämpft in Syrien auf der Seite von Staatschef Baschar al-Assad und fliegt nach Regierungsangaben weiterhin Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat und die Al-Nusra-Front in drei syrischen Provinzen. Die Islamistengruppen sind von der Waffenruhe ausgenommen.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Assad-Regime

Baschar al-Assad

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter große Städte wie Damaskus oder Homs sowie den Küstenstreifen. Unterstützt von russischen Luftangriffen und Hilfe aus Iran machte die syrische Armee in den vergangenen Wochen deutlich Boden gut und kreiste unter anderem von den Rebellen kontrollierte Teile Aleppos im Norden ein. Ziel Assads ist es, die Rebellen-Gebiete der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Sollte das gelingen, würde dieser Schlag Assads Verhandlungsposition deutlich stärken. Der Machthaber lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

IS-Kämpfer in Syrien  Aufnahmevom 07.04.2015

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben dem Regime. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten deutliche Niederlagen einstecken. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Zahl der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf 19.000 bis 25.000 - früheren Schätzungen zufolge waren es mal 20.000 bis 33.000. Für den Rückgang seien demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Disziplinarstrafen des IS gegen eigene Kämpfer verantwortlich, sagt ein Pentagon-Vertreter. Außerdem zeigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft Wirkung, den Fluss ausländischer Kämpfer nach Syrien und in den Irak einzudämmen.

Der IS kämpft sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen andere Rebellengruppen. Die Dschihadisten zeichnen sich vor allem durch ihren extremen Hass gegen Andersgläubige aus. Sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung an, der Scharia.

Al-Nusra-Front

Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front

Erstmals tauchte Al-Nusra im Januar 2012 auf - zehn Monate nach dem Beginn der Proteste gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, aus denen sich der Bürgerkrieg entwickelte. Die Gruppe ist ein Ableger des Al-Kaida-Arms Islamischer Staat im Irak. In der nordirakischen Provinz Ninive war al-Dschulani ihr Anführer.

Im Jahr 2013 lehnte es Al-Nusra ab, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und band sich an Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Dieser erklärt die Gruppe zum einzigen Al-Kaida-Ableger in Syrien, wonach der IS sie aus der ölreichen östlichen Provinz Deir Essor vertrieb.

Laut dem Syrien-Experten Thomas Pierret von der Universität Edinburgh gehören Al-Nusra 7.000 bis 8.000 Kämpfer an. Auf mittlerer Kommandoebene sind nach seinen Erkenntnissen einige Ausländer aktiv, bei den Fußtruppen jedoch kaum. Andere Experten beziffern die Zahl der Kämpfer auf bis zu 10.000, etwa 80 Prozent von ihnen Syrer. Hochburgen der Gruppe sind die nordwestsyrische Provinz Idlib und der Süden der nördlichen Provinz Aleppo. Es gibt aber kein Gebiet, das ausschließlich von Al-Nusra kontrolliert wird - überall kämpft die Gruppe mit Verbündeten.

Weil sie mit vielen Rebellengruppen in ganz Syrien verbündet ist, gilt die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front als zentrale Bedrohung für die seit dem späten Freitagabend geltende Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland. Denn die Waffenruhe gilt nicht für die Al-Nusra-Front. 

Rebellen

Syrische Rebellen schauen am 10.03.2015 in den Himmel

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam.

Ahrar al-Scham gehört zu den stärksten Milizen im Nordwesten Syriens. Kritiker werfen der von Al-Kaida-Veteranen gegründeten Gruppe eine große Nähe zu dem Terrornetzwerk vor. Auch Ahrar al-Scham will einen "islamischen Staat", in dem die Scharia, das Recht Gottes, gilt. Viele Rebellen halten die Gruppe jedoch für moderater als IS und Nusra-Front. Ahrar al-Scham gehört zum Hohen Verhandlungskomitee (HNC), das die Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Wie Ahrar al-Scham wird auch Dschaisch al-Islam Experten zufolge von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt. Die Miliz ist vor allem in dem hart umkämpften Gebiet östlich von Damaskus stark. Auch sie gehört zum HNC. Ihr Vertreter Mohammed Allusch trägt sogar den Titel "erster Verhandler".

Teilweise kooperieren die Rebellen mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Sie ist ideologisch eng mit dem IS verwandt ist, beide Gruppen sind allerdings miteinander verfeindet.

Hisbollah

Hisbollah-Kämpfer und syrische Armeesoldaten stehen auf einem Lastwagen mit Hilfsgütern

Die libanesische Schiitenmiliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg seit langem an der Seite des Regimes. Sie wird von Iran finanziert, der Präsident Assad an der Macht halten will, um die Achse Libanon-Syrien-Irak-Iran zu sichern. Die USA haben die "Partei Gottes" auf ihre Terrorliste gesetzt, die EU betrachtet ihren militärischen Arm als Terrororganisation.

Opposition

syrische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kobane: Kurdischer Kämpfer - Aufnahme vom 08.05.2015

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Kurdenmiliz ist im Kampf gegen die IS-Terrormiliz bislang sehr effektiv, ist daher wichtiger Partner des Westens und erhält dafür Hilfe aus den USA. Die Kurden kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Das NATO-Mitglied Türkei indes bekämpft den bewaffneten Arm der PYD, die YPG, und scheint zunehmend beunruhigt wegen der jüngsten Geländegewinne der Gruppe im benachbarten Bürgerkriegsland. Mit dem Erstarken der Kurden in Syrien und dem Nordirak sieht Ankara auch die Bestrebungen zur Gründung eines Kurdenstaates wachsen.

Die USA und der Westen

Fregatte Augsburg der Bundesmarine

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte "Augsburg", die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Archiv - Ein russischer SU-34 Kampfjet beim Abwurf ein Bombe am 09.12.2015

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Hassan Rohani

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Erdogan und König Salman

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

07.03.2016, Quelle: afp
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