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merkzettel

Religionen in Iran Weihnachten in Isfahan

BildWeihnachtsdeko in Isfahan
Weihnachtsdekoration im armenischen Viertel von Isfahan
VideoKonflikt: Folgen für uns?
Jochen Hippler, Politikwissenschaftler und Friedensforscher der Universität Duisburg-Essen.

Neue Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran: Welche Folgen hat der Konflikt für uns? heute+ fragt Jochen Hippler, Politikwissenschaftler und Friedensforscher der Universität Duisburg-Essen.

(04.01.2016)

VideoIran vs. Saudi-Arabien
Trauerfeier für den hingerichteten schiiten Al-Nimr.

Was zunächst ein Konflikt zwischen zwei Ländern war, droht immer mehr zum Flächenbrand für die gesamte arabische Welt zu werden. Jetzt brechen weitere sunnitische Staaten ihre Beziehungen zu Iran ab.

(04.01.2016)

von Frederic Ulferts

Während Iran und Saudi-Arabien sich um die Nachfolge Mohammeds streiten und um die Macht in der Region, feiern im zentraliranischen Isfahan Tausende Armenier ihr Weihnachtsfest. Iran definiert sich zwar als Gottesstaat, aber die Bevölkerung besteht nicht nur aus schiitischen Moslems. 

"Merry Christmas and a Happy New Year!" heißt es an jeder Ecke in Dschulfa, einem armenischen Stadtteil mitten in der Millionenstadt Isfahan in der Islamischen Republik Iran. An den Bäumen hängt Weihnachtsschmuck, es wimmelt vor Menschen, alle haben sich fein gemacht, denn am 6. Januar, dem Tag der Taufe Christi, beginnt für die armenisch-apostolische Kirche das Weihnachtsfest. Die zwölf Kirchen des Stadtteils sind so voll, dass sich die Gläubigen zum Teil vor den Portalen drängeln, um etwas von der Messe mitzubekommen.

Juden und Christen im Gottesstaat

Iran definiert sich als Gottesstaat, aber die Bevölkerung besteht nicht nur aus schiitischen Moslems. Fünf bis zehn Prozent der Iraner sind Sunniten, darunter die meisten Kurden und Turkmenen. Die bis zu 400.000 armenischen und assyrischen Christen gehören in Iran einer anerkannten Religion an. Juden in Iran können ebenso ihre Religion ausüben, nach offizieller Richtlinie richtet sich der Hass der Iraner gegen die israelische Politik, nicht gegen die jüdische Religion. Spezifisch für das Land sind die Zoroastrier, die der vorislamischen Religion der Perser huldigen. Scharf verfolgt wird in Iran allerdings das Bahaitum, eine Bewegung, die sich aus dem schiitischen Islam entwickelt hat.
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Die armenischen Christen dagegen führen ein reges Gemeindeleben: "Wir sind für die Stadt Isfahan sehr wichtig. Mit unserer Gemeinde, die auch eigene Schulen hat, tragen wir viel zur Kultur der Stadt bei", sagt Heiduk Vartevan, der im Innenhof der Betlehem-Kirche auf den Beginn des Gottesdienstes wartet. Die meisten Gläubigen kommen in Familien, einige Frauen haben im Innenhof ihre Kopftücher abgenommen, aus der Kirche dringt der Geruch von Weihrauch. "Es gibt keinen Druck von den Behörden, wir haben die vergangenen 40 Jahren keine Probleme gehabt“, sagt Vartevan. Das gilt allerdings nur, weil die Armenier unter sich bleiben und ihre Messe in armenischer Sprache halten. Es wäre ihnen nicht gestattet, eine Messe auf Farsi zu halten.

Netzwerke der Armenier

Freiwillig ist die armenische Gemeinde nicht entstanden. Shah Abbas ließ 1605 aus Jolfa in der heutigen Provinz Aserbaidschan 30.000 Armenier in seine Hauptstadt Isfahan bringen, um Wirtschaft und Handel anzukurbeln. Eine kluge Maßnahme, die Armenier waren schon damals ein weit verstreutes Volk mit guten Kontakten in alle Welt.

Heute leben etwa 25.000 Armenier in Dschulfa mit der prächtigen Vank-Kathedrale als Zentrum der Gemeinde. Ihre Zahl schrumpft aber, weil viele von ihnen, wie Iraner insgesamt auch, versuchen, das Land zu verlassen, um sich in den USA oder Europa ein neues Leben aufzubauen. Eine Entwicklung, die nicht nur in Isfahan mit großer Sorge gesehen wird.

Toleranz, aber keine Freiheit

Ayatollah Khamenei, iranisches Staatsoberhaupt und Religionsführer, setzte ein überraschendes Zeichen. Er besuchte zu Weihnachten mehrere christliche Familien, die Söhne im Krieg gegen den Irak verloren haben. Khamenei betonte, dass die iranische Nation nicht nur aus Muslimen bestehe, sondern dass auch Christen einen elementaren Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Sie seien so wichtig für das Land, dass Iran ohne seine Christen zerbrechen würde, so Ayatollah Khamenei.

Allerdings darf man Khamenei nicht falsch verstehen. Er meint mit Christen ausschließlich ethnische Christen in Iran wie Armenier und Assyrer. Strafbar wäre es nach wie vor, wenn muslimische Iraner zum Christentum überträten oder wenn Christen sich mit ihrer Religion an Muslime wendeten.

Konfliktgeladen: Saudi-Arabien und Iran

Dauerhaft gespanntes Verhältnis

Infokarte: Saudi-Arabien

Die Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien sind schon seit der Islamischen Revolution 1979 gespannt, auch wenn es gelegentlich Tauwetter im Verhältnis der beiden regionalen Rivalen gab. Nun hat Saudi-Arabien wegen Angriffen auf seine diplomatische Vertretung im Iran die diplomatischen Beziehungen gekappt. Dies markiert einen Tiefpunkt im Verhältnis beider Staaten.

Beziehungen vor der Revolution

Unter dem früheren iranischen Staatsoberhaupt Schah Mohammed Reza Pahlavi hatte der Iran ein schwieriges Verhältnis zu Saudi-Arabien. Doch verbesserten sich die Beziehungen gegen Ende seiner Herrschaft. Unter anderem gehörten beide Länder zu den Gründungsmitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).

Beziehungen nach der Revolution

Saddam Hussein

Nach dem Sturz des Schahs und der Besetzung der US-Botschaft in Teheran wurde Saudi-Arabien schnell zum wichtigsten Verbündeten Amerikas in der Region. Im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak in den 1980er Jahren unterstützte Saudi-Arabien den Irak - trotz Bedenken des Königreichs wegen des irakischen Diktators Saddam Hussein. In dem Krieg kamen eine Million Menschen ums Leben.

Hadsch-Unruhen 1987

Muslime zum Höhepunkt des "Hadsch" in Mekka

Bei der jährlichen muslimischen Pilgerfahrt zu heiligen Stätten des Islam in Saudi-Arabien kam es 1987 zu Blutvergießen, als Iraner eine politische Demonstration veranstalteten. Iranische Pilger lieferten sich später Kämpfe mit saudischen Bereitschaftspolizisten. Mindestens 402 Menschen kamen ums Leben. Nach iranischer Darstellung sollen sogar 600 seiner Pilger getötet worden sein. Die Polizei habe mit Maschinengewehren auf die Menschenmenge geschossen. In Teheran griffen Demonstranten die Botschaften Saudi-Arabiens, Kuwaits, Frankreichs und des Iraks an.

Abbruch der Beziehungen 1988

1988 kappte Saudi-Arabien die Beziehungen mit dem Iran - unter Verweis auf die Unruhen beim Hadsch im Vorjahr und iranische Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf. Die Iraner reagierten mit einem Boykott der muslimischen Pilgerfahrt in den Jahren 1988 und 1989. 1991 stellten die beiden Länder die diplomatischen Beziehungen wieder her.

Spannungsabbau

Der Kronprinz von Saudi-Arabien Abdullah bin Abdul Aziz al-Saud und der Iranaische Präsident Mohammad Khatami am 8.12.1997

Nach dem Amtsantritt des gemäßigten iranischen Präsidenten Mohammed Chatami 1997 verbesserten sich die bilateralen Beziehungen. Nach historischen Besuchen des saudischen Kronprinzen Abdullah in Teheran im Dezember 1997 und Chatamis in Saudi-Arabien im Mai 1999 wurde das Verhältnis noch besser.

Atomstreit

Mahmud Ahmadinedschad

In Saudi-Arabien setzten neue Bedenken ein, als gegen Teheran wegen seines umstrittenen Atomprogramms internationale Sanktionen verhängt wurden. Sorgen bereitete auch die zunehmend scharfe Rhetorik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Neues Misstrauen in Saudi-Arabien schürte das iranische Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland vom Sommer 2015. In den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen unterstützen Saudi-Arabien und der Iran gegnerische Seiten.

Hadsch-Katastrophe 2015

Zugedeckte tote Pilger liegen auf Tragen neben einem Rettungsfahrzeug

Am 24. September kam es bei der Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien zu einer Massenpanik. Nach Angaben des Königreichs wurden 769 Pilger getötet. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AP zufolge lag die Opferzahl jedoch bei über 2.400. Laut dem Iran kamen mindestens 464 iranische Pilger ums Leben. Das Land machte saudische "Inkompetenz" für die Todesfälle verantwortlich.

Hinrichtung eines iranischen Scheichs 2016

Anhänger von Scheich Nimr al-Nimr hält sein Porträt hoch (Archivbild)

Am 2. Januar richtete Saudi-Arabien den schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr und 46 weitere Personen hin. Al-Nimr war eine zentrale Figur bei Protesten der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien, die vom Arabischen Frühling inspiriert waren. Seine Hinrichtung löste im Nahen Osten Demonstrationen und Angriffe auf diplomatische Einrichtungen Saudi-Arabiens im Iran aus. Das Königreich kündigte daraufhin an, die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran abzubrechen.

Quelle: ap

10.01.2016
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