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merkzettel

Retro-Videospiele "Pac-Man" ist wieder angesagt

VideoZocken mit Nostalgie-Faktor
Alte Hardware wird neu aufgelegt

3D-Computerspiele kann jeder, deshalb legt Nintendo dreißig Jahre alte Hardware neu auf. Jetzt übernehmen wieder Super Mario und Pac-Man.

(29.04.2017)

VideoDie Nintendo-Story
Nintendos Mario

Keine virtuellen Figuren haben sich tiefer in die Spielerherzen gebrannt als Mario und die Pokémon, die meistverkauften Videospieleserien aller Zeiten. Eine Doku über Macher, Träumer und Geschäfte.

(29.04.2017)

VideoVideospiele als Realität
Tweet der russischen Botschaft in London.

Jahrelang warfen Medien Gamern vor, sie könnten nicht zwischen Spiel und Realität unterscheiden. Diesem Vorwurf müssen sich die Medien nun selbst stellen.

(29.04.2017)

VideoVR-Brillen auf der Gamescom
Besucher der Gamescom probieren die Virtual-Reality-Brillen aus.

Nach Köln werden Fans von Computer- und Videospielen gelockt. Virtual Reality ist das Hauptthema auf der Gamescom. Durch die Virtual-Reality-Brille werden bislang unerreichte Spielerlebnisse möglich.

(29.04.2017)

von Andreas Garbe

Früher war alles besser - das trifft wohl am wenigsten auf Videospiele zu. Die Qualität der Grafiken verbessert sich rasant. Und doch gibt es eine wachsende Szene, die sich bevorzugt mit alten Videospielen befasst. Die ersten Heimkonsolen kommen noch einmal auf den Markt. 

In dem opulenten Action-Adventure "Uncharted 4" durchstöbert der Spieler als Abenteurer Nathan Drake verfallene Piratenstädte im Dschungel nach Schätzen. Die Grafiken wirken nahezu fotorealistisch. In einer Szene allerdings sitzt Nathan mit seiner Frau im Wohnzimmer und spielt ein Videospiel - das 20 Jahre alte "Crash Bandicoot". Es ist schon ironisch: Der Spieler steuert mit seiner "PlayStation4" die Hauptfigur, wie diese an der Vor-Vor-Vorgänger-Konsole einen pixeligen Klassiker zockt. Dahinter steckt mehr als Selbstreferenz und Meta-Ebene. Dahinter steckt auch ein starker Trend: Retro-Spiele werden immer beliebter.

"Pac-Man", "Super Mario Bros.", "Legend of Zelda"

Der Titel der meistverkauften Heimkonsole der 80er Jahre geht an das Nintendo-Entertainment-System, kurz: NES. 30 Jahre später erscheint es nun ein zweites Mal – als Miniatur-Ausgabe. Ohne Steckmodule zum Wechseln, stattdessen mit 30 Spielen fest eingebaut. Darunter sind die Klassiker "Pac-Man", "Super Mario Bros." und die ersten beiden Teile der "Legend of Zelda"-Serie. Die Neuauflage war für rund 70 Euro vorbestellbar. Weil die erste Charge bereits vergriffen ist, gehen die Geräte in Online-Auktionen aktuell fast zum doppelten Preis weg.

Auch alte Konsolen von Atari und Sega sind als verkleinerte Neuauflagen auf dem Markt. Auf ihnen sind mal 80, mal über 100 Spiele-Klassiker vorinstalliert. Allerdings werden diese Konsolen nicht wie die Miniatur-NES per HDMI, sondern nur per Video-Cinch an den Fernseher angeschlossen. Die Bildqualität ist entsprechend schlecht. Auch die Verarbeitung der Konsolen und der Controller ist eher bescheiden. Sie verkaufen sich dennoch. Seit 2012 mit dem "Neo Geo X" eine in Europa kaum bekannte japanische Kult-Konsole wieder auf den Markt kam und für Furore sorgte, erscheinen immer mehr Retro-Systeme als Neuauflagen.

Einfache Spielprinzipien sind verloren gegangen

Der Hype um Jahrzehnte alte Videospiele mag Außenstehende verblüffen - Jörg Dröge kann ihn sich erklären. Er ist Jahrgang 1982. In seinem Wohnzimmer stapeln sich alte Spiele und Systeme. "Die einfachen Spielprinzipien sind verloren gegangen," sagt er. "Es gibt ja zum Beispiel keine Shoot-Em-Ups, keine Weltraum-Shooter mehr. Das Genre ist sozusagen tot. Und jetzt sehen auch Leute, die vielleicht noch nichts mit Videospielen zu tun hatten, dass ein "Tetris" gar nicht mal so langweilig ist, sondern richtig Suchtpotenzial hat."

Dröge veröffentlicht seit 15 Jahren die Scene World, ein Disketten-Magazin für den "Commodore 64". 2.000 Fans lesen es am PC oder laden sich die Daten aus dem Netz, spielen diese auf eine alte Diskette und lesen es dann auf dem "C64", sagt er. In seinem Podcast interviewt er immer wieder prominente Köpfe aus der Szene.

C64: Neue Gehäuse für den alten Brotkasten

Der "C64" hat ebenfalls 30 Jahre auf dem Brotkasten-förmigen Buckel. Auch hier gibt es eine große Fangemeinde. Sie ist jedenfalls groß genug, um Unternehmer, die sich mit der Materie auskennen, auf scheinbar verrückte Ideen zu bringen. "iComp" heißt die Firma von Jens Schönfeld in Woffelsbach, eine Abkürzung von "Individual Computers". Als er erfuhr, dass in den USA die Original-Spritzgussformen für "C64"-Gehäuse aufgetaucht waren, schlug er zu. Er ließ die 2,8 Tonnen schweren Stahlplatten per Schiff nach Deutschland bringen und bietet nun neue Gehäuse für den Computer-Oldie an.

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Die Platten mussten freilich erst einmal an moderne Spritzguss-Maschinen angepasst werden. Ein immenser Aufwand für eine Handvoll Pixel. Für Sammler wie Jörg Dröge jedoch eine lohnende Investition. Bei Hardware und Software legt er besonders großen Wert auf den ursprünglichen Zustand, selbst wenn an den Spiele-Klassikern oftmals einiges verbessert werden könnte.

"Dinner for One" in Farbe?

"Man kann da einen Vergleich ziehen: Das wäre so, als wollte man 'Dinner for One' in Farbe gucken. Das würde auch niemand machen. Ich will das Original in Schwarz-weiß sehen und nicht nachcoloriert." Der Reiz von Retro-Spielen liegt zum großen Teil in den reduzierten Möglichkeiten damaliger Geräte. Mit ein wenig technischem Verständnis erscheinen die Grafiken nämlich gar nicht altbacken, sondern als teilweise überragende Leistung des Programmierers. "Man hat sich damals schon gefreut, wenn man bei einem Spiel wie "OutRun Europa" mit dem Auto in den Tunnel gefahren ist," schwärmt Dröge. "Dass das Auto da abgedunkelt worden ist: Das war schon das Höchste der Special Effects damals und man war schon super happy."

Wer sie damals gespielt hat, verbindet Retro-Spiele auch oft mit der eigenen Biografie, mit Kindheits- und Jugenderfahrungen. Das weiß Enno Coners, Verleger des dienstältesten der drei Retro-Magazine. "Man verbindet damit gute Zeiten," erzählt Coners. "Schöne Zeiten, in denen man Heranwachsender war, die Welt entdeckt hat." Wer sie heute noch spielt, weckt einerseits solche Erinnerungen. Er setzt sich aber auch von der Masse der Spieler ab, die den großen Blockbustern hinterherlaufen. "Es ist natürlich auch ein Stück Identität," sagt Coners. "Sie grenzen sich ein bischen vom Mainstream ab."

11.11.2016
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