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Nach Putin-Befehl Russland beginnt Teilabzug aus Syrien

VideoTeilabzug aus Syrien
Russland zieht seine Truppen aus Syrien ab.

Russland hat damit begonnen, einen Teil seiner Truppen aus Syrien abzuziehen. Damit wächst die Hoffnung auf einen Waffenstillstand in dem Bürgerkriegsland.

(15.03.2016)

Video"Syrien-Abzug ist eine Geste"
Winand Wernicke

"Die internationalen Reaktionen klingen relativ optimistisch. Es kann einen Schub für die Verhandlungen in Genf geben", sagt ZDF-Korrespondent Winand Wernicke nach dem angekündigten Teilabzug Russlands.

(15.03.2016)

VideoSyrien: Friedensgespräche in Genf
Kampfflieger

Die Friedensgespräche für Syrien gehen weiter. Vertreter der syrischen Opposition und der Regierung Assads nehmen teil. Ziele sind die Bildung einer Übergangsregierung und eine neue Verfassung.

(14.03.2016)

Einen Tag nach Putins Ankündigung verlassen die ersten Kampfflugzeuge den russischen Stützpunkt Hemeimim. Die UN erhoffen sich davon Rückenwind für die Friedensgespräche in Genf. Auch Iran begrüßt den Schritt. 

Die russischen Streitkräfte haben damit begonnen, den Rückzugsbefehl von Präsident Wladimir Putin aus Syrien umzusetzen. Die ersten Kampfflugzeuge seien am Dienstag zu ihren teilweise 5.000 Kilometer entfernten Heimatstützpunkten zurückgeflogen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Der UN-Sondergesandte für
Syrien, Staffan de Mistura, sprach von einem "wichtigen Schritt", der Hoffnungen auf Fortschritte bei den Genfer Friedensgesprächen nähre. Putin hatte am Montag wenige Stunden nach der Wiederaufnahme indirekter Verhandlungen zwischen syrischer Regierung und Opposition erklärt, die russischen Einsatzkräfte auf dem syrischen Stützpunkt Hemeimin könnten verringert werden.

Militärisches Blatt gewendet

Mit den Verhandlungen sei ein Ziel erreicht worden, das Russland mit seinen im September aufgenommenen Luftangriffen verfolgt habe: Das militärische Blatt sei zugunsten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gewendet und so eine Voraussetzung für Friedensgespräche geschaffen worden. Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Nikolai Pankow sagte am Dienstag, russische Kampfflugzeuge würden weiterhin die Terrormiliz Islamischer Staat, den Al-Kaida-Ableger Nusra Front und andere von den UN als terroristisch eingestufte Gruppen in Syrien angreifen.

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Das macht die US-geführte Koalition auch. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, der aus Tschetschenien stammende IS-Kommandant Omar al-Schischani sei am Montag nahe der syrischen Stadt Rakka Verwundungen erlegen, die er vergangene Woche bei einem US-Luftangriff erlitten habe. Eine IS-nahe Nachrichtenagentur dementierte das allerdings. Die USA schätzen, dass etwa 3.000 bis 6.000 russische Soldaten in Syrien sind. Außerdem habe Moskau mehr als 50 Flugzeuge und Hubschrauber in Hemeimim am Mittelmeer, wo sich neben dem Luftwaffen- auch ein Marinestützpunkt befindet.

Der Leiter des Verteidigungsausschusses im Oberhaus des russischen Parlaments, Vikor Oserow, sagte laut einer Meldung der Moskauer Nachrichtenagentur Interfax, es würden mindestens 800 russische Soldaten zum Schutz der beiden russischen Stützpunkte in Syrien benötigt. Er schätze, dass 1.000 Mann in Syrien blieben. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif begrüßte die russische Initiative. Der Iran ist neben Russland wichtigster Verbündeter Assads. Auch US-Präsident Barack Obama begrüßte in einem Telefonat mit Putin den russischen Teilrückzug. Der UN-Sicherheitsrat nahm die russische Ankündigung ebenfalls positiv auf.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Die Kurden

Kobane: Kurdischer Kämpfer - Aufnahme vom 08.05.2015

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Kurdenmiliz ist im Kampf gegen die IS-Terrormiliz bislang sehr effektiv, ist daher wichtiger Partner des Westens und erhält dafür Hilfe aus den USA. Die Kurden kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Das NATO-Mitglied Türkei indes bekämpft den bewaffneten Arm der PYD, die YPG, und scheint zunehmend beunruhigt wegen der jüngsten Geländegewinne der Gruppe im benachbarten Bürgerkriegsland. Mit dem Erstarken der Kurden in Syrien und dem Nordirak sieht Ankara auch die Bestrebungen zur Gründung eines Kurdenstaates wachsen.

Islamischer Staat

IS-Kämpfer in Syrien  Aufnahmevom 07.04.2015

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben dem Regime. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten deutliche Niederlagen einstecken. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Zahl der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf 19.000 bis 25.000 - früheren Schätzungen zufolge waren es mal 20.000 bis 33.000. Für den Rückgang seien demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Disziplinarstrafen des IS gegen eigene Kämpfer verantwortlich, sagt ein Pentagon-Vertreter. Außerdem zeigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft Wirkung, den Fluss ausländischer Kämpfer nach Syrien und in den Irak einzudämmen.

Der IS kämpft sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen andere Rebellengruppen. Die Dschihadisten zeichnen sich vor allem durch ihren extremen Hass gegen Andersgläubige aus. Sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung an, der Scharia.

Assad-Regime

Baschar al-Assad

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter große Städte wie Damaskus oder Homs sowie den Küstenstreifen. Unterstützt von russischen Luftangriffen und Hilfe aus Iran machte die syrische Armee in den vergangenen Wochen deutlich Boden gut und kreiste unter anderem von den Rebellen kontrollierte Teile Aleppos im Norden ein. Ziel Assads ist es, die Rebellen-Gebiete der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Sollte das gelingen, würde dieser Schlag Assads Verhandlungsposition deutlich stärken. Der Machthaber lehnt einen Rücktritt ab.

Al-Nusra-Front

Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front

Erstmals tauchte Al-Nusra im Januar 2012 auf - zehn Monate nach dem Beginn der Proteste gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, aus denen sich der Bürgerkrieg entwickelte. Die Gruppe ist ein Ableger des Al-Kaida-Arms Islamischer Staat im Irak. In der nordirakischen Provinz Ninive war al-Dschulani ihr Anführer.

Im Jahr 2013 lehnte es Al-Nusra ab, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und band sich an Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Dieser erklärt die Gruppe zum einzigen Al-Kaida-Ableger in Syrien, wonach der IS sie aus der ölreichen östlichen Provinz Deir Essor vertrieb.

Laut dem Syrien-Experten Thomas Pierret von der Universität Edinburgh gehören Al-Nusra 7.000 bis 8.000 Kämpfer an. Auf mittlerer Kommandoebene sind nach seinen Erkenntnissen einige Ausländer aktiv, bei den Fußtruppen jedoch kaum. Andere Experten beziffern die Zahl der Kämpfer auf bis zu 10.000, etwa 80 Prozent von ihnen Syrer. Hochburgen der Gruppe sind die nordwestsyrische Provinz Idlib und der Süden der nördlichen Provinz Aleppo. Es gibt aber kein Gebiet, das ausschließlich von Al-Nusra kontrolliert wird - überall kämpft die Gruppe mit Verbündeten.

Weil sie mit vielen Rebellengruppen in ganz Syrien verbündet ist, gilt die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front als zentrale Bedrohung für die seit dem späten Freitagabend geltende Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland. Denn die Waffenruhe gilt nicht für die Al-Nusra-Front. 

Rebellen

Syrische Rebellen schauen am 10.03.2015 in den Himmel

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam.

Ahrar al-Scham gehört zu den stärksten Milizen im Nordwesten Syriens. Kritiker werfen der von Al-Kaida-Veteranen gegründeten Gruppe eine große Nähe zu dem Terrornetzwerk vor. Auch Ahrar al-Scham will einen "islamischen Staat", in dem die Scharia, das Recht Gottes, gilt. Viele Rebellen halten die Gruppe jedoch für moderater als IS und Nusra-Front. Ahrar al-Scham gehört zum Hohen Verhandlungskomitee (HNC), das die Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Wie Ahrar al-Scham wird auch Dschaisch al-Islam Experten zufolge von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt. Die Miliz ist vor allem in dem hart umkämpften Gebiet östlich von Damaskus stark. Auch sie gehört zum HNC. Ihr Vertreter Mohammed Allusch trägt sogar den Titel "erster Verhandler".

Teilweise kooperieren die Rebellen mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Sie ist ideologisch eng mit dem IS verwandt ist, beide Gruppen sind allerdings miteinander verfeindet.

Hisbollah

Hisbollah-Kämpfer und syrische Armeesoldaten stehen auf einem Lastwagen mit Hilfsgütern

Die libanesische Schiitenmiliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg seit langem an der Seite des Regimes. Sie wird von Iran finanziert, der Präsident Assad an der Macht halten will, um die Achse Libanon-Syrien-Irak-Iran zu sichern. Die USA haben die "Partei Gottes" auf ihre Terrorliste gesetzt, die EU betrachtet ihren militärischen Arm als Terrororganisation.

Opposition

syrische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die USA und der Westen

Fregatte Augsburg der Bundesmarine

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte "Augsburg", die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Archiv - Ein russischer SU-34 Kampfjet beim Abwurf ein Bombe am 09.12.2015

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Hassan Rohani

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Erdogan und König Salman

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

15.03.2016, Quelle: ap
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