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merkzettel

Russland Ukrainische Pilotin Sawtschenko wegen Mordes verurteilt

BildNadja Sawtschenko
Ukrainische Militärpilotin Nadja Sawtschenko am 4.3.2015

(Quelle: dpa)

VideoAnnexion der Krim: 2. Jahrestag
Feierlichkeiten zum zweiten Jahrestag der Krim-Annexion

Trotz Putins Versprechen ist die Krim durch ein Embargo noch immer von der Ukraine abhängig. Zum zweiten Jahrestag kam der Kremlherr heute auf die Halbinsel und wurde dort euphorisch begrüßt.

(19.03.2015)

Die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko ist von der russischen Justiz des Mordes an zwei russischen Journalisten für schuldig befunden worden. Die Soldatin habe aus "Hass" gehandelt, urteilte das Gericht. 

Ein russisches Gericht hat die ukrainische Offizierin Nadja Sawtschenko wegen Mordes schuldig gesprochen. Sie sei verantwortlich für den Tod zweier russischer Journalisten im Krieg in der Ostukraine 2014, befanden die Richter in Donezk am Montag in einem international höchst umstrittenen Verfahren. Das Strafmaß wird wahrscheinlich am Dienstag verkündet. Das Gericht erklärte zu Beginn der Urteilsverkündung, Sawtschenko habe die Koordinaten für den Granatangriff geliefert, bei dem die beiden Journalisten getötet wurden. Die Offizierin sei von "politischem Hass" auf die Bewohner der Region Luhansk getrieben gewesen. Sie habe zu einer "kriminellen Gruppe" gehört und darauf abgezielt, "eine unbegrenzte Zahl von Menschen" zu töten.

Die 34-Jährige ist ausgebildete Kampfpilotin, kämpfte aber 2014 in einem ukrainischen Freiwilligenbataillon gegen die von Russland unterstützten Rebellen in der Ostukraine. Im Juli 2014 geriet sie in Gefangenschaft und kam unter bis heute ungeklärten Umständen nach Russland. Die Ukraine bezeichnet sie als Kriegsgefangene und will sie gegen gefangene russische Offiziere austauschen.

EU und USA für Freilassung

Auch die Europäische Union und US-Präsident Barack Obama verlangten Sawtschenkos Freilassung. Russland lehnte dies vor dem Urteil ab. Es wird aber spekuliert, dass es doch noch zum Austausch kommen könnte. Bei der Urteilsverkündung zeigten Sawtschenko und ihre Anwälte am Montag im Gerichtssaal keine Reaktion. Die Angeklagte hatte die Vorwürfe stets bestritten und den Prozess als Farce bezeichnet. Ihre Verteidiger hatten vergeblich beantragt, über Ortungsdaten ihres Handys vom Tag des Angriffs zu beweisen, dass sie mehrere Kilometer entfernt war.

Während ihrer Haft in Russland war Sawtschenko mehrfach in den Hungerstreik getreten. Ihre Richter hatte sie als "Idioten" bezeichnet und ihnen den Mittelfinger gezeigt. Ein Sprecher des ukrainischen Präsidialamts beklagte am Montag, dass eine ukrainische Delegation auf dem Weg zum Gericht in der Grenzstadt Donezk von russischen Grenzern gestoppt und drei Stunden lang festgehalten worden sei. Der Präsidentengesandten Irina Geraschenko sei die Einreise verwehrt worden. Der Krieg in der Ostukraine zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten hat seit April 2014 mehr als 9.100 Menschen das Leben gekostet. Inzwischen herrscht offiziell eine Waffenruhe, die aber als sehr zerbrechlich gilt.

Ukraine - die Chronologie des Krieges

2013

Janukowitsch-Gemälde

November 2013: Der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch kippt ein historisches EU-Assoziierungsabkommen. Es kommt zu Massenprotesten, die in Gewalt mit Dutzenden Toten enden.

(Bild: Gemälde von Janukowitisch)

2014

22. Februar: Janukowitsch flieht aus Kiew und später nach Russland. Das Parlament setzt Janukowitsch ab und ordnet Neuwahlen an.

16. März: Die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim stimmt für einen Beitritt zu Russland. Der Westen erkennt das Referendum nicht an.

13. April: Die Übergangsführung in Kiew beginnt einen militärischen "Anti-Terror-Einsatz" gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine.

Mai: Die Separatisten in den Gebieten Donezk und Luhansk sagen sich von Kiew los. Der prowestliche Milliardär Petro Poroschenko wird neuer Präsident der Ukraine.

17. Juli: Beim Absturz eines malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine sterben 298 Menschen. Kiew und die Separatisten werfen sich gegenseitig den Abschuss vor.

September: Die Konfliktparteien einigen sich im weißrussischen Minsk auf eine Waffenruhe, die aber nicht durchgesetzt wird.

Oktober: Die Ukraine wählt ein neues Parlament. Proeuropäische Parteien siegen deutlich; die Separationsgebiete nehmen nicht teil.

2015

24. Januar: Tödlicher Raketenbeschuss von Wohnhäusern in der Hafenstadt Mariupol sorgt für eine Eskalation des Konfliktes.

12. Februar: Bei einem Gipfel in Minsk vereinbaren Kremlchef Putin und der ukrainische Präsident Poroschenko unter dem Beisein von Frankreichs Staatschef Hollande und Kanzlerin Merkel eine Waffenruhe ab dem 14. Februar in der Ostukraine.

23. Februar: Die ukrainischen Streitkräfte sagen den vereinbarten Abzug ihrer schweren Waffen ab. In den Folgemonaten flammen die Kämpfe immer wieder auf.

25. Juni: Die Kämpfe in der Ostukraine haben sich nach Einschätzung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erheblich verschärft. Die prorussischen Separatisten warfen der Armee zuletzt rund 100 Verstöße gegen die vor vier Monaten beschlossene Waffenruhe vor.

26. Juni: Erstmals seit Februar beraten US-Präsident Barack Obama und Putin über den Ukraine-Konflikt. Obama fordert Putin zum Abzug russischer Truppen und Waffen aus dem Kampfgebiet auf.

16. Juli: Auf Druck des Westens fügt Poroschenko in den Text der neuen ukrainischen Verfassung einen Passus ein, der dem russisch geprägten Konfliktgebiet Donbass künftig Sonderrechte zubilligt.

19. Juli: Nach internationaler Kritik an immer neuer Gewalt kündigen die Separatisten den Abzug schwerer Waffen an. Russland fordert die Ukraine auf, sich ebenfalls von der Frontlinie zurückzuziehen.

21. Juli: Die Konfliktparteien verständigen sich grundsätzlich auf den Abzug schwerer Waffen. Im Donbass geht der Beschuss mit schwerem Kriegsgerät zunächst allerdings weiter.

(Quelle: dpa)

2016

14. Februar: Ein Jahr nach der Minsker Einigung zieht Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine ernüchternde Bilanz. Man sei "ein ganzes Stück von der Umsetzung" entfernt, sagt er nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Moskau, Kiew und Paris am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz.

21.03.2016, Quelle: dpa, afp, reuters, ap
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