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Schon wieder Montag ... Nestbau mit Kaffeetasse

BildWho is the Boos?
Kaffeepott mit Aufschrift "The Boss"

"Es geht nicht um Abgrenzung, sondern um den Wunsch, sich in einer fremdbestimmten Welt sein Nestchen einzurichten", sagt Arbeitspsychologin Anne Huth.

(Quelle: imago)

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Surfen, mailen, chatten - der private Gebrauch von Computern am Arbeitsplatz kann zu Abmahnungen und Kündigungen führen.

(15.01.2016)

Wer den Tassenschrank einer deutschen Büroküche öffnet, findet neben dem neutralen Firmenporzellan eine bunte Ansammlung von ausgesuchten Einzelstücken – mit lustigen Motiven, schrillen Farben oder komischen Sprüchen. Arbeitspsychologin Anne Huth erinnert das an "Nestbau". 

heute.de: Welche Bedeutung hat der Kult um die Kaffeetasse in deutschen Büros?

Anne Huth: Der ist noch weit verbreitet. Ich schätze, dass 70 Prozent der Menschen bewusst aus einer bestimmten Tasse trinken, während der kleine Rest lediglich ein Behältnis für sein Heißgetränk braucht. Diejenigen, die an ihrer Tasse hängen, haben meist ihre Lieblingstasse oder eine private Tasse, die sie gerne anfassen, angucken oder mit der sie ein bestimmtes Image ausdrücken möchten.

heute.de: Was können Menschen denn über ihre Kaffeetasse ausdrücken?

Anne Huth ...
Diplompsychologin Anne Huth

... ist Diplom-Psychologin mit den Schwerpunkten Arbeits- und Organisationspsychologie. Sie arbeitet als Systemische Supervisorin und Coach sowie Autorin arbeitspsychologischer Fachbücher und ist Inhaberin sowie Geschäftsführerin von Huth and Friends.

Huth: Zum einen gibt es die, die einen Hang zu feinem Porzellan haben, die mögen wahrscheinlich auch in ihrem sonstigen Leben zarte, zerbrechliche Sachen. Und dann gibt es die, denen es eher um die Aufschrift geht, wie zum Beispiel das Hard Rock Café in einer schicken Stadt oder ein Spruch, von dem sie denken, dass er lustig ist. Und dann gibt es die, die möglichst große Tassen haben wollen.

heute.de: Woher rührt denn überhaupt der Wunsch, sich über die Kaffeetasse abgrenzen zu wollen?

Huth: Ich glaube, es geht nicht um Abgrenzung, sondern um den Wunsch, sich in einer fremdbestimmten Welt sein Nestchen einzurichten. Es gab ja mal den Trend, feste Büroarbeitsplätze aufzulösen und mit Rollcontainern an irgendwelche freien Plätze zu ziehen. Das entspricht nicht den Bedürfnissen der breiten Masse. Die verknüpft mit ihren Nestbau-Accessoires auch bestimmte Gefühle und richtet sich so ein, wie sie es gerne haben will.

heute.de: Kommt damit nicht hin und wieder zu viel Privatsphäre ins Büro? Ich möchte meinen Kollegen ja auch nicht unbedingt in seinen Micky-Mouse-Hauspantoffeln sehen?

Huth: Solange die Tassen nicht anstößig bedruckt sind, spricht nichts dagegen. Ich muss mir ja auch das fiese Hemd meines Kollegen angucken, wenn er einen schlechten Geschmack hat.

heute.de: Was sagt es denn über den Büroalltag aus, wenn Tassen Verkaufsschlager sind, die in Anlehnung an die Fernsehserie Stromberg Aufschriften tragen wie "Büro ist Krieg"?

Huth: Es kann sein, dass sich da nur die Stromberg-Fans zu erkennen geben und das lustig finden. Aber Büros sind ja halboffizielle Räume, in die auch mal ein Externer kommt, und dann spielt es durchaus eine Rolle, was da auf der Kaffeetasse steht. Dann würde ich solche Tassen als Chef nicht dulden.

heute.de: Können Tassen noch andere Problem machen? Wie sieht es denn mit dem Spülen aus? Gibt es da Konflikte?

Huth: Ja, das machen häufig dieselben. Nämlich die, die es gerne sauber haben oder die zu gutmütig sind. Und es sind auch immer dieselben, die sich vor Gemeinschaftsaufgaben drücken und die Tasse auf den Geschirrspüler stellen und nicht rein.

heute.de: Kommt es denn vor, dass Leute ihre eigene Tasse vor fremden Zugriff verteidigen?

Huth: Zum Teil ist das so, das sind die Leute mit den leicht zwanghaften Anteilen, zu denen ich mich auch zähle. Ich kann es gar nicht haben, wenn ich nicht aus meiner angestammten Tasse trinken kann.

heute.de: Wie sieht die denn aus?

Huth: Die ist aus England und hat eine dort typische Form, die nach unten hin breiter wird. Sie ist aus Fine Bone China und es ist ein Schwein drauf.

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heute.de: Was sagt diese Tasse über Sie aus?

Huth: Sie zeigt deutlich die England-Liebhaberin. Es ist kein Comic-Schwein, sondern die naturgetreue Abbildung einer alten englischen Schweinerasse.

heute.de: Hat sich der Trend zur differenzierten Kaffeekultur mit unzähligen Spezialitäten schon in der Tassen-Kultur niedergeschlagen?

Huth: Tragischerweise sind die Deutschen, was die Tassen angeht, Banausen. Ich bin in einer Einrichtung tätig, wo der Espresso in große Standardbecher gefüllt wird und gerade mal den Boden benetzt. Die Tassen hängen der Sortenvielfalt eindeutig hinterher.

Das Interview führte Ralf Lorenzen

29.02.2016
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