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Schon wieder Montag ... "Pflege und Beruf sind keine guten Freunde"

BildPflege eines Angehörigen
Pflege eines Angehörigen der die Hand hält

"Wir alle haben nur begrenzte Ressourcen - wollen aber gleichzeitig bei dem, was wir tun, vollen Einsatz bringen. Das funktioniert nicht", sagt Frank Schumann, der Angehörige von Pflegebedürftigen berät.

(Quelle: dpa)

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Arbeitssuchende Frau aus Osteuropa tauscht ihre Familie gegen geldbringende Pflege in deutschem Haushalt. Ein Dokumentarfilm zeigt die Auswirkungen eines immer stärker werdenden Geschäftsmodells.

(23.01.2016)

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Vor rund 20 Jahren trat in Deutschland die Pflegeversicherung in Kraft. Nun will der Bundestag eine Pflegereform beschließen. So sollen Demenzkranke besser gestellt werden, doch es geht um viel Geld.

(13.11.2015)

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Altenheim

Die Pflegereform bringt vor allem für Demenzkranke Verbesserungen - sie sollen vom Pflegesystem besser als bisher erfasst werden.

(14.08.2015)

Einen Angehörigen pflegen und weiter arbeiten: Neue gesetzliche Regelungen sollen helfen, beides besser unter einen Hut zu bekommen. So richtig klappt das nicht, sagt Frank Schumann von der Fachstelle für pflegende Angehörige in Berlin im heute.de-Interview - auch, weil viele die Regelungen nicht kennen. 

heute.de: Herr Schumann, wie gut lassen sich Pflege und Beruf miteinander vereinbaren?

Frank Schumann: Pflege und Beruf sind keine besonders guten Freunde. Da geht es um zwei zentrale und zeitintensive Bereiche des eigenen Daseins; wenn man beides unter einen Hut bekommen will, muss man immer eine Entscheidung treffen. Und die fällt umso schwerer, je mehr man emotional beteiligt ist.

Wenn ich meinen Beruf sehr liebe, werde ich mich schwer damit tun, einen Teil davon aufzugeben, um eine Pflegeaufgabe zu übernehmen. Und wenn ich mich auf eine Pflegaufgabe einlasse und dort immer mehr Verantwortung übernehme werde ich zwangsläufig meine Berufstätigkeit reduzieren müssen. Wir alle haben nur begrenzte Ressourcen - wollen aber gleichzeitig bei dem, was wir tun, vollen Einsatz bringen. Das funktioniert nicht.

heute.de: Heißt das, ich muss mich entscheiden: Arbeiten gehen oder einen Angehörigen pflegen?

Frank Schumann ...
Frank Schumann

... leitet die Fachstelle für pflegende Angehörige des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte. Er ist eine Art "Angehörigenbeauftragter" für Menschen, die durch die Pflege von Verwandten, Freunden oder Nachbarn belastet sind.

Schumann ist Initiator der "Woche der pflegenden Angehörigen" und hat als gelernter Krankenpfleger lange selbst einen Pflegedienst geleitet.

Schumann: Nein, im Gegenteil. Man sollte immer versuchen, Wege zu finden, beides miteinander zu verknüpfen. Meiner Erfahrung nach wird es für pflegende Angehörige immer dann problematisch, wenn sie aufhören zu arbeiten. Die Gefahr der sozialen Isolation steigt, und irgendwann dreht sich das Leben nur noch um die Pflege. Das ist ein Teufelskreis. Die Betroffenen fangen an, sich selbst aus den Augen zu verlieren und können sich nicht mehr abgrenzen. Der Beruf kann da Unterstützung und Hilfestellung sein.
Ich rate immer, sich so früh wie möglich Gedanken zu machen, welche Modelle es gibt und was in der individuellen Situation machbar ist. Und auch einzukalkulieren, dass der Pflegeaufwand mit den Jahren eher größer als kleiner werden wird.

heute.de: In einer emotionalen und belastenden Situation eine Entscheidung zu treffen, ist nicht leicht ...

Schumann: Deshalb sollten Sie endgültige Entscheidungen auch nie am Krankenbett treffen. Gerade wenn es kein schleichender Prozess ist, der zu einer Pflegebedürftigkeit geführt hat, sondern ein plötzliches Ereignis wie ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, stehen Sie als Angehöriger erstmal unter Schock, sind verunsichert und fragen sich, wie es jetzt weitergehen soll. Zum Glück gibt es heute ein Recht darauf, sich in solchen Fällen zehn Tage von seinem Arbeitgeber freistellen zu lassen, mit minimalen finanziellen Einbußen. Diese Zeit sollte man nutzen, um in Ruhe eine Entscheidung zu treffen und auch mit seinem Arbeitgeber über die verschiedenen Optionen zu sprechen, zum Beispiel über Teilzeitarbeit. Leider machen davon viel zu wenige Angehörige Gebrauch.

Studie: Regelungen kommen nicht an

Über ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Pflegezeitgesetzes und Familienpflegezeitgesetzes sind die Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige noch nicht bei der Bevölkerung angekommen. Das hat eine repräsentative Studie des Zentrums für Qualität in Pflege (ZQP) ergeben.
Danach fühlen sich 84 Prozent der Befragten "schlecht" oder "sehr schlecht" über die ihre Rechte informiert. Auch einem Großteil der Menschen mit eigener Pflegeerfahrung sind die verschiedenen Optionen nicht bekannt. Würden mehr Menschen die Regelungen kennen, würden sie auch mehr in Anspruch genommen, so die Autoren der Studie. Sie fordern eine "pflegesensible Unternehmenskultur".

heute.de: Warum wird der Rechtsanspruch auf eine pflegebedingte Auszeit nicht genutzt?

Schumann: Das hat verschiedene Gründe. Einige befürchten berufliche Nachteile, wenn sie um Freistellung bitten, viele unterschätzen auch einfach, was auf sie zukommt. Der Hauptgrund ist aber, dass die allermeisten die Unterstützungsangebote gar nicht kennen. Pflege ist bei uns ein Tabuthema. Wir wollen nicht daran erinnert werden, dass wir sterblich sind, also sprechen wir nicht darüber. In den Medien, aber auch in der öffentlichen Diskussion finden das Pflegezeitgesetz und das  Familienpflegezeitgesetz kaum statt. Das war, als es um die Einführung der neuen Familienzeit ging, ganz anders - weil Kinder einfach ein schöneres Thema sind. Übrigens kennen auch viele Arbeitgeber die neuen Regelungen nicht - und sind dann ganz überrascht, wenn doch mal einer danach fragt.

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heute.de: Bei den Unternehmen ist also auch noch einiges zu tun?

Schumann: Auf jeden Fall. Vor einigen Jahrzehnten musste man Arbeitgeber mühsam davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, vorübergehend beruflich kürzer zu treten, um sich um seine Kinder zu kümmern. Heute ist Familienfreundlichkeit in vielen Unternehmen Pflicht. Bis es mit der Pflege so weit ist, wird es noch einige Zeit dauern. Im Moment reagieren viele Chefs eher verschreckt. Sie wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen und haben Angst, Präzedenzfälle zu schaffen. Ich weiß von großen Betrieben, die sich geweigert haben, Telearbeitsplätze einzurichten, obwohl das von der Tätigkeit her problemlos möglich gewesen wäre. Begründung: Da könnte ja jeder kommen. Dabei wäre der umgekehrte Weg der richtige. Zu sagen: Das ist toll, was Sie leisten, wir unterstützen Sie und probieren das mit Ihnen aus.

heute.de: Was kann ich tun, um meinen Arbeitgeber zu überzeugen?

Schumann: Bereiten Sie sich gründlich auf das Gespräch vor. Informieren Sie sich über Ihre Rechte und überlegen Sie realistisch, in welchem Umfang Sie parallel zur Pflege arbeiten können und welche Arbeitszeitmodelle dafür in Frage kommen. Je konkreter Ihre Vorschläge sind und je selbstbewusster Sie auftreten, desto besser. Lassen Sie sich bei Bedarf im Vorfeld von Fachleuten beraten, zum Beispiel bei einem Pflegestützpunkt. Dort kann man Ihnen helfen, eine Lösung zu finden, die zu Ihrer familiären und beruflichen Situation passt. Die Beratungen sind kostenlos.

Das Interview führte Kerstin Deppe

Gesetz zur Familienpflegezeit

Neue Regelungen

Archiv: Ein Pictogramm mit symbolisierten alten Menschen am 16.10.2013

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es neue gesetzliche Regelungen, die Beschäftigten bessere Möglichkeiten bieten sollen, sich um die häusliche Pflege von Angehörigen zu kümmern. Sie sehen anderem das Recht auf Freistellung und zinslose Darlehen zur Überbrückung von Verdienstausfällen vor. Im Folgenden die Regelungen im Überblick.

Kurzpflegezeit

Eine Pflegerin dokumentiert ihre Tätigkeit.

Bei akut auftretender Pflegebedürftigkeit naher Angehöriger können sich Arbeitnehmer bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen. Darauf gibt es einen Rechtsanspruch. Für die Dauer der Freistellung zahlen die Pflegekasse oder private Krankenkasse des Angehörigen Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung. Sie ist abhängig von der Höhe des Lohns und beträgt maximal 96,25 Euro pro Tag.

Die Auszeit muss dem Arbeitgeber sofort mitgeteilt werden. Auf Verlangen ist ein ärztliches Attest über die voraussichtliche Pflegebedürftigkeit des Angehörigen vorzulegen.

Pflegezeit

rchiv: Eine Ergotherapeutin unterhält sich am 05.01.2010 mit einer an Demenz erkrankten Patientin

Für die Pflege von bereits pflegebedürftigen Angehörigen mit mindestens Pflegestufe 1 können sich Beschäftigte bis zu sechs Monate ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Wenn absehbar ist, dass die pflegebedürftige Person nicht mehr lange leben wird, ist eine Freistellung von bis zu drei Monaten zur Sterbebegleitung möglich.

Zur besseren Absicherung des Lebensunterhalts haben Angehörige während der Pflegezeit Anspruch auf ein zinsloses Darlehen. Es beträgt maximal 50 Prozent des monatlichen Nettogehalts, wird in Raten ausgezahlt und muss innerhalb von vier Jahren nach Beginn der Freistellung zurückgezahlt werden. Einen Rechtsanspruch auf Pflegezeit gibt es in Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern.

Familienpflegezeit

Pflege in der Familie

Für die Pflege von bereits pflegebedürftigen Angehörigen mit mindestens Pflegestufe 1 können sich Beschäftigte bis zu 24 Monate teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Voraussetzung ist, dass sie weiterhin mindestens 15 Wochenstunden arbeiten und den Arbeitgeber acht Wochen vor Beginn der Familienpflegezeit schriftlich informieren. Um den Verdienstausfall durch die reduzierte Arbeitszeit zumindest teilweise auszugleichen, können auch Beschäftigte, die Familienpflegezeit nutzen, ein zinsloses Darlehen in Anspruch nehmen. Einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit gibt es in Betrieben mit mehr als 25 Mitarbeitern.

(Quelle: Kerstin Deppe)

15.02.2016
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