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Schweigeminute am Jahrestag Gedenken an Germanwings-Opfer

VideoGedenken an Opfer
Kerzen und frische Blumen liegen vor dem Joseph-König-Gymnasium an einer Gedenktafel, am 24.03.2016 in Haltern am See

Vor einem Jahr brachte der Co-Pilot einen Germanwings-Airbus zum Absturz. Dabei wurden 149 Menschen in den Tod gerissen. Viele Angehörige haben sich am Absturzort versammelt, um zu trauern.

(17.03.2016)

VideoDen Sohn verloren
Dorthe Ferber, Jürgen Fischenich und Ingo Nommsen im Gespräch

Vor einem Jahr zerschellte eine Germanwings-Maschine in den Alpen. Jürgen Fischenich hat dabei seinen Sohn verloren. Er und ZDF-Reporterin Dorthe Ferber sprechen im Studio über das Unglück.

(23.03.2016)

BilderserieGermanwings-Absturz
Germanwings-Bilderserie 1

Vor einem Jahr zerschellte in den Alpen ein Germanwings-Airbus. Mit Schweigen und Glockengeläut hat die Stadt Haltern an die verunglückte Schülergruppe erinnert. Auch am Unglücksort in Frankreich gedenken Angehörige der Opfer. 

Ein Jahr nach dem Germanwings-Absturz in Frankreich ist im Alpenort Le Vernet und in Haltern am See der 150 Opfer gedacht worden. Die Gedenkfeiern begannen zur Absturzzeit um 10.41 Uhr mit einer Schweigeminute. Vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern, das 16 Schüler und zwei Lehrerinnen verlor, versammelten sich vor allem Mitschüler, Lehrer und Bürger aus dem Ort vor einer mit Blumen und Kerzen geschmückten Gedenkstätte an der Schule. In der ganzen Stadt läuteten die Kirchenglocken.

Streng abgeschirmte Zeremonie

Die meisten Angehörigen nahmen an der Gedenkfeier in Frankreich teil. In Le Vernet in der Nähe der Absturzstelle hielten mehr als 600 Menschen für eine Minute inne. Die Lufthansa als Mutterkonzern hatte in dem kleinen Alpenort eine streng abgeschirmte Zeremonie organisiert.

"Wir sind heute nach Le Vernet gekommen, um der Opfer zu gedenken und ihnen die Ehre zu erweisen", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Rande der Gedenkfeier. "Dieser tragische Absturz hat unglaubliches Unglück über viele, viele Menschen gebracht. Dieses Unglück können auch wir nicht lindern, aber wir können zumindest den Angehörigen beistehen."

Chronologie: Die Germanwings-Katastrophe 
  • 24. März 2015: Ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings zerschellt auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. Was danach geschah:

  • 26. März 2015: Die Auswertung des Stimmenrekorders nährt den Verdacht, dass Copilot Andreas Lubitz den Airbus mit Absicht in die Katastrophe steuerte.

  • 30. März: Es wird offiziell mitgeteilt, dass der Copilot vor Jahren als suizidgefährdet eingestuft wurde und sich in Psychotherapie befand.

  • 17. April: Bei einer Trauerfeier mit rund 1400 Gästen im Kölner Dom gedenken Angehörige und Staatsspitze der Opfer.

  • 6. Mai: Nach dem Zwischenbericht der französischen Flugsicherheitsbehörde hatte der Copilot ein erkennbares Ziel: "das Flugzeug auf den Boden stürzen zu lassen".

  • 11. Juni: Der Copilot war nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft fluguntauglich. Zu diesem Urteil seien mehrere Ärzte gekommen.

  • 18. Juni: Die Staatsanwaltschaft in Marseille leitet ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Es soll auch eine mögliche Verantwortung von Germanwings und der Konzernmutter Lufthansa geklärt werden.

  • 24. Juli: Hunderte Hinterbliebene der Katastrophe trauern im Bergdorf Le Vernet nahe der Absturzstelle.

  • 29. Dezember: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigt an, Kontrollen auf Alkohol und Drogen für Piloten einzuführen. Ein Gesetzentwurf der Regierung wird im Februar 2016 bekannt.

  • 17. Februar 2016: Nach eigenen Angaben haben Lufthansa und
    Germanwings bisher 11,2 Millionen Euro an Vorschusszahlungen und Schmerzensgeld an die Angehörigen der Absturzopfer gezahlt.

  • 4. März: Ein deutscher Anwalt teilt mit, dass sich eine Zivilklage von Hinterbliebenen gegen die Flugschule der Lufthansa im US-Staat Arizona richten soll. Dort sei der Copilot ausgebildet worden. Germanwings entgegnet, dass US-Recht aus Sicht des Unternehmens keine Anwendung finde.

  • 13. März: Als Konsequenz aus der Katastrophe fordert die französische Untersuchungsbehörde BEA in ihrem Abschlussbericht routinemäßige Überprüfungen bei Ausfällen von Piloten. Außerdem verlangt die Behörde klare internationale Regeln zur Schweigepflicht von Ärzten: Gesundheitsdienstleister sollten die Behörden informieren, wenn die Gesundheit eines Patienten die öffentliche Sicherheit gefährde.

Schwer zugängliche Unglücksstelle

Einige der Hinterbliebenen wollten anschließend zu Fuß oder mit Kleinbussen zum Col de Mariaud aufbrechen. Von dem Bergrücken aus ist die schwer zugängliche Unglücksstelle von Flug 4U9525 an einem steilen Felsgebirge zu sehen.  In Haltern schloss sich an die Gedenkminute eine ökumenische Andacht in der katholischen Stadtkirche am Marktplatz an. "Es ist mit Sicherheit das Schlimmste und Schwierigste, was dieser Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg passiert ist", sagte Bürgermeister Bodo Klimpel vor der Andacht.

Der psychisch kranke Copilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug am 24. März 2015 absichtlich in den Felsen gesteuert. Der Airbus war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Alle 150 Menschen an Bord starben, 72 davon aus Deutschland. 51 kamen aus Spanien.

Weitere Links zum Thema

Lufthansa: "uns großzügig zeigen"

Lufthansa-Chef Spohr bekräftigte in Le Vernet seinen Willen zu "konstruktiven Lösungen" bei den Entschädigungen. "Wir haben von Anfang an gesagt, wir werden uns großzügig zeigen und haben uns auch im ersten Jahr großzügig gezeigt", sagte er. Für jedes Opfer wurde nach Angaben von Germanwings eine Soforthilfe von 50.000 Euro gezahlt. Dazu sollen 25.000 Schmerzensgeld für jeden Toten gezahlt werden.

Nächste Angehörige sollten ohne weitere Prüfung 10.000 Euro bekommen. Viele Opferfamilien wollen allerdings in den USA klagen und hohen Schadenersatz fordern. Lubitz hatte seine Ausbildung in einer Lufthansa-Flugschule in Arizona absolviert.

Doku

ZDFzoom: Der Germanwings-Absturz

22.03.2016

Der Verlauf des Germanwings-Fluges

Grafikvideo

24.03.2016, Quelle: dpa
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