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merkzettel

Frontalzusammenstoß in Oberbayern Bad Aibling: Zehn Tote bei Zugunglück

VideoMindestens acht Tote bei Zugunglück
Ein schweres Zugunglück in Bayern.

Die Zahl der Todesopfer bei dem schweren Zugunglück in Bayern ist auf acht gestiegen. Auf der Strecke Holzkirchen-Rosenheim waren zwei Nahverkehrszüge auf einer eingleisigen Strecke zusammengestoßen.

(09.02.2016)

VideoZDFspezial Schweres Zugunglück in Bayern
Das ZDF-Spezial-Logo.

Der Zusammenstoß zweier Regionalbahnen in Bad Aibling forderte heute zehn Tote und fast 100 Verletzte. ZDFspezial mit den Hintergründen, Reaktionen und möglichen Ursachen des tragischen Unfalls.

(09.02.2016)

Bei einem der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland sind bei Bad Aibling in Oberbayern zehn Menschen ums Leben gekommen und rund 80 verletzt worden. Zwei mit etwa 150 Passagieren besetzte Regionalzüge waren auf eingleisiger Strecke aus noch ungeklärter Ursache frontal zusammengeprallt. 

Die Polizei sprach am frühen Abend außerdem von insgesamt 80 Verletzten, 17 davon schwer.

Eine Person wird noch vermisst

Ein Mensch wurde am Nachmittag weiter vermisst, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mitteilte. Es bestehe "leider wenig Hoffnung", ihn noch lebend zu finden, hieß es. Die Opfer hätten "unglaubliche Verletzungen" davongetragen, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Einsatzkräften in Bad Aibling.

Nach Angaben der Behörden waren insgesamt fast 700 Rettungs- und Polizeikräfte aus der gesamten Region sowie aus Österreich im Einsatz. Die Bergungsmaßnahmen mit schwerem Gerät sollten der Polizei zufolge über Nacht ausgesetzt und am Mittwochmorgen bei Tageslicht fortgesetzt werden.

"Weitestgehend ungebremst"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zufolge waren die Züge anscheinend mit "sehr hoher Geschwindigkeit" unterwegs, als sie auf der Strecke von Rosenheim nach Holzkirchen bei Bad Aibling in einer langgezogenen Kurve kollidierten. Es sei davon auszugehen, dass die Lokführer sich nicht gesehen hätten und "weitestgehend ungebremst" aufeinandergeprallt seien.

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Laut Dobrindt war die Bahnstrecke mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das einen unberechtigt auf ihr fahrenden Zug per Zwangsbremsung automatisch stoppen soll. Der Minister verwies darauf, dass zur Ermittlung der Unglücksursache die Fahrtenschreiber der Züge ausgewertet werden müssten: "Wir müssen auf die Ergebnisse warten. Alles andere wäre Spekulation."

Herrmann zufolge sollten sich die beiden sogenannten Meridian-Züge des Bahnbetreibers Transdev fahrplanmäßig im nahegelegenen Kolbermoor begegnen, wozu es allerdings nicht kam. Warum es eine Abweichung im Fahrplan gab, müsse nun ermittelt werden.

Für Retter schwer erreichbar

Die beiden Züge hatten sich nach der Kollision ineinander verkeilt und waren teilweise entgleist, einer hatte sich durch die Wucht des Aufpralls regelrecht in den anderen gebohrt. Die Unglücksstelle lag in einem hügeligen und bewaldeten Gebiet direkt neben dem Fluss Mangfall und war für die Hilfskräfte nur schwer zu erreichen.

Die Helfer mussten auf Boote und Hubschrauber zurückgreifen, um die Verletzten abtransportieren und Material zur Unfallstelle bringen zu können. Dobrindt zufolge waren etwa 15 Hubschrauber im Einsatz, die Bergwacht stellte ein Spezialfahrzeug zu deren Betankung. Psychologisch geschulte Kräfte, darunter auch Notfallteams von Transdev und Deutscher Bahn, waren im Einsatz, um Opfer und Helfer zu betreuen.

Züge nicht voll besetzt

Karte: Zugunglück Bad Aibling

Überblick: Bad Aibling, Landkreis Rosenheim
Quelle: ZDF

Nach Angaben der Polizei waren wegen der Faschingsferien in Bayern weniger Menschen unterwegs als üblich. Der Polizeipräsident des Präsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, sprach von dem "schwärzesten Faschingsdienstag", den die Region jemals erlebt habe.

Transdev reagierte ebenfalls betroffen. "Wir sind zutiefst erschüttert und fassungslos", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Transdev GmbH, Christian Schreyer. Auch Bahnchef Rüdiger Grube äußerte sich "tief bestürzt" und versprach Unterstützung bei der Aufklärung der Ursache.

Hotline

Das Bahnunternehmen Transdev hat eine Telefon-Hotline für Angehörige eingerichtet:

0395 - 43084390

Die Züge gehörten zur sogenannten Mangfalltalbahn, die von der Bayerischen Oberlandbahn betrieben wird. Dabei handelt es sich um eine Transdev-Tochter. Für die Infrastruktur der Strecke selbst ist aber weiterhin die Netztochter der Deutschen Bahn zuständig.

Merkel und Gauck bestürzt

Das Zugunglück löste bundesweit Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie sei "bestürzt und traurig". Sie sei in Gedanken bei den Verletzten und Angehörigen der Opfer.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck sei bestürzt über den Unfall, teilte eine Sprecherin des Präsidialamtes mit. Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien und Angehörigen. Gauck hält sich bis Donnerstag zu einem viertägigen offiziellen Besuch in Nigeria auf.

Schwere Zugunglücke in Deutschland 
  • Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Auf den folgenden Seiten listet heute.de Beispiele auf:

  • August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

  • September 2012: Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

  • April 2012: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

  • Januar 2012: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

  • September 2011: Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

  • Januar 2011: Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

  • Oktober 2009: Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

  • April 2008: Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

  • Juni 2003: Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

  • Februar 2000: In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

  • Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

09.02.2016, Quelle: dpa, afp, ZDF
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