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"Sea Eye" im Mittelmeer Flüchtlingsrettung mit umgebautem Fischkutter

VideoEin alter Kutter als Lebensretter
Die Mannschaft an Deck der Sea Eye

Der Regensburger Michael Buschheuer hat einen alten Fischkutter umgebaut und schickt ihn ins Mittelmeer. Wo er sonst mit seiner Familie Urlaub machte, rettet der Unternehmer heute Flüchtlinge.

(22.02.2016)

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(21.02.2016)

von Annelie Haack

Der Regensburger Unternehmer Michael Buschheuer hat einen alten Fischkutter umgebaut und schickt ihn auf eine Reise ins Mittelmeer. Regelmäßig hat er dort mit seiner Familie Urlaub gemacht. Doch statt Sonnenbaden und Hängematte heißt es jetzt für ihn Rettungswesten und Trinkwasser verteilen. 

"Es ertrinken Leute und da muss man handeln. Das ist ganz banal eigentlich. Wenn man selbst in der Lage ist ein Schiff zu führen oder ein Schiff zu organisieren, dann ist es eine Frage der Zeit, bis man sich überwindet etwas zu tun." Und Michael Buschheuer hat sich überwunden. Im April 2015 fasste er einen Entschluss. Zusammen mit Verwandten und Freunden gründete er den Verein "Sea Eye".

Erstmal flott gemacht

Im Oktober kauften sie ihr Boot im Hafen von Sassnitz. Der 24 Meter lange Hochseekutter ist über sechzig Jahre alt und fuhr schon zu DDR-Zeiten zum Fischfang auf die Ostsee. Doch muss der natürlich erst mal fit gemacht werden für den besonderen Einsatz. In der Rostocker Werft wurde das Schiff in den letzten Wochen see- und rettungstauglich gemacht. So kann die Besatzung jetzt statt Fische zu fangen Leben retten.

Heute liegen 700 Rettungswesten im Bauch des alten Kutters. Dahinter stapeln sich Rettungsinseln, auf denen 400 Menschen Platz finden könnten. Es ist keine Reise ohne Risiko, stellt der 39-jährige Buschheuer fest. In seinem zivilen Leben ist die Landratte Chef von einer Firma für Korrosionsschutz. Jetzt will er mit acht Leuten Besatzung durch den Nord-Ostsee- und Ärmelkanal über die Biskaya in das Gebiet zwischen Lampedusa und Djerba. Nur vier der Crewmitglieder haben nautische Erfahrung. Der Rest hat eine Mission.

Nicht zusehen, sondern anpacken

So wie der Hobbysegler. Obwohl er gerade zum zweiten Mal Vater geworden ist, lässt er seine Familie in Ostbayern zurück. "Wir haben in der Sonne gebadet, unsere Füße im Meer gekühlt, und etwas südlich von uns ertrinken Menschen. Ich konnte das nicht mehr länger aushalten. Ich wollte nicht mehr nur zusehen, sondern anpacken. Wenn Ihr Haus brennt und die Feuerwehr kommt, dann wird Ihre Frage nicht sein, ob die im Moment nichts anderes zu tun haben, sondern Sie werden sehr dankbar sein, dass die da sind", beschreibt Michael Buschheuer die Dringlichkeit.

Immer wieder war er mit vor Ort. Dabei ist sein eigentlicher Lebensmittelpunkt 700 Kilometer von der Ostseeküste entfernt. Zwischendurch wird auch das Geld knapp. 250.000 Euro kostet der Einsatz, und bis heute sind nur 15 Prozent der Kosten gedeckt. Doch das kann den selbsternannten Lebensretter nicht aufhalten: "Die Flüchtlinge ertrinken jetzt und nicht erst, wenn wir das Geld zusammen haben." Tatsächlich haben im vergangenen Jahr mehr als 3.700 Menschen ihr Leben verloren bei der gefährlichen Flucht übers Mittelmeer.

Leben retten statt Segeltörn

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40 Freiwillige haben sich bis jetzt beim Verein "Sea Eye" gemeldet. Alle ehrenamtlich. Sie verzichten auf ihren Urlaub, lassen ihre Familien zu Hause und leben mit der Gefahr auf hoher See. Dazu die psychische Belastung, mit toten oder verletzten Flüchtlingen umzugehen. Die Crew wechselt alle zehn Tage, damit kein Lagerkoller entsteht. Auch Michael Buschheuer fährt zwischendurch mal nach Hause und wird ersetzt.

Alle wissen, was an Board zu tun ist: "Entdecken wir ein in Not geratenes Flüchtlingsschiff, werden wir ein SOS absetzen und so eine Seenotrettung erzwingen. Bis zum Eintreffen qualifizierter Retter und der Küstenwache sichern wir das Überleben der Menschen auf den hoffnungslos überladenen Schlauchbooten. Nur im Notfall werden wir Flüchtlinge auf unseren Kutter aufnehmen."

Michael Buschheuer ist von der Aktion überzeugt. Auch wenn er dann tatsächlich live die Bilder erleben wird, die ihn bisher in seinen Albträumen verfolgen: "Sie haben die Möglichkeit sich dieses Leid anzutun oder bei diesem Leid wegzusehen. Und mit beiden Entscheidungen muss man am Ende des Tages zurechtkommen. Ich bin mir sicher, dass es nicht leicht sein wird für den ein oder anderen. Für mich persönlich auch nicht. Aber ich habe mich dafür entschieden nicht wegzusehen."

22.02.2016
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