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Sensation im Hühnerstall Dickes Ei in Wolfenbüttel

BildRiesen Hühnerei in Wolfenbüttel
Die Hühnerzüchter Ingrid und Günther Meyne zeigen das 184 Gramm schwere Ei

(Quelle: dpa)

VideoUnser täglich Tier
Hähnchen

Geflügel liegt voll im Trend. Der Hähnchenkonsum hat sich von 2001 bis 2010 verdoppelt. 37 Grad blickt hinter die Kulissen moderner Fleischfabriken und gibt Einblicke in die Welt der Tierproduktion.

(21.10.2014)

Hobby-Züchter finden in ihrem Hühnerstall eines der vielleicht schwersten Hühnereier der Welt. Nun soll das Ei sogar ins Museum. 

Kurz vor der Ostereier-Saison hat eine Henne schon mal gezeigt, was in ihr steckt: In ihrem Stall in Wolfenbüttel haben Hühnerbesitzer eines der vielleicht schwersten Eier der Welt gefunden. 184 Gramm wiegt es - also gut drei Mal so viel wie ein gewöhnliches Hühnerei. Die Hühnerzüchterin Ingrid Meyne (73) betonte, ihre zehn freilaufenden Hennen bekämen nur Körner und Gemüse und kein Spezialfutter für extra große Eier.

Kuriosum im Museum

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Zusammen mit ihrem Mann Günther zeigte sie am Mittwoch Fotografen stolz das Ei. Welches der zehn Hühner das Riesen-Ei legte, blieb übrigens unklar. Zuerst hatte die "Wolfenbütteler Zeitung" über den Fund vom Sonntag berichtet. Das Ei ist nicht nur besonders schwer, es hat auch eine ungewöhnliche grüne Farbe, weil es von einer bestimmten Hühnerrasse aus Südamerika stammt. Nach Angaben der Redaktion von "Guinness World Records" wurde das schwerste Ei der Welt 1956 in den USA entdeckt. Es wog 454 Gramm. Das bislang zweitschwerste bekannte Ei wurde in Kuba registriert. Dort legte die Henne eines Bauern in Havanna ein Ei mit 148 Gramm Gewicht.

Für das Riesen-Ei von Wolfenbüttel soll es nun vom Stall direkt ins Rampenlicht gehen. Das Naturhistorische Museum Braunschweig will den 184-Gramm-Fund ausstellen. Die Besitzer haben bereits zugesagt. Das Museum besitzt eine der größten Eier-Ausstellungen Deutschlands, wie es dort heißt. "Bislang haben wir aber nur ein 100 Gramm schweres Hühnerei", erklärte Ralf Kosma vom Museum. "Der Fund würde sich als Kuriosum in der Sammlung deshalb sehr gut machen." Langfristig könnte das Ei im geplanten Vogelsaal des Museums gezeigt werden.

Hahn und Henne

Billige Eier auf Kosten der Tiere

Küken

Nach verschiedenen Schätzungen werden in Deutschland jedes Jahr zwischen 40 und 50 Millionen männliche Küken getötet. Sie sind der männliche Nachwuchs der so genannten Hybrid-Legehennen, also von Hühnern, die speziell für hohe Legeleistungen gezüchtet wurden. Diese Hühner setzen wenig Fleisch an, weil die mit dem Futter aufgenommene Energie vor allem in die Eiproduktion gehen soll.

Weit über 300 Eier legt eine Hybrid-Legehenne im Jahr, naturgemäß ist davon etwa die Hälfte männlich. Da diese Hähne selbst keine Eier legen können und aufgrund der Züchtung zu langsam Fleisch ansetzen, sind sie für Brütereien wirtschaftlich betrachtet nutzlos: Sie werden binnen 24 Stunden nach dem Schlüpfen mit Kohlendioxid vergast und als Spezial-Futter etwa an Zoos verkauft oder geschreddert und verbrannt.

Anders läuft es bei den so genannten Masthybriden, die männlich und weiblich sein können: Tiere dieser Linien sind auf schnellen Fleischzuwachs bei möglichst geringen Futtermengen getrimmt. Schon nach rund 30 Tagen erreichen sie ihr Mastendgewicht und werden geschlachtet. Die unnatürliche Gewichtszunahme führt allerdings dazu, dass sich die Tiere zuletzt kaum mehr bewegen können.

Bundesweites Verbot nicht in Sicht

Bereits im Herbst 2013 hat Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland ein Verbot der Massentötung männlicher Küken erlassen. Grundlage war ein Urteil der Staatsanwaltschaft Münster. Sie kam nach einem Ermittlungsverfahren zu dem Schluss, dass diese gängige Praxis tierschutzwidrig sei. Elf von zwölf Brütereien in NRW reichten daraufhin Klage vor dem Verwaltungsgericht in Minden ein - und bekamen im Februar 2015 Recht. Zur Begründung hieß es, eine Umsetzung des Gesetzes würde für die Betriebe den wirtschaftlichen Ruin bedeuten.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte schon auf der Agrarministerkonferenz 2014 angekündigt, nach Alternativen für die Massentötung zu suchen. Er wies darauf hin, dass laut Tierschutzgesetz Tiere nur getötet werden dürfen, wenn dafür ein vernünftiger Grund vorliege. Ein bundesweites Verbot ist bislang jedoch nicht in Sicht. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) warnt vor einem Verbot, weil die Betriebe dadurch erhebliche Probleme bekämen. Die Produktion würde letztlich ins Ausland verlagert werden. Aber auch in den Niederlanden regt sich Widerstand gegen die Massentötung, die Suche nach Alternativen wird staatlich gefördert.    

Früherkennung im Ei - die Alternative?

Wissenschaftler der Universität Leipzig arbeiten seit Jahren an Wegen, noch im Ei das Geschlecht feststellen und männliche Embryonen so frühzeitig aussortieren zu können. Für die sogenannte In-Ovo-Geschlechtsdifferenzierung ("im Ei") gibt es verschiedene Ansätze: mittels Entnahme von Sexualhormonen durch ein winziges Loch im Ei, was jedoch erst nach etwa neun Tagen möglich ist; oder anhand von Lichtwellen, die geschlechtsspezifisch absorbiert werden. Durch dieses Verfahren ließe sich das Geschlecht sofort bestimmen - zumindest theoretisch. Denn bislang haben sich beide Ansätze als nicht praxistauglich erwiesen.

Brütereien wie der Branchenführer Lohmann Tierzucht GmbH aus Cuxhaven unterstützen das Vorhaben trotzdem. Die Konzerne haben großes Interesse an einem funktionierenden In-Ovo-Verfahren, weil ihre Betriebe die Hälfte der Eier umsonst bebrüten und entsprechende Kosten haben. Tierschützer und Gegner der Massentierhaltung lehnen die Früherkennung im Ei als Alternative tendenziell ab. Sie sei letztlich nur die Bekämpfung eines Symptoms, weil die grundsätzlichen Strukturen dadurch nicht geändert würden. Durch die Monopolstellung der Lohmann Tierzucht GmbH sind auch Biobetriebe auf deren Legehennen angewiesen.

Und auch Verbraucher haben kaum eine Wahl: Selbst wer Bio-Eier kauft, unterstützt meist ohne es zu ahnen das bestehende System der Massenproduktion und Hochleistungszucht - und vermutlich auch der Massentötung männlicher Küken.

Das ökologische Zweinutzungshuhn

Die Zucht von Legehennen wird von wenigen global agierenden Konzernen dominiert. Sie kontrollieren die Elterntierherden, Brütereien, Aufzucht und Legehennenhaltung sowie
Mast und Schlachtung in einem Verbund. Um sich aus der Abhängigkeit von der industriellen Intensivproduktion zu befreien, wollen die ökologischen Anbauverbände Demeter und Bioland eine für den ökologischen Landbau maßgeschneiderten Geflügelzucht entwickeln. Schon in wenigen Jahren soll die Ökologische Tierzucht gGmbH Öko-Legehennen und "in absehbarer Zeit auch ein Zweinutzungshuhn anbieten können".

Ziel der Züchtungen sind "100 Prozent Öko-Fütterung, Auslauf-Eignung, Anpassung an heimische Leguminosen und Proteinkomponenten sowie Resistenz gegen Krankheiten und Robustheit bei gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreicher Lege- und Mastleistung". Kritiker bezweifeln bislang, dass ein Zweinutzungshuhn jemals so kostengünstig sein kann, dass es zur breiten Vermarktung geeignet wäre.

Bruderhahn, "ei care": Initiativen für Tierschutz

Es gibt eine ganze Reihe Initiativen, die Verbrauchern alternative Wege zum Ei oder zum Geflügel anbieten. Bereits 2012 gründeten einige Erzeuger die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID). Inzwischen bieten fast 500 Einzelhändler die BID-Eier an, bei denen je Ei vier Cent dafür verwendet werden, auch die männlichen Küken aufzuziehen und so das nutzlose Töten zu beenden.

Die "ei care"-Initiative vom Erzeugerverband Naturland hingegen setzt auf alte Zweinutzungsrassen wie das französische Bresse-Huhn, um im Sinne des Biolandbaus Eier und Fleisch zu produzieren. Da die Legeleistung des Bresse-Huhns mit 180 bis 200 Eiern jedoch 30 bis 40 Prozent unter der Leistung heute üblicher Legehennen liegt, dürften die "ei care"-Produkte zumindest bis auf weiteres Nischenprodukte bleiben.

(Autor: André Madaus)

02.03.2016, Quelle: dpa
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