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merkzettel

Serie zu Europas Zukunft Der autoritäre Traum

BildPhilipp Blom
Philipp Blom

(Quelle: Philipp Blom)

VideoEuropas Traum am Ende?
Europäische und griechische Flagge vor düsterem Himmel

Einheit, Demokratie, gemeinsamer Wohlstand - davon ist wenig geblieben. Ist "Europa" gescheitert? Dazu die Historiker Heinrich August Winkler, Brendan Simms und der Kultursoziologe Joseph Vogl.

(03.07.2015)

VideoEuropa wächst mit seinen Krisen
Euro-Symbol wird renoviert!

Schon zu Beginn des europäischen Einigungsprozesses 1957 steht der Streit. Doch Europa rauft sich zusammen, erfolgreiche Jahrzehnte folgen – bis zur derzeitigen Schuldenkrise.

(12.07.2015)

VideoEs fehlt an Europa und Union
Wo steht Europa in der Flüchtlingskrise?

Was zählt wirklich in der Flüchtlingskrise? Sollte Europa nur Christen aufnehmen? Um diese und andere Fragen ging es in der Rede von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor dem EU-Parlament.

(09.09.2015)

Gastbeitrag von Philipp Blom

Unsere moderne Gesellschaft muss sich von der Weltordnung der Nachkriegszeit verabschieden. Zwei Träume prallen rasant aufeinander: Der eine hält die Menschenrechte und Freiheiten hoch, der andere spricht von traditionellen Werten. Er sieht sich verachtet. 

Selten haben sich Ereignisse so überschlagen wie 2015, selten sind alte Sicherheiten so schnell weggebrochen, politische Strukturen so rasant obsolet geworden. Noch bis vor wenigen Monaten schien das Morden in Syrien und den umliegenden Ländern weit entfernt zu sein, ein Problem, von dem Europa effektiv isoliert schien. Dieses Gefühl der Sicherheit ist längst vergangen. Die Weltordnung der Nachkriegszeit ist endgültig vorbei.

Heute sehen wir die Konturen einer politischen und ideologischen Welt, für die die Regeln noch nicht geschrieben, die Protokolle noch nicht ausgearbeitet sind, in der rechts und links kaum noch etwas bedeuten, in der geografische Zuschreibungen nur wenig aussagen, in der die eigentliche Spaltung entlang einer ganz anderen Linie geht: die immer stärker gegenwärtige Trennung zwischen zwei Träumen, zwei Antworten auf die Zentrifugalkraft der Moderne.

Philipp Blom ...

... ist deutscher Schriftsteller, Historiker, Journalist und Übersetzer. Von 1997 bis 2001 lebte Blom in London, wo er zuerst als Lektor in einem Verlag und dann als Autor und freier Auslandskorrespondent arbeitete. 2001 ging er nach Paris und konzentrierte sich auf seine Bücher, bevor er schließlich 2006 nach Wien zog. Bloms Bücher wurden mit diversen Sachbuchpreisen ausgezeichnet.

Der eine von ihnen, nennen wir ihn den liberalen Traum, sieht die Welt individualistisch und pluralistisch, thematisiert Menschenrechte und Freiheiten. Er hat seinen Ursprung in der Aufklärung. Der andere sieht die Welt in Kollektiven, in Völkern und historischen Gemeinschaften, um deren Reinheit und Fortbestand er besorgt ist. Er spricht von traditionellen Werten und sieht sich verachtet. Er wütet gegen die Dekadenz der liberalen Gesellschaft und "unnatürliche" sexuelle Ausschweifungen. Er sieht Frauen in traditionellen Rollen und achtet Fremde, solange sie in der Fremde bleiben. Sein Verständnis von Kultur ist essentialistisch. Wo er "Kultur" sagt, sprach man vor 80 Jahren noch von "Rasse". Politisch setzt er auf starke Führungspersönlichkeiten. Nennen wir ihn den autoritären Traum. Er hat seinen Ursprung in dem Gefühl, betrogen worden zu sein.

Der autoritäre Traum lebt unabhängig von Religion

Dieser autoritäre Traum verbindet scheinbar völlig unterschiedliche politische Akteure: Pegida mit Evangelikalen Nationalisten in den USA, Wladimir Putin mit Anders Breivik, Viktor Orban mit den Hindu-Nationalisten in Indien, jüdische Siedler in den palästinensischen Gebieten mit Boko Haram, saudi-arabische Gerichte mit dem Front National, die faschistoiden Monologe eines Donald Trump mit Recep Tayyip Erdogans Angriffen auf türkische Journalisten - und sie alle mit dem medienkonformen Horror der IS. Er ist islamisch, jüdisch, christlich oder religionslos. Immer ist er nostalgisch geprägt, von Ressentiments angetrieben, von einem Glauben an Vorsehung beseelt. Er bietet seinen Anhängern eine Rechtfertigung für den eigenen Zorn, klare Verhältnisse, einen verlässlichen Feind.

Der Vision einer intakten, rechtgläubigen und reinen Gesellschaft stellt der autoritäre Traum ein Bild des orientierungslos hedonistischen Relativismus gegenüber, das Leben in der Geldmaschine, gelenkt von fremden Mächten, ein zügelloses großes Fressen bei dem alles erlaubt ist und nichts etwas bedeutet, ein Leben ohne Ehre und Spiritualität. Natürlich, wir akzeptieren diese Beschreibung nicht. Wir stimmen reflexhaft das alte Lied der liberalen Gesellschaften an. Wir erwidern die Hoffnung auf den Himmel, das Paradies oder das ewige Kalifat mit dem Hinweis auf den Rechtsstaat, mit Zahlen und Fakten über Lebensstandards.

Menschenrechte sind uns heilig, solange es unsere sind

Die Geschichte gibt uns nur sehr eingeschränkt recht, wenn wir die Werte der Aufklärung beschwören. Auch im Namen von liberté, egalité, fraternité ist Terror verübt worden und die Werte der Aufklärung verhinderten weder koloniale Unterdrückung noch die europäischen Völkermorde des 20. Jahrhunderts. Morden im Namen der Gleichheit, Verfolgung im Namen der Freiheit und Unterdrückung im Namen der Brüderlichkeit sind vom Westen aus in die ganze Welt exportiert worden.

Die Politik des erhobenen Zeigefingers verträgt sich nur schlecht damit, dass wir unzweifelhaft von der Sklavenarbeit anderer Menschen, von der blutigen Unterdrückung "befreundeter" Diktaturen, von der Ausbeutung von Rohstoffen und den damit verbundenen Kriegen profitieren und in unserem technologischen Egoismus eine Klimakatastrophe verursacht haben, deren Ausmaße wir bislang nur ahnen können. Menschenrechte sind uns heilig, solange es unsere Menschenrechte sind. Freiheit muss zuerst einmal unsere Freiheit sein, unser Leben zu gestalten, das Recht auf uneingeschränkten Konsum.

Wir haben vergessen, dass wir auch Bürger sind

Wir sind Verbraucher geworden, die vergessen haben, dass sie auch Bürger sind. Auf der einen Seite sind die rücksichtslosen Selbstoptimierer im ewigen Wettlauf darum, der Beste zu sein, reich zu werden, abzuzocken - auf der anderen eine immer größere Klasse von Verlierern, von Ängstlichen, die ihren Wohlstand bedroht sehen, von Ausgeschlossenen, die niemals eine echte Chance haben werden - und derer, die ihre Privilegien bedroht sehen.

Der liberale Traum wird in Gesellschaften gepredigt, die mehr denn je überwacht, kontrolliert und bespitzelt werden, in denen wichtige Entscheidungen hinter verschlossenen Türen von einer Wirtschaftselite getroffen zu werden scheinen und der träge Mechanismus der Demokratie oft nur noch wie Schaufensterbehübschung wirkt. Höchstes Ziel ist die Erhaltung des Status quo, die Verteidigung des erreichten Wohlstandes. Es gibt nicht viel zu träumen in dieser Welt. Das liberale Individuum fröstelt in der existenziellen Kälte, auch dieser Traum kann menschenverachtend sein.

Wir können den Traum nicht mit Umsatzzahlen widerlegen

Liberale und autoritäre Kräfte werden immer öfter aufeinanderprallen, aus ideologischen oder geopolitischen Gründen. Es ist eine Auseinandersetzung, die sich auf allen Ebenen abspielt und deren Resultat völlig offen ist. Eines muss uns bewusst sein: Wir können den autoritären Traum nicht mit Umsatzzahlen widerlegen.

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Vielleicht haben wir uns auf Zahlen zurückgezogen, weil wir denkfaul geworden sind. Demokratie, Menschenrechte und individuelle Freiheit scheinen das unerschütterliche Fundament unserer Gesellschaften zu bilden, gegründet auf Naturrecht und Aufklärung, unverrückbar wie das Mittelmeer, in dem täglich Flüchtlinge ertrinken.

Menschenrechte gibt es nicht in der Natur

Historisch gesehen sind Ideen wie Gleichheit und Menschenrechte als universelle Prinzipien allerdings ausgesprochen jung. Noch im 18. Jahrhundert schienen sie sogar aufgeklärten Autoren wie Voltaire als widersinnig und gegen die Natur, eine wilde Fiktion, die nur von Geistern im Fieberwahn erdacht sein konnte. Als Grundlage staatspolitischen Handelns sind diese Rechte erst etwa zwei Generationen alt.

Menschenrechte gibt es nicht in der Natur. Sie sind eine Erfindung der Aufklärung die nur dadurch Wirklichkeit wird, dass wir sie einander zusprechen und garantieren. Rechte bestehen nur dann, wenn sie einklagbar sind. Sie benötigen Institutionen und gesellschaftlichen Willen, um Wirklichkeit zu werden. Diese Rechte aber nicht nur Mitgliedern der eigenen unmittelbaren Gemeinschaft zuzusprechen, sondern allen Mitgliedern der eigenen Spezies, ist ein ungeheurer und radikaler Gedankensprung, der keine Entsprechung hat außerhalb der menschlichen Fantasie.

Gerade deswegen ist es wichtig zu wissen, dass es für uns ein böses Erwachen geben kann, dass die Geschichte nicht unumkehrbar vorwärts schreitet und das Experiment Aufklärung nach nur einigen hundert Jahren plötzlich wieder beendet werden kann - durch Gewalt oder durch Gleichgültigkeit. Die Fiktion von Menschenrechten und Freiheit kann innerhalb kürzester Zeit zu einer Episode der Geschichte werden.

Festung Europa?

Der autoritäre Traum ist noch längst nicht ausgeträumt. Seine Anziehungskraft ist ungebrochen. Es ist nicht schwer, sich eine nahe Zukunft vorzustellen, in der eine von Zäunen und Mauern umgebende, alternde und zunehmend ängstliche und autoritäre Festung Europa neben einem orthodoxen Großrussland und einem islamischen Kalifat im Nahen Osten lebt. Es wäre ein neues, uraltes Einverständnis zwischen Herrschern und Beherrschten, eine Art Wertegemeinschaft und ein gigantischer kultureller Zusammenbruch.

Der liberale Traum ist mehr als ungebremster Konsum und das ängstliche Festhalten an Privilegien und Umsatzzahlen. Migration und Klimawandel werden die Gesellschaften Europas in den nächsten Jahrzehnten vor große Herausforderungen stellen und umgestalten. Das ist eine historische Chance, den kühnen und verwundbaren Traum von den Rechten aller Menschen weiter zu realisieren, die Grenzen unserer Solidarität weiter zu stecken und Veränderungen zu ergreifen und zu gestalten. Der Traum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, der vor 300 Jahren die besten Köpfe begeisterte, ist der schönste Traum, den die Menschheit jemals geträumt hat. Er ist eine Forderung der Zukunft an die Gegenwart.
Europa - wohin?
Europa - wohin?

Eurokrise, Abspaltungsbestrebungen in verschiedenen Ländern, neues nationales Denken, der Krieg in der Ukraine und vor allem die Flüchtlingskrise – diese Themen haben Europa im Jahr 2015 geprägt. Dies wirft die Frage nach der Zukunft oder der Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union auf.

Auf welchem Fundament steht Europa noch? Welches sind gemeinsame Ziele? Wie steht es um die Solidarität der 28 Staaten? Tragen die Bürger die Idee noch mit? Droht sogar eine Spaltung, ein Ende der europäischen Idee? Zehn namhafte Gastautoren blicken auf die Zukunft Europas. Europa – wohin?

Michael Naumann, ehemaliger Kulturstaatsminister und Publizist

Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts

Werner Weidenfeld, Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung

Gesine Schwan, frühere Präsidentin der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder

Wladimir Grinin, russischer Botschafter in Deutschland

Wolfgang Rzehak, grüner Landrat von Miesbach

Philipp Blom, Historiker und Schriftsteller

Shermin Langoff, Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters Berlin

Heiner Geißler, ehemaliger CDU-Generalsekretär und Bundesminister, attac-Mitglied

John Emerson, US-Botschafter in Deutschland.

21.12.2015
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