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merkzettel

Skandal bei United Airlines Passagier bereitet nach Rauswurf Klage vor

BildUnited Airlines
Archiv: Check-In von United Airlines am 21.12.2013 in Chicago

(Quelle: ap)

VideoPassagier aus Flugzeug gezerrt
United Airlines Flugzeug

Flug gebucht, Flug bezahlt - Platz im Flugzeug garantiert? Nicht in den USA, wo Fluggesellschaften ihre Strecken standardmäßig überbuchen. Ein Passagier von United Airlines wurde nun gewaltsam aus der Maschine gezerrt.

(11.04.2017)

VideoFlug überbucht: Passagier heraus gezerrt
Wartende Passagiere in Flughalle

Flug gebucht, Flug bezahlt - Platz im Flugzeug garantiert? Nicht in den USA, wo Fluggesellschaften ihre Strecken standardmäßig überbuchen. Schlechter Service, verschollenes Gepäck oder mehr Fluggäste als in einen Flieger passen. Welche Rechte haben Passagiere?

(11.04.2017)

Zwei verlorene Vorderzähne, eine gebrochene Nase und eine Gehirnerschütterung: Das sind die Schäden, die der Mann erlitten hat, der rabiat aus einem Flugzeig von United Airlines geworfen wurde. Sein Anwalt bereitet nun eine Klage gegen die Airline vor. Und erhebt schwere Vorwürfe. 

Der rabiate Rauswurf eines Passagiers aus einem Flugzeug könnte die US-Fluggesellschaft United Airlines teuer zu stehen kommen. Der betroffene Passagier leitete Medienberichten zufolge erste Schritte für eine Klage gegen die Airline ein. Ein Anwalt des Mannes beantragte demnach vor einem Bezirksgericht im US-Staat Illinois die Sicherung aller Videos über den Vorfall sowie aller relevanten Dokumente.

Dies umfasse auch Cockpit-Aufzeichnungen sowie Personalakten der Mitarbeiter der zuständigen Luftfahrtbehörde, die den Mann aus dem Flugzeug holten. Folgen könnte dann eine mögliche Klage etwa auf Entschädigung. Solche Klagen enden in den USA häufig mit hohen Vergleichssummen.

Zähne verloren, Nase gebrochen und Gehirnerschütterung

Sein Mandant, der 69-jährige Arzt David Dao, habe bei dem Vorfall am Sonntag zwei Vorderzähne verloren, eine Gehirnerschütterung erlitten und sich die Nase gebrochen. Er werde sich einer Operation unterziehen müssen, so der Anwalt.

"Durch den Gang gezogen zu werden, war für ihn schrecklicher und schlimmer als das, was er erlebt hat, als er Vietnam verlassen hat." So schilderte der Anwalt des Fluggasts den Vorfall auf einer Pressekonferenz in Chicago. Sein Mandant habe Vietnam nach Angaben seines Anwaltes 1975 mit einem Boot verlassen.

Was war passiert?

Ein Passagier wird am 9. April 2017 gewaltsam aus Maschine der United Airlines entfernt

Passagier wird gewaltsam aus Maschine der United Airlines entfernt.
Quelle: dpa/audra d. bridges

United hatte am Sonntagabend auf dem internationalen Flughafen von Chicago den Mann aus der Kabine zerren lassen. Videos zeigen, wie ihn Sicherheitsleute über den Boden des Kabinengangs zum vorderen Ausgang des Flugzeugs schleifen. Dies hatte weltweit Empörung ausgelöst. Die Airline hatte den Flug 3411 von Chicago nach Louisville (Kentucky) überbucht und Passagiere gebeten, den Flieger wieder zu verlassen. Einer der Gründe war, dass eine United-Crew dringend an Bord sollte, weil sie für einen Flug am folgenden Morgen in Louisville eintreffen musste. Videoaufnahmen anderer Passagiere von dem Vorfall lösten weltweit Empörung aus.

Die Airline übt sich in Schadensbegrenzung

United-Vorstandschef Oscar Munoz hatte sich nach Kritik und Boykottaufrufen in sozialen Netzwerken ausführlich für den Vorfall entschuldigt. So etwas werde "nie wieder passieren", hatte Munoz am Mittwoch dem Sender ABC gesagt. Er hatte außerdem eine Überprüfung des Falls angekündigt. Dazu gehöre, wie United künftig mit Überbuchungen von Flugzeugen umgehe.

Unterdessen kündigte der demokratische US-Senator Chris van Hollen laut Medienberichten eine Gesetzesinitiative an. Demnach soll es künftig Fluggesellschaften verboten werden, Passagiere zwangsweise aus einer überbuchten Maschine zu holen. Die Airlines sollten mögliche Probleme bei überbuchten Fliegern außerdem vor dem Einsteigen der Passagiere ins Flugzeug lösen.

Die US-Fluggesellschaft will nun alle Passagiere des Flugs 3411 in Höhe des Preises ihrer Tickets entschädigen, wie ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Überbuchen in Amerika Standard

Die zuständige Behörde beurlaubte inzwischen bis zur Klärung der Vorfälle den Sicherheitsbeamten, der den Mann vor den Augen laufender Handykameras von seinem Sitz und durch den Kabinengang gezogen hatte. "Der Vorfall auf dem United-Flug 3411 war nicht im Einklang mit unserem standardmäßigen Prozedere", hieß es in einem Statement der Flugsicherheitsbehörde in Chicago. Die Behörde sei mit den Handlungen nicht einverstanden.

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Das Überbuchen von Inlandsflügen ist in den USA üblich. Die Fluggesellschaften rechnen auf vielgebuchten Strecken damit, dass pro Flug einige Passagiere nicht erscheinen und nehmen mehr Buchungen an, als Sitzplätze zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr mussten nach offiziellen Angaben fast eine halbe Million Fluggäste zurückbleiben, obwohl sie einen Flug gebucht und bezahlt hatten. In den meisten Fällen nehmen sie die Angebote der Fluglinien an, die oft Gutscheine für Rabatte oder Freiflüge ausgeben.

Warum Flüge überbucht werden

Warum verkaufen Fluggesellschaften zu viele Tickets?

Flugticket

Aus ökonomischer und ökologischer Sicht sei es sinnvoll, möglichst alle Plätze in einem Flugzeug zu besetzen, erklärt Carola Scheffler, Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). "Erfahrungsgemäß erscheinen aber nicht alle Passagiere zu ihrem gebuchten Flug." Bei Lufthansa sind das im Jahr etwa 3 der rund 110 Millionen Passagiere, wie Unternehmenssprecherin Anja Lindenstein sagt. Damit möglichst wenige Plätze frei bleiben, werden die Flüge bis zu einem gewissen Prozentsatz überbucht. "Das ist gängige Praxis im Airline-Business."

Wie stark können Maschinen überbucht sein?

Konkrete Zahlen nennen BDL und Lufthansa nicht. Das sei extrem unterschiedlich und hänge von der Strecke, dem Tag und Ereignissen wie Kongressen, Messen oder großen Events ab. Auf der Basis dieser Erkenntnisse und konkreter Erfahrungswerte der Vergangenheit berechnen die Airlines, wie viele Passagiere voraussichtlich ihren Flug nicht antreten. Es wird aber nicht jede Maschine überbucht: Gerade zu Ferienbeginn, bei Großereignissen oder Messen ginge die Airline das Risiko nicht ein, sagt Lufthansa-Sprecherin Lindenstein.

Warum treten manche Passagiere ihren Flug nicht an?

Geschäftsreisende buchten manchmal mehrere Flüge, "weil sie nicht wissen, wann ihr Meeting zu Ende ist", sagt Lindenstein. Verpasste Anschlussflüge sind ein anderer Grund. Dazu kommen persönliche Ursachen wie beispielsweise eine Krankheit oder ein Unfall. Es gebe aber auch kulturelle Unterschiede. Manche Fluggäste verpassten schon mal während des Shoppens ihre Maschine. Die Deutschen seien in der Regel sehr pflichtbewusste Reisende.

Was ist, wenn zu viele Passagiere mitfliegen wollen?

Zunächst wird nach Passagieren gesucht, die freiwillig von dem Flug zurücktreten, wie Scheffler und Lindenstein sagen. Sie würden dann auf eine andere Maschine umgebucht. Je nach Entfernung und der Dauer bis zum nächsten Flug gibt es dafür auch Geld. Sollte der nächste
Flug erst am nächsten Tag gehen, zahlt die Fluggesellschaft auch eine Hotel-Übernachtung. Die Einzelheiten regelt eine EU-Verordnung. "Der Passagier hat zusätzlich die Möglichkeit, auf einen späteren Flug umgebucht zu werden oder sich den Ticketpreis zurückerstatten zu lassen", sagt Scheffler.

Was ist, wenn sich nicht genug Freiwillige finden?

Dann wird der Zeitpunkt des Check-Ins der Fluggäste berücksichtigt, wie Lindenstein sagt. Dabei gilt: "Je eher, desto besser." Die Fluggesellschaft spreche mit einzelnen Gästen und versuche, eine individuelle Lösung zu finden. Das Problem werde auf jeden Fall am Gate gelöst, bevor die Passagiere einsteigen, betont Lindenstein. Ob es dabei bereits einmal zu Handgreiflichkeiten verärgerter Reisender kam, sei ihr nicht bekannt.

Wie ist es bei gebuchten Ferienreisen?

Bei Ferienflügen gibt es relativ wenig Passagiere, die nicht am Flughafen erscheinen, wie der Sprecher von TUI Fly, Jan Hillrichs, sagt. "Die Urlauber kommen in der Regel." Daher würden die Maschinen normalerweise auch nicht überbucht. Sollte dies doch einmal passieren, so erkenne dies das Computersystem bereits Tage vor dem Abflug. Den letzten Kunden werde dann rechtzeitig eine Alternative angeboten. Hillrichs versichert: "So etwas wie bei United kann bei uns nicht vorkommen."

(Quelle: Ira Schaible, dpa)

13.04.2017, Quelle: dpa, reuters
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