28.07.2016

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merkzettel

Snapchat im US-Wahlkampf Politik in Zehn-Sekunden-Häppchen

BildSnapchat-Werbung in New York
Snapchat-Billboard am New Yorker Times Square

In den USA kommuniziert inzwischen jeder zweite Jugendliche via Snapchat. Kein Wunder, dass sich zunehmend auch Politiker unter die Snapchatter mischen.

(Quelle: imago)

VideoVorwahlen in den USA
Hillary Clinton gestikuliert entschlossen während einer Rede

Hillary Clinton hat bei der Vorwahl zur US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Bundesstaat Nevada einen weiteren Sieg errungen. Bei den Republikanern gewann erneut Donald Trump.

(21.02.2016)

VideoSo nutzen Kinder Smartphones
Jugendliche mit Smartphones

Kinder und Jugendliche sind im Smartphone-Stress - das hat eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) ergeben.

(01.10.2015)

von Maya Dähne, New York

In South Carolina finden heute die Vorwahlen der Demokraten statt - und bei Hillary Clinton und Bernie Sanders glühen wieder die Snapchat-Kanäle. Der Kurznachrichtendienst ist gerade bei Jugendlichen in den USA sehr hip - begehrt also bei Politikern im Wahlkampf. 

Ein Gespenst geistert durch den US-Präsidentschaftswahlkampf. Es spukt auf den Handys von Hillary Clinton, Marco Rubio und Bernie Sanders herum und wird die Präsidentschaftswahl im November ordentlich aufmischen, prophezeien Experten.

Der weiße Geist vor gelbem Hintergrund ist das Logo von Snapchat, einer rasant wachsenden Smartphone-App. 100 Millionen nutzen den Kurznachrichtendienst und produzieren mehr als sieben Milliarden Videos - täglich. In den USA kommuniziert inzwischen jeder zweite Jugendliche via Snapchat. Kein Wunder, dass sich zunehmend auch Politiker unter die Snapchatter mischen.

"Das tolle an Snapchat ist, dass man eine Zielgruppe erreicht, die als unerreichbar gilt", fasst Kommunikationsexpertin und Politikberaterin Danielle Kantor zusammen: Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 29.

Gerade noch da, schon wieder weg

"Ich liebe Snapchat", erklärte Hillary Clinton schon vor Monaten. "Vor allem, weil die Nachrichten dort ganz von selbst verschwinden", verkündete die Kandidatin mit einem Augenzwinkern und dem diskretem Hinweis auf den Skandal um ihre E-Mails.

Phänomen "Sexting"

Das Phänomen "Sexting" kommt aus den USA. Das Kunstwort setzt sich aus "Sex" und dem englischen "texting" zusammen, was "SMS schreiben" bedeutet.

Vor allem Jugendliche schießen anzügliche Fotos von sich und anderen und stellen sie ins Internet oder verschicken sie mit dem Handy.

Tatsächlich haben "Snaps" - anders als E-Mails, Facebookposts, Tweets oder WhatsApp-Nachrichten - eine sehr kurze Lebensdauer. Fotos und Videoclips sind nur für wenige Sekunden sichtbar und "zerstören" sich dann selbst. Jugendliche nutzen den Nachrichtendienst vor allem, um Selfies und Sextings auszutauschen. Aber die App ist inzwischen mehr als eine Kommunikations-Plattform für Teenies. Millionen User produzieren und kommentieren Nachrichten in Echtzeit. Darüber hinaus bietet Snapchat ausgewählten Medienpartnern wie CNN oder National Geographic die Möglichkeit, eigene Multimedia-Geschichten zu posten.

Kandidaten der Demokraten

Hillary Clinton

Hillary Clinton - Aufnahme vom 28.08.2015

galt als klare Favoritin für die demokratische Präsidentschaftskandidatur. In die Kritik geriet die 68-Jährige jedoch wegen der Nutzung einer privaten E-Mail-Adresse in ihrer Funktion als US-Außenministerin. Und ihr Wahlkampf will nicht so recht in Schwung kommen - Clinton fliegen die Sympathien nicht zu. Sie will die Kandidatin des einfachen Volkes sein, doch das sieht sie eher als Kandidatin des großen Geldes. Clinton wird von zahlreichen Groß-Spendern unterstützt.

Mit dem Schwerpunkt auf Familienthemen unterscheidet sich Clintons aktueller Wahlkampf von demjenigen, den sie bei ihrem ersten Kampf um das Weiße Haus im Jahr 2008 an den Tag legte. Damals war ihr besonders wichtig, ihre Erfahrenheit und Belastbarkeit herauszustellen.

Bernie Sanders

Bernie Sanders

Der unabhängige US-Senator gilt inzwischen als stärkster Konkurrent für Hillary Clinton. Er ist der Liebling der Linken bei den Demokraten und kommt auch bei einem jungen Publikum an. Seit Jahren warnt er vor einer wachsenden Kluft zwischen dem Großteil der US-Bevölkerung und den Superreichen. Besonders sorgt sich Sanders über einen übermäßigen Einfluss der Reichen auf die Politik der Vereinigten Staaten. In der Außenpolitik ist Sanders ein Gegner von US-Militäreinsätzen. Den Abschluss von Freihandelsabkommen sieht der 74-Jährige skeptisch. 

Aus dem Rennen

Martin O'Malley

Martin O'Malley (im Bild), Lincoln Chafee und Jim Webb haben ihre Kandidatur mittlerweile zurückgezogen. O'Malley war Gouverneur von Maryland und Bürgermeister von Baltimore und mit 53 Jahren der jüngste Bewerber bei den Demokraten. Chafee war früher republikanischer Gouverneur von Rhode Island und wechselte erst 2013 zu den Demokraten; Jim Webb, der ehemalige Senator des US-Bundesstaates Virginia, war auf Bundesebene eher unbekannt. 

(mit Material von afp, ap, dpa)

Fotos und Fakten fürs Smartphone

Wie genau Snapchat funktioniert und was Jugendliche daran spannend finden, ist der Mehrheit der Generation 40 plus noch immer ein Rätsel. Aber es gibt Ausnahmen. Ausgerechnet der älteste der Präsidentschaftskandidaten, der 74-jährige Bernie Sanders, ist einer der eifrigsten Snapchatter. Der links-liberale Senator aus Vermont hat bei potenziellen Jungwählern einen riesigen Vorsprung. Vor vier Wochen, kurz vor den Wahlen im Bundesstaat Iowa, hat er seine erste Werbekampagne auf Snapchat gestartet.

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Die Macher von Snapchat mischen mittlerweile aktiv im Politik- und Mediengeschäft mit. Rechtzeitig zum Wahljahr haben sie ein Team von erfahrenen Journalisten angeheuert. Ein ehemaliger CNN-Reporter soll der Generation Snapchat Politik schmackhaft machen. Er produziert zu wichtigen politischen Events kurze Videoclips. Fotos von Snapchattern vor Ort, gemischt mit verwackelten Bildern aus dem Kandidatenbus und ein paar Zahlen und Fakten, optimiert fürs Smartphone- Display.

Heute Snapchatter, morgen Wähler?

"Können wir damit alle Informationen liefern? Nein, natürlich nicht", gibt der für News und Content bei Snapchat zuständige Nick Bell zu. "Aber mit unserem Angebot wecken wir hoffentlich Interesse am Thema und vermitteln ein gewisses Grundwissen und Verständnis."

Ob aus Snapchattern am Ende Wähler werden, können Hillary Clinton und Co. nur hoffen. Die Zahlen sind allerdings eher ernüchternd: Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2012 haben gerade einmal 40,9 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ihre Stimme abgegeben. Die Mehrheit der jungen Amerikaner bleibt am Wahltag zu Hause.

Bei Jugendlichen beliebte Onlinedienste

Die weltweite Community für alle: Facebook

Archiv: Das Logo von Facebook ist am 17.09.2015 in Berlin auf einem iPhone zu sehen

Zuletzt waren rund 1,4 Milliarden Menschen weltweit dort aktiv. Rund 1,2 Milliarden davon nutzen Facebook auch mobil, 526 Millionen nur noch mobil. Das zeigt, welchen Stellenwert Smartphones inzwischen bei der Nutzung von sozialen Netzwerken haben. Weil die Plattform für alle ist, ist die Altersstruktur dementsprechend gemischt. Immerhin fast zwölf Prozent der User waren im Januar 2014 zwischen 13 und 17 Jahren alt. Jüngere Nutzer werden nicht erfasst, denn in seinen Geschäftsbedingungen erlaubt Facebook Mitgliedschaften erst ab 13 Jahren. Was nicht heißt, dass da nicht mancher Account einfach mit falscher Altersangabe eröffnet wird. Wer soll es auch kontrollieren?

Schneller, einfacher, kommunikativer: WhatsApp

WhatsApp-Logo

Gibt es eigentlich jemanden, der nicht WhatsApp installiert hat? Manchmal könnte man sich diese Frage durchaus stellen. Und gerade auf Schulkinder scheint dieser Messengerdienst eine magische Anziehungskraft zu haben. Zwischendurch mit Freunden chatten, Klassengruppen bilden (in die oft natürlich nicht alle hinein dürfen), noch die Kumpels aus dem Sportverein und Mama und Papa noch oben drauf: Fertig ist die fröhliche Gesprächsrunde, die rund um die Uhr funktioniert. Aber es wird nicht nur gechattet: Fotos und Videos lassen sich ebenso an die Gesprächspartner senden. Das ist sicherlich praktisch, aber gerade Kinder und Jugendliche handeln oft nun einmal impulsiv und sehen in dieser Sekunde nicht: Was weg ist, lässt sich nicht zurückholen. Ebenso wie für Facebook ist für das Jahr 2018 ein neues Mindestalter im Gespräch: 16 Jahre.

Foto-Einblicke ins private Leben: Instagram

Instagram wir auf einem iPhone gezeigt.

Auch Instagram ist einer der Dienste die gerne von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Hier werden Fotos direkt vom Smartphone aus auf das eigene Profil hochgeladen. So lange die Einstellungen für die Privatsphäre so sind, dass tatsächlich nur zugelassene Nutzer die Bilder auch sehen können, ist zumindest ein Großteil der Datensicherheit gewährleistet. Aber: "Da inzwischen immer jüngere Kinder Smartphones mit Internetzugang besitzen und Instagram in dieser Altersgruppe zunehmend genutzt wird, häufig ohne Wissen der Eltern, sind diese komplexen Einstellungen höchst problematisch", heißt es im Handbuch Medienschutz von Günter Steppich. Auch hier zeigt sich: Eltern sollten unbedingt wissen, was ihre Kinder tun und online stellen – sofern sie es überhaupt erlauben.

Nur eine vermeintliche Datensicherheit: Snapchat

Auf dem Display eines Smartphones ist das Logo der App Snapchat zu sehen.

Angesichts der Tatsache, dass einmal verschickte Fotos oder Videos theoretisch ewig durch die Onlinewelt geistern können, ist die Idee von Snapchat geradezu genial: Nachrichten, die sich nach zehn Sekunden von selbst vernichten. Kein Wunder, dass Snapchat zur Spielwiese für das so genannte Sexting wurde – das Versenden freizügiger Fotos von sich selbst an den Partner oder an gute Freunde. Ist ja ohnehin gleich wieder gelöscht... Von wegen! "Natürlich gibt es diverse Möglichkeiten, diesen Selbstzerstörungsmodus zu unterlaufen", sagt der Medienbeauftragte Günter Steppich. Screenshots machen, Fotos vom Bildschirm mit einem anderen Smartphone direkt fotografieren oder einfach Zusatzapps, die die Selbstzerstörung unterlaufen. "Im Rahmen von Sexting ist das höchst problematisch, weil viele Jugendliche sich mit Snapchat sicher fühlen."

Freizügige Dating-App: Tinder

Archiv: Auf einem Smartphone ist am 18.02.2014 in Stuttgart (Baden-Württemberg) das logo der App tinder zu sehen.

Einfach gut aussehen, den eigenen Marktwert abchecken, mal sehen, wie andere reagieren: Das sind sicherlich einige Motive für Pubertierende, die Dienste von Tinder zu nutzen. Dies ist eigentlich eine Dating-App, mit der neue Partner gefunden werden sollen. Zielgruppe: 18 bis 35 Jahre. Dass da auch Minderjährige mitmischen können, steht außer Frage. Man braucht schließlich nur einen Facebook-Account, um sich anzumelden. Auch im Hinblick auf solche Dienste sollten Eltern genau hinschauen, was Kinder mit ihrem Smartphone anstellen – und mit ihnen darüber reden, was sie letztendlich damit anrichten können. Offenheit auch bei vermeintlich peinlichen Themen ist sicherlich hilfreicher als eine Bande Jungs, die vor der Tür steht, um die minderjährige Tochter zu besuchen.

Schon Geschichte: SchülerVZ

Auch wenn es längst Geschichte und vom Netz genommen ist: SchülerVZ ist ein gutes Beispiel für den steilen Aufstieg einer Community für Kinder. Anfang 2007 startete die Plattform quasi bei Null, bereits Ende 2007 waren dort rund zwei Millionen Nutzer registriert. Bis Oktober 2009 schließlich wuchs die Zahl auf rund 5,5 Millionen an. Wer Schüler war, wollte ins SchülerVZ. Aber eben auch andere. Rund 50 Prozent der User waren bis 17 Jahre alt, zehn Prozent 18 bis 24 Jahre, die restlichen 40 Prozent älter als 25. "Neben Eltern und Lehrern, die sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Schützlinge machten, waren dort also zahlreiche Personen aus vermutlich ganz anderen Motiven unterwegs", heißt es im Handbuch Medienschutz von Günter Steppich. 2013 schließlich wurde SchülerVZ abgeschaltet – denn inzwischen waren alle zu Facebook gewandert.

27.02.2016
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