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Auschwitz-Wachmann vor Gericht Gräuel, die nie verjähren

VideoProzessauftakt gegen SS-Wachmann
Schienen vor der Einfahrt des Konzentrationslagers Auschwitz

Ein ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz muss sich vor dem Landgericht Detmold verantworten. Er ist der Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen angeklagt.

(11.02.2016)

InteraktivWebstory: Das Auschwitz-Album

(Quelle: Yad Vashem)

VideoBundestag gedenkt der Holocaust-Opfer
Am Holocaust-Gedenktag gedenkt der Bundestag heute der Opfer des Nationalsozialismus. Heute vor 71 Jahren befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungs-Lagers Auschwitz.

Am Holocaust-Gedenktag gedenkt der Bundestag heute der Opfer des Nationalsozialismus. Heute vor 71 Jahren befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungs-Lagers Auschwitz.

(27.01.2016)

VideoGegenstände mit Geschichte
Briefe eines KZ-Opfers

50.000 Fotos und persönliche Gegenstände von KZ-Opfern wurden über 70 Jahre nach dem Holocaust digitalisiert und online gestellt. Noch können nicht alle Habseligkeiten Häftlingen zugeordnet werden.

(27.01.2016)

Mehr als 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz steht in Detmold ein Ex-Wachmann des Konzentrationslagers vor Gericht. Der 94-Jährige war 1943 und 1944 für die Bewachung des Stammlagers zuständig. Lange wurde nicht nach der Schuld des KZ-Personals gefragt. Jetzt stehen gleich mehrere Prozesse an. 

Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen. Monströs klingt der Vorwurf gegen einen einzelnen, erst recht da seine mutmaßlichen Taten mehr als sieben Jahrzehnte zurückliegen. Doch der Schrecken des Holocaust verjährt nicht. Welche Schuld ein Wachmann im Konzentrationslager von Auschwitz trug, damals erst Anfang 20, ermittelt nun ein Gericht in Detmold. Der Fall ist das Ergebnis jüngerer Ermittlungen gegen eine ganze Reihe hochbetagter früherer SS-Leute - und Ausdruck eines späten Umdenkens der Justiz.

Webstory
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 94-jährigen Reinhold Hanning aus dem Kreis Lippe vor, zwischen 1943 und 1944 als Teil des SS-Totenkopfsturmbanns im Stammlager von Auschwitz tätig gewesen zu sein. In dieser Zeit kamen laut den Ermittlern 92 Transporte mit jüdischen Deportationsopfern an. Wer nicht arbeitsfähig war, wurde in die Gaskammern getrieben. Es gab Massenerschießungen, andere überlebten die grausamen Lagerbedingungen nicht. Davon habe der einstige Unterscharführer gewusst, sind die Ermittler überzeugt. Ihm müsse klar gewesen sein, dass das Vernichtungssystem nur funktionieren konnte, wenn die Opfer durch Gehilfen wie ihn bewacht wurden.

Keine Reaktion des Angeklagten

Hanning schwieg zum Prozessauftakt und ließ von seinen Anwälten nur Angaben zu seiner Person verlesen. Er hatte bereits vor dem Prozess eingeräumt, in Auschwitz eingesetzt gewesen zu sein. Eine Beteiligung an Tötungshandlungen hat er aber bestritten. Die Verteidigung zweifelt den Wert dieser Aussage allerdings an. Staatsanwaltschaft und Polizei hätten ihn 2014 zu Hause überrascht und dann vernommen.

Ein Zeuge schilderte vor Gericht das unmenschliche Leid in Auschwitz. Wachleute hätten durch den Zaun geschossen. Gerade angekommene Gefangene hätten auf dem Weg zu den Gaskammern um Wasser gebettelt, ohne zu wissen, was passiere. "Eine halbe Stunde später waren sie tot", sagte der Auschwitz-Überlebende Leon Schwarzbaum im Zeugenstand. Der 94-Jährige forderte Hanning in direkter Ansprache auf, zu sagen, was damals passiert sei. Hanning reagierte darauf nicht.

Eines von mehreren Auschwitz-Verfahren

Der Prozess steht in einer Reihe mit einigen anderen Auschwitz-Verfahren dieses Jahrzehnts: In Neubrandenburg steht Ende des Monats der Prozessauftakt gegen einen 95 Jahre alten früheren Angehörigen des SS-Sanitätsdienstes in Auschwitz-Birkenau an. In Hanau soll Mitte April das Hauptverfahren gegen einen 93-Jährigen Ex-Wachmann des KZ beginnen - vor der Jugendkammer, weil er anfangs erst 19 Jahre alt war. In Kiel ist eine 92-Jährige Frau angeklagt: Als Funkerin der Lager-Leitung soll sie bei der systematischen Ermordung verschleppter Juden geholfen haben.

Die Anklagen machen deutlich: Mordbeihilfe verjährt ebenso wenig wie Mord. Dass heute hochbetagte Ex-SS-Leute noch nach Jahrzehnten damit rechnen müssen, belangt zu werden, liege aber auch an einem Umdenken der Strafverfolgungsbehörden, erklärt Staatsanwalt Jens Rommel. Er ist Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg. In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg habe man sich stärker auf die Täter und nicht auf die Gehilfen konzentriert, sagt er. Belangt wurde, wer selbst geschossen hatte, Gas in die Kammern leitete oder Tötungsbefehle gab.

Hochbetagte NS-Verbrecher vor Gericht 
  • Das Landgericht Lüneburg verurteilt im Juli 2015 den als "Buchhalter von Auschwitz" bezeichneten Oskar Gröning zu vier Jahren Haft wegen der Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen. Gründlich, effizient und gnadenlos hätten Menschen wie Gröning zum Funktionieren der Tötungsmaschinerie beigetragen, hieß es im Urteil. Es ist jedoch noch nicht rechtskräftig, weil der Bundesgerichtshof noch über die Revision entscheiden muss.

  • Der 91-jährige gebürtige Ukrainer John Demjanjuk starb 2012 in einem bayerischen Pflegeheim - zehn Monate nach seiner Verurteilung als Holocaust-Mittäter. Das Landgericht München hatte ihn wegen Beihilfe zum Mord an 28.000 Juden im Lager Sobibor zu fünf Jahren verurteilt. Mit Blick auf sein Alter wurde der Haftbefehl aber aufgehoben.

  • Hans Lipschies, der mutmaßliche frühere SS-Wachmann in Auschwitz muss sich nicht wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht verantworten. Das Landgericht Ellwangen in Baden-Württemberg lehnte ein Verfahren gegen den damals 94-Jährigen 2014 wegen Verhandlungsunfähigkeit ab. Die Staatsanwaltschaft hatte dem gebürtigen Litauer vorgeworfen, zwischen 1941 und 1943 Beihilfe zum Mord an mehr als 10.500 Menschen geleistet zu haben.

  • Als Angehöriger der deutschen Sicherheitspolizei in den Niederlanden soll Siert Bruins 1944 einen Gefangenen erschossen haben. Dafür wurde der gebürtige Niederländer 1949 dort zum Tode verurteilt, später umgewandelt in lebenslange Haft. In Deutschland, wohin Bruins zog, galt die Tat zunächst als verjährter Totschlag. Später wertete die Staatsanwaltschaft sie als Mord. 2013 kam er mit 92 Jahren vor Gericht. Das Landgericht Hagen stellte das Verfahren aber ein: Nach 70 Jahren sei der Nachweis des Mordvorwurfs nicht möglich gewesen.

  • Der ehemalige NS-Lagerkommandant Laszlo Csatary starb 2013 mit 98 Jahren in Budapest. Er soll 1944 maßgeblich an der Deportation von Juden in Konzentrationslager beteiligt gewesen sein. Wenige Wochen vor seinem Tod wurde er in Ungarn angeklagt. Zuvor hatte das Oberste Gericht der Slowakei ein Todesurteil, das 1948 gegen ihn in Abwesenheit ergangen war, in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

  • Der wegen Beihilfe zum Massenmord angeklagte mutmaßliche NS-Verbrecher Samuel Kunz starb 2010 kurz vor Beginn seines Prozesses. Kunz soll 1942/1943 Wachmann im Vernichtungslager Belzec gewesen sein. Wegen Mordes in 10 und Beihilfe zum Mord in mindestens 430.000 Fällen sollte dem 89-Jährigen der Prozess gemacht werden.

  • Das Landgericht Aachen verurteilte den 88-jährigen Heinrich Boere 2010 wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft. Er hatte 1944 als Teil eines SS-Mordkommandos niederländische Zivilisten erschossen. Er starb 2013 hinter Gittern. Boere war 1949 in den Niederlanden in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden, die Strafe dort aber nie angetreten.

Prozess gegen Demjanjuk war Wendepunkt

Gegen Gehilfen in den KZ hatte es zwar in den 1960er Jahren Verurteilungen gegeben. Die Ansätze dieser Rechtspraxis wurden aber im Keim erstickt: 1969 entschied der Bundesgerichtshof, nicht jeder, der in die Vernichtungsmaschinerie der KZ eingebunden war, sei für alles, was dort geschah, verantwortlich. Fortan klagten die Staatsanwaltschaften nur noch an, wenn sie direkte Tatbeteiligungen auch nachweisen konnte.

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Wendepunkt war die Anklage und spätere Verurteilung von John Demjanjuk: Er wurde 2011 wegen Beihilfe zum Mord an 28.000 Juden für schuldig gesprochen, weil er als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor tätig gewesen war. "Das Gericht machte damit deutlich: Ohne die einzelnen Räder in der Maschine hätte das Vernichtungssystem nicht funktioniert", sagt Rommel. Dieser Grundgedanke habe auch seine Behörde zu neuen Ermittlungen veranlasst. Es folgte ein aufsehenerregender Prozess gegen den als "Buchhalter von Auschwitz"

bezeichneten Oskar Gröning. Das Urteil: Vier Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 300.000 Juden. Der Richter des Landgerichts Lüneburg kritisierte in seiner Urteilsbegründung im Sommer 2015 die frühere Rechtsprechung, die so viele SS-Leute am Rande der mörderischen Geschehnisse hatte davon kommen lassen. Von 6.500 SS-Männern, die in Auschwitz über Jahre ihren Dienst taten, seien bislang nur 49 verurteilt worden.

"Längst überfällige Korrektur einer empörenden Rechtsauffassung"

Heute sind die neu aufgenommenen Ermittlungen gegen die möglichen KZ-Schergen auch anderer Lager wie Majdanek, Bergen-Belsen und Neuengamme ein Wettlauf gegen die Zeit. Vor Gericht gestellt werden nur greise Männer und Frauen - wer am Ende des Krieges erwachsen war, ist heute über 90 Jahre alt.

"Für die allermeisten ist es zu spät", sagt Werner Renz vom Fritz Bauer Institut, das sich mit der Geschichte der Holocaust-Aufarbeitung beschäftigt. Für umso wichtiger hält Renz Prozesse wie den, der am Donnerstag in Detmold beginnt: Es gehe um Genugtuung und eine längst überfällige Korrektur einer empörenden Rechtsauffassung, sagt er.

Detmolder Prozess gegen Ex-SS-Wachmann

Was wird dem Angeklagten vorgeworfen?

Schienen vor der Einfahrt des Konzentrationslagers Auschwitz

Vor dem Landgericht Detmold muss sich ein mutmaßliches Ex-Mitglied der SS-Wachmannschaft im Vernichtungslager Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verantworten. Dem 94-jährigen Angeklagten Reinhold H. wird vorgeworfen, während des Holocausts die Massenmorde in dem riesigen Lagerkomplex unterstützt zu haben. Laut Staatsanwaltschaft war der damals etwa 20-Jährige von 1942 bis 1944 dort als Mitglied des SS-Totenkopfsturmbanns. Er bewachte demnach sowohl das sogenannte Stammlager I als auch Selektionen der mit Deportationszügen ankommenden Juden, die im Lagerteil Birkenau meist sofort ermordet wurden. Dort befanden sich die Gaskammern.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann Beihilfetaten im Zeitraum von Januar 1943 bis 1944 vor. Der Anklage zufolge wusste H., dass die Deportierten in Birkenau ständig "in großer Zahl" grausam sowie heimtückisch vergast wurden und dass im Stammlager Massenerschießungen und Selektionen für die Gaskammern stattfanden. H. räumte im Vorfeld des Prozesses nach Gerichtsangaben nur ein, das Stammlager bewacht zu haben. Er stritt demnach ab, an Tötungshandlungen beteiligt gewesen zu.

Warum findet der Prozess erst jetzt statt?

Eine Blume liegt neben einem Schild mit dem Schriftzug "Auschwitz"

Durch eine geänderte Rechtsauslegung sind zuletzt die Hürden für Verurteilungen wegen Beihilfe zu NS-Verbrechen gesunken. Jahrzehntelang galt es als unumgänglich, Beschuldigten eine konkrete Beteiligung an einer konkreten Tötungshandlung nachzuweisen - etwa die Bewachung eines ganz bestimmten Deportationszugs an einem bestimmten Tag. Hinzu kam die Tendenz, den Beitrag kleiner "Gehilfen" in Rahmen des "industriellen Massenmords" rechtlich als zu geringfügig für eine Verurteilung anzusehen.

Erst mit dem Schuldspruch gegen den Vernichtungslagerwachmann John Demjanjuk durch das Landgericht München 2011 begann sich dies zu ändern. Die Richter sahen nun schon die Zugehörigkeit zur Wachmannschaft eines Lagers, in dem massenhaft und systematisch gemordet wurde, als ausreichend dafür an, den Angeklagten wegen Beihilfe zu Tötungen zu verurteilen. Weil die Staatsanwaltschaften nach dem Demjanjuk-Urteil die Chancen auf eine Verurteilung steigen sahen, brachten sie noch einmal einige Strafverfahren auf den Weg.

Auch die Richter im Lüneburger Prozess gegen den Auschwitz-Buchhalter Oskar G. entschieden im vergangenen Jahr entsprechend. Sie betonten bei ihrem Schuldspruch, dass es unerheblich sei, ob die Hilfstätigkeiten des Angeklagten für das Morden unverzichtbar gewesen seien. Auschwitz sei eine "auf die Tötung von Menschen ausgerichtete Maschine" gewesen, in deren Funktionsabläufe sich niemand auch nur indirekt habe einfügen dürfen.

Wie ist der Stand der gerichtlichen Aufarbeitung?

Haupttor des Konzentrationslagers Auschwitz

Mit Sicherheit stehen noch zwei Verfahren an, eventuell auch ein weiteres. Am 29. Februar beginnt der Prozess gegen einen in Auschwitz eingesetzten SS-Sanitäter vor dem Landgericht Neubrandenburg. Voraussichtlich im April startet das Verfahren gegen einen mutmaßlichen Auschwitz-Wächter in Hanau. Zudem ist eine frühere Funkerin in Auschwitz beim Kieler Landgericht angeklagt, die Richter dort haben aber noch nicht über die Eröffnung des Verfahrens entschieden.

Dass es noch weitere Auschwitz-Prozesse geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Ermittlungsbehörden nehmen inzwischen aber längst andere Tatorte und Tatkomplexe ins Visier - etwa NS-Tötungsverbrechen im Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek.

Mit Blick auf die gerichtliche Aufarbeitung insgesamt ziehen viele Beobachter eine ernüchternde Bilanz. Von den 6.500 SS-Angehörigen, die in dem größten Vernichtungslagerkomplex Dienst taten, wurden in Deutschland nach Angaben von Juristen bisher lediglich etwa 50 rechtskräftig verurteilt. Die Zahl der wegen NS-Verbrechen eingeleiteten Verfahren beläuft sich seit Beginn der systematischen Aufarbeitung in der Bundesrepublik 1958 auf insgesamt etwa 18.400. Rechtskräftig verurteilt wurden dabei ungefähr 560 Menschen.

(Quelle: afp)

11.02.2016, Quelle: von Florentine Dame, dpa
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