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Strich drunter: Das war der Tag Fragen Sie den Bürger - oder Natalia Wörner

BildNatalia Wörner erhält Verdienstkreuz
Natalie Wörner bekommt das Bundesverdienstkreuz

Schauspielerin Natalia Wörner hat heute das Bundesverdienstkreuz erhalten.

(Quelle: dpa)

VideoEU-Türkei-Gipfel in Brüssel
Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk (l.) und Türkeis Premierminister, Ahmet Davutoglu (r.)

Die Diskussionen zur Flüchtlingskrise werden heute auf dem EU-Gipfel entscheiden, wie es an der Balkanroute weiter geht. Die EU möchte die Türkei dazu bringen, abgelehnte Asylbewerber zurückzunehmen.

(07.03.2016)

VideoGabriel verteidigt Soli-Plan
Sigmar Gabriel

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seinen Vorschlag nach einem Solidaritätspaket für Deutsche verteidigt. Man könne die Sorgen der Bevölkerung "nicht wegdrücken", sagte er Berlin direkt.

(06.03.2016)

VideoStunde der Abrechnung
Wahlurne

Es wird ein wichtiger Sonntag: Fast 13 Millionen Deutsche wählen in einer Woche neue Landtage in Stuttgart, Mainz und Magdeburg. Welche Auswirkungen haben die Wahlen auf den Bund?

(06.03.2016)

von Kristina Hofmann

Wahlkampfzeiten sind verwirrend. Jeder hat etwas zu sagen. Jeder weiß es ganz genau. Nicht viel davon wird bleiben. Heute: der normale Bürger. Selten war er so gefragt. Manche fragen aber, wenn möglich, lieber ihre Mutter. Oder Natalia Wörner. 

Die Staats- und Regierungschefs streiten heute in Brüssel mindestens so sehr über die Flüchtlingskrise wie andere daheim am Küchentisch. Oder am Stammtisch. SPD-Chef Sigmar Gabriel spürt das, seitdem in den Umfragen für den Superwahlsonntag seiner Volkspartei das Volk abhanden kommt und die SPD manchmal nur noch auf dem dritten Platz landet. Seit gut anderthalb Wochen streitet er deswegen für ein milliardenschweres Soli-Programm: für höhere Mindestrenten, Wohnungsbau und Kitas. Für die normalen Bürger. Weil ihm normale Bürger das gesagt haben, sagt er. 

War was?
Kristina Hofmann

Am 13. März wählen drei Bundesländer ein neues Parlament: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Mit der AfD könnte in allen drei eine neue Partei einziehen. Das macht nervös. Auch Berlin, wo eine Große Koalition gerade um Lösungen in der schwierigen Flüchtlingsfrage kämpft. Wahlkampf - Wahlkrampf? Am Ende des Tages zieht Kristina Hofmann, Redakteurin im ZDF-Hauptstadtstudio, einen Strich drunter.

"Die meisten ganz normalen Bürger sagen mir: Endlich kümmert sich einer", wird Gabriel heute in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung zitiert. Und im ZDF bei "Berlin direkt" riet er am Sonntagabend jedem Kritiker, "in ganz normale Bürgerversammlungen zu gehen", da würde man solche Forderungen hören. Ganz normale Bürger in ganz normalen Bürgerversammlungen. Wo gibt es denn sowas in diesen Ausnahmezeiten?

"Jetzt echt mal" und "das stört mich"

Wir gehen mal zum Bäcker. Da versammeln sich in der Regel normale, hungrige Bürger, also Menschen. Auch in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, wo am Sonntag gewählt wird. Erste Stichprobe: Magdeburg. Janine Müller arbeitet seit fünf Jahren als Verkäuferin in der Bäckerei Beims. Natürlich ist die Flüchtlingskrise das wichtigste Thema für sie, aber auch Bildung und Kitaplätze sind für ihre Wahl am Sonntag entscheidend. Damit ist Janine Müller (46) fast ein bisschen allein. Denn viele ihrer Freunde und Bekannten in Sachsen-Anhalt wollen am Sonntag daheim bleiben. "Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen", sagt Müller. Vor allem die, die wenig verdienen und Angst haben, den Arbeitsplatz zu verlieren. Manche überlegten schon, ob es sich noch lohnt, bei diesem Mindestlohn überhaupt "noch arbeiten zu gehen".

Nächste Stichprobe. Mainz, Ortsteil Lerchenberg, Backhaus Lüning. Ilka Jöcks ist 55 Jahre und verkauft dort seit 13 Jahren Brot, Brötchen, Kuchen und so. Das Flüchtlingsthema sei "schon wichtig". "Aber ich finde, dass es in der Politik zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Es gibt auch noch andere Sachen, die wichtig sind." Arbeitslosigkeit zum Beispiel. "Ich habe Angst, dass wegen der Flüchtlinge Deutsche benachteiligt werden", sagt Ilka Jöcks. Ihr Sohn zum Beispiel findet keinen Job. Und die Raser, die seien auch ein Problem. "Die vielen Schnellfahrer stören mich."

Jetzt noch Stuttgart. In Baden-Württembergs Landeshauptstadt will die Verkäuferin lieber nichts sagen. Ihre Kunden schon. Martin Rauleder ist 35 Jahre und Schreiner. Für ihn ist wichtig, dass man bei den ganzen Flüchtlingen "jetzt echt mal einen Riegel" vorschiebt. Was dazu die einzelnen Parteien oder Kandidaten sagen, darüber hat er sich noch nicht so richtig informiert. Noch ein Thema? "Vielleicht noch das Problem mit den teuren Mieten." Christina Brunner stammt aus Portugal und lebt seit zehn Jahren in der Nähe von Stuttgart.
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Die Diskussion über die Gemeinschaftsschule ist ihr wichtig. Wegen der Flüchtlinge werde "ja wahrscheinlich die AfD erfolgreich sein", sagt die 39-Jährige. "Ich hoffe, dass diese Partei auf lange Sicht wieder verschwindet."

Siehste: Der Apfel fällt nicht weit

So. Da kann sich Sigmar Gabriel aber nun wirklich zufrieden zurücklehnen und "Siehste!" sagen. Die Bürger interessiert das Thema Flüchtlinge und all die anderen Probleme des Lebens. Die SPD könnte am Sonntag also ganz viele Stimmen bekommen, wenn sie den Mindestlohn anhebt (Magdeburg), Arbeitslosen wie dem Sohn von Ilka Jöcks einen Job besorgt (Mainz), mehr Blitzer aufstellt (noch mal Mainz), für bessere Bildung sorgt (Stuttgart) und Flüchtlinge dazu bringt, dass sie nicht mehr kommen. Und die Integration der Flüchtlinge, die schon hier sind, hinkriegt. Alles ganz einfach also. Alles nicht repräsentativ? Wir würden das niemals behaupten und uns auch keine Claqueure in die Bäckerei bestellen wie Bundesjustizminister Heiko Maas in der Talkshow bei Anne Will seinen Pressesprecher. Das wäre uns wirklich zu teuer. Und auch irgendwie zu billig.

Wer viel fragt, kriegt eben viele Antworten. Oder gibt sich die Antwort lieber gleich selbst, so wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Interview mit der "Bild am Sonntag" wird sie gefragt: "Was sagt Ihre Mutter zur Flüchtlingskrise?" Was Herlind Kasner, bald 88 Jahre alt, antwortet, könnte ihre Tochter nicht schöner gesagt haben: "Sie sieht das so wie viele Menschen in Deutschland: Da kommen Menschen in Not zu uns. Sie fliehen vor Terror und Krieg. Und diesen Menschen wollen wir Schutz gewähren. Aber meine Mutter, wie viele andere, sieht auch, dass diejenigen, die hier kein Bleiberecht haben undsoweiterundsoweiter." Der Apfel fällt eben wirklich nicht weit vom Birnbaum! Seien wir großzügig: Dass Mütter meistens gut finden, was ihre Kinder machen, ist nun wirklich nicht zu kritisieren.

"Das können wir später klären"

Dabei könnte man Fragen doch viel charmanter wegdrücken. So wie Schauspielerin Natalia Wörner. Bundespräsident Joachim Gauck hat ihr heute das Bundesverdienstkreuz im Schloss Bellevue verliehen. Heiko Maas war nicht zu sehen. Nach der Verleihung umringen sie Fotografen, Kameraleute, Journalisten. Erster Versuch: "Frau Wörner, wie wichtig war es für Sie, heute hier zu erscheinen bei dem ganzen Tammtamm?" Wörner: "Es gibt überhaupt keinen Grund, nicht zu kommen." Lacher hinterher. Der Frager ist zufrieden. Zweiter Versuch: "Frau Wörner, wer begleitet Sie denn heute?" "Freunde, Familie und so." "Wer denn genau?" "Das können wir später klären." Lacher hinterher, keine Fragen mehr, Abgang.

Und jetzt einen Burger, bitte. Mit Senf und Wahlprogramm.

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07.03.2016
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