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Sprachlehrer schlecht bezahlt Deutsch für Flüchtlinge für 1.300 Euro netto

VideoSprachlehrer fordern fairen Lohn
Asylbewerber besprechen mit Lehrerin Christiane Kusz ihre Hausaufgaben

Immer mehr Sprachlehrer mit Honorarverträgen sehen sich wegen schlechter Bedingungen nach anderen Jobs um. Das Bündnis "Deutsch als Fremdsprache Hannover" fordert die Angleichung an Berufsschullehrer.

(17.02.2016)

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Gläubige beim beten

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(03.02.2016)

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Jetzt startete das Pilotprojekt in Ansbach, in dem Bayern Asylsuchenden den deutschen Rechtsstaat näher bringen will.

Bayern will ein neues Integrationsprojekt für Asylbewerber starten. Die Migranten sollen etwa mit den Werten der Demokratie und der Gleichberechtigung von Mann und Frau vertraut gemacht werden.

(12.01.2016)

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Sitzung Bundeskabinett zu Asylpaket II

Im Koalitionsstreit über den Familiennachzug im Asylpaket II wurde nun eine Einigung erzielt. Unter anderem soll in Härtefällen bei minderjährigen Flüchtlingen ein Nachzug der Eltern möglich sein.

(11.02.2016)

von Hannah Kattner

Sie haben studiert, arbeiten Vollzeit - und bekommen 1.300 Euro netto im Monat: Viele Sprachlehrer für Flüchtlinge fühlen sich mies bezahlt. Sie hangeln sich von einem Vertrag zum nächsten, bezahlten Urlaub gibt es nicht. Heute demonstrieren sie in Hannover für bessere Arbeitsbedingungen. 

Morgens um neun beginnt der Unterricht. Lehrerin Christiane Kusz kontrolliert die Hausaufgaben. Hasan fragt: "Sind Stiefel immer Plural?" Hasan ist Archäologe. Studiert hat er in Syrien. Jetzt sitzt er in einem Klassenraum im Bildungsverein Hannover und lernt deutsche Grammatik und Vokabeln.

Ohne Deutsch kein Job

Vier Stunden pro Tag büffeln die zwölf Erwachsenen des Kurses "Deutsch für Anfänger Intensiv", fünf Tage die Woche. Als Asylbewerber überbrücken sie mit dem Sprachkurs die Wartezeit, bis sie eine Bleibeerlaubnis haben. Sie alle erhoffen sich eine bessere Zukunft.

So wie ihre Lehrerin. Seit acht Jahren ist Christiane Kusz als Deutschlehrerin in der Erwachsenenbildung tätig. Seit November leitet sie einen Flüchtlingskurs. "Die Leute sind sehr dankbar", sagt sie über ihre Schützlinge. Für Christiane Kusz geht es nicht nur darum, Deutsch zu unterrichten, sondern den Zugewanderten den Einstieg in die deutsche Arbeits- und Lebenswelt zu erleichtern. "Nach dem Unterricht passiert es immer wieder, dass Teilnehmer mit Briefen von Ämtern kommen, die sie nicht verstehen. Da versuche ich auch zu helfen", erzählt die studierte Germanistin.

Viele Sprachlehrer müssen ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken

Für Christiane Kusz ist ihr Job eine echte Herzensangelegenheit, doch leben kann sie von ihrem Gehalt als Lehrerin kaum. Wie die meisten Sprachlehrer ist sie eine Honorarkraft. Pro Stunde bekommen Sprachlehrer im Schnitt 23 bis 30 Euro. Davon müssen sie die Kranken- und Rentenversicherung selbst bezahlen. Bei einer Vollzeitstelle mit 30 Unterrichtsstunden pro Woche bleiben daher im Monat nur rund 1.000 bis 1.300 Euro netto übrig. Viele von ihnen müssen ihr Gehalt daher mit Hartz IV aufstocken. Bezahlten Urlaub und einen Kündigungsschutz gibt es nicht. Die Lehrer hangeln sich von einem dreimonatigen Vertrag zum anderen. "Wir möchten keine Lehrer zweiter Klasse sein. Wir fordern soziale Absicherung", sagt Christiane Kusz zu den prekären Arbeitsverhältnissen.

Sprachlehrer fordern 60 Euro pro Stunde

Für ihre Arbeit fordern die Deutschlehrer des "Aktionsbündnis Deutsch als Fremdsprache Hannover" ein ihrer "Ausbildung und Qualifikation angemessenes Einkommen" von 60 Euro pro Stunde und bezahlten Urlaub.

Für das Jahr 2016 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 556 Millionen Euro für die Finanzierung von Sprachkursen für Flüchtlinge versprochen. Für viele Sprachlehrer könnte diese Finanzspritze bereits zu spät kommen. Viele von ihnen schauen sich nach anderen Arbeitsfeldern um. Denn mittlerweile wächst auch an öffentlichen Schulen der Bedarf an Fachkräften, die Flüchtlingskindern Deutsch beibringen.

Deshalb hat sie mit 50 anderen Deutschlehrern das "Aktionsbündnis Deutsch als Fremdsprache Hannover" gegründet und demonstriert heute vor dem niedersächsischen Landtag gegen die schlechten Arbeitsbedingungen. Den Demonstranten geht es, neben einer besseren Bezahlung, vor allem um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Politik. "Viele Leute denken, wir sind Lehrer, es müsste uns doch gut gehen", erklärt Christiane Kusz.

685 Deutschkurse für Flüchtlinge

Deutschlandweit arbeiten etwa 20.000 professionelle Deutschlehrer in der Erwachsenenbildung. Und die Nachfrage steigt. Vor allem, wenn es neben den verpflichtenden Integrationskursen für Zuwanderer nun noch mehr Deutschkurse für Asylbewerber geben soll.

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Laut dem niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur absolvieren derzeit 5.800 erwachsene Flüchtlinge einen Sprachkurs. 2016 will das Land 685 Deutschkurse anbieten. 293 davon laufen bereits. Doch nicht nur die Anzahl der Kurse, sondern auch die Qualifizierung der Lehrkräfte ist ein Problem - für das Land, weil es an Personal fehlt, für die studierten Sprachlehrer, weil sie ein sinkendes Niveau befürchten. Niedersachsen bildete im vergangenen Jahr 500 Lehramtsstudenten mit Zusatzqualifizierung weiter, um sie Deutsch als Fremdsprache unterrichten zu lassen. Auch das Anlernen von Freiwilligen fördert das Land. Für die Sprachförderung von Flüchtlingen stehen zehn Millionen Euro bereit.

Der Nachwuchs fehlt

Die professionellen Sprachlehrer bekommen davon nicht viel ab. "Wir haben alle studiert. Darüber hinaus haben wir die Zusatzqualifikation Deutsch als Fremdsprache und Spezialisierungen im Bereich Alphabetisierung", sagt Christiane Kusz. Bleibt die Situation für die Deutschlehrer weiterhin so aussichtlos, könnte es bald keine Integrationslehrer mehr geben. Immer mehr sehen sich nach anderen Jobs um. Dabei ist die Arbeit der Sprachlehrer wichtiger denn je. Die Asylbewerber in Christiane Kusz' Kurs wollen alle aus dem selben Grund Deutsch lernen: um später einen Job zu finden. Amar, ein Ingenieur aus Syrien, sagt: "Ohne Deutsch zu sprechen, kann ich nichts machen."

17.02.2016
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