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Stromversorgung "Wir sind beim Leitungsausbau zu langsam"

BildStromtrasse
Archiv: Stromleitungen am 16.09.14

(Quelle: dpa)

Der Naturschutzbund Deutschland fordert: "Raus aus der Kohle". Und eine eigens beauftragte Studie sagt, bis 2035 sei das auch problemlos möglich. Eine Voraussetzung: bessere Stromnetze. Doch genau da hapert es momentan, warnt der Energieverband. 

Der Trassenausbau sei ins Stocken geraten, sagt die deutsche Energiewirtschaft, und das belaste die Stromnetze zunehmend. "Wir sind beim Leitungsausbau zu langsam", betonte BDEW-Geschäftsführer Stefan Kapferer am Montag auf der Hannover-Messe. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht dafür vielschichtige Gründe, darunter eine mitunter mangelnde Unterstützung durch die Politik vor Ort. Der Zuwachs sei bisher gering: Von geplanten 1.800 Kilometern seien bislang nur 35 Prozent realisiert worden.

"Der Anteil der Erneuerbaren Energien wird weiter wachsen - das hat natürlich Auswirkungen auf den Netzausbau", sagte Kapferer. Allein im ersten Vierteljahr wuchs der Anteil von Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent auf 50,1 Milliarden Kilowattstunden (kWh) - ein Anteil von einem Drittel am deutschen Stromverbrauch.

NABU fordert Kohleausstieg bis 2035

Der Trassenausbau ist wichtig, um etwa Windenergie von der Nordsee in dichtbesiedelte Ballungsgebiete oder industriestarke Regionen zu bringen - und damit ein entscheidender Baustein der Energiewende. Die geht dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) derweil immer noch zu langsam: Auf Grundlage einer Studie des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie im Auftrag des NABU fordern die Naturschützer konkrete Stilllegungsdaten für alle 106 aktiven Kohleblöcke in Deutschland - und einen Gesamtausstieg bis spätestens 2035.

Denn ein beschleunigter Kohleausstieg bis spätestens 2035 sei möglich, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke am Montag in Berlin. Es sei deshalb höchste Zeit, einen Kohlekonsens zwischen Regierung und wichtigen Akteuren wie Ländern, Kommunen, Gewerkschaften und betroffenen Unternehmen auszuhandeln. Laut der Studie erzeugen die deutschen Kohlekraftwerke heute 40 Prozent des Stroms, sind aber für 80 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

Soziale, regionale und wirtschaftliche Verteilungsfragen sollten in einen ausgewogenen Abschaltplan einfließen, sagte Tschimpke weiter. Bislang ducke sich die Bundesregierung bei diesem Thema allerdings weg. Als größte Bremser macht Tschimpke dabei die Gewerkschaften im Einklang mit der SPD aus sowie die Länder Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen mit ihren Braunkohlerevieren.

Linke unterstützt Naturschützer

Ein Strukturwandel im Rheinischen Revier und der Lausitz sei ein "schmerzhafter Prozess", räumte Tschimpke ein. Aber er sei bis 2035 zu schaffen, wenn er jetzt in Angriff genommen werde. "Es besteht aber die berechtigte Sorge, dass das von den Akteuren weiter rausgeschoben wird", erklärte der Nabu-Präsident.

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Laut Studienautor Timon Wehnert ist neben einer aktiven Strukturpolitik für die betroffenen Regionen eine ambitionierte Energieeffizienzpolitik in den kommenden 18 Jahren nötig. Dann sei der Ausstieg aus der Kohleverstromung "mit vertretbaren Kosten und Aufwand umsetzbar", sagte Wehnert. Zunächst könne der Kohleausstieg durch Gaskraftwerke abgepuffert werden, sagte der Klima- und Energieexperte. Bereits jetzt gebe es ein Überangebot an Stromerzeugung. Das führe dazu, dass Kraftwerksbetreiber überschüssigen Kohlestrom lieber zu niedrigen Preisen ins Ausland verkaufen, als die Kohlestromerzeugung zu drosseln.

Die Linken-Bundestagsfraktion erklärte am Montag, die Studie zeige zum wiederholten Male, dass mehr Tempo beim Kohleausstieg nicht nur dringend nötig, sondern auch sozialverträglich und technisch machbar sei. Ohne zusätzliche Maßnahmen werde Deutschland sein 2020-Klimaziel allerdings krachend verfehlen, kritisierte die klimapolitische Sprecherin Eva Bulling-Schröter. Die Bundesregierung will den deutschen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken.

24.04.2017, Quelle: dpa, epd
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