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Argentinischer Bericht Missbildungen in Brasilien: Larvengift verantwortlich?

BildMückenlarve (Aedes aegypti)
Zika-Virus: Mückenlarve (Aedes aegypti)

(Quelle: reuters)

VideoKolumbien: Zahl der Zika-Fälle steigt
In Kolumbien steigt die Zahl der Zika-Infektionen bei Schwangeren auf über 3.100 Fälle, teilte Präsident Santos mit. Laut der WHO hat sich das Virus bereits in 33 Ländern verbreitet.

In Kolumbien steigt die Zahl der Zika-Infektionen bei Schwangeren auf über 3.100 Fälle, teilte Präsident Santos mit. Laut der WHO hat sich das Virus bereits in 33 Ländern verbreitet.

(07.02.2016)

VideoKarneval in Rio de Janeiro
Eine Samba-Tänzerin im Karneval in Rio de Janeiro.

In Rio de Janeiro feierten 70.000 Menschen die Karnevalsparade im Sambadrom. Die Feier war für die Brasilianer eine willkommene Ablenkung von der Wirtschaftskrise und der Sorge um die Zika-Epidemie.

(09.02.2016)

von Solveig Flöerke, Rio de Janeiro

Ein Bericht aus Argentinien sorgt in Brasilien für Aufsehen: Nicht das Zika-Virus und auch keine abgelaufenen Röteln-Impfstoffe sollen der Grund für die Missbildungen bei Hunderten von Neugeborenen in Brasilien sein, sondern ein Larvengift. 

Vier Millionen Flugblätter und 220.000 Soldaten: Mit der Aktion "Zero Zika" ("Null Zika") hat die brasilianische Regierung an diesem Wochenende den Kampf gegen das Zika-Virus aufgenommen. Auch die großflächig angelegte Verteilung von Insektengift gehört zum Vorhaben, Mücken, den vermeintlichen Überträger des Virus', auszumerzen. Doch es gibt Stimmen, die hinter der Zunahme von angeborenen Fehlbildungen bei Babys ("Mikrozephalie"), nicht das Zika-Virus vermuten, sondern das Larvengift Pyriproxyfen.

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Anfang Februar wurde auf den Internetseiten der argentinischen Red Universitaria de Ambiente y Salud (REDUAS) ein Bericht veröffentlicht, wonach die Gehirnschäden der Säuglinge durch ein ins Trinkwasser eingespeistes Larvengift verursacht wurden. Eine Behauptung, die jetzt in den brasilianischen Medien für viel Aufsehen sorgt. Tatsächlich gibt es Hinweise, die für diese These sprechen, doch gleichzeitig ist REDUAS eine Vereinigung von Ärzten, Wissenschaftlern und Aktivisten, die gegen den Einsatz von Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln sind. Was ist also dran an diesem neuen Erklärungsversuch für den rasanten Anstieg von Missbildungen bei Babys?

Keine Missbildungen bei zurückliegenden Epidemien

Im Bericht aus Argentinien steht unter anderem, dass zurückliegende Zika-Epidemien, und auch ein aktueller Ausbruch im brasilianischen Nachbarland Kolumbien, bei Neugeborenen keine vermehrten Geburtsschäden verursacht haben. Es sei unwahrscheinlich, dass Brasilien eine große Ausnahme ist. Zwar gibt es laut Behörden landesweit 462 bestätigte und 3.852 Verdachtsfälle von Mikrozephalie, doch auch Experten der WHO teilten Anfang Februar mit, dass der Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie noch nicht belegt sei. Fakt ist: Vor allem der arme Nordosten des Landes ist betroffen, obwohl die Mückenplage hier nicht größer ist als beispielsweise in Rio de Janeiro. Dafür ist jedoch das Wasser sehr viel knapper, weswegen jeder Tropfen gesammelt wird.

Diese Sammelbehälter sind für Mückenlarven ein wahres Paradies. Um dem Problem entgegenzuwirken, hatte man dem Wasser lange Zeit das Larvizit Temephos beigemischt, das das Wachstum von Mückenlarven im Wasser hemmt. 2014 wurde Temephos jedoch ausgetauscht, denn mittlerweile waren die Mücken dagegen immun geworden.

Pyriproxyfen seit 2014 im Gebrauch

Als Ersatz kam das Larvengift Pyriproxyfen in Gebrauch, das bis heute auch von staatlicher Seite zur Trinkwasserbehandlung in den armen Gegenden verwendet werde. Laut des Berichts aus Argentinien mit verheerenden Folgen: "Auch wenn das brasiliansiche Gesundheitsministerium das Zika-Virus direkt verantwortlich macht, so ist es doch kein Zufall, dass genau in diesen Gegenden viele Kinder mit Mikrozephalie zur Welt kommen."

In brasiliansichen Medien bezieht das Gesundheitsministerium bereits Stellung zu diesen Vorwürfen. Es versichert, dass Pyriproxifen unter den Produkten sei, die durch die Nationale Agentur für gesundheitliche Überwachung, ANVISA, streng überprüft worden seien.

Zika-Virus: Ein Rückblick

1947

Moskito-Larven, die den Zika-Virus übertragen am 28.01.2016

Bei einem Rhesusaffen aus dem Zika-Wald in Uganda wird das Virus erstmals nachgewiesen.

1952

Forscher finden den Erreger bei Menschen in Uganda und Tansania. In den folgenden Jahrzehnten werden jedoch nur vereinzelte Infektionen aus Afrika und Südasien bekannt.

2007

Im Pazifik-Raum häufen sich Infektionen. Seit 2013 gibt es laut Weltgesundheitsorganisation weitere Fälle in Afrika und Amerika.

November 2015

Der erste bekannte große Ausbruch nimmt seinen Anfang in Brasilien. Eine Häufung von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen geht nach Ansicht von Fachleuten auf das Virus zurück.

Dezember 2015

Nach Angaben des brasilianischen Regierung sind die Verdachtsfälle im Land sprunghaft angestiegen.

Januar 2016

Die Behörden in Jamaika und Kolumbien empfehlen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben. In Deutschland gab es seit 2013 mehrere Fälle bei zurückkehrenden Reisenden, davon mindestens fünf in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch in Lateinamerika.

Februar 2016

Die Weltgesundheitsorganisation erklärt den globalen Gesundheitsnotstand. Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen Zika und dem Auftreten von Schädelfehlbildungen.

14.02.2016
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