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merkzettel

"Chancenspiegel 2017" Jeder achte junge Ausländer ohne Schulabschluss

BildChancen ungleich verteilt
Schulklasse

(Quelle: dpa)

VideoPISA-Kurve stagniert
PISA

Deutschland erreicht beim aktuellen PISA-Test in Naturwissenschaften Platz 16 von 72. In Lesekompetenz sogar Platz 11. Ein durchaus ordentliches Ergebnis. Allerdings eines, das auch seit Jahren stagniert. Woran liegt das?

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Standbild:Bildung:

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Video"Müssen Schülern mehr zumuten"
Josef Kraus

"In Deutschland hat man die Leistungsansprüche runtergefahren, während die Noten immer besser geworden sind", so Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands zu den Ergebnissen der PISA-Studie.

(07.12.2016)

Wie gerecht ist das deutsche Schulsystem? Insgesamt geht es aufwärts, befindet eine neue Studie, doch gibt es noch viel Luft nach oben. Vor allem ausländische Jugendliche und Schüler aus sozial schwachen Familien haben weniger Chancen. Auch gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern. 

Mangelnde Chancengerechtigkeit für junge Ausländer ist eines der Hauptprobleme im deutschen Schulsystem. Für Jugendliche mit ausländischem Pass sei inzwischen das Risiko eines Schulabbruchs mehr als doppelt so hoch wie für ihre deutschen Mitschüler. Zu diesem Ergebnis kommt der "Chancenspiegel 2017". In der Studie der Bertelsmann-Stiftung analysierten die Forscher die schulstatistischen Daten von 2002 bis 2014.

Jeder achte junge Ausländer bricht Schule ab

Während der Anteil aller Schüler ohne Abschluss seit 2011 von 6,2 auf 5,8 Prozent (2014) sank, stieg die Quote bei ausländischen Jugendlichen von 12,1 auf 12,9 Prozent an - betroffen ist in dieser Gruppe also etwa jeder Achte. Vergleicht man die jetzige Situation mit der Lage vor 15 Jahren, zeigt sich immerhin eine Besserung: Der Anteil aller Schulabgänger ohne Abschluss lag 2002 bei 9,2 Prozent, bei jungen Ausländern waren es sogar 16,7 Prozent.

Die Chancen sozial benachteiligter Kinder haben sich laut Bericht ebenfalls verbessert, blieben aber eine Herausforderung. Neuntklässler aus sozial schwächeren Familien lägen in ihrer Lesekompetenz weiterhin rund zwei Schuljahre hinter ihren Klassenkameraden aus privilegierteren Haushalten zurück.

Auch die im vorigen Dezember präsentierte neueste PISA-Studie hatte festgestellt, dass ein Zusammenhang von Herkunft und Bildungschancen in Deutschland weiterhin vorhanden sei - die Kluft habe sich jedoch verkleinert. Nach wie vor gebe es bundesweit zu viele Schüler mit sehr schwachen Leistungen - also potenzielle Schulabbrecher mit entsprechend geringen Jobchancen. Der Vergleichstest TIMSS wies kürzlich nach, dass fast jeder vierte Zehntklässler in Deutschland sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften kaum Grundkompetenzen hat.

Caritas: Dürfen nicht so viele abhängen

Der Caritas-Verband verlangte einen Kraftakt von Bund, Ländern und Gemeinden, um "Problemschüler" zu fördern. Auf allen Ebenen müsse die Politik dafür sorgen, dass die jährliche Zahl von knapp 50.000 Jugendlichen ohne Schulabschluss deutlich sinke, sagte Verbandspräsident Peter Neher in Berlin. "Wir können unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit und der demografischen Entwicklung unmöglich akzeptieren, dass wir ganze Gruppen von jungen Menschen einfach abhängen."

Insgesamt ist das deutsche Bildungswesen seit dem "PISA-Schock" 2001 wegen miserabler Ergebnisse im internationalen Vergleich laut "Chancenspiegel" aber moderner, leistungsfähiger und auch gerechter geworden. Viele Bundesländer hätten ihre Schulsysteme durchlässiger gemacht und führten mehr junge Menschen zum Abitur - diese Quote stieg seit 2002 von gut 38 auf über 52 Prozent.

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Zudem seien Sonderschüler mittlerweile besser integriert als im vergangenen Jahrzehnt, immer mehr besuchten fürs gemeinsame Lernen (Inklusion) eine reguläre Schule. Auch der Ausbau der von Forschern dringend empfohlenen Ganztagsschule ging voran: Während vor 15 Jahren nur eines von zehn Kindern eine solche Schule besuchte, sind es derzeit etwa vier von zehn, heißt es in der Studie.

Länder-Unterschiede gewachsen

"Bei zunehmender Vielfalt in den Klassenzimmern gibt es in den Bildungssystemen aller Bundesländer Verbesserungen", sagte Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung, die den "Chancenspiegel" zum dritten Mal seit 2012 zusammen mit der Technischen Universität Dortmund und der Uni Jena herausbringt.

Allerdings dürfe dieser Trend "hinsichtlich der Chancengerechtigkeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt und diese seit 2002 noch gewachsen sind", betonte Bildungsforscher Wilfried Bos. So schwankt der Anteil der Ganztagsschüler zwischen nur 15 Prozent in Bayern, 44 Prozent im anderen großen Flächenland NRW, fast 80 Prozent in Sachsen und über 88 Prozent in Hamburg.

Einen weiteres Problem benannte Forscher Nils Berkemeyer aus Jena: "Nicht hinzunehmen ist, dass beim Kompetenzerwerb in der neunten Klasse ein Unterschied von mehr als drei Lernjahren zwischen Sachsen und Bremen besteht." Das öffentliche Schulsystem müsse trotz des Bildungsföderalismus für vergleichbare Chancen sorgen und allen ein Mindestmaß an Fähigkeiten vermitteln - eine Frage der Gerechtigkeit.

01.03.2017, Quelle: dpa, epd
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