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Gespräche in München Syrien-Konferenz: Ringen um Waffenruhe

VideoSchwierige Gespräche
Syrien-Kontaktgruppe in München

In München berät die Syrien-Kontakt-Gruppe. Die Fronten sind verhärtet zwischen Iran und Russland auf der einen und USA und Saudi-Arabien auf der anderen Seite.

(11.02.2016)

VideoIschinger: "Vertrauen fehlt"
Wolfgang Ischinger in München

Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, bemängelt, dass zwischen Russland und dem Westen viel Vertrauen verloren gegangen sei. Es gäbe die Chance einen kleinen Schritt zu machen.

(11.02.2016)

VideoBomben und Diplomatie
Trümmer in der Provinz Aleppo.

In München tagt ab morgen die Sicherheitskonferenz zu Syrien. Unterdessen fliehen nach wie vor Tausende aus der umkämpften Provinz Aleppo.

(11.02.2016)

VideoDie militärische Weltlage 2016
Militärparaden in China

Die globale Vormacht der USA schwindet, analysiert das renommierte Institut für internationale strategische Studien in London. Auch Europa müsse aufrüsten, um das transatlantische Bündnis zu erhalten.

(09.02.2016)

Hunderttausende Opfer, hundertausende Flüchtlinge - der Syrien-Konflikt ist zum Interessenskonflikt internationaler und regionaler Mächte geworden. Russland warnt vor Bodentruppen. Kompromisse scheinen in weiter Ferne. Überraschungen auf der Münchener Syrien-Konferenz sind aber nicht ausgeschlossen. 

Unter dem Eindruck anhaltender Gewalt in Syrien haben Vertreter von 17 Staaten am Donnerstag in München um eine Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland gerungen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry, Moskau habe dazu "ziemlich konkrete Vorschläge" vorgelegt. Washington forderte eine umgehende Waffenruhe. Moskau warnte die US-geführte Koalition gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat vor einer Entsendung von Bodentruppen.

Moskau kündigt "neue Ideen" an

Russland warte auf eine Antwort der USA, bevor die Vorschläge der Syrien-Kontaktgruppe vorgelegt werden sollten, sagte Lawrow. Kerry sagte "ernsthafte Beratungen über alle Aspekte der Lage in Syrien" zu. Aus US-Diplomatenkreisen hieß es, Washington beharre auf einer "sofortigen Waffenruhe". Moskau hatte zuvor bereits "neue Ideen" angekündigt.

Der Syrien-Kontaktgruppe gehören neben 17 Staaten die Vereinten Nationen, die Arabische Liga und die Europäische Union an. In München hielten sich neben Kerry und Lawrow unter anderen auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, und die EU-Außenbeaufragte Federica Mogherini auf.

Fronten sind verhärtet

Die Fronten zwischen der syrischen Staatsführung, deren Streitkräfte von Russland mit Luftangriffen unterstützt werden, und ihren Gegnern sind verhärtet. Insbesondere in der Provinz Aleppo nahm die Gewalt in den vergangenen Tagen wieder massiv zu. Friedensgespräche im schweizerischen Genf wurden zuletzt auf das Monatsende vertagt.

Steinmeier mahnte den Einsatz aller Beteiligten für eine Lösung an. "Wir brauchen hier so etwas wie einen Durchbruch", sagte er in München. Mogherini mahnte, die Zukunft Syriens liege "in unseren Händen". Frankreichs Präsident François Hollande rief Russland von Paris aus dazu auf, Syriens Staatschef Baschar al-Assad nicht länger zu unterstützen.

"Einerseits Vertrauen aufbauen"

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisierte bei einem NATO-Treffen in Brüssel, Moskau wolle "einerseits Vertrauen aufbauen" und unterstütze "andererseits Assad bei den Angriffen gegen die Zivilbevölkerung".  US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte, die NATO selbst erwäge einen Beitritt zur US-geführten Anti-IS-Allianz.

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Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew warnte die Koalition indes vor der Entsendung von Bodentruppen nach Syrien. Alle Seiten müssten "gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen", sagte er dem "Handelsblatt" vom Freitag. Unter anderem Saudi-Arabien hatte zuletzt angeboten, unter US-Führung Soldaten nach Syrien zu schicken.

Zahlreiche ranghohe Politiker

Die Debatten über den Konflikt dürften auch die Münchner Sicherheitskonferenz dominieren, die von Freitag bis Sonntag in der bayerischen Landeshauptstadt stattfindet. Die russische Delegation wird dort von Medwedew angeführt. Zahlreiche ranghohe Politiker halten sich mehrere Tage lang in München auf.

Syriens wichtigste Oppositionsgruppe, das Hohe Verhandlungskomitee (HNC), forderte ein Ende der "russischen Aggression gegen das syrische Volk". Rasch müssten zudem "humanitäre Fragen" gelöst werden, sagte HNC-Sprecher Salim al-Muslat in München. Der syrische Bürgerkrieg dauert seit fast fünf Jahren an, mehr als 260.000 Menschen wurden getötet.

Zehntausende auf der Flucht

Die Offensive der syrischen Armee in Aleppo trieb dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und der UNO zufolge zehntausende Menschen in die Flucht. Mehr als 50.000 Menschen seien seit der vergangenen Woche vertrieben worden, erklärten der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Ra'ad Al Hussein, und die Syrien-Beauftragte des IKRK, Marianne Gasser.

Russland warf den USA am Donnerstag vor, selbst Angriffe auf Aleppo geflogen zu haben. Zwei US-Kampfjets aus der Türkei hätten mehrere Ziele bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die US-Regierung wies dies umgehend zurück. Ein Sprecher des US-Außenministeriums beschuldigte Russland, durch seine militärische Unterstützung für Assad den Konflikt in Syrien angeheizt und auch die Lage in Aleppo verschlimmert zu haben.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Assad-Regime

Baschar al-Assad

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter große Städte wie Damaskus oder Homs sowie den Küstenstreifen. Unterstützt von russischen Luftangriffen und Hilfe aus Iran machte die syrische Armee in den vergangenen Wochen deutlich Boden gut und kreiste unter anderem von den Rebellen kontrollierte Teile Aleppos im Norden ein. Ziel Assads ist es, die Rebellen-Gebiete der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Sollte das gelingen, würde dieser Schlag Assads Verhandlungsposition deutlich stärken. Der Machthaber lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

IS-Kämpfer in Syrien  Aufnahmevom 07.04.2015

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben dem Regime. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten deutliche Niederlagen einstecken. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Zahl der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf 19.000 bis 25.000 - früheren Schätzungen zufolge waren es mal 20.000 bis 33.000. Für den Rückgang seien demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Disziplinarstrafen des IS gegen eigene Kämpfer verantwortlich, sagt ein Pentagon-Vertreter. Außerdem zeigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft Wirkung, den Fluss ausländischer Kämpfer nach Syrien und in den Irak einzudämmen.

Der IS kämpft sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen andere Rebellengruppen. Die Dschihadisten zeichnen sich vor allem durch ihren extremen Hass gegen Andersgläubige aus. Sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung an, der Scharia.

Al-Nusra-Front

Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front

Erstmals tauchte Al-Nusra im Januar 2012 auf - zehn Monate nach dem Beginn der Proteste gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, aus denen sich der Bürgerkrieg entwickelte. Die Gruppe ist ein Ableger des Al-Kaida-Arms Islamischer Staat im Irak. In der nordirakischen Provinz Ninive war al-Dschulani ihr Anführer.

Im Jahr 2013 lehnte es Al-Nusra ab, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und band sich an Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Dieser erklärt die Gruppe zum einzigen Al-Kaida-Ableger in Syrien, wonach der IS sie aus der ölreichen östlichen Provinz Deir Essor vertrieb.

Laut dem Syrien-Experten Thomas Pierret von der Universität Edinburgh gehören Al-Nusra 7.000 bis 8.000 Kämpfer an. Auf mittlerer Kommandoebene sind nach seinen Erkenntnissen einige Ausländer aktiv, bei den Fußtruppen jedoch kaum. Andere Experten beziffern die Zahl der Kämpfer auf bis zu 10.000, etwa 80 Prozent von ihnen Syrer. Hochburgen der Gruppe sind die nordwestsyrische Provinz Idlib und der Süden der nördlichen Provinz Aleppo. Es gibt aber kein Gebiet, das ausschließlich von Al-Nusra kontrolliert wird - überall kämpft die Gruppe mit Verbündeten.

Weil sie mit vielen Rebellengruppen in ganz Syrien verbündet ist, gilt die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front als zentrale Bedrohung für die seit dem späten Freitagabend geltende Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland. Denn die Waffenruhe gilt nicht für die Al-Nusra-Front. 

Rebellen

Syrische Rebellen schauen am 10.03.2015 in den Himmel

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam.

Ahrar al-Scham gehört zu den stärksten Milizen im Nordwesten Syriens. Kritiker werfen der von Al-Kaida-Veteranen gegründeten Gruppe eine große Nähe zu dem Terrornetzwerk vor. Auch Ahrar al-Scham will einen "islamischen Staat", in dem die Scharia, das Recht Gottes, gilt. Viele Rebellen halten die Gruppe jedoch für moderater als IS und Nusra-Front. Ahrar al-Scham gehört zum Hohen Verhandlungskomitee (HNC), das die Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Wie Ahrar al-Scham wird auch Dschaisch al-Islam Experten zufolge von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt. Die Miliz ist vor allem in dem hart umkämpften Gebiet östlich von Damaskus stark. Auch sie gehört zum HNC. Ihr Vertreter Mohammed Allusch trägt sogar den Titel "erster Verhandler".

Teilweise kooperieren die Rebellen mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Sie ist ideologisch eng mit dem IS verwandt ist, beide Gruppen sind allerdings miteinander verfeindet.

Hisbollah

Hisbollah-Kämpfer und syrische Armeesoldaten stehen auf einem Lastwagen mit Hilfsgütern

Die libanesische Schiitenmiliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg seit langem an der Seite des Regimes. Sie wird von Iran finanziert, der Präsident Assad an der Macht halten will, um die Achse Libanon-Syrien-Irak-Iran zu sichern. Die USA haben die "Partei Gottes" auf ihre Terrorliste gesetzt, die EU betrachtet ihren militärischen Arm als Terrororganisation.

Opposition

syrische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kobane: Kurdischer Kämpfer - Aufnahme vom 08.05.2015

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Kurdenmiliz ist im Kampf gegen die IS-Terrormiliz bislang sehr effektiv, ist daher wichtiger Partner des Westens und erhält dafür Hilfe aus den USA. Die Kurden kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Das NATO-Mitglied Türkei indes bekämpft den bewaffneten Arm der PYD, die YPG, und scheint zunehmend beunruhigt wegen der jüngsten Geländegewinne der Gruppe im benachbarten Bürgerkriegsland. Mit dem Erstarken der Kurden in Syrien und dem Nordirak sieht Ankara auch die Bestrebungen zur Gründung eines Kurdenstaates wachsen.

Die USA und der Westen

Fregatte Augsburg der Bundesmarine

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte "Augsburg", die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Archiv - Ein russischer SU-34 Kampfjet beim Abwurf ein Bombe am 09.12.2015

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Hassan Rohani

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Erdogan und König Salman

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

11.02.2016, Quelle: afp,dpa
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