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merkzettel

Kämpfe vor Feuerpause Waffenruhe in Kraft - Neue Syrien-Gespräche geplant

BildSyrische Flagge in Damaskus
Syrische Flagge im Nebel in Damaskus

(Quelle: ap)

VideoSyrien: "Keine klaren Fronten"
ZDF-Korrespondent Uli Gack

„Es ist eine ganz komplizierte Gemengelage vor Ort“, sagt ZDF-Korrespondent Uli Gack zur Situation in Syrien. Vielleicht werde in den nächsten Tagen etwas Ruhe einkehren.

(26.02.2016)

VideoEinigung auf Feuerpause in Syrien
Die USA und Russland haben Bedingungen für eine Feuerpause in Syrien vereinbart. Die Waffenruhe soll am Samstag um 0.00 Uhr Ortszeit beginnen.

Die USA und Russland haben Bedingungen für eine Feuerpause in Syrien vereinbart. Das syrische Regime akzeptiert die Waffenruhe. Beginnen soll sie am Samstag um 0.00 Uhr Ortszeit.

(21.02.2016)

VideoAleppo in Trümmern
Menschen und Trümmer

Trotz geplanter Hilfskonvois der Vereinten Nationen in das Krisengebiet verschlechtert sich die Lage in Syrien. Es mangelt an Nahrung und Medikamenten. Was wirklich helfen würde: Waffenruhe.

(17.02.2016)

In Syrien ist um Mitternacht (23 Uhr MEZ) die vereinbarte Waffenruhe in Kraft getreten. Kurz vorher hatten Russland und die syrische Armee ihre Angriffe gegen Rebellen verstärkt. Die UN kündigten eine Fortsetzung der Friedensgespräche am 7. März in Genf an - wenn die Waffenruhe weitgehend hält. 

Nach fast fünf Jahren Bürgerkrieg mit über 250.000 Toten ist in Syrien eine Waffenruhe in Kraft getreten. Darauf hatten sich die USA und Russland Anfang der Woche geeinigt. Das Regime, das wichtigste Oppositionsbündnis und rund 100 Milizen haben der Feuerpause zugestimmt.

Ausgenommen von ihr sind die Terrormiliz IS und die Al-Nusra-Front, ein Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, und mit ihr verbündete islamistische Milizen. Das syrische Regime und sein Verbündeter Russland hatten in den Stunden vor Beginn der Feuerpause ihre Luftangriffe auf die Rebellen massiv verstärkt.

Friedensgespräche am 7. März - unter Bedingungen

Kurz vor der geplanten Waffenruhe hatten die Vereinten Nationen angekündigt, die Friedensgespräche in Genf am 7. März fortzusetzen. Voraussetzung dafür sei aber, dass die unter UN-Vermittlung vereinbarte Feuerpause weitgehend eingehalten werde und dass Hilfslieferungen möglich bleiben müssten, teilte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura mit. Die jüngsten Gespräche in Genf waren Anfang Februar abgebrochen und vertagt worden. Bisherige Pläne für einen Weg aus dem Konflikt in Syrien sehen eine Übergangsregierung, die Erarbeitung einer neuen Verfassung und Neuwahlen vor. 

Der UN-Sicherheitsrat forderte die Konfliktparteien zur Einhaltung der Waffenruhe auf. Eine von Russland und den USA eingebrachte entsprechende Resolution nahm das Gremium einstimmig an. Darin wurde abermals eine "Einstellung der Kampfhandlungen" verlangt.

Tote bei Luftangriffen vor Feuerpause

Am Freitag griffen Russland und die syrische Armee ihre Gegner noch einmal verstärkt an. In mehreren Landesteilen seien heftige Luftschläge gegen Rebellenhochburgen geflogen worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Unter anderem hätten russische Kampfjets von Rebellen kontrollierte Gebiete in Ost-Ghuta östlich der Hauptstadt Damaskus, in der Provinz Homs und in der Provinz Aleppo bombardiert. Duma, ein Vorort von Damaskus, geriet demnach unter massiven Beschuss der syrischen Armee.

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Bei den Angriffen seien auch Zivilisten getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien stützt. Sie warf Moskau und Damaskus vor, die Rebellen noch kurz vor der Feuerpause zurückdrängen zu wollen. Die Angriffe seien "heftiger" gewesen als zuletzt.

Obama: Zusagen einhalten

Putins Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Die russische Luftwaffe werde ihre Angriffe in Syrien aber "selbstverständlich" auch nach Inkrafttreten der Feuerpause fortsetzen, erklärte Dmitri Peskow. Sie richteten sich aber gegen den IS und andere "Terrororganisationen".

Am Abend teilte die Beobachtungsstelle mit, in der westlichen Provinz Latakia seien binnen 24 Stunden mindestens 40 Soldaten der syrischen Regierungstruppen getötet worden. In der Ortschaft Kabani gab es demnach heftige Gefechte mit Aufständischen.

Das US-Außenministerium erinnerte Russland an seine Zusage, "keine Luftangriffe mehr auf Gruppen zu fliegen, die wir als Teil der moderaten Opposition einstufen". "Macht dies oder haltet den Mund", sagte Ministeriumssprecher Mark Toner in Washington.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor an die Konfliktparteien appelliert, sich an ihre Verpflichtungen zu halten. Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete den geplanten Friedensprozess als "schwierig". Auch die türkische Regierung äußerte sich skeptisch.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Assad-Regime

Baschar al-Assad

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter große Städte wie Damaskus oder Homs sowie den Küstenstreifen. Unterstützt von russischen Luftangriffen und Hilfe aus Iran machte die syrische Armee in den vergangenen Wochen deutlich Boden gut und kreiste unter anderem von den Rebellen kontrollierte Teile Aleppos im Norden ein. Ziel Assads ist es, die Rebellen-Gebiete der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Sollte das gelingen, würde dieser Schlag Assads Verhandlungsposition deutlich stärken. Der Machthaber lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

IS-Kämpfer in Syrien  Aufnahmevom 07.04.2015

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben dem Regime. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten deutliche Niederlagen einstecken. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Zahl der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf 19.000 bis 25.000 - früheren Schätzungen zufolge waren es mal 20.000 bis 33.000. Für den Rückgang seien demnach Verluste auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und Disziplinarstrafen des IS gegen eigene Kämpfer verantwortlich, sagt ein Pentagon-Vertreter. Außerdem zeigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft Wirkung, den Fluss ausländischer Kämpfer nach Syrien und in den Irak einzudämmen.

Der IS kämpft sowohl gegen das syrische Regime als auch gegen andere Rebellengruppen. Die Dschihadisten zeichnen sich vor allem durch ihren extremen Hass gegen Andersgläubige aus. Sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung an, der Scharia.

Al-Nusra-Front

Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front

Erstmals tauchte Al-Nusra im Januar 2012 auf - zehn Monate nach dem Beginn der Proteste gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad, aus denen sich der Bürgerkrieg entwickelte. Die Gruppe ist ein Ableger des Al-Kaida-Arms Islamischer Staat im Irak. In der nordirakischen Provinz Ninive war al-Dschulani ihr Anführer.

Im Jahr 2013 lehnte es Al-Nusra ab, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen und band sich an Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Dieser erklärt die Gruppe zum einzigen Al-Kaida-Ableger in Syrien, wonach der IS sie aus der ölreichen östlichen Provinz Deir Essor vertrieb.

Laut dem Syrien-Experten Thomas Pierret von der Universität Edinburgh gehören Al-Nusra 7.000 bis 8.000 Kämpfer an. Auf mittlerer Kommandoebene sind nach seinen Erkenntnissen einige Ausländer aktiv, bei den Fußtruppen jedoch kaum. Andere Experten beziffern die Zahl der Kämpfer auf bis zu 10.000, etwa 80 Prozent von ihnen Syrer. Hochburgen der Gruppe sind die nordwestsyrische Provinz Idlib und der Süden der nördlichen Provinz Aleppo. Es gibt aber kein Gebiet, das ausschließlich von Al-Nusra kontrolliert wird - überall kämpft die Gruppe mit Verbündeten.

Weil sie mit vielen Rebellengruppen in ganz Syrien verbündet ist, gilt die Al-Kaida-nahe Al-Nusra-Front als zentrale Bedrohung für die seit dem späten Freitagabend geltende Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland. Denn die Waffenruhe gilt nicht für die Al-Nusra-Front. 

Rebellen

Syrische Rebellen schauen am 10.03.2015 in den Himmel

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam.

Ahrar al-Scham gehört zu den stärksten Milizen im Nordwesten Syriens. Kritiker werfen der von Al-Kaida-Veteranen gegründeten Gruppe eine große Nähe zu dem Terrornetzwerk vor. Auch Ahrar al-Scham will einen "islamischen Staat", in dem die Scharia, das Recht Gottes, gilt. Viele Rebellen halten die Gruppe jedoch für moderater als IS und Nusra-Front. Ahrar al-Scham gehört zum Hohen Verhandlungskomitee (HNC), das die Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf vertritt.

Wie Ahrar al-Scham wird auch Dschaisch al-Islam Experten zufolge von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt. Die Miliz ist vor allem in dem hart umkämpften Gebiet östlich von Damaskus stark. Auch sie gehört zum HNC. Ihr Vertreter Mohammed Allusch trägt sogar den Titel "erster Verhandler".

Teilweise kooperieren die Rebellen mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Sie ist ideologisch eng mit dem IS verwandt ist, beide Gruppen sind allerdings miteinander verfeindet.

Hisbollah

Hisbollah-Kämpfer und syrische Armeesoldaten stehen auf einem Lastwagen mit Hilfsgütern

Die libanesische Schiitenmiliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg seit langem an der Seite des Regimes. Sie wird von Iran finanziert, der Präsident Assad an der Macht halten will, um die Achse Libanon-Syrien-Irak-Iran zu sichern. Die USA haben die "Partei Gottes" auf ihre Terrorliste gesetzt, die EU betrachtet ihren militärischen Arm als Terrororganisation.

Opposition

syrische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kobane: Kurdischer Kämpfer - Aufnahme vom 08.05.2015

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Die Kurdenmiliz ist im Kampf gegen die IS-Terrormiliz bislang sehr effektiv, ist daher wichtiger Partner des Westens und erhält dafür Hilfe aus den USA. Die Kurden kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Das NATO-Mitglied Türkei indes bekämpft den bewaffneten Arm der PYD, die YPG, und scheint zunehmend beunruhigt wegen der jüngsten Geländegewinne der Gruppe im benachbarten Bürgerkriegsland. Mit dem Erstarken der Kurden in Syrien und dem Nordirak sieht Ankara auch die Bestrebungen zur Gründung eines Kurdenstaates wachsen.

Die USA und der Westen

Fregatte Augsburg der Bundesmarine

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte "Augsburg", die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Archiv - Ein russischer SU-34 Kampfjet beim Abwurf ein Bombe am 09.12.2015

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Hassan Rohani

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Erdogan und König Salman

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

26.02.2016, Quelle: reuters, afp, dpa
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