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Protest in Berlin Agrarwende gefordert: "Wir haben es satt!"

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(Quelle: dpa)

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Massentierhaltung, Höfesterben, Umweltschäden - all das haben sie "satt". In Berlin sind Tausende Menschen für eine Wende in der Agrarpolitik auf die Straße gegangen. Vor der Kulisse der "Grünen Woche" setzten sie sich für eine umweltfreundliche und faire Agrar-Wirtschaft ein. 

Etwa 18.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter am Samstag in Berlin für eine Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik demonstriert. Angeführt von rund 130 Landwirten mit ihren Traktoren zogen sie unter dem Motto "Wir haben es satt" durch Innenstadt und Regierungsviertel. Die Teilnehmer wollten sich damit für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft sowie fairen Handel einsetzen.

"Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen" war ein zentraler Slogan der Kundgebung anlässlich der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche, die am Freitag in der Hauptstadt begonnen hatte. Die Teilnehmer wandten sich gegen eine Industrialisierung der Landwirtschaft zu Lasten kleinerer Betriebe. Beteiligt waren sowohl ökologisch wie auch konventionell wirtschaftende Bauern und ihre Unterstützer.

"Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie"

In einem Neun-Punkte-Plan forderten die Kundgebungsteilnehmer ein Ende von Subventionen zugunsten von industriell wirtschaftenden Großbetrieben sowie einen Stopp von "Mega-Fusionen im Agrarsektor". "Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften", erklärte der Sprecher des Aktionsbündnisses, Jochen Fritz. Er rief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf, "Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie zu machen".

Nach Angaben der Veranstalter mussten "aufgrund fehlgeleiteter Agrarpolitik" in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren bereits mehr als 100.000 vorwiegend kleinere Höfe aufgeben. Außerdem belaste die deutsche Agrarpolitik, insbesondere durch übermäßige Fleischproduktion, die Umwelt und das Klima und zerstöre durch Dumpingexporte kleinbäuerliche Strukturen überall auf der Welt. Verlangt wurde auch eine drastische Verringerung des Einsatzes von Pestiziden und Antibiotika.

Der Protestzug fand bereits das siebte Mal statt. Zum Trägerkreis von "Wir haben es satt" gehören unter anderem Verbände des ökologischen Landbaus, die großen Umwelt- und Entwicklungsverbände, Tierschutzverbände, die kirchlichen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt sowie Sozialverbände wie die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Unterstützt werden sie von Unternehmen der Biobranche sowie von den Grünen.

Gegendemo: "Wir machen euch satt"

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt rief angesichts der Proteste zu einer Gemeinschaftsaktion mit den Bauern auf. Für mehr Tierschutz oder geringeren Düngemitteleinsatz müsse auch gestritten werden. "Es wird nicht so bleiben können wie es ist." Wer an Lösungen in "revolutionären Akten" glaube, übersehe dabei jedoch, dass Verbesserungen unter dem rollenden Rad erreicht werden müssten. "Kernaufgabe der Landwirtschaft ist und bleibt die Ernährungssicherung."

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Ähnlich argumentierten Gegendemonstranten am Berliner Hauptbahnhof. Dort kamen nach Angaben der Veranstalter rund 700 Menschen und 50 Traktoren zusammen. Sie warfen der "Wir haben es satt"-Demonstration Diffamierung vor. Ihr Motto lautete "Wir machen Euch satt". Es sei die vorrangige Aufgabe "Lebensmittel in ausreichender Menge und sicherer Qualität ressourcenschonend zu erzeugen", sagte eine Sprecherin. "Das wird in den gesellschaftlichen und politischen Diskussionen heute leider viel zu häufig vergessen."

Bei einer Agrarministerkonferenz am Rande der Grünen Woche sprachen sich Regierungsvertreter aus 83 Staaten für eine verantwortlichere Nutzung knapper Wasservorkommen auf der Erde aus. "Ohne Wasser kann es keine Ernährungssicherung geben", sagte Schmidt als Gastgeber. Landwirte stünden vor der Aufgabe, mehr Lebensmittel mit weniger Wasser zu produzieren. Dafür seien etwa Verunreinigungen stärker zu vermeiden. Der Generaldirektor der Welternährungsorganisation (FAO), José Graziano da Silva, warnte auch angesichts des Klimawandels vor verschärften Konflikten um Wasserzugänge etwa in Asien und Afrika.

21.01.2017, Quelle: epd, afp
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