02.07.2016

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merkzettel

Griechisch-mazedonische Grenze Reißenden Fluss überquert, dann festgenommen

VideoTausende verlassen Lager
Griechische Polizisten stoppen Flüchtlinge am 14.03.2016

Tausende Menschen haben das Auffanglager in Idomeni verlassen. Die quälende Warterei hat die Menschen Richtung Norden getrieben. Wie weit die Menschen k

(14.03.2016)

VideoLage in Idomeni kritisch
Zelte im Flüchtlingscamp

12.000 Flüchtlinge sitzen noch immer an der griechisch-mazedonischen Grenze fest. Die Lage verschlechtert sich täglich. Katastrophale Hygiene- Bedingungen machen vor allem kleinen Kindern zu schaffen.

(14.03.2016)

VideoDe Maiziere: Zustände unhaltbar
Thomas de Maizière in Berlin.

(10.03.2016)

Verzweifelte Lagerbewohner marschieren zu Fuß nach Mazedonien, durchbrechen Polizeisperren, ertrinken in reißenden Flüssen - oder werden festgenommen, wenn sie lebend drüben ankommen: Die Situation in Nordgriechenland ist dramatisch; und der Zustrom über die Ägäis reißt nicht ab. 

Immer mehr Menschen suchen sich lebensgefährliche Routen nach Mazedonien. Sie sehen unterwegs mehr Hoffnung als im Lager Idomeni in Nordgriechenland. Von dort aus brachen am Montag Hunderte auf und durchquerten einen reißenden Fluss an der Grenze zu Mazedonien, wo sie kurz darauf von der Polizei gestoppt wurden. Während mazedonischen Medien zufolge bis zu 2.000 Menschen der Grenzübertritt gelang, ertranken drei afghanische Flüchtlinge in der Strömung. Über die Ägäis kommen indes immer mehr verzweifelte Menschen aus der Türkei nach Griechenland, weitere Todesopfer sind zu befürchten.

Lücke im Grenzzaun, reißender Fluss

Nach einem acht Kilometer langen Marsch kämpften sich die Flüchtlinge aus Idomeni nahe der Ortschaft Chamilo auf griechischer Seite durch den Hochwasser führenden Fluss, dessen anderes Ufer noch etwa 500 Meter von der mazedonischen Grenze entfernt ist. An dieser Stelle gibt es keinen Grenzzaun, der die Menschen auf dem Weg in Richtung Deutschland aufhält. Bei der Querung des Flusses bildeten junge Männer und internationale Freiwillige eine Menschenkette, um älteren Flüchtlingen und Frauen mit Kindern durch die Strömung zu helfen.

Griechische Bereitschaftspolizisten versuchten noch, die Gruppe aufzuhalten, ließen sie dann aber passieren, ohne Gewalt anzuwenden. Nach dem illegalen Grenzübertritt bei der Stadt Gevgelija und Hunderten Festnahmen bemühten sich dann mazedonische Polizisten und Soldaten, die Menschen wieder nach Griechenland zurückzubringen. Fraglich ist, wie dies organisiert werden soll - und ob Griechenland die Menschen überhaupt wieder aufnimmt, nachdem Mazedonien zuvor seine Grenze ohne Absprache mit Athen dichtgemacht hatte.

Lieber im Schlamm von Idomeni als in einem anderen Lager

In dem Lager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze ist die Lage dramatisch. Nach neuem Dauerregen ist das Camp völlig verschlammt. Zahlreiche Menschen, darunter viele Kinder, leiden unter Atemwegserkrankungen. Die Behörden riefen die Migranten abermals auf, das Camp zu verlassen und in andere organisierte Lager im Landesinneren zu gehen. Bislang sollen nach Schätzungen griechischer Medien über tausend Menschen Idomeni verlassen haben. Mehr als 10.000 Migranten harren dort weiter aus, um doch noch nach Österreich und vor allem nach Deutschland weiterreisen zu können.

Drei afghanische Flüchtlinge ertranken in Mazedonien beim Versuch, nahe der Stadt Gevgelija einen Hochwasser führenden Fluss zu queren. 23 gerettete Flüchtlinge seien im Aufnahmelager Vinojug medizinisch versorgt worden, berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei.

Vor der griechischen Insel Kos kenterte bei starkem Wind ein Flüchtlingsboot aus der Türkei, von dessen 13 Insassen die Küstenwache zunächst nur fünf retten konnte. Acht Menschen wurden vermisst. Der Zustrom über die Ägäis ist weiter enorm: Allein am Wochenende setzten nach vorläufigen Behördenangaben fast 4.000 Migranten von der Türkei nach Griechenland über. Insgesamt sollen sich inzwischen fast 50.000 Migranten im Land befinden.

Idomeni - Fragen und Antworten

Die Hoffnung schwindet immer mehr

Flüchtlinge in Idomeni

42.000 Flüchtlinge stecken in Griechenland fest, 13.000 von ihnen im Übergangslager in
Idomeni, nachdem die Staaten nördlich von Griechenland die sogenannte Balkanroute in die Mitte Europas gesperrt haben. Die Menschen harren dort unter widrigsten Umständen aus. Wie lange noch? Dazu einige Fragen und Antworten.

Wie sind die Zustände in Idomeni?

Das Lager war ursprünglich für 2.000 Menschen angelegt - für sie gibt es Plätze in wetterfesten Großzelten. Schon in den letzten Wochen vor der Grenzsperre hat Mazedonien den Durchlass von Asylsuchenden stark gedrosselt. So entstand in Idomeni ein Rückstau an Menschen. Helfer verteilten an sie kleine Kuppelzelte, mit denen sie sich auf den Wiesen und Feldern rund um das eigentliche Lager niederließen.

Wie ist das Wetter?

Seit zwei Tagen regnet es beinahe unablässig. Die Wiesen und Felder haben sich in Schlammwüsten verwandelt. In den Nächten wird es noch richtig kalt. Vor allem die Kinder frieren und werden wegen Kälte und Durchnässung häufig krank. Ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagte am Donnerstag: "Das ist kein Ort, an dem Menschen leben können."

Warum harren die Asylsuchenden trotzdem aus?

Viele hoffen immer noch darauf, dass sich das Grenztor nach Mazedonien wieder öffnet, und diesen Moment wollen sie nicht verpassen. Andere merken vielleicht schon, wohin sich die Lage entwickelt hat, wollen aber die Veränderung nicht wahrhaben.

Woher kommen die Menschen?

Die meisten kommen aus Syrien, wo seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg wütet. Es gibt aber auch viele Iraker, unter ihnen wiederum besonders Kurden aus Gebieten, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert oder angegriffen werden. Mehr als die Hälfte der Lagerbevölkerung sind Frauen und Kinder.

Wird die Grenze zu Mazedonien wieder geöffnet?

Es deutet nichts darauf hin. Beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel ist zwar in der Schlusserklärung die Formulierung über die Schließung der Balkanroute auf Drängen Deutschlands abgeschwächt worden. Doch die Balkanstaaten nördlich von Griechenland sowie Österreich, das auf eine Abschottungslinie gegenüber Flüchtlingen umgeschwenkt ist, haben vollendete Tatsachen geschaffen.

Erwägt Griechenland eine Räumung des Lagers?

Die Regierung in Athen lehnt eine Zwangsräumung unter Einsatz der Bereitschaftspolizei dezidiert ab. Vielmehr will sie die Menschen dazu überreden, auf freiwilliger Basis in Aufnahmelager zu ziehen, die über ganz Griechenland verstreut sind.

Freiwillig in Aufnahmezentren?

Theoretisch schon. Aber vorerst fehlt es an Aufnahmezentren in geeigneter Zahl und Größe. Diese würden aber derzeit aufgebaut, wird in Athen versichert. Schon jetzt kann man Busse sehen, die Menschen aus Idomeni wegbringen. Sie fahren nach Athen und werden von privaten Unternehmen betrieben. Die Menschen müssen für die mehr als 500 Kilometer lange Fahrt 25 Euro bezahlen.

Wie soll es mit den Flüchtlingen weitergehen?

Das ist noch völlig unklar. Zumal trotz aller Absprachen mit der Türkei und trotz NATO-Einsatzes immer noch täglich bis zu 3.000 Bootsflüchtlinge am Tag über die Ägäis in Griechenland eintreffen. In ganz Griechenland sitzen nach Angaben vom Donnerstag fast 42.000 Menschen fest. Griechenland, das eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise durchlebt, wird nicht in der Lage sein, auf Dauer Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen.

Quelle: dpa

Wien: Merkel muss sich klar positionieren

Angesichts der dramatischen Lage fordert Österreichs Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr Klarheit in der Flüchtlingspolitik. "Jeder muss wissen: Es ist eine falsche Hoffnung, auf das Durchwinken nach Deutschland zu setzen", sagte Kanzler Werner Faymann (SPÖ) der "Welt". Merkel müsse deutlich machen, dass Deutschland nicht bereit sei, unbeschränkt Menschen aufzunehmen, und dass sich kein Flüchtling sein Zielland aussuchen könne. Die Flüchtlinge müssten einsehen, dass eine ungeordnete und chaotische Reise quer durch Europa nicht zum Ziel führe.

Weitere Links zum Thema
Österreichs Außenminister Sebastian Kurz verteidigte den Plan seiner Regierung, künftig auch 13 Grenzübergänge an der Südgrenze des Landes strenger zu kontrollieren - darunter der besonders frequentierte Brenner. Lange Staus in der Urlaubszeit und ähnliche Unannehmlichkeiten will die österreichische Regierung in Kauf nehmen, um die unkontrollierte Einreise von Flüchtlingen zu stoppen.

Der EU-Türkei-Pakt wird nochmal überarbeitet

Beim geplanten EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei wird nach teils harscher Kritik aus den Mitgliedstaaten nachgebessert. Mehrere Punkte würden bis zum Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag und Freitag geändert oder präzisiert, hieß es aus zuverlässiger Quelle in Brüssel. Dabei gehe es etwa um die geplante Umsiedelung von syrischen Flüchtlingen aus der Türkei in die EU.

Die litauische Grenzschutzbehörde hält eine neue Flüchtlingsroute durch den Baltenstaat nach West- oder Nordeuropa für möglich. Die Schließung der Balkanroute könnte Litauen zu einem Transitkorridor mit Moldau, der Ukraine und Weißrussland oder Polen machen, sagte Behördenchef Renatas Pozela der Agentur BNS. Über den Baltenstaat, der bislang kaum Flüchtlinge aufnimmt, würden die Migranten dann nach Schweden oder Finnland weiterziehen.

14.03.2016, Quelle: ZDF, dpa
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