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Die dunkle Seite des Internets Rätselhaftes Wachstum: Was ist im Darknet los?

BildVerbindung ins Internet
Glasfaserkabel

Weil Anonymität quasi zur DNA der Technologie gehört, ist es nur schwer möglich, Einblicke in die tatsächliche Nutzung des Darknets zu erhalten.

(Quelle: dpa)

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Google, Amazon und Facebook wissen schon jetzt Bescheid über unser Konsumverhalten, unsere Vorlieben und Interessen. Was aber, wenn es noch weiter geht?

(17.02.2016)

von Stefan Mey

In den letzten Wochen ist das Darknet explosionsartig gewachsen und dann wieder geschrumpft. Experten rätseln, was los ist. Auch sonst ist über den versteckten Teil des Netzes kaum etwas bekannt. 

In das Darknet ist Bewegung gekommen: Bis Mitte Februar wuchs die Zahl der Webseiten sehr gemächlich an. Dann gab es in nur vier Wochen knapp eine Verdreifachung der Darknet-Adressen, von etwa 40.000 auf mehr als 110.000. Seitdem ist die Zahl wieder zurückgegangen und hat sich bei etwa 60.000 stabilisiert. Das ist immer noch deutlich mehr als zuvor. Weltweit fragen sich Internet-Aktivisten und Wissenschaftler, was der Grund sein könnte.

.onion-Darknet: versteckter Bereich des Netzes

Weil Anonymität quasi zur DNA der Technologie gehört, ist es nur schwer möglich, Einblicke in die tatsächliche Nutzung des Darknets zu erhalten. Der technologisch abgeschirmte Teil des Internets basiert auf der Verschlüsselungs-Technologie Tor. Ein kostenloser Internetbrowser auf Basis dieser Tor-Software ermöglicht es zum einen, anonym im normalen Internet zu surfen. Zum anderen eröffnet er den Einstieg in eine versteckte Welt: Webseiten unter der inoffiziellen Darknet-Endung .onion, deren Zahl gerade so seltsam schwankt.

Die Inhalte sind nur für Tor-Nutzer sichtbar. Sie sind unzensierbar und schützen die Identität aller Beteiligten. "Eine .onion-Adresse ist eine Internetadresse, die nur mithilfe des Tor-Browsers angesteuert werden kann. Sie verrät dem Nutzer nicht, wo der Server eines Web-Dienstes steht und dem Web-Dienst nicht, wo sich der Nutzer befindet", erklärt Kate Krauss, Pressesprecherin der US-Organisation "The Tor Project", die hinter der Verschlüsselungs-Software steht.

Spekulationen über Zahlen-Effekt

Experten spekulieren über die bisher unerklärliche Fluktuation von .onion-Adressen. Eine mögliche Erklärung lautet, dass ein neuer Dienst verantwortlich sein könnte: der ultra-anonyme Darknet-Messenger Ricochet, bei dem jeder Nutzer in der Darknet-Statistik als .onion-Adresse gezählt wird. Spekuliert wird auch, ob die Entwicklungen Hinweise auf Manipulationen geben, etwa durch Betrüger oder durch Geheimdienste, die versuchen, durch Tricks das Darknet zu deanonymisieren.

Das Darknet als Einkaufsmeile

Das Darknet à la .onion

Internet: Vieles im Dunkeln

Wenn vom Darknet geredet wird, sind meist Inhalte unter der inoffiziellen Darknet-Endung .onion gemeint. Anders als bei gängigen Internet-Endungen wie .de oder .com gibt es dort keine zentrale Vergabestelle und kein Webseiten-Register.

Die einzelnen Adressen werden automatisiert von der Verschlüsselungssoftware Tor vergeben. Für normale Browser wie Firefox sind die Inhalte unsichtbar. Sie können nur mithilfe des Tor-Browsers gesehen werden, der sich im normalen Netz herunterladen lässt.

Unkonventionelle Einkaufsmeile

ECSM : Cybersicherheit (Symbolbild)

Im Darknet unter .onion gibt es Dutzende, hochprofessionelle Webshops für illegale Güter. Auf diesen "Kryptomärkten" werden vor allem Drogen gekauft und verkauft, aber auch gehackte Kreditkartendaten, Waffen, Falschgeld und verschreibungspflichtige Medikamente.

Etwa drei Viertel des Umsatzes werden mit Drogen wie Cannabis, Ecstasy und Kokain gemacht. Das Bundeskriminalamt beobachtet zurzeit 20 bis 25 für Deutschland relevante Darknet-Marktplätze.

Die Darknet-Studie: Legal oder illegal?

Glasfaserkabel

Für ihre Studie "Cryptopolitik and the Darknet" haben zwei Forscher des Londoner King's College automatisiert im Darknet nach Links gesucht. Insgesamt konnten sie 5.205 Adressen aufspüren. Das Ergebnis: 43,2 Prozent aller aktiven .onion-Seiten enthielten harmlose Inhalte wie Blogs oder legale Internet-Dienstleistungen. 56,8 Prozent wurden offensichtlich für illegale Zwecke genutzt.

Auf einem Drittel der .onion-Seiten ging es um Drogen, bei jeder vierten um krumme Finanzgeschäfte wie Geldwäsche oder den Handel mit Falschgeld oder mit Kreditkartendaten.

(von Stefan Mey)

Selbst die Tor-Entwickler haben keine klare Erklärung parat. Sie denken aber darüber nach, ob nicht vielleicht die vielen Wissenschaftler verantwortlich sind, die mit verschiedenen Methoden versuchen, das Darknet zu erforschen. In jedem Fall, meint Krauss, gebe es keinen Grund zur Beunruhigung.

Inhalte: die Hälfte legal, die Hälfte illegal

Über das, was sich im Darknet abspielt, ist allgemein wenig bekannt. Schlagzeilen macht die digitale Parallelwelt, wie zuletzt Ende Februar, vor allem als unkonventionelle, digitale "Einkaufsmeile" mit Dutzenden illegalen Marktplätzen. Im Darknet finden sich aber auch Blogs, Spaß-Seiten und Kommunikationsportale von Dissidenten und Polit-Aktivisten. Zwei Forscher des britischen King's College haben untersucht, inwiefern das Darknet eher für legale oder illegale Zwecke genutzt wird.

Tatsächlich hielt etwas mehr als die Hälfte (57 Prozent) der aktiven .onion-Seiten illegale Inhalte oder Dienstleistungen vor, vor allem ging es um den Verkauf von Drogen und um illegale Finanzgeschäfte. Etwas weniger als die Hälfte (43 Prozent) der .onion-Adressen wiesen legale Inhalte auf. Neben anonymen Blogs waren auch digitale Postfächer von Medien darunter, die die Identität potenzieller Whistleblower verschleiern sollen. Auch Facebook hat seit Ende 2014 eine Darknet-Präsenz, die es selbst in Ländern mit ausgeprägter Internetzensur ermöglichen soll, das soziale Netzwerk zu besuchen.

Wenn die Betreiber der .onion-Seiten sich nicht freiwillig identifizieren, bleiben sie anonym. Selbst die Entwickler der Software wüssten nicht, wer eine konkrete Darknet-Webseite registriert hat und ob die Person nur eine oder Hunderte .onion-Seiten betreibt, sagt die Tor-Sprecherin Kate Krauss. Und das solle auch so sein. Das sei keine Schwäche, sondern eine Stärke: "Wir sehen das als ein Feature, nicht als ein Fehler."

16.03.2016
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