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Terror in Belgien Brüssel-Zaventem: Keine Flüge bis Samstag

VideoTerror in Brüssel
Zerstörtes Terminal-Fenster am Brüsseler Flughafen Zaventem

Einen Tag nach den Terroranschlägen von Brüssel geht die Suche nach den Hintermännern weiter. Das Land steht unter Schock, die Kritik an den Ermittlern wird immer lauter.

(22.03.2016)

VideoVorwürfe gegen Sicherheitsbehörden
Die Selbstmordattentäter von Brüssel unterwegs im Flughafengebäude

Der EU-Parlamentarier Elmar Brok hat die europäischen Sicherheitsbehörden kritisiert. Insbesondere das nationalstaatliche Denken behindere den effektiven Informationsaustausch.

(23.03.2016)

VideoDeutscher Augenzeuge berichtet
Augenzeuge Marc Schreiner berichtet über die Terroranschläge

Der Berliner Anwalt Marc Schreiner war sowohl am Flughafen, als auch an der Metro-Station Augenzeuge der Terroranschläge. Er berichtet wie er die beiden Ereignisse unverletzt überstand.

(23.03.2016)

VideoDie Gesellschaft nach dem Terror
Katastrophenforscher Dombrowsky.

Wie wirkt sich die anhaltende Terrorgefahr auf unser Leben aus? Katastrophenforscher Wolf Rüdiger Dombrowski erklärt was die Angst vor Anschlägen mit uns macht und was wir dagegen tun können.

(23.03.2016)

Bei der Terrorserie des IS in Brüssel sind mindestens 31 Menschen getötet worden, 300 wurden laut Gesundheitsministerium verletzt. Bis mindestens Samstag bleibt der Flughafen, wo die ersten Bomben explodierten, für Passagiere geschlossen. Was wir wissen, was wir nicht wissen - hier auf einen Blick. 

Brüssel: Was wissen wir? Was nicht?

Was ist genau passiert?

Schäden am Gebäude des Flughafens Brüssel nach einem Anschlag

Die Terrorserie begann am Dienstag kurz nach 8 Uhr auf dem Flughafen Zaventem, eine halbe Autostunde von der Innenstadt entfernt. In der Abflughalle gab es in kurzer Folge zwei schwere Explosionen. Punkt 9:11 Uhr dann noch ein Anschlag, dieses Mal in der Metro-Station Maelbeek, mitten im EU-Viertel. In einer U-Bahn explodierte ein Wagen - vermutlich eine Bombe. Die belgischen Behörden sprechen insgesamt von mindestens 31 Toten und 300 Verletzten. Stundenlang gab es dann immer wieder Gerüchte über neue Anschläge - alles Fehlanzeige.

Wie viele Todesopfer gibt es?

Das war zunächst unklar. Noch sind nicht alle Opfer identifiziert. Die belgischen Behörden sprachen am Mittwochabend von mindestens 31 Toten und 300 Verletzten. Am Dienstag war noch von 34 Toten und 230 Verletzten die Rede. Die Opfer kamen nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders aus etwa 40 Nationen.

Sind Deutsche unter den Opfern?

Bei den Anschlägen in Belgien sind auch Deutsche verletzt worden. "Wir müssen leider bestätigen, dass unter den bei dem Terroranschlag verletzten Personen auch deutsche Staatsangehörige sind, darunter mindestens eine schwer verletzte Person", teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin mit. Aus dem Ministerium hieß es zudem, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Deutsche auch unter den Todesopfern seien.

Wie reagieren die belgischen Behörden?

Für Belgien gilt nun wieder die höchste Terrorwarnstufe - wie zuletzt im November 2015, nach den Anschlägen von Paris. Der Flughafen wurde sofort geräumt. Mehr als 1.000 Flüge mussten umgeleitet werden. Alle U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse standen am Dienstagmorgen still. Erst nach acht Stunden fuhren die ersten Züge wieder. Der Schutz für die Zentralen von EU und NATO wurde nochmals verschärft. Im Atomkraftwerk Tihange wurden alle, die nicht unbedingt gebraucht werden, nach Hause geschickt. Belgiens Krisenzentrum empfahl: "Bleiben Sie, wo sie gerade sind!" Erst am Dienstag um 16:30 Uhr hieß es dann, man könne wieder auf die Straße gehen. Das Rote Kreuz bat um Blutspenden für die Verletzten.

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Erst am Freitag war in Brüssel ein mutmaßlicher Drahtzieher der Paris-Anschläge festgenommen worden, Salah Abdeslam. Seither rechneten Experten mit neuen Aktionen aus seinem Umfeld. Wenige Stunden nach den Bluttaten bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu den Anschlägen. Mehrere "Soldaten des Kalifats" hätten mit Sprengstoffgürteln und Sprengkörpern den "Kreuzfahrerstaat Belgien" angegriffen, heißt es in einer Stellungnahme der Extremisten im Internet. Möglicherweise wurden die offensichtlich genau geplanten Attentate nach der Festnahme Abdeslams vorgezogen.

Wie ist der Stand der Fahndung?

Mutmaßliche Täter in Brüssel am Flughafen

Die Polizei hat Fotos von drei Männern veröffentlicht, die am Flughafen von einer Überwachungskamera erfasst worden sind. Einer von ihnen, der in der Mitte, ist Ibrahim El Bakraoui. Die beiden anderen Männer waren am Mittwochnachmittag noch nicht identifiziert. Nach Angaben des belgischen Innenministers Jan Jambon starben zwei der Männer am Flughafen als Selbstmordattentäter.

Für den Anschlag auf die Metro macht die Staatsanwaltschaft Khalid El Bakraoui verantwortlich, den Bruder von Ibrahim. Beide stammen aus Brüssel. Beide sind polizeibekannt, sagt Generalstaatsanwalt Frédéric Leeuw, waren der Polizei wegen mehrerer Straftaten bekannt, aber nicht mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung gebracht worden. Khalid soll unter falschem Namen die Wohnung gemietethaben, in der vergangene Woche ein bewaffneter Mann von Polizisten bei einer Razzia erschossen wurde.

Beteiligt an den Anschlägen soll auch Najim Laachraoui, der in den ersten Stunden nach dem Anschlag als der Mann rechts auf dem Foto der Überwachungskamera gegolten hat. Das aber hat Generalstaatsanwalt Leeuw am Mittwochmittag nicht bestätigt. Laachraoui gilt als Sprengstoffexperte, die Sicherheitsbehörden fahnden bereits seit Längerem nach ihm. Er soll die Bomben sowohl für die Anschläge in Brüssel als auch in Paris gebaut haben.

Bei Hausdurchsuchungen in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek fanden Fahnder eine IS-Flagge, einen Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen. Der Sender VRT berichtete, ein Taxifahrer habe die Ermittler in die Gemeinde geführt. Der Mann habe die Verdächtigen in Schaerbeek von einer Wohnung abgeholt und zum Flughafen gefahren. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten.

Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Die Sorge vor einem Anschlag auf deutschem Boden ist anhaltend hoch - aber das ist schon seit Monaten so. Die Kontrollen an den Grenzen zu den Benelux-Staaten und Frankreich wurden nochmals verschärft. Auch an den großen Flughäfen und Bahnhöfen wurden die Sicherheitsmaßnahmen wieder in die Höhe gefahren. Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt es aber keine Hinweise auf einen "Deutschland-Bezug". Trotzdem setzte Kanzlerin Angela Merkel das Thema "Terror" für Mittwoch auf die Tagesordnung des Kabinetts.

Warum immer wieder Brüssel?

Terroranschläge in Belgien - Solidarität

Belgien gilt als eines der am stärksten durch Terrorismus gefährdeten Länder in Europa. Hintergrund ist die im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße hohe Zahl von Menschen, die als Dschihadisten in das Bürgerkriegsland Syrien gezogen sind. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammen rund 500 Kämpfer in dem Krisengebiet aus Belgien (Stand: Ende Oktober). Vor allem der Stadtteil Molenbeek hat ein großes Problem. Von dort kamen außer Abdelslam auch andere Islamisten, die an Terroranschlägen beteiligt waren. In Belgiens Hauptstadt lebt man deshalb seit einer Weile mit besonderer Vorsicht. Bereits eine Woche nach den Anschlägen in Paris hatte es konkrete Gefahrenhinweise gegeben. Das öffentliche Leben kam damals für fünf Tage praktisch zum Erliegen, ohne dass etwas geschah.

Gibt es Verbindungen zu den Paris-Anschlägen?

Offiziell nicht, laut Medienberichten soll Khalid El Bakraoui aber unter falschem Namen Verstecke für die Paris-Attentäter gemietet haben. Der in der Schaerbeeker Wohnung gefundene Sprengstoff TATP wurde bereits mehrfach von IS-Attentätern eingesetzt.

Najim Laachraoui war bereits wegen der Pariser Anschläge im Visier der Fahnder. Erst am Montag hatten die belgischen Behörden ihn als Komplizen genannt. Er war zuvor unter dem falschen Namen Soufiane Kayal unterwegs und unter diesem Namen im September mit Salah Abdeslam an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert worden. Salah Abdeslam wurde am Freitag in Brüssel festgenommen. Er soll an den Anschlägen von Paris im November mit 130 Toten beteiligt gewesen sein.

(Quelle: dpa, afp)

Telefonnummern für Angehörige

Das Auswärtige Amt und der Brüsseler Flughafen haben nach den Anschlägen Hotlines eingerichtet, unter denen sich besorgte Freunde und Angehörige melden können. Das Auswärtige Amt erreichen Sie unter 030 5000 3000, den Flughafen unter 0032 2753 7300. Zudem gibt es ein Belgisches Krisenzentrum, das aus dem Ausland unter 0032 781 51 771 zu erreichen ist.

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23.03.2016, Quelle: dpa
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